Und die Richter berieten...: Streitfälle in Babylon aus der Zeit Neriglissars und Nabonids moreUnd die Richter berieten … Streitfälle in Babylon aus der Zeit Neriglissars und Nabonids. |
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Sonderdruck aus:
ARCHIV
FUR
ORIENTFORSCHUNG
Internationale Zeitschrift
fur die Wissenschaft vom Vorderen Orient
Begrundet von Ernst Weidner
In Zusammenarbeit mit Hermann Hunger
Herausgegeben von Hans Hirsch
Redaktion: Michael Jursa
BAND XLIV UND BAND XLV
1997/1998
Selbstverlag des Instituts fur Orientalistik der Universitat Wien
Druck: F. Berger & Sonne G.m.b.H., Horn
aus: Archiv fur Orientforschung, Bd. 44/45 (1997-98), S. 59-100
Und die Richter berieten ...
Streitfalle in Babylon aus der Zeit Neriglissars und Nabonids*
Von Cornelia Wunsch (Heidelberg)
ProzeBprotokolle und Urkunden iiber richterliche Entscheidungen stellen neben den erhaltenen Gesetzesbestim-
mungen und privaten Rechts- und Geschaftsurkunden eine wichtige Quelle fur unsere Kenntnis der mesopotami-
schen Rechtsgeschichte dar.1 Sie geben Auskunfl iiber die geltenden Normen und die Rechtspraxis ihrer Zeit, indem
sie reale Streitfalle vorstellen, die Anwendung und Auslegung der entsprechenden Gesetzesbestimmungen doku-
mentieren und dariiber hinaus den Ablauf der Gerichtsverfahren erkennen lassen.
_ Die iiberlieferten ProzeBurkunden aus der Zeit des
*) Diese Arbeit wurde durch ein Postdoktorandenstipen-
dium der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefordert. Fur
die Genehmigung, unpublizierte Texte aus dem Britischen
Museum zu veroffentlichen, sei den Trustees des Britischen
Museums ebenso gedankt wie alien Mitarbeitern am Depart-
ment of Western Asiatic Antiquities, die mich nach Kraften
unterstiitzten, als ich die Texte der Babylon-Sammlung durch-
zusehen begann.
Herr C. B. F. Walker stellte mir dafur seine Vorarbeiten
zum Katalog zur Verfiigung. Des weiteren konnte ich mehre-
re Texte mit I. L. Finkel diskutieren und verdanke seinen
Lesungsvorschlagen ein besseres Verstandnis der Texte. Frau
B. Andre-Salvini ermoglichte mir, Texte aus dem Louvre zu
kollationieren. F. Joannas gewahrte mir Einblick in das Ma-
nuskript seiner Untersuchung zum neu- und spatbabyloni-
schen Gerichtswesen, wofur ihm ebenso gedankt sei wie M.
Weszeli und M. Jursa fur zahlreiche Hinweise und Korrektu-
ren sowie die redaktionelle Betreuung dieses Artikels.
Bibliographische Abkiirzungen folgen W. von Soden,
Akkadisches Handwdrterbuch, dem Chicago Assyrian Dic-
tionary und R. Borger, Handbuch der Keilschriftliteratur mit
folgenden Abweichungen bzw. Erganzungen:
AOAT 252: J. Marzahn - H. Neumann (Hrsg.), Assyrio-
logica et Semitica. Festschrift for J. Oelsner Munster, im
Druck (= AOAT 252); CM 3a und b: C. Wunsch, Die
Urkunden des babylonischen Geschdftsmannes Iddin-Marduk.
Zum Handel mit Naturalien im 6. Jahrhundert v. Chr. Gron-
ingen 1993 (= Cuneiform Monographs 3); Dandamaev, Sla-
very: M. A. Dandamaev, Slavery in Babylonia from Nahopo-
lassar to Alexander the Great (636-331 BC), De Kalb 1984;
Krecher, Egibi: J. Krecher, Das Geschdftshaus Egibi in Ba-
bylon in neubabylonischer und achdmenidischer Zeit. Habi-
litationsschrift, MunsterAV. 1970; Moore, NBAD: E. W.
Moore, Neo-Babylonian Business and Administrative Docu-
ments, Ann Arbor 1935; Ngl (mit Textuummer): B. T. A.
Evetts, Inscriptions of the Reigns of Evil-Merodach, Neriglis-
sar and Laborosoarchod, Leipzig 1892; Peiser, BRL (mit
Bandnummer): J. Kohler - F. E. Peiser, Aus dem Babyloni-
schen Rechtsleben, Leipzig 1890-96; Petschow, NPR: H.
Petschow, Neubabylonisches Pfandrecht, Berlin 1956; Sack,
Neriglissar: R. D. Sack, Neriglissar - King of Babylon,
Kevelaer - Neukirchen-Vluyn 1994 (= AOAT 236); Stamm,
Namengebung: J. J. Stamm, Die akkadische Namengebung,
Leipzig 1939 (= MVAeG 44); Streck, Zahl und Zeit: M. P.
Streck, Zahl und Zeit. Grammatik der Numeralia und des
Verbalsystems im Spdtbabylonischen, Groningen 1995 (=
neubabylonischen Reiches sind weder sehr zahlreich,
noch in zeitlicher oder lokaler Hinsicht gleichmafiig
verteilt. Neben Dokumenten aus dem Bereich des
Eanna-Tempels von Uruk sind es insbesondere Urkun-
den iiber richterliche Entscheidungen, die durch die
Richter des Konigs in Babylon wahrend der Zeit Ne-
riglissars und Nabonids (560-539 v. Chr.) getroffen
wurden, die das bedeutendste Quellenmaterial zum
neubabylonischen Prozefirecht darstellen. Den Streit-
fallen, die damals in Babylon verhandelt wurden, wid-
met sich der vorliegende Artikel.2
Cuneiform Monographs 5); Tallqvist, NN: K. Tallqvist, Neu-
babylonisches Namenbuch zu den Geschaftsurkunden aus der
Zeit des Samassumukin bis Xerxes, Helsingfors 1906.
Weitere Abkiirzungen: Camb = Cambyses, Cyr = Cyrus,
Dar = Darius, IRd = linker Rand, Nbk = Nebukadnezar, Nbn
= Nabonid, Ngl = Neriglissar, oRd = oberer Rand, rRd =
rechter Rand, Rs = Ruckseite, T = Transliteration, uRd =
unterer Rand, U = Ubersetzung, Vs = Vorderseite. Die Datie-
rung von Urkunden wird in der Form Tag.Monat.Regierungs-
jahr (jeweils mit arabischen Ziffern) und der Sigle des Herr-
schers angegeben.
') Fur die alteren Epochen mesopotamischer Geschichte
vgl. A. Falkenstein, Die neusumerischen Gerichtsurkunden,
Munchen 1957 (= ABAW, phil.-hist. Kl. N. F. 44); M.
Schorr, Urkunden des altbabylonischen Zivil- und Prozefi-
rechts, Leipzig 1913 (= VAB 5); A. Walther, Zum altbabylo-
nischen Gerichtswesen, Dissertation Leipzig 1915; J. G. Laut-
ner, Die richterliche Entscheidung und die Streitbeendigung
im altbabylonischen Prozefirechte, Leipzig 1922 (Leipziger
rechtswissenschaftliche Studien 3); E. Dombradi, Die Dar-
stellung des Rechtsaustrags in den altbabylonischen Prozefi-
urkunden, Stuttgart 1996 (= FAOS 20); R. E. Hayden, Court
Procedure at Nuzi, Ph.D. Dissertation, Brandeis University
1962; R. Jas, Neo-Assyrian Judicial procedures, Helsinki
1996 (= SAAS 5). Eine zusammenfassende Darstellung zum
Gerichtswesen und Prozefirecht in neubabylonischer und acha-
menidischer Zeit fehlt bislang.
2) Eine Ubersicht iiber die im Anhang dieses Artikels
bearbeiteten Texte befindet sich am Ende. Einen Katalog der
Urkunden, die vor Richtem des Neriglissar oder Nabonid in
Babylon ausgestellt wurden, bietet Verf. in "Die Richter des
Nabonid", AOAT 252 (im Druck).
60
Cornelia Wunsch
Einige dieser Urkunden sind bereits von verschie-
denen Autoren ausfiihrlich behandelt worden3; auf eine
3) Fiir folgende Urkunden sei auf eine Bearbeitung an
anderem Ort verwiesen (zitiert nach den von Verf. in AOAT
252 verwendeten Siglen):
Edinb. 69: Die von S. Dalley, A Catalogue of the Akka-
dian Cuneiform Tablets in the Collections of the Royal
Scottish Museum, Edinburgh 1979, unter Nr. 69 veroffent-
lichte Urkunde aus dem Jahre 1 Ngl wurde von G. Ries, "Ein
neubabylonischer MitgiftprozeB (559 v. Chr.)" in D. Norr -
D. Simon, Gedachtnisschrift fiir Wolfgang Kunkel, Frank-
furt/M. 1984, S. 345-363, behandelt (T+U+Kommentar). Des
weiteren vgl. dazu den Kommentar von M. T. Roth in JCS
43/45 (1991-93), S. 17f.: Eine Witwe fordert vom Sohn ihres
verstorbenen Mannes die Herausgabe ihrer Mitgift; die Rich-
ter iibertragen ihr (und der Schwiegertochter) Objekte ent-
sprechend dem Wert der Mitgiften.
AJSL 27, 216: Bei dem von I. J. Holt in AJSL 27 (1910-
11), S. 216, publizierten Text RCT 12 A und B (mit T+U auf
S. 199f.) handelt es sich um zwei Falschungen (casts/moula-
ges) einer bislang nicht identifizierten Originaltafel. Ein
Grundstuckseigentiimer iibernimmt vor Richtera die Ver-
pflichtung, das Grundstiick solange nicht zu verkaufen, zu
verschenken oder mit einer Hypothek zu belasten, wie ein
Rechtsstreit daruber andauert. Die Urkunde gehort zum Kauf-
vertrag Speleers, Recueil Nr. 276. Eine Neubearbeitung er-
folgt durch Verf. im Rahmen der Grundstucksgeschafte der
Familie Egibi.
AfO 36/37, 48 Nr. 1: Fiir BM 31546, durch M. T. Roth
in AfO 36/37 (1992), S. 48, Nr. 1 transliteriert, siehe jetzt
M. T. Roth, "TaSmetu-damqat and Daughters", AOAT 252
(im Druck): Eine Frau reklamiert Sklaven als Bestandteil
ihrer Mitgift. Die Richter weisen ihre Klage ab; ihr Ehemann
ist berechtigt, sie zu verkaufen.
BM 31961: M. T. Roth, "TaSmetu-damqat and Daugh-
ters", AOAT 252 (im Druck; T+U). Rechtsstreit um ein
Grundstiick, das drei Schwestern gehort und auf das die
Schwagerin ihres Vaters und ihr Sohn wegen einer Vindika-
tion Anspriiche erheben. Die Entscheidung der Richter ist
nicht erhalten, vgl. aber Nbn 355.
BM 79049: Verf., "Die Jugendsiinden eines Babyloniers
aus gutem Hause" in AoF 24 (1997), S. 231-241 (T+U und
Kommentar), Kopie S. 235. Von Richtera bezeugter Ver-
pflichtungsschein, der die Zahlung einer Kompensation we-
gen Korperverletzung durch den Tater an das Opfer zum
Gegenstand hat.
MM 363b: Verf., "Neu- und spatbabylonische Texte aus
dem Museum von Montserrat" AuOr 15 (1997), S. 159-163,
Kopie S. 160. Bei dem fragmentarischen Text handelt es sich
offenbar um ein gerichtsinternes Protokoll zu Zeugenaussa-
gen in einem Fall, dessen Hintergriinde nicht recht ersichtlich
sind.
Nbn 13,16, 64, 495, 776, 1128: siehe unter Nr. 30-35 im
Anhang (mit Kopien der gesiegelten Rander bzw. Kollations-
bemerkungen).
Nbn 355: Peiser, BRL 4, S. 83 (U); Roth, AOAT 252 (im
Druck; T+U). Die Urkunde gehort zum gleichen Vorfall wie
BM 31961. Es handelt sich um einen von Richtern bezeugten
Verpflichtungsschein iiber den Kaufpreisanteil an einem
Grundstiick, um das ein ProzeC gefuhrt worden ist.
Neubearbeitung wurde daher verzichtet, wenn nicht
durch Kollation oder Identifizierung zugehoriger Ur-
kunden Verbesserungen im Verstandnis der Texte er-
reicht werden konnten. Zwei neue Urkunden sind von
Verf. zur Publikation an anderer Stelle vorgesehen.4
Nbn 356: zuletzt Verf., CM 3b, Nr. 167 (T+U), Kommen-
tar CM 3a, S. 60f. (mit Kollation und friiherer Literatur),
sowie G. van Driel, JEOL 29 (1985-86), S. 56 (U), und M. T.
Roth, JCS 43-45 (1991-93), S. 17-19 (0). Rechtsstreit einer
Witwe mit dem Binder ihres Mannes, der auf Vermogenswer-
te, die ihr ihr Mann iibertragen hatte, Anspruch erhebt. Die
Richter bestatigen das Recht der Witwe an den entsprechen-
den Objekten.
Nbn 608: siehe Kommentar zu Nbn 776 (Nr. 34) im
Anhang.
Nbn 720 und TCL 13, 219: E. W. Moore, NBAD, S.
222-225 (T+U von TCL 13, 219); M. San Nicolo, "Ein Urteil
des koniglichen Gerichtes in Babylon aus der Zeit des Nabo-
nid" in J. Friedrich - J. G. Lautner - J. Miles (Hrsg.),
Symbolae ... Paulo Koschaker dedicatae (= Studia et docu-
menta, Bd. 2), Leiden 1939, S. 179-188 (T+U von Nbn 720
und TCL 13, 219, Kommentar): Zwei Briider haben versucht,
den Kaufer ihres Grundstiicks mit Hilfe einer gefalschten
Urkunde iiber eine auf dem Grundstiick lastende Hypothek zu
einer zusatzlichen Zahlung zu veranlassen. Der Kaufer klagt
daraufhin und die Briider werden zu einer Strafzahlung ver-
urteilt.
TBER 60: D. Arnaud, "Un document juridique concer-
nant les oblats", RA 67 (1973), S. 147-156 (T+U, Photo und
Kommentar), Kopie von J.-M. Durand, Textes babyloniens
depoque recente, Paris 1981, PI. 60f. Es geht um einen
Rechtsstreit wegen einer Sklavin, die ihr friiherer Eigentiimer
der Nanaja geweiht hatte. Wahrend Beamte von Eanna die
Sklavin fiir den Tempel fordera, behauptet ihr nunmehriger
Besitzer, sie gekauft zu haben. Die Richter weisen sie dem
Tempel zu und verweisen den Kaufer darauf, gegen den
Burg en zu klagen.
TCL 12, 86: In der von E. W. Moore, NBAD, S. 88f.
(T+U) behandelten Urkunde verfugen die Richter aufgrund
einer Klage, da!3 einer bestimmten Person kiinftig kein Kredit
mehr gewahrt werden darf.
5R 67, 1: Der von T. G. Pinches als 5R 67, 1 publizierte
Text ist ein durch Richter beurkundeter Grundstiickskaufver-
trag. Als Kaufer erscheint Nabu-ahhe-iddin aus der Familie
Egibi. Siehe R. D. Sack, ZA 68 (1978), S. 146-149 (T+U)
[wiederholt in Sack, Neriglissar, S. 218-222], sowie S. M.
Mm\,AoF 17 (1990), S. 107-112 (Kollation; bei dem Dupli-
kat handelt es sich um eine Falschung) und G. van Driel,
JEOL 29 (1985-86), S. 63f. (Kommentar). Die Urkunde wird
von Verf. im Rahmen der Grundstucksgeschafte der Familie
Egibi behandelt.
") Folgende Urkunden, die von Verf. in AOAT 252
erwahnt wurden, sollen im Rahmen einer Monographic zu
den Grundstucksgeschaften der Familie Egibi publiziert und
ausfiihrlich behandelt werden: BM 31672 (ProzeUurkunde)
und BM 33056 (+) 32674 (von Richtern beurkundeter Kauf-
vertrag). AuBerdem wird dort eine neue Kopie von Nbn 720
(mit zwei angejointen Fragmenten und Zeichnung der Siegel)
vorgelegt. AJSL 27, 216 und 5R 67, 1 werden jeweils in
ihrem Kontext behandelt.
Und die Richter berieten
61
Die iibrigen schon friiher in Keilschriftkopie verof-
fentlichten Prozefiurkunden und einige bisher unbe-
kannte sind der Gegenstand dieses Artikels. Es werden
auBerdem alle verfiigbaren Rechts- und Geschaftsur-
kunden zusammengestellt und in die Untersuchung
einbezogen, die die Hintergrunde dieser Falle erhellen
helfen und iiber das weitere Schicksal der Streitobjek-
te Auskunft geben. Auf diese Weise sind mehrere
interessante kleine Dossiers zustandegekommen (Nr.
1-19). Zwei weitere, ebenfalls bislang unbekannte
Urkunden dokumentieren Streitfalle, die sich nicht mit
anderen Texten in Verbindung bringen lassen, aber
audi fur sich allein bedingt aussagekraftig sind (Nr.
20f.). Der Vollstandigkeit halber werden hier auch
Kopien von Urkundenfragmenten geboten, deren In-
halt - abgesehen davon, dafi es sich um Prozefiurkun-
den handelt - nicht rekonstruiert werden kann (Nr. 22-
29). Ihre Publikation im vorliegenden Kontext ist schon
deshalb angezeigt, weil sie in die Regierungszeit Na-
bonids zu datieren sind und von Verf. im Rahmen des
Artikels "Die Richter des Nabonid"5 fur die Rekon-
struktion der Richterkollegien aus Babylon verwendet
wurden. Um die dort dargestellten Ergebnisse, die sich
u. a. auf Siegelabrollungen und -beischriften stiitzen,
iiberpriifbar zu machen, werden hier auBerdem Kopien
von Randern gesiegelter Tafeln publiziert, die bei der
Erstveroffentlichung der Texte durch J. N. StraBmaier
nicht abgebildet wiuden (Nr. 30-35).
Die Herkunft der Tafeln
Die neubabylonischen Prozefiurkunden, die Baby-
lon als Ausstellungsort angeben, stammen samtlich
nicht aus regularen Grabungen, sondern sind iiber den
Kunsthandel zu Ende des vergangenen Jalirhunderts in
Museen oder Privatsammlungen gelangt, vornehmlich
in das Britische Museum. Auf ihre Herkunft deuten
die Museumsnummera und ihr Inhalt: Die meisten
Tafeln sind bereits durch die Inventarnummer jenen
Ankaufen zuzuordnen, in denen auch die Urkunden
der Familie Egibi, des umfangreichsten und bedeu-
tendsten erhaltenen Privatarchivs aus der Zeit des
neubabylonischen Reiches und der friihen Achameni-
denzeit, enthalten sind. In vielen Fallen ist eine direkte
Verbindung zu den Geschaften der Familie nachweis-
bar, sei es, dafi die Egibis selbst in den Rechtsstreit
verwickelt waren, sei es, dafi sie an den umstrittenen
Objekten (Grundstiicken, Sklaven) interessiert waren
und diese zu kaufen beabsichtigten. In diesen Fallen
iiberrascht es nicht, derartige Urkunden - Originaldo-
kumente und Abschriften - im Archiv der Familie zu
finden, da sie den Nachweis iiber den legitimen Er-
werb der Objekte lieferten. Auch einige der isolierten
s) Vgl. Anm. 2.
Prozefiurkunden, die sich bislang keinen anderen Do-
kumenten zuordnen lassen, diirften ahnliche Falle re-
prasentieren, bei denen freilich das Bindeglied zur
Familie Egibi nicht bekannt ist.
Fur die Anwesenheit einer iiberproportional grofien
Zahl von Prozefiurkunden aus der Zeit Nabonids bietet
sich jedoch noch eine weitere Erklarungsmoglichkeit
an6: Nabu-ahhe-iddin, der Solin des Sulaja aus der
Familie Egibi, das geschaftsfuhrende Familienober-
haupt in der zweiten Generation, hat seit dem Beginn
von Nabonids Herrschaft als koniglicher Richter in
Babylon amtiert. Daher konnten Kopien und Abschrif-
ten (und moglicherweise auch Originale) von Prozefi-
urkunden aus uns heute nicht mehr ersichtlichen Griin-
den in dieses Archiv gelangt sein, selbst wenn sie die
Belange der Familie Egibi gar nicht beriihrten.
Auch wenn einige Urkunden aus anderer Quelle
stammen konnten7, muB konstatiert werden, daB unse-
re Kenntnis des neubabylonischen GerichtsweseNs von
Texten aus nur einem Archiv und einem sehr be-
schrankten Zeitraum dominiert wird. Dieses Archiv
wiederum ist bis heute nur unvollstandig pubhziert.8
Unter den Texten der Babylon-Sammlung des Briti-
schen Museums befinden sich noch Hunderte von
Fragmenten, die ihm eindeutig zugeordnet werden
konnen, bei vielen anderen ist ein Zusammenhang
ebenfalls zu vermuten. Die hier vorgelegten neuen
Texte und Fragmente von Prozefiurkunden wurden
eher beilaufig zur Kenntnis genommen und identifi-
ziert, als Verf. die Babylon-Sammlung nach unpubli-
zierten Egibi-Texten, insbesondere Grundstiickskauf-
vertragen und Verwandtem, durchsuchte. Einige konn-
ten aus mehreren Teilen mit z. T. weit voneinander
entfernten Tafelnummern zusammengejoint werden.
Die dadurch zu gewinnenden Informationen rechtfer-
tigen ihre Publikation zum gegenwartigen Zeitpunkt,
auch wenn vermutet werden mufi, dafi sich weitere
zugehorige Fragmente noch unerkannt in der Samm-
lung befinden. Die bei dem derzeitigen Publikations-
stand erzielten Ergebnisse sind freilich als proviso-
risch zu betrachten. Andererseits miissen diese Bruch-
stiicke publiziert und damit allgemein zuganglich ge-
macht werden, um die Identifizierung weiterer Frag-
mente zu erleichtern und einer Aufarbeitung der ge-
samten Textgruppe den Weg zu ebnen.
6) Bereits von G. van Driel, "The Rise of the House of
Egibi. Nabu-ahhe-iddina", JEOL 29 (1985-86), S. 55, geiiu-
Bert. Vgl. auch Verf, AO AT 252 (im Druck) bei und mit
Anm. 6.
7) Z. B. TBER 60 (Louvre, Schenkung durch Allotte de la
Fuye 1942, unbekannter Provenienz, vgl. Arnaud, RA 67
(1973), S. 147 mit Anm. 1), BM 79049 (Britisches Museum,
Ankauf Bu. 89-4-26, aus dem bisher keine Egibi-Texte be-
kannt sind).
8) Zum Forschungsstand vgl. Verf, AfO 42/43 (1995-96),
S. 33f.
62
Cornelia Wunsch
Die Streitfalle
Alle hier zu behandelnden Streitfalle wurden den
Richtern des Konigs Neriglissar bzw. Nabonid in Ba-
bylon vorgetragen. Die Zusaminensetzung dieser Rich-
terkollegien und ihre Bedeutung fur die zeitliche Ein-
ordnung der Texte sowie die formalen Charakteristika
der vor Richtern ausgestellten Urkunden waren bereits
Gegenstand einer Untersuchung.9 Eine Studie zum
Gerichtswesen in neubabylonischer und achamenidi-
scher Zeit wird derzeit von F. Joannes vorbereitet. Um
dieser Arbeit nicht vorzugreifen, soli sich das Augen-
merk deshalb hier weniger auf allgemeine und formale
Aspekte des ProzeBverlaufs richten, als vielmehr auf
den Kontext der einzelnen Streitfalle. Insbesondere,
wenn das soziales Bezugsfeld der ProzeBparteien und
die Hintergrunde, die zur Klage ftihrten, durch ent-
sprechende Passagen in den ProzeBurkunden oder
weiteren Dokumenten erkennbar werden, lief era sie
wichtige Informationen zur Sozial- und Rechtsgeschich-
te, die sich aus anderen Quellen kaum erkennen oder
nur schlecht belegen lassen.
Die dokumentierten Streitfalle sind fast ausschlieB-
lich vermogensrechtlicher Natur. Lediglich in einer
Urkunde geht es um einen Fall von Korperverletzung,
der in die Kategorie Strafrecht einzuordnen ist.10 Al-
lerdings stehen auch dabei die vermogensrechtlichen
Konsequenzen im Vordergrund, da die Urkunde den
Anspruch des Opfers auf eine finanzielle Entschadi-
gung durch den Tater beinhaltet. Iinmerhin belegt
dieses Beispiel, daB der Tatigkeitsbereich der "Richter
des Konigs" nicht so eng gesehen werden darf, wie es
die iiberlieferten Urkunden zunachst erscheinen las-
sen. Der Text TBER 60 macht zudem deutlich, daB in
Babylon Angelegenheiten verhandelt wurden, bei de-
nen es um Interessenkonflikte des Eanna-Tempels von
Uruk mit AuBenstehenden ging. In diesem Falle war
offensichtlich die Tempelgerichtsbarkeit nicht zustan-
dig, da sie nicht in eigener Sache entscheiden konnte.
Man wandte sich daher an die Richter des Konigs in
Babylon als iibergeordnete, unabhangige Instanz.
In den Auseinandersetzungen um Vermogensfra-
gen, die uns uberliefert sind, geht es meist um Rechte
an Grundstiicken oder Sklaven", die im Zuge von
9) Siehe Anm. 2.
10) BM 79049, vgl. Anm. 3.
") Die Begriffe ardu, amtu, gallu, qallatu, nise biti
(wortlich "Hausleute") und amelutu werden im folgenden als
"Sklave(n)" bzw. "Sklavin" wiedergegeben, wenn sie zur
Bezeichnung von Personen dienen, die verkauft, verpfandet,
als Vermogensobjekte behandelt oder freigelassen werden
und diese damit als Nicht-Freie kennzeichnen. Die Begriffe
scheinen bis zu einem gewissen Grade austauschbar gewesen
zu sein (ahnlich Dandamaev, Slavery, S. 83 mit Belegen, vgl.
auch CAD A/2 S. 61 s. v. amilutu 2c). Ein Sohn der La-
tubaSinni wird z. B. in Nbk 193: 1 als qallu bezeichnet und
Erbschaften, Mitgiflen oder sonstigen Vermogensuber-
tragungen und -kompensationen den Besitzer gewech-
selt haben oder als Pfand bestellt wurden. Haufig
geben einander entgegen stehende Rechte AnlaB zu
Streitigkeiten, wenn z. B. ein verpfandetes Objekt ver-
kauft werden sollte oder ein Sklave freigelassen wur-
de, der bereits verpfandet war. Auch Statusfragen
spielen eine Rolle, etwa wenn eine Person vor Gericht
behauptete, kein Sklave, sondern Freigelassener zu
sein.
Trotz der geringen Zahl von iiberlieferten ProzeB-
urkunden ist es durchaus schwierig, Fragmente be-
kannten Prozessen zuzuordnen wie auch verschiedene
Falle auseinanderzuhalten. Dies liegt u. a. daran, daB
Filiationen nur eingangs angegeben werden, so daB bei
Beschadigungen der Tafel haufig die Beziehungen der
am ProzeB Beteiligten untereinander nicht erkennbar
sind. Hinzu kommt, daB mehrere Protagonisten unter-
schiedlicher Rechtsfalle den gleichen Allerweltsna-
men tragen, was die Bestinunung ihrer Identitat erheb-
lich erschwert. Da der Anteil von festen Formularbe-
standteilen bei Gerichtsurkunden geringer ist als bei
anderen Urkundentypen und demgegenuber haufig Aus-
sagen in wortlicher Rede zitiert werden, ist die Ergan-
zung beschadigter Passagen besonders schwierig und
bedarf selbst bei gewisser Kenntnis der Hintergrunde
einiger Phantasie, oftmals ist sie jedoch unmoglich.
Der Streit um die Kinder der La-tubasinni
Im Akzessionsjahr Neriglissars fand ein ProzeB vor
dem Sukkallu und den Richtern in Babylon statt, bei
dem eine Frau La-tubasinni, Ehefrau des Dagil-ili, als
Klagerin auftrat12 und behauptete, sie habe ihre funf
Kinder, die Sonne Nabu-eda-usur, Bel-aha-usur und
Esagil-resua sowie die Tochter Kisrinni und Gimilin-
ni13, im Hause des Beklagten, eines gewissen Bel-
in Ngl 2: 6 unter amelutu subsummiert. In BM 32023 (Nr. 6):
4 ist von einem qallu die Rede, dessen Verkaufer in Nbn
518: 17 als nadinanu ame[luti] bezeichnet werden. Die glei-
chen Sklaven, die in Nbn 314: 7 und BM 34196 (Nr. 13): 6'
nise biti genannt werden, erscheinen als amelutu in TCL 12,
122: 7, 19 und Rs 2', unter beiden Begriffen in Nbn 668 (Z.
5 und 19 bzw. Z. 12), wahrend eine der Sklavinnen in Nbn
665: 3 qallatu genannt ist. In BM 34392 (Nr. 21): 13' wird
ardu neben nise biti (Z. 16') und amelutu (Z. 22') verwendet.
12) Offenbar trat neben ihr noch eine zweite Person als
Klager auf, da die beiden Verben in Z. 3 und 4 im Plural
stehen. Der Name, der am Ende von Z. 1 gestanden haben
konnte, ist aber nicht erhalten. Es konnte sich um Ardija, den
jiingsten Sohn der La-tubasinni, gehandelt haben, da laut Z.
20 weitere Klagen seitens der beiden verhindert werden
sollen.
n) Die Namensreihe der Geschwister ist insofern interes-
sant, als die Namen der beiden altesten Sonne sowie der
beiden Tochter jeweils die gleiche Struktur aufweisen. "Nabu,
Und die Richter berieteii
63
ahhe-iddin aus der Familie Sin-damaqu14, geboren,
nachdem eine Urkunde iiber ihre eigene Freilassung
{titppi mar banuti "Tafel des Vollfreienstatus") ausge-
stellt worden sei (BM 31797, Nr. 5, vom 10.8.0 Ngl,
Z. 1-7, Z. 6 Ende nach Z. 8 erganzt). Ihre Klage zielt
demnach darauf ab, den Status ihrer Kinder zu klaren.
Indirekt lassen sich aus dieser Problemstellung
mehrere Fakten entnehmen. Zum einen war La-
tubaSinni bis zur Ausstellung dieser Urkunde keine
Freie. Zweitens ist ihr eigener Status zum Zeitpunkt
der Geburt ihrer Kinder von ausschlaggebender Be-
deutung fur deren Status als Freie oder Unfreie, sonst
hatte deswegen kein Prozefi angestrengt vverden mus-
sen. Ware die Mutter tatsachlich bereits vor der Ge-
burt freigelassen worden, so miissen wir schlufifol-
gern, dann zahlten ihre Kinder nicht als Sklaven,
selbst wenn sie im Hause eines Mannes zur Welt
kamen, der nicht der Ehemann ihrer Mutter ist und in
dem wir daher deren friiheren Eigentiimer (bzw. des-
sen Rechtsnachfolger) vermuten diirfen. Da drittens
der Ehemann wiederum in der Urkunde genannt wird,
diirfte er auch der Vater der Kinder sein. Sein Status
wird weder angegeben, noch ist er offenbar im vorlie-
genden Falle von Bedeutung.
Der Wortlaut der beschadigten ProzeCurkunde ist
nicht vollig rekonstruierbar und der Sachverhalt bliebe
teilweise unverslandlich, liefien sich der Urkunde nicht
vier weitere Texte zur Seite stellen. Sie machen deut-
lich, warum es zur Klage kam, auf welcher Rechts-
grundlage das Urteil gefallt wurde und welche Folgen
es hatte.
Dem Prozefi vorausgegangen war der Verkauf von
vier Sklaven (als amelutu bezeichnet) durch Bel-ahhe-
iddin (den Beklagten), seinen Bruder und seine Mutter
an Nabu-ahhe-iddin aus der Familie Egibi. Der Vor-
gang ist durch den Kaufvertrag Ngl 2 (Nr. 4, vom
16.6.0 Ngl) dokumentiert. Bei den Sklaven handelt es
sich um Nabu-eda-usur, seine Ehefrau und seine bei-
den Schwestern, d. h. um drei Kinder der La-tuba§inni.
Damit erklart sich, warum diese einen Prozefi ange-
strengt hat: Der Verkauf von dreien ihrer Kinder war
der unmittelbare Anlafi, und sie versucht ihn offen-
schiitze den Einzigen" und "Bel, schiitze den Bruder" sind
unschwer als Namen des Erst- bzw. Zweitgeborenen zu er-
kennen. Die Bittnamen der Tochter "Ersetze mir" und "Ver-
schone mich" passen zu dem der Mutter: "LaB mich nicht
zuschanden werden".
14) Es lafit sich nicht eindeutig feststellen, ob der Name
dieser Familie Sin-damaqu oder Sin-damiq/(m)udammiq zu
lesen ist. Die syllabische Schreibung -da-ma-qu in Nbk 101:
14 macht ersteres wahrscheinlich, zumal im vorliegenden Fall
bei der Schreibung des Namens mit dem Logogramm SIG5
nie das phonetische Komplement -iq angehangt wird. Aller-
dings gibt das CAD nur KAL als Logogramm fur damaqu
(Substantiv) an, SIG5 fur das Verb. Die Schreibungen schei-
nen nicht konsequent auseinandergehalten worden zu sein.
sichtlich im nachhinein fiir ungiiltig erklaren zu las-
sen, indem sie die Kinder als Freigeborene reklamiert.
Sollten sie also wirklich geboren worden sein, nach-
dem ihre Mutter selbst freigelassen worden war, dann
ware der Beklagte, in dessen Haus sie geboren wur-
den, nicht deren Eigentiimer und folglich nicht berech-
tigt, iiber sie zu verfiigen. In der Garantieklausel des
Kaufvertrages hatte er freilich (gemeinsam mit Bruder
und Mutter) dafiir gebiirgt, dafi die von ihm verkauften
Personen keinen Vollfreienstatus {mar banutu) hatten.
Daher oblag es ihm als Verkaufer (nicht etwa dem
Kaufer), die Angelegenheit zu klaren.15
Die Richter untersuchten ihren Fall, wie es in Z. 7
der ProzeCurkunde lautet. Der Beklagte legte Urkun-
den vor, um zu beweisen, dafi die fraglichen fiinf
Kinder der La-tuba§inni zur Welt kamen, bevor diese
selbst freigelassen worden war, und dafi fiir die beiden
altesten Sonne bereits eine Sklavenabgabe (mandattu)
zu zahlen war (Z. 8-12). Durch wen und aus welchen
Griinden sie gezahlt wurde, ist nicht angegeben und
war im vorliegenden Zusammenhang wohl auch nicht
wichtig; es wird aber noch darauf zuriickzukommen
sein.
In der folgenden, stark beschadigten Passage des
Textes (Z. 13f.) wird der Vater des Beklagten er-
wahnt; es ist aufierdem von einer Weihung an den Gott
Bel die Rede, falls das beschadigte Verb zu einer
Form von zukku zu erganzen ist. Auch dazu spater.
In der nachsten Zeile durften die erhaltenen Zei-
chen dahingehend zu erganzen sein, dafi die Richter
die Urkunden angesehen und daraufhin eine Entschei-
dung gefallt haben. Vier der Kinder (die beiden alte-
sten Sonne und die beiden Tochter) werden Bel-ahhe-
iddin "gegeben", d. h. er kann als ihr Eigentiimer iiber
sie verfiigen und ist daher berechtigt, sie zu verkaufen.
Zur Begriindung der Entscheidung wird angegeben,
dafi diese Kinder vor Ausstellung der Urkunde iiber
La-tubasmnis Freilassung geboren wurden (Z. 16-18).
Der dritte Sohn, Esagil-resua, wird uberraschender-
weise nicht mehr erwahnt.16 Im folgenden Satz (Z.
15) Zur Eviktionsgarantie im neubabylonischen Mobiliar-
kaufvertrag und den sich daraus ableitenden Verpflichtungen
des Verkaufers vgl. H. Petschow, Die neubabylonischen Kauf-
formulare, Leipzig 1939, S. 55-57.
16) Dies diirfte vermutlich mit einem fruhen Tod Esagil-
resuas zu erklaren sein. Er wird nur dann genannt, wenn es
um den Zeitpunkt der Geburt der Kinder geht (Z. 5 und 9),
eine Verfugung iiber ihn wird jedoch nicht getroffen. Keines-
falls kann er mit dem nachfolgend genannten jungsten Sohn
der La-tubaSinni, Ardija, identisch sein. Es gibt zwar durch-
aus Belege fur Sklaven, die mit zwei verschiedenen Namen
genannt werden, aber in einer Urkunde wie der vorliegenden
ware ein entsprechender Vermerk unbedingt zu erwarten.
Aufierdem wird Esagil-resua in Z. 9 als vor der Ausstellung
der tuppi mar banuti geboren bezeichnet, Ardija hingegen
wurde unbestritten erst danach geboren (vgl. Z. 19f.).
64
Cornelia Wunsch
18f.) wird jedoch ein weiterer Sohn der La-tuba§inni,
mit Namen Ardija, genannt, von dem vorher keine
Rede war. Wenn die vorgeschlagene Erganzung der
Zeilen korrekt ist, dann stellen die Richter darin fest,
dafi dieser Sohn nach Ausstellung der fuppi mar banuti
zur Welt gekommen ist, und er wird der Mutter zuge-
sprochen. Er ist somit kein Sklave und kann nicht
verkauft werden. Sein Status war allerdings auch nicht
strittig, der entsprechende Vermerk dient somit nur als
offizielle Bestatigung.
In Z. 20-24 schliefilich folgt eine Klausel, dafi zur
Vermeidung kiinfliger Rechtsstreitigkeiten vom Suk-
kallu und den Richtern eine gesiegelte Urkunde ausge-
stellt und an Bel-ahhe-iddin ausgehandigt wurde. Durch
diese Urkunde kann Bel-ahhe-iddin nunmehr zweifels-
frei nachweisen, dafi er zum Verkauf der Sklaven
berechtigt ist. Dabei kann es sich nicht urn das uns
uberlieferte Tafelexemplar handeln, da dies eine unge-
siegelte Abschrift ist.17
Anliegen des hier behandelten Prozesses war es,
den rechtlichen Status von Personen zu klaren, deren
Mutter urspriinglich keinen Vollfreienstatus gehabt
hatte, sondern diesen erst durch Ausstellung einer
fuppi mar banuti erlangte. Existenz und Giiltigkeit
dieser Urkunde unterliegen im Laufe des Verfahrens
ebensowenig dem Zweifel wie die Tatsache, dafi die
Kinder im Hause des Bel-ahhe-iddin zur Welt kamen.
Von Bedeutung ist ledighch der Zeitpunkt ihrer Ge-
burt im Verhaltnis zur Ausstellung (safdru) der Ur-
kunde fur den rechtlichen Status der Kinder. In ent-
sprechender Weise sind die Aussagen der Prozefipar-
teien formuliert: Die Kinder seien danach bzw. zuvor
geboren. Bedauerlicherweise erfahren wir nicht, durch
wen die Urkunde ausgestellt worden war und welche
Bedingungen daran gekniipft waren. Es ist wenig wahr-
scheinlich, dafi es Bel-ahhe-iddin selbst war, also der
Mann, mit dem sich La-tubasinni nun vor Gericht
auseinandersetzt. Vielmehr ist anzunehmen, dafi be-
reits sein Vater die Freilassung der La-tubasmni ver-
anlafit hat, offenbar einige Zeit bevor der Prozefi
stattfand.
Die fiir uns nachstliegende Problemlosung ware,
das Ausstellungsdatum der fuppi mar banuti und das
Alter der Kinder zu iiberprufen. Es findet sich aber
kein Hinweis in der Prozefiurkunde, dafi La-tubasmni
die Urkunde iiber ihre Freilassung, von der sie ja wohl
ein Exemplar bekommen haben diirfte, den Richtern
vorgelegt hatte - und vielleicht mit gutem Grund.
Offenbar war ihr bewufit, dafi ihre Klage nicht fun-
17) Bel-ahhe-iddin als Verkaufer hatte offensichtlich eiu
Interesse, das Original zu behalten, da er nicht alle betroffe-
nen Sklaven verkauft hat. Fiir die Familie Egibi, die Kaufer
der Sklaven, wiederum diirfte die Kopie geniigt haben, bei
einer wiederholten Klage schnell fur klare Verhaltnisse zu
sorgen.
diert war.
Bel-ahhe-iddin brachte seinerseits Schriftstiicke, um
nachzuweisen, dafi die Kinder als Sklaven geboren
wurden. Unter anderem legte Bel-ahhe-iddin eine oder
mehrere Urkunden vor, aus denen hervorging, dafi fiir
die beiden altesten Sonne der La-tubasinni eine Skla-
venabgabe (mandattu) fallig war. Eine solche Abgabe
war zu entrichten, wenn dem Besitzer eines Sklaven
dessen Arbeitskraft aus irgendeinem Grunde entging,
etwa weil der Sklave anderswo Dienst tat, auf eigene
Rechnung arbeitete oder sich aus anderen Griinden
nicht beim Besitzer aufhielt. Eine entsprechende Ur-
kunde ist als Nbk 193 (Nr. 2) aus dem 28. Jahr
Nebukadnezars iiberliefert. In ihr verpflichtet sich ein
gewisser Ubar, Sohn des Zambubu, Sklavenabgabe fiir
Nabu- eda-usur zu zahlen, wenn dieser sich in seinem
Hause aufhalten sollte. Nabu-eda-usur wird in dieser
Urkunde als Sklave (qa/lu) des Ina-Esagil-Suma-ibni
bezeichnet. Eine Filiation ist zwar nicht angegeben,
aber aus Ngl 2: 10 und BM 31797: 13 (Nr. 4f.) wissen
wir, dafi der Vater Bel-ahhe-iddins so hiefi. Mit dieser
Urkunde konnte Bel-ahhe-iddin zunachst beweisen,
dafi, 16 Jahre bevor unser Prozefi stattfand, Nabu-eda-
usur in einem offiziellen Schriftstiick unbestritten als
Sklave gall. Ihr wirkliches Gewicht erhalt diese Fest-
stellung aber durch die Person dessen, der sich ver-
pflichtet, die Sklavenabgabe zu zahlen. Es handelt sich
um den Onkel des Nabu-eda-usur, den Bruder seines
Vaters.
Die Familienbeziehungen lassen sich nur rekon-
struieren, weil die Eheurkunde einer La-tubasmni als
Nbk 101 (Nr. 1) iiberliefert ist und der Name des
Brautigams mit dem in der Prozefiurkunde BM 31797:
1 (Nr. 5) genannten Namen von La-tubasmnis Ehe-
mann ubereinstimmt: Dagil-ili, laut Nbk 101: 1 der
Sohn des Zambubu. Die Eheurkunde weist einige Be-
sonderheiten auf, die heute, im Lichte des Prozesses
um den Status von La-tuba§innis Kindern, besser zu
erklaren sind.
Der Brautigam tragt keinen Ahnherrennamen; bei
der Braut, die von ihrer Mutter Hammaja verheiratet
wird, ist gar keine Filiation angegeben. Die Filiation
der Mutter wird jedoch genannt. Als Tochter eines
Nergal-iddin aus der Familie Babutu diirfte sie eine
Einheimische gewesen sein, ihr Bruder erscheint als
Zeuge des Vertrages. Von einem Ehemann der Mutter
ist nicht die Rede. Wenn ein Madchen nicht durch
Vater oder Bruder, sondern seine Mutter verheiratet
wird, dann kann vermutet werden, dafi mannliche
Angehorige, die als pater familias fungieren konnten,
nicht (mehr) existieren.18
IS) Vgl. M. T. Roth, "Age at Marriage and the Household:
A Study of Neo-Babylonian and Neo-Assyrian Forms", Com-
parative Studies in Society and History 29 (1987), S. 715-
747, bes. S. 723f.
Und die Richter berieten
65
Wird ein Madchen durch ihren Vater oder beide
Eltern verheiratet, erubrigt sich die Angabe ihrer Filia-
tion im Ehevertrag. Auch wenn nach dem Tode des
Vaters ein Bruder fiir sie agiert, versleht es sich von
selbst, dafi der Vater ihres Bruders auch ihr eigener
ist. Wird der Ehevertrag jedoch von ihrer Mutter flir
sie geschlossen, sollte man erwarten, dafi ein Madchen
auch nach dem Tode des Vaters durch die Filiation als
seine Tochter identifiziert wird. Dies ist aber in den
iiberlieferten Ehevertragen nicht generell der Fall.19
Wo der Name des Vaters angegeben ist, werden aller-
dings gleichzeitig betrachtliche Mitgiften bestellt,20 so
wie dies auch in anderen Eheurkunden und Mitgiftver-
tragen zwischen Angehorigen der stadtischen Mittel-
und Oberschicht aus dieser Zeit, die uns erhalten sind,
ublich ist. Von der Familie der Braut werden dabei
z. T. umfangreiche Silberbetrage, Grundstiicke oder
wenigstens Sklaven mitgegeben.21
In unserem Fall geschieht das Gegenteil: Der Brau-
tigam zahlt 30 Sekel Silber und iibergibt einen Sklaven
von weiteren 30 Sekeln Wert an die Mutter der La-
tubasinni, kum ... martisu "(als Kompensation) fiir ...
ihre Tochter" (Z. 7-9). Die Ehe ist daher als Kaufehe
zu charakterisieren.22 Fehlende Filiation und fehlende
19) Von den bei M. T. Roth, Babylonian Marriage Agree-
ments lth-3rd Centuries B. C, Kevelaer - Neukirchen-Vluyu
1989 (= AO AT 222) zusammengestellten Belegen geben VS
6, 95 und TuM2-3, 2 (Nr. 10, 24b) den Namen des Vaters an,
wahrend VS 6, 61, BM 70235 und OECT 10, 130 (Nr. 8, 13,
20) inn nicht erwahnen; bei BM 61984 und OECT 9, 73 (Nr.
16, 36) laBt es sich wegen des schlechten Erhaltungszustan-
des nicht entscheiden.
20) Mit Angabe der Filiation: VS 6, 95: Grundstiicksan-
teil, den bereits der Vater als Mitgift bestimmt hatte, und
Mitgift ihrer eigenen Mutter; TuM 2-3, 2: Zwei Minen Silber,
Grundstucksanteil, Hausrat. Demgegeniiber ohne Filiation:
VS 6, 61: Schmuck im Wert von 20 Sekel Silber; BM 70235:
unklar; OECT 10, 130: keine Mitgift.
21) Zum Umfang und den Komponenten von neubabylo-
nischen Mitgiften vgl. M. T. Roth, "The Material Composi-
tion of the Neo-Babylonian Dowry", AJO 36/37 (1989-90), S.
1-55.
22) V. Marx, BA 4, S. 6, hebt die "drastische kaufmanni-
sche Ausdrucksweise" hervor und spricht von "Frauenkauf'.
F. E. Peiser, BRL 1, S. 8, urteilt: "Dieser Frauenverkauf ist
aber wohl im babylonischen Leben eine Seltenheit." Dies ist
mit Blick auf die Verhaltnisse bei vermogenden neubabyloni-
schen Familien (mithin der Schicht, die uns Privaturkunden
hinterlassen hat) zweifelsohne richtig. Wir erfahren aber be-
dauerlicherweise aus ihnen sehr selten etwas iiber die Fanii-
lienstrukturen bei Abhangigen. Der vorliegende Fall ist nicht
mit dem in altbabylonischer Zeit iiblichen Brauch zu verglei-
chen, einen Brautpreis (terffatu) an die Familie der Braut zu
zahlen. Die Anwendung des Begriffes "Kaufehe" auf die
Verhaltnisse in altbabylonischer Zeit ist kontrovers, s. P.
Koschaker, "EheschlieBung und Kauf nach altem Recht, mit
besonderer Beriicksichtigung der alteren Keilschriftrechte",
ArOr 18/3 (1950), S. 210-296, und die Gegenargumentation
von R. Westbrook, Old Babylonian Marriage Law, Wien
1988 (= AfO Beiheft 23), S. 53-60.
Mitgift lassen vermuten, dafi die Braut von minderem
Status war, auch wenn sie nirgendwo explizit als
Sklavin bezeichnet wird.23 Da La-tubaSinni im juristi-
schen Sinne offensichtlich keinen Vater gehabt hat,
konnte man vielleicht annehmen, Hammaja habe ein
Findelkind grofigezogen, das sie nun verheiratet.24
Spatestens durch diesen Quasi-Verkauf durfie La-
tubasinni nicht mehr als Freie gegolten haben, erst
durch die fuppi mar banuti konnte sie diesen Status
spater (wieder?) erlangen.
Die Eheurkunde beinhaltet noch eine weitere Klau-
sel. Sie besagt, dafi im Falle einer Ehe Dagil-ilTs mit
einer zweiten Frau dieser eine Mine Silber an La-
tubasinni zu zahlen hat und sie gehen kann, wohin sie
will. Da sie als assatu "Ehefrau" gilt und Anspruch
auf Scheidegeld hat, wenn sich ihr Mann von ihr
trennen will, ist die Ehe demnach als vollgiiltig zu
betrachten.
Cber den Status des Dagil-ill macht die Urkunde
leider ebenfalls keine expliziten Angaben, wenn man
vom Fehlen des Ahnherrennamens einmal absieht. Da
er aber, obwohl er iiber beachtliche finanzielle Res-
sourcen verfiigt (er zahlt immerhin, den Wert des
Sklaven eingerechnet, eine Mine Silber an die Mutter
der La-tubasmni), eine Ehefrau kaufen muB, statt eine
mit entsprechender Mitgift zu heiraten, kann sein ge-
sellschaftlicher Prestigewert nicht allzu hoch gewesen
sein.
Ein weiteres Detail lafit aufmerken: Als erster Zeu-
ge des Ehevertrages erscheint eine Person nut dem
Ahnherrennamen Sin-damaqu. Ob er mit dem spateren
Verkaufer von La-tubasinnis Kindern, der den glei-
chen Familiennamen tragt, verwandt ist, lafit sich lei-
der nicht durch Urkunden belegen. Interessanterweise
wird er vor den eigentlichen Zeugen genannt und mit
ina asabi sa "im Beisein von" eingeleitet. Diese For-
mel wird sonst bei Zeugen verwendet, deren Anwe-
senheit bei einem Geschaft zur Vermeidung spaterer
Einspriiche ihrerseits wunschenswert ist. Dies trifft
insbesondere (aber nicht nur) auf Frauen zu, die sonst
bei neubabylonischen Rechtsurkunden zwar als Partei,
aber nicht als Zeugen fungieren konnen.25 Falls Dagil-
23) M. A. Dandamaev, Slavery, S. 403, geht davon aus,
daB trotz fehlender Filiation die Tochter eine Freie ist, und
fiihrt weitere Beispiele an. Mangels zugehoriger Urkunden
kann allerdings in diesen Fallen weder das eine noch das
andere bewiesen werden.
:4) Auch die Moglichkeit eines unehelichen Kindes wurde
in Erwagung gezogen, vgl. Peiser, KB 4 (1896), S. 189.
2S) M. T. Roth, AOAT 222, S. 21 nennt weitere Beispiele.
In Cyr 168 z. B. erscheint ein Mann als ina-asabi-Zeuge,
dessen Sohn sich mit seinem Halbbruder aus erster Ehe der
Mutter deren Mitgift teilt. Somit verzichtet er auf Anspriiche
auf diesen Teil des Familienvermogens. Fiir unseren Fall sind
eine Reihe von Vermutungen angestellt worden, warum ein
mannlicher ina-asabi-Zeuge genannt wird, der auf den ersten
Blick zu keiner der Parteien in verwandtschaftlicher Bezie-
hung stent. F. E. Peiser, KB 4, S. 186, Anm. 7 nimmt an, daB
66
Cornelia Wunsch
ill in irgendeinem Abhangigkeitsverhaltnis zu Ange-
horigen der Familie Sin-damaqu gestanden haben soll-
te, dann ware deren Zustimmung zu einer Eheschlie-
fiung gewiB notig gewesen. Dies konnte auch erklaren,
warum wir 15 Jahre spater den Kindern der La-tubasinni
als Sklaven des (Ina)-Esagil-suma-ibni aus der Familie
Sin-damaqu und 21 Jahre spater als Sklaven von des-
sen Sohn begegnen.
Wie bereits erwahnt, findet sich in BM 31797 (Nr.
5) noch ein Vermerk in Z. 13f., der Esagil-suma-ibni
in zerstortem Kontext nennt. Das Verb isl sicherlich
zu einer Form von zaku D zu vervollstandigen, was
mit dem vorausgehenden ana Bel zusammen als "(ei-
nen Sklaven) freilassen und dem (Tempel des Gottes)
Bel weihen" zu deuten ist. Aus dem erhaltenen Text
geht zwar nicht hervor, auf welche Person es sich
bezieht, aber Dagil-ill ist schon wegen seines Namens
ein moglicher Kandidat. Bei La-tuba§innis Ehemann
konnte es sich demnach um einen ehemaligen Sklaven
der Familie Sin-damaqu handeln, der nunmehr als
sirku dem Tempel untersteht.26 Da er in der Eheurkun-
de nicht als Sklave bezeichnet wird und auch keine
andere Person die Heirat fiir ihn arrangiert, miissen
wir wohl annehmen, daB er bereits vorher freigelassen
worden war. Unklar bliebe dann allerdings, auf wel-
cher Rechtsgrundlage seine Nachkommen von Ange-
horigen der Familie Sin-damaqu als ihre Sklaven be-
ansprucht werden, denn in der Eheurkunde wird der
er der Vater der ohne Filiation genannten und daher unehe-
lichen La-tubasinni sein konnte. V. Marx, BA 4, S. 5, lehnt
diese Idee ab und pladiert stattdessen dafiir, in ihm entweder
den Stiefvater oder Vormund der Braut zu sehen, oder jenian-
den, der Anspruche auf den Sklaven erheben konnte, oder
vielleicht den ersten Ehemann. M. T. Roth zieht auch Verbin-
dungen zum Brautigam oder der Mutter der Braut ins Kalkiil,
weil dieser Personenkreis wegen des Sklaven, den die Mutter
der Braut erhalt, Anspruche geltend machen konnte.
26) Es sei an dieser Stelle auf einen anderen Fall verwie-
sen, der ebenfalls einen freigelassenen und dem Tempel
geweihten Sklaven betrifft. Er ereignete sich wahrend der
Regierungzeit des Cyrus in Uruk und wird von M. T. Roth in
ihrem Artikel "A Case of Contested Status" in H. Behrens
u. a. (Hrsg.), DUMU-E2-DUB-BA. Studies in Honor ofAke W.
Sjoberg, Philadelphia 1989, S. 481-489 [A 32117, Oriental
Institute Chicago], behandelt. In diesem Falle hatte ein Ehe-
paar ihren Sklaven verheiratet und gleichzeitig eine (uppi
mar banuti ausgestellt, in der festgelegt wurde, daB kunftig
sowohl er als auch die in der Ehe geborenen Kinder Freie
{mar bane) und der IStar von Uruk geweiht {zakutu sa Istar
...) sein wiirden. Tiber die Modalitaten der Mitgiftbestellung
ist nichts bekannt. Die Braut wird von ihrem Bruder in die
Ehe gegeben, der keinen Ahnherrennamen tragt. Zum Streit
kommt es neun Jahre spater, als ein Glaubiger der ehemaligen
Besitzerin Anspruch auf den freigelassenen Sklaven erhebt,
nach Prufung der Angelegenheit durch die Richter aber abge-
wiesen wird. Im Unterschied zu unserem Fall war der Status
kunftiger Kinder in der Eheurkunde geregelt worden und
kein Streitgegenstand.
Status zukiinftiger Kinder mit keinem Wort erwahnt.
Hatten sie vielleicht die Heirat und damit den Quasi-
Kauf der La-tubaSinni finanziert? Sollte es noch ein
weiteres, uns nicht erhaltenes Dokument dariiber ge-
geben haben?
Der vorliegende Fall beruhrt Themen wie die Be-
deutung des Status einer Person als Sklave (qallul
qallatu, ardu/amtu, amelutu) bzw. mar bane, die Mog-
lichkeiten fur den Ubergang von einem zum anderen
und seine rechtlichen Konsequenzen, Ehen zwischen
Personen nut unterschiedlichem Status und Folgen fur
die Nachkommen aus diesen Verbindungen, zu denen
uns kaum Gesetzesbestimmungen vorliegen und die
selten in anderen Dokumenten ausfuhrlich genug be-
handelt werden.27 Sie bediirfen noch der eingehenden
Untersuchung.
Aus den vier bislang besprochenen Urkunden lafit
sich folgendes Bild gewinnen: Eine gewisse La-
tubasinni wird von ihrer Mutter nut einem Mann von
geringem gesellschaftlichen Status verheiratet. Da er
dafiir eine Mine Silber als Gegenleistung an die Mut-
ter zahlt, kommt dies faktisch einem Kauf gleich und
La-tubaSinni diirfte hinfort als Sklavin bzw. Nicht-
Vollfreie gegolten haben. Funfzehn Jahre spater wird
ihr altester Sohn als Sklave dels (Ina-)Esagil-suma-
ibni//Sin-damaqu bezeichnet. Wiederum dreizehn Jah-
re spater wird er gemeinsam mit seiner Ehefrau und
zwei Schwestern von den Erben des (Ina-)Esagil-Suma-
ibni an Nabu-ahhe-iddin aus der Familie Egibi ver-
kauft. Seine Mutter, die inzwischen Vollfreienstatus
erhielt, versucht, den Verkauf zu verhindern, indem
sie behauptet, ihre Kinder seien erst nach Ausstellung
der Freilassungsurkunde geboren. Ihre Klage wird vom
Gericht abgewiesen. Damit ist auch der Verkauf der
Sklaven rechtswirksam. Abschriften der Prozefiurkun-
de und weiterer Schriftstiicke, die im ProzeB als Be-
weismittel dienten, werden durch oder fiir die Familie
Egibi als Nachweis uber die Legitimitat des Erwerbs
angefertigt und in deren Archiv aufbewahrt.
Bis hierher lafit sich der Ablauf des Geschehens
trotz aller Unsicherheiten ohne innere Widerspriiche
27) Die Bestimmungen des Kodex Hammurapi behandeln
diese Fragen weder systematisch noch umfassend. Der § 175
widmet sich Ehen zwischen einem Sklaven und einer freieu
Frau: In diesem Fall hat der Eigentumer des Sklaven keinen
Anspruch auf die Kinder; § 171 betrifft Kinder einer Sklavin
mit ihrem Eigentumer, die nicht zu dessen Lebzeiten legiti-
miert wurden; sie werden nach dem Tod ihres Vaters frei. Fiir
die neubabylonische Zeit gibt es nur sparliche Angaben zu
Ehen zwischen Personen von unterschiedlichem Status, die
keine allgemeinen SchluBfolgerungen bezuglich der Situation
ihrer Kinder gestatten (Belege sind bei M. A. Dandamaev,
Slavery, S. 411-414, zu finden). Auch zu Freilassung und
Adoption von Sklaven sind nur wenige Informationen erhal-
ten (ebenfalls bei M. A. Dandamaev, Slavery, S. 438-444,
zusammengestellt).
Und die Richter berieten
67
rekonstruieren. Es existiert aber noch eine fiinfte Ur-
kunde, die ebenfalls zu dieser Affare gehort und, was
den Verkauf der Sklaven betriffl, von Ngl 2 (Nr. 4)
abweichende Angaben macht. BM 31285 (Nr. 3)
stammt vom Ende des 1. Jahres Amel-Marduks oder
Neriglissars28 und ist ein Sklavenkaufvertrag. Die drei
bereits aus Ngl 2 (Nr. 4) bekannten Verkaufer (Bel-
afohe-iddin, sein Bruder und ihre Mutter) verkaufen
nach Ausweis dieser Urkunde den altesten Sohn der
La-tubaSinni, Nabu-eda-u§ur, fur 58 Sekel Silber an
den sonst unbekannten Sapik-zeri aus der Familie
Sigua. Laut Ngl 2 (Nr. 4) wurde dieser Sklave jedoch
mit Frau und Schwestern fur zusammen zwei Minen
Silber an die Egibis verkaufl. Beide Urkunden sind
demnach nicht ohne weiteres miteinander in Einklang
zu bringen. Erklarungsversuche hangen unter anderem
von der Datierung der Urkunde BM 31285 (Nr. 3) ab,
ob sie also alter oder jiinger als der ihr entgegenste-
hende Kaufvertrag Ngl 2 (Nr. 4) und die ProzeBurkun-
de BM 31797 (Nr. 5) ist; beide stamnien aus dem
Akzessionsjahr Neriglissars.
Erste Moglichkeit: Angenommen, der Verkauf des
Nabu-eda-usur an Sapik-zeri hatte im erst en Jahr Amel-
Marduks stattgefunden. Dann miiBten wir annehmen,
dieser Verkauf sei riickgangig gemacht worden und
dieser erste Kaufvertrag (bzw. eine Kopie davon)
zusammen mit einer Ungultigkeitserklarung beim spa-
teren Verkauf des Sklaven an die Egibis ubergeben
worden. Dies erscheint denkbar, das Ungultigmachen
des ersten Verkaufs lafit sich jedoch nicht durch Ur-
kunden belegen.
Zweite Moglichkeit: Angenommen, der Verkauf
des Nabu-eda-usur an Sapik-zeri hatte im ersten Jahr
Neriglissars stattgefunden. Dann miiBten wir von einer
Annullierung des Verkaufs der Sklaven an die Egibis,
vielleicht wegen des Streits urn den Status der Skla-
ven, ausgehen.29 Eine Urkunde daruber ist nicht be-
kannt. Zudem miiBte es in diesem Fall verwundern,
den Kaufvertrag BM 31285 (Nr. 3) und die den ProzeB
betreffenden Urkunden im Egibi-Archiv zu linden.
Diese Moglichkeit ist daher als wenig wahrscheinlich
zu betrachten.
28) Der Name des Herrschers ist nicht erhalten. Theore-
tisch kame auch Nabonid in Betracht, da aber alle anderen
Urkunden aus der Zeit Neriglissars oder davor stammen, ist
dies wenig wahrscheinlich. Im iibrigen ist es fur die Interpre-
tation der Vorgange nicht entscheidend, ob die Urkunde im
I. Jahr Neriglissars oder Nabonids ausgestellt wurde. Von
Interesse ist nur die Frage, ob vor oder nach dem ProzeB vom
10.8.0 Ngl.
29) Ein solcher Fall ist belegt: Laut TCL 12, 65 z. B. hat
Nabu-ahhe-iddin//Egibi zwei Sklaven gekauft; es kommt zur
Vindikation durch einen Sohn der Verkauferin (Ngl 42) und
der Kauf ist damit ungiiltig. In diesem Falle waren die
Anspriiche aber offensichtlich gerechtfertigt, was im vorlie-
genden Fall nicht zutrifft.
Dritte Moglichkeit: Angenommen, der Verkauf an
Sapik-zeri hatte im ersten Jahr Neriglissars stattgefun-
den, es handelte sich bei dem Sklaven aber nicht um
Nabu-eda-u§ur, sondern dessen Bruder Bel-aha-usur,
der laut ProzeBurkunde ebenfalls Bel-ahhe-iddin ge-
hort, aber in Ngl 2 (Nr. 4) nicht mit verkauft wird.
Damit waren wir zwar zur Emendation des Namens
gezwungen30, kamen aber ohne die ohnehin nicht zu
beweisende Ungultigmachung eines fruheren Kaufver-
trages aus. Die Aufbewahrung von BM 31285 (Nr. 3)
im Egibi-Archiv konnte in diesem Falle vermuten
lassen, der Kauf des Sklaven sei im Auftrag der Egibis
iiber einen Mittelsmann abgewickelt worden - was
sich zwar auch nicht beweisen lafit, wofiir aber immer-
hin Parallelen aus diesem Archiv angefuhrt werden
konnen.31 Diese Moglichkeit diirfle daher - trotz der
Bedenken angesichts einer Emendation des Namens -
auch in Betracht kommen.
Es bleibt zu hoffen, dafi vielleicht doch noch wei-
tere Texte und Fragmente identifiziert werden konnen,
die mehr Licht in diese Angelegenheit bringen - falls
sie sie nicht ganzlich verwirren.
Der Verkauf des Nabu-utirri
Nabu-utirri war einer der wichtigslen Sklaven der
Familie Egibi, der selbstandig in Geschaften tatig war.
Urspriinglich hatte er einem gewissen Bel-ahhe-eriba
aus der Familie Dabibi gehort, der ihn im 11. Jahre
Nabonids verkaufen wollte oder muBte. Als Kaufer
agierte Bel-remanni aus der Familie Sin-damaqu32, der
30) Es kann sich keinesfalls um einen Schreibfehler han-
deln, denn der Name wird zweimal genannt. So mifilich es
ist, einen Namen zu emendieren, um einen vermuteten Bezug
zwischen den Urkunden herstellen zu konnen, so kann we-
nigstens ein Beispiel angefuhrt werden, wo ein ahnlich klin-
gender, aber falscher Name in einer Urkunde geschrieben
wurde, ohne daB dies jemandem aufgefallen oder zumindest
als korrekturbediirftig erschienen ware. Es handelt sich um
das Testament des Iddin-Marduk (also eine Textgattung, bei
der man die exakte Wiedergabe der Namen erwarten sollte),
in dem der Name seines zum Miterben eingesetzten Enkels
Nergal-uSezib als Nergal-uSallim erscheint (BM 32205+, AfO
42/43 (1995-96), S. 48-53, Nr. 2, Z. 16 und 34). Im iibrigen
spricht noch ein weiteres Argument dagegen, daB es Nabu-
eda-usur war, der laut BM 31285 (Nr. 3) verkauft wurde:
Nach Ausweis von Ngl 2 (Nr. 4) hatte dieser Sklave eine
Ehefrau Banitumma. Man hat Sklavenfamilien gewohnlich
nicht beim Verkauf auseinandergerissen. Auch dies lafit ver-
muten, daB wohl eher Bel-aha-usur einzeln verkauft wurde.
31) Vgl. z. B. die weiter unten behandelte Urkunde BM
31589 (Nr. 9).
32) Zum Familiennamen vgl. Anm. 14. Bel-remanni war
offensichtlich kein enger Verwandter jenes Familienzweiges,
der uns im vorhergehenden Fall als Verkaufer der Kinder der
La-tuba§inni begegnet ist.
68
Cornelia Wunsch
65 Sekel Silber fur den Sklaven zahlte. Der Kaufver-
trag ist nicht erhalten, aber aus drei anderen Urkunden
ist mehr uber den Vorgang zu erfahren. Die Quittung
Nbn 516 (Nr. 7) vom 11.4.11 Nbn zeigt, daB auBer
dem Verkaufer auch eine gewisse Inatu einen Anteil
vom Kaufpreis erhalten hat. Sie war, wie aus Nbn 518
(Nr. 8, zwolf Tage spater ausgestellt) hervorgeht, die
Ehefrau von Bel-ahhe-eribas Bruder (Z. 7). Diese
Urkunde ist sehr aufschluBreich, was die naheren
Umstande des Verkaufes angeht. In ihr quittieren der
Verkaufer und seine Ehefrau Ka§5aja iiber den gesam-
ten Kaufpreis von 65 Sekeln, von dem sie selbst
allerdings hochstens 20 Sekel erhalten haben konnen.
Der restliche Betrag wurde vom Kaufer an die bereits
genannte Inatu und drei Glaubiger des Ehepaares aus-
gezahlt. Inatu erhielt ihren Anteil von 18 Sekeln [anal
kum] kurummatisu "[fur] ihre Versorgung(sansprii-
che)"33, wie es in Z. 6-8 heiBt. Sie hatte diese Ansprii-
che beim Verkauf des Sklaven angemeldet (paqdru
subsu "Vindikation vorhanden sein lassen"), und so-
wohl Verkaufer als auch Kaufer waren daran interes-
siert, den Fall zu klaren. Die Angelegenheit wurde den
Richtern des Nabonid vorgelegt, allerdings erst, nach-
dem eine Einigung zwischen Inatu und ihrem Schwa-
ger erzielt worden war. Aufgabe der Richter war es in
diesem Fall nicht, ein Urteil zu finden und zu spre-
chen, sondern die Rechtswirksamkeit einer auBerge-
richthchen Einigung der Parteien zu bestatigen34 und
damit den Kaufer gegen kiinftige Rechtsstreitigkeiten
abzusichera.
Die entsprechende Urkunde ist als BM 32023 (Nr.
6) liberliefert. Es handelt sich urn eine gesiegelte
Originaltafel, die von sechs Richtern und zwei Schrei-
bern bezeugt ist. Sie wurde, wie aus Z. 32-35 hervor-
geht, dem Kaufer Bel-remanni ausgehandigt. In ihr
wird die Vorgeschichte ausfuhrlich wiedergegeben,
und zwar mit den Worten des Bel-ahhe-eriba, des
Verkaufers. Dieser hatte nicht nur seine Schwagerin,
sondern auch den Sklaven35 und den Kaufer des Skla-
33) Direkte Versorgungsanspriiche der Inatu gegeniiber
ihrem Schwager durften nicht bestanden haben. Es ist viel-
mehr zu vermuten, daB der Sklave ursprunglich gemeinsames
Eigentum von Bel-ahhe-eriba und seinem Bruder Aplaja
gewesen war, etwa aufgrund einer ungeteilten Erbengemeiu-
schaft oder gemeinsamer Geschafte. Aplaja, der verstorben
sein muB (ware er noch am Leben, hatte er selbst seine
Anspriiche angemeldet), hatte offenbar seiner Ehefrau NieB-
brauch an seinem Vermogen oder einem Teil seines Vermo-
gens eingeraumt.
34) Diese Interpretation findet ihre Bestatigung darin, daB
nach Ausweis der im folgenden diskutierten Urkunde BM
32023 sich der Verkaufer selbst an die Richter gewandt hat,
nicht Inatu als Klagerin.
35) Die Vorfuhrung des Sklaven war wohl eine zusatzliche
VorsichtsmaBnahme, um einem Streit um die Identitat des
verkauften Sklaven und eventuellen Klagen seinerseits, z. B.
daB er gar kein Sklave sei und nicht verkauft werden konne,
vorzubeugen.
ven nebst alien aufgesetzten Vertragen vor die Richter
gebracht (Z. 18f), damit diese die Angelegenkeit griind-
lich priifen und alle Beteiligten anhoren konnten. Nach
Befragung der Inatu, die die Darstellung ihres Schwa-
gers bestatigte und erklarte, keine Anspriiche gegen-
iiber dem Kaufer des Sklaven mehr geltend machen zu
wollen (Z. 22-30), und dem Studium der vorgelegten
Urkunden kamen die Richter zu dem SchluB, daB an
der Sache nichts auszusetzen sei und bestatigten den
Kaufvertrag (Z. 30-32).
Man gewinnt den Eindruck, daB die auBergerichtli-
che Einigung von sachverstandiger Hand vorbereitet
worden ist und zugleich groBer Wert darauf gelegt
wurde, den Kaufvertrag gegen alle moglichen Klagen
abzusichern. Eine weitere Urkunde, BM 31589 (Nr.
9), gibt den Hinweis, wer im Hintergrund die Faden
gezogen haben diirfte. Aus ihr geht hervor, daB Bel-
remanni den Kauf des Nabu-utirri als Mittelsmann des
Itti-Marduk-balatu aus der Familie Egibi36 und mit
dessen Geld getatigt hat. Folglich gehort der Sklave
Itti-Marduk-balatu - und alle mit dem Kauf zusam-
menhangenden Urkunden ebenfalls.
Einer der Richter, die die Giiltigkeit des Kaufver-
trages bestatigt haben, war Itti-Marduk-balatus Vater
Nabu-ahhe-iddin. Das Prinzip, wonach ein Richter
nicht in eigener Sache Recht sprechen darf, wird
formal jedoch nicht verletzt. Zum einen ging es nicht
um Anspriiche gegeniiber dem Kaufer, sondern dem
Verkaufer des Sklaven von dritter Seite, zum anderen
war Itti-Marduk-balatu, weil ein Mittelsmann fur ihn
agierte, zumindest formal nicht an der Angelegenheit
beteiligt.
Der Nach la 13 des Arad-Gula
Mehrere Urkunden gehoren zu einem Rechtsstreit
um den NachlaB eines kinderlos verstorbenen Ehepaa-
res und waren bereits Gegenstand von Untersuchun-
gen; die Texte sind, soweit es ihre rechtshistorische
Bedeutung betrifft, ausfuhrlich behandelt worden.37 Im
36) Eine Filiation ist in der Urkunde zwar nicht angege-
ben, da aber ein Nabu-utirri in vielen jiingeren Urkunden als
Sklave des Itti-Marduk-balatu aus der Familie Egibi bezeich-
net wird, unterliegt die Identitat des Kaufers keineni Zweifel.
37) E. W. Moore, NBAD, S. 299, machte auf den Zusam-
menhang des Textes TCL 12, 122 mit Nbn 314 und Nbn 668
aufmerksam. B. MeiBner, "Ein neubabylonischer Erbschafts-
prozeB", AJO 11 (1936/37), S. 153f., konnte die Bedeutung
des Wortes jaritutu klaren und somit einen wichtigen Schliis-
sel zum Verstandnis dieser Texte liefern. H. Petschow, "Ein
neubabylonischer Burgschaftsregress gegen einen Nachlass".
Tijdschrift voor Rechtsgeschiedenis 19 (1951), S. 25-57,
arbeitete vor allem die rechtshistorische Bedeutung dieser
Urkundengruppe als Beispiel fur konkurrierende Pfand- und
Burgenhaftung sowie fur unsere Kenntnis des neubabyloni-
schen Ehe- und Erbrechts heraus und wies in Anm. 3 auch
auf die Verbindung zu Nbn 626 hin. M. A. Powell, "Der
Und die Richter berieten
69
folgenden wird deshalb das dort Gesagte nur kurz
referiert und das Gewicht stattdessen auf einige neue
bzw. mit dem Fall bisher nicht in Verbindung gebrach-
te Einzelheiten gelegt.
Arad-Gula, Sohn des Nabu-le'i aus der Faniilie
Ba'iru, hatte im 28. Jahr Nebukadnezars Dainqaja,
Tochter des Ina-tese-etir aus der Familie Martuku,
geheiratet. Dies ist aus der Urkunde Nbk 359 (Nr. 10
vom 22.3.40 Nbk) zu erfahren, in der die beiden
Eheleute nach zwolf Jahren ohne den erhofften Kin-
dersegen eine Verfiigung iiber ihr Vermogen treffen.
Leider lafit der fragmentarische Zustand der Tafel
nicht erkennen, zu wessen Gunsten dies geschieht; die
Liste der Zeugen ist jedoch aufschluBreich. Der erste
Zeuge38 ist der Vater der Ehefrau, gefolgt von seinem
Bruder und zwei Briidern des Ehemannes. Wir finden
somit jene Personen als Zeugen der Urkunde, die
einen Anspruch auf das Vermogen der Eheleute hat-
ten, gabe es keinen diesbeziiglichen Vertrag: Dem
Vater der Ehefrau stiinde die Ruckgabe der Mitgift der
kinderlos Verstorbenen zu,39 wahrend die Bruder des
Ehemannes als nachste Angehorige in mannlicher Li-
nie dessen Erben waren. Im Verlaufe eines Rechts-
streits, der sich im 12. Jahr Nabonids um den NachlaB
von Arad-Gula und Damqaja entwickelte, wird deut-
lich, wer in der Urkunde Nbk 359 (Nr. 10) zum Erben
bestimmt worden war: Reminni-I§tar, die Schwester
der Damqaja, Nergal-uballit, ein Neffe des Arad-Gula
(TCL 12, 122 (Nr. 14), Z. 15-18), und vermutlich audi
dessen Bruder.
Der NachlaB bestand aus mehreren Sklaven und
erheblichen Schulden. Zu Ende von Nabonids 8. Re-
gierungsjahr hatten Arad-Gula und Damqaja laut Nbn
314 (Nr. 11)2 Minen 20 Sekel Silber von Nabu-suma-
ukin aus der Familie Sangu-Nanaja als zunachst zins-
loses Darlehen erhalten, das innerhalb von zwei Mo-
naten zuruckzuzahlen war. Sollte dieser Termin nicht
einzuhalten sein, ware das Darlehen mit dem iiblichen
Zinssatz von 20 % zu verzinseu. Vier Sklaven wurden
als Pfand bestellt, und ein gewisser Bel-remanni aus
der Familie ASgandu biirgte fiir die Zahlung des Sil-
bers. Reminni-IStar, eine der potentiellen Erben, war
beim VertragsabschluB als Zeugin anwesend.
Offensichtlich konnten Arad-Gula und Damqaja,
babylonische Familienname ASgandu und die Urkundengrup-
pe Nbn 314, TCL XII 122, Nbn 668", ArOr 40 (1972), S.
124-129, stellt die Vorgange auf S. 127-129 unter Einbezie-
hung von Nbn 665 zusammen. Merkwiirdigerweise ist jedoch
von keinem die Vermogensubertragung Nbk 359, aus der die
Vorgeschichte des Falles ersichtlich wird, mit hinzugezogen
worden.
38) Obwohl vor dem ersten erhaltenen Namen noch weite-
re Zeugen genannt sein konnten, ist dies wenig wahrschein-
lich.
39) Vgl. dazu die Bestimmungen im Kodex Hammurapi
(§ 163) und im Neubabylonischen Gesetzesfragment (§ 10).
die beide innerhalb von vier Jahren starben40, den
Betrag nicht mehr zuriickzahlen. Der Glaubiger Nabu-
§uma-ukin wandte sich nach ihrem Tod nunmehr an
den Biirgen Bel-remanni mit seiner Forderung, und
der Fall kam vor Gericht.41
Die betreffende ProzeBurkunde iiber die Auseinan-
dersetzung zwischen Glaubiger und Biirgen ist uns
nicht iiberliefert, die Entscheidung der Richter wird
aber in TCL 12, 122 (Nr. 14), Z. 10-13 dokumentiert:
Der Biirge hatte die Forderung von 2 Minen 20 Sekeln
nebst friiheren Forderungen an den Glaubiger zu be-
gleichen und wurde selbst an das Haus Arad-Gulas
zuriickverwiesen (ana bit A. sunfyusu), d. h. er muBte
sich mit dessen Erben wegen des Silbers auseinander-
setzen. Dies ist offensichtlich Gegenstand des Urkun-
denfragments BM 34196 (Nr. 13) vom 25.9.12 Nbn.
Der erhaltene Text geht im wesentlichen parallel zu
TCL 12, 122 (Nr. 14), einer weiteren ProzeBurkunde,
die einen Monat spater ausgestellt wurde. Diese refe-
riert ausfiihrlich die Vorgeschichte und lafit daher
erkennen, worum es in BM 34196 (Nr. 13) ging. Bel-
remanni hatte die Erben des Arad-Gula herbeigebracht
(deren Erbanspruch durch Vorlage der Urkunde Nbk
314 (Nr. 11) bestatigt wurde), aber Reminni-IStar und
Nergal-uballit verzichteten auf die Erbschaft, und die
Richter entschieden, Bel-remannis Forderung solle mit
dem NachlaB des Arad-Gula, speziell den verpfande-
ten Sklaven, befriedigt werden. In diesem Zusammen-
hang ist von einem Betrag von insgesamt 3 Minen 50
Sekeln die Rede.
Der Fall ware damit erledigt gewesen, hatte es
nicht eine weitere, unerwartete KJage gegeben, um die
es in TCL 12, 122 (Nr. 14) geht. Nachdem namlich
Bel-remanni die von Arad-Gula und seiner Frau ver-
pfandeten Sklaven an sich genommen hatte, behaupte-
ten diese offenbar, durch eine Urkunde (fuppi mar
banuti, vgl. Z. 26) Vollfireienstatus erlangt zu haben.
Die Einzelheiten bleiben leider im Dunkeln, weil die
entsprechende Passage, die das obere Drittel der Ta-
felriickseite einnimmt und zudem wesentlich enger als
die Vorderseite beschrieben ist, fast vollig zerstort
ist.42 Die Urkunde Nbn 626 (Nr. 12), die Damqaja
40) Damqaja erscheint letztmalig als handelnde Partei in
Nbn 626 (Nr. 12) vom 1.7.12 Nbn.
41) Nach Powell, ArOr 40 (1972), S. 127f., konnte der
ProzeB im Duzu oder Abu des Jahres 12 Nbn stattgefunden
haben. Den terminus ante quern liefert neuerdings das Frag-
ment BM 34196 (Nr. 13) vom 25.9.12 Nbn, in welchem auf
diesen ProzeB Bezug genommen wird. Powells Berechnung
geht davon aus, daB der geschuldete Kapitalbetrag von 2
Minen 20 Sekeln plus dem Zins von 38 oder 39 Monaten
(gerechnet ab Ajjar 9 Nbn, als die Schuld verzinst werden
muBte) jenen Betrag von 3 Minen 50 Sekeln ergibt, auf
dessen Begleichung aus dem NachlaB des Verstorbenen der
Biirge laut TCL 12, 122 (Nr. 14), Z. 21, und Nbn 668 (Nr.
16), Z. 1, Anspruch hat.
42) Dies ist leider ebensowenig aus der Kopie zu erkennen
70
Cornelia Wunsch
kurz vor ihrem Tod ausstellen lieB, gibt jedoch einen
deutlichen Hinweis. In ihr verfugt Dainqaja die Frei-
lassung der sonst unbekannten Sklavin Sala-enqet und
des Sklaven Zababa-iddin, der zu jenen vier Sklaven
gehort, die bereits seit vier Jahren an ihren Glaubiger
Nabu-§uma-ukin verpfandet waren. Moglicherweise
hatte Damqaja auch den anderen dreien, den Sklavin-
nen Ana-Tasmetu-atkal, Amal-Ninlil und Nanaja-ana-
bitisu, eine fuppi mar banutf2 ausstellen lassen, die
uns allerdings nicht iiberliefert ist.
Der erhaltene Text von TCL 12, 122 (Nr. 14) fuhrt
uns zu folgendem Interpretationsversuch: Vermutlich
war es Amtija (== Amat-Ninlil), die behauptete, eine
Tafel uber ihre Freilassung erhalten zu haben und
Zeugen (mudu "Wissende") herbeibringen zu wollen
(Z. 27). Eine sonst unbekannte Person und zwei Nef-
fen des Arad-Gula leisten daraufhin einen Eid (Z. 28-
31), dessen Inhalt auf dem zerstorten Teil der Tafel
gestanden hat. Schliefilich entscheiden die Richter, die
Sklavin Amtija wie ihre Mutter Ana-Tasmetu-atkal
und die anderen Sklaven gemafi der friiheren Verein-
barung an Bel-remanni zu iibergeben (Rs Z. 2'f.).
Einen Monat spater, am 26.11.12 Nbn wurde mit
Nbn 668 (Nr. 16) eine weitere Urkunde von den
Richtern ausgestellt, die Bel-remanni endgiiltig in sei-
nem Recht bestatigte. Anstelle der Forderung von 3
Minen 50 Sekeln Silber gegeniiber Arad-Gula wurden
ihm die vier Sklaven im Zuge der Pfandvervvertung als
Eigentum iibertragen (panisu sudgulu). Schon 13 Tage
friiher hatte er freilich die Sklavin Amtija fiir eine
Mine 10 Sekel Silber verkauft. Der Kaufer, Suqaja aus
der Familie Pa^aru, ist nicht aus anderen Urkunden
bekannt. Es liegt wiederum der Verdacht nahe, daB die
Oberlieferung dieses Dossiers (darunter mindestens
zwei gesiegelte Originaltafeln) im Archiv der Familie
Egibi mit deren geschaftlichen Interessen zu begriin-
den ist und die Sklaven letztendlich an die Egibis
verkauft wurden.
Zum Beweis fehlt uns zwar das entscheidende Bin-
deglied, aber zwei Urkunden aus dem Addar des 12.
Jahres Nabonids erwahnen eine Sklavin Itti-Marduk-
balafus, die Amtija heiBt. Da dieser Kurzname wider
Erwarten in den Egibi-Urkunden nur selten belegt
ist,44 diirfte es sich um dieselbe Person handeln. Laut
wie die Anordnung der Siegelbeischriften.
43) Der Terminus mar banutu erscheint in TCL 12, 122:
26 (Nr. 14), wahrend in Nbn 626: 2 marutu zu lesen ist.
Wahrscheinlick ist letzteres zu emendieren, allerdings kame
auch die Moglichkeit einer Freilassung durch Adoption in
Betracht.
44) In der Urkunde Nbn 675: 1 zeigt die Kopie die
Zeichen SAL.KUR/x1, was man fiir eine Verschreibung ei-
nes mit GEME beginnenden Namens halten konnte. Auf der
Tafel ist jedoch {Se-pi-ta-a zu lesen (in CM 3, Nr. 207,
entsprechend zu korrigieren; Z. 5 lies DAM statt ina UGU, Z.
5 Ende kein sd, sondern Kratzer) und die Tafel gehort in
Nbn 679 (Nr. 17) wird ein gewisser Nur-Sin, der uns
aus anderen Quellen nicht bekannt ist, verpflichtet,
Sklavenabgabe (mandattu) fiir Amtija an Itti-Marduk-
balatu zu zahlen, sollte diese ihn bezichtigen, von
ihrer Flucht gewuBt zu haben. Aufgrund einer Fehlle-
sung ist diese Urkunde bisher als Beleg fiir Sklaven-
prostitution behandelt worden.45 Der Sachverhalt war
offensichtlich ein anderer: Die Sklavin war kurz nach
dem Verkauf entflohen und hatte, nachdem ihre Klage
vor Gericht kein Gehor gefunden hatte, auf diese
Weise versucht, sich dem Sklavenschicksal zu entzie-
hen. Nur-Sin stand offenbar im Verdacht, ihr dabei
behilflich gewesen zu sein. Amtija hatte sich wohl bei
ihm aufgehalten; zu klaren war nur die Frage, ob ihm
bewuBt war, daB es sich um eine Sklavin handelte oder
ob Amtija das Gegenteil behauptet hatte.
In den gleichen Zusammenhang gehort auch die
nur wenig spater ausgestellte Urkunde Nbn 682 (Nr.
18). Hier verpflichtet sich ein gewisser Guzanu, man-
dattu fiir Amtija zu zahlen, falls diese bei ihm gesehen
werden sollte. SchlieBlich wird eine Sklavin Amtija
unter jenen fiinf Sklavinnen erwahnt, die Itti-Marduk-
balatu im Jahre 14 Nbn, nach dem Tod seines Vaters,
laut Nbn 760: 10a-16 als Mitgift seiner Schwester an
seinen Schwager ubergibt.46
Uber das weitere Schicksal der anderen Sklaven
aus dem NachlaB Arad-Gulas liegen uns keine Urkun-
den vor.47
Ein Detail am Rande verdient erwahnt zu werden:
Arad-Gula und seine Familie sowie der Biirge Bel-
remanni waren in Hursagkalama beheimatet. Die Ur-
kunden iiber die Vermdgensubertragung, die Freilas-
sung der Sklaven und schlieBlich den Verkauf der
Sklavin Amtija sind alle in diesem Ort ausgestellt
worden. Der Verpflichtungsschein zu Lasten von Arad-
Gula und Damqaja gibt jedoch Babylon als Ausstel-
lungsort an, ebenso wie die von den Richtern des
Konigs ausgestellten Urkunden.
einen anderen Zusammenhang: Der entsprechende Kaufver-
trag ist als Nbn 671 iiberliefert, wo in Z. 3 und 10 ebenfalls
fSe-pi-ta-a steht.
45) Vgl. den Kommentar zur Urkunde im Anhang.
46) {Amti(GEME)-ia {Se-pit-ta-a aBani(D\J)-tuA-tuk-la-tu4
{Gimil(S\J)-in-ni u sLa-tu-ba-sin-nu sd ina qdte(S\J)n mdr(A.)
^NappahidiSlMUG) ab-ka-tu4. "A., B., G. und L., die er
von Angehorigen der Familie N. weggefuhrt (= gekauft) hat".
Der Nachsatz diirfte sich nur auf die Letztgenannte beziehen.
In Gimilinni finden wir wohl eine der Tochter der La-
tubaSinni wieder; Sepettaja wurde erst kurz zuvor laut Nbn
671 gekauft.
■") Eine Nanaja-ana-bltlSu wird zwar in der Urkunde Dar
168 genannt, laut derer sie zur Zahlung von Sklavenabgabe
an Sirku alias Marduk-nasir-apli aus der Familie Egibi ver-
pflichtet war, da aber drei Jahrzehnte zwischen beiden Ur-
kunden liegen, ist es nicht sicher, ob es sich um dieselbe
Person wie im vorliegenden Fall handelt.
Und die Richter berieten
71
Die Schulden des Arad-Marduk
BM 32174 (Nr. 20) ist eine gesiegelte ProzeBur-
kuude aus Babylon, von der die Vorderseite bis auf
wenige Zeilen an Anfang und Ende erhalten ist; am
Anfang der Riickseite ist der Rest des Vertragstextes
verlorengegangen. Die Urkunde ist etwa in die Zeit
vom 2. bis 6. Regierungsjahr Nabonids zu datieren.48
Sie laBt sich bislang, vor allem, weil die Namen der
beteiligten Parteien nicht bzw. unvollstandig erhalten
sind, keinen anderen Urkunden sicher zuordnen.49
Der Vorfall, so wie er im erhaltenen Teil der
Urkunde geschildert wird, laBt sich einigermaBen uber-
blicken. Ein gevvisser Arad-Marduk (oder vielleicht
bereits sein Vater Marduk-etir) hatte Kredite bei ver-
schiedenen Glaubigern aufgenoinmen, die sich im Jah-
re 2 Nbn mittlerweile auf 16 Minen Silber summiert
hatten. Vermutlich sollteu sie zur Finanzieruug von
Geschaften dienen, und an der Kreditwiirdigkeit dieses
Mannes, der offensichtlich aus wohlhabenden Verhalt-
nissen stammte, scheint es keinen Zweifel gegeben zu
haben. Warum er im Jahre 2 Nbn an einer Zession
interessiert war und den Klager50, dessen Namen wir
nicht kennen, bat, seine Glaubiger auszuzahlen und
ein Feld von 1.1.4 Kur GroBe am Neuen Kauai und
sein Wohnhaus zur Sicherung seiner Forderung als
Pfand zu nehmen, konnen wir nicht nachvollziehen.
Moglicherweise war die Situation ernst und vom Kla-
ger (der vielleicht ein Verwandter war) konnten besse-
re Bedingungen als von den ubrigen Glaubigern er-
hofft werden. Der Klager sagt ferner aus, er habe kein
Silber ohne Wissen und Zustimmung der Mutter Arad-
Marduks gezahlt und auch dessen Schwester Amat-
Zarpanitu habe den Vertrag bezeugt, d. h. die Transak-
tion sei mit ihrer Zustimmung erfolgt. Amat-Zarpanitu
48) In der Urkunde selbst wird ein Vorfall aus dem 2. Jahr
erwahnt und liefert den terminus post quern. Das Richterkol-
legium ist in ahnlicher Zusammensetzung bis zum 6. Jahr
Nabonids bezeugt, vgl. die von Verf. in AOAT 252 (im
Druck) gegebene Ubersicht.
49) Der Name des Glaubigers des Arad-Marduk ist derzeit
nicht zu erschlielten, da noch keine weiteren Urkunden iden-
tifiziert werden konnten, die mit diesem Vorfall direkt zu-
sammenhangen. Bei dem Schuldner konnte es sich um Arad-
Marduk/Marduk-etir/Sa-tabtlSu handeln, der in Verbindung
mit Geschaften der Egibis bezeugt ist (Nbn 479//Moldenke
22 sowie Nbn 605, vgl. Tallqvist, NN s. v.). Laut BM 31870
(unpubliziert) hat dessen Vater, Marduk-etir/Sulaja/§a-tabtisu,
im Jahre 21 Nbk ein Wohngrundstuck in Babylon mit einem
Nachbarn getauscht; es konnte sich vielleicht um das in
unserer Urkunde verpfandete Haus handeln. Die Erwahnung
eines Feldes am Neuen Kanal assoziiert ebenfalls den Namen
Egibi, da diese Familie dort ausgedehnten Grundbesitz hatte.
so) Die Person wird hier als Klager bezeichnet, da sie sich
in ihrer Eigenschaft als Glaubiger an die Richter gewandt hat
und den Fall aus ihrer Sicht schildert. Es bleibt jedoch
letztlich unklar, worum es in dieser Angelegenheit ging.
und ihr Ehemann hatten daruber hinaus gebiirgt.51
Was nun der eigentliche AnlaB war, vor den Rich-
tern Klage zu fiihren bzw. eine auBergerichtliche Eini-
gung beurkunden zu lassen, bleibt uns verborgen. Es
ist zu vermuten, daB die verpfandeten Objekte ihren
Eigentiimer wechseln sollten.
Der Streit um die Familie des
Amurru-qate-sabat
Die vorliegende Urkunde BM 34392+ (Nr. 21) aus
dem 3. Regierungsjahr Nabonids ist eine ungesiegelte
Abschrift einer ProzeBurkunde, die aus vier Fragmen-
ten wieder zusammengesetzt werden konnte. Ein fiinf-
tes Bruchstuck gehort zur gleichen Tafel, hat jedoch
keinen AnschluB, ermoglicht aber erfreulicherweise
die zeitliche Einordnung.52 Leider fehlt immer noch
die obere Halfte der Vorderseite und damit jener Teil
des Textes, aus dem die Vorgeschichte des Falles und
die Umstande, die zur Klage fuhrten, zu erfahren
waren. Die Obersetzung des erhaltenen Textes ist
durch weitere kleine Liicken zusatzlich erschwert, die
ohne Kenntnis des Kontextes nicht ohne weiteres ge-
fiillt werden konnen. AuBerdem sind die Beziehungen
und Verwandtschaftsverhaltnisse zwischen den betei-
ligten Personen nicht zu ermitteln, weil keine Filiatio-
nen erhalten sind. Die hier vorgetragene Interpretation
ist daher mit groBen Unsicherheiten behaftet. Es bleibt
zu hoffen, daB weitere Fragmente identifiziert oder
zugehorige Texte gefunden werden konnen, die das
Verstandnis erleichtern helfen.
Die Urkunde dokumentiert einen ProzeB um eine
Sklavenfamilie, namlich Amurru-qate-sabat, seine Ehe-
frau und deren Kinder, der den Richtern des Konigs
vorgetragen wurde (Z. If.). Es laBt sich leider nicht
feststellen, wer die Klage gefiihrt hat, da der Name in
Z. 1 nicht erhalten ist, es kann sich aber wegen iqbi in
Z. 2 nur um eine mannliche Person handeln. Der
Ausgang des Rechtsstreites ist in Z. 20'f. dokumen-
tiert: Die Richter entscheiden, daB die Sklaven einem
gewissen Nabu-etir-nap§ati gehoren, bei dem sie sich
51) Die Formulierung ist en put saw nasu "fiireinander
biirgen" findet sich in der Regel bei wechselseitiger Biirg-
schaft mehrerer Schuldner. Amat-Zarpanitu und ihr Ehemann
sind aber offensichtlich nicht Schuldner des Klagers; auch
falls beide eine Zahlbiirgschaft {put eferi nasu) geleistet
haben sollten, ware die Formulierung nicht exakt.
52) Ein wesentliches Merkmal fur die Identifizierung der
einzelnen Fragmente waren neben typischen Formularbe-
standteilen fur Prozefiurkunden und der Wiederholung des
seltenen Personennamens Amurru-qate-sabat vor allem die
Siegelbeischriften auf den Seitenrandern der Tafel, durch die
auch die Zuordnung des losen Fragments BM 31676 gesi-
chert ist. Damit ist wiederum die genaue Datierung des
Textes moglich.
72
Cornelia Wunsch
nach Aussage von Z. 19' bereits seit dem 33. Jalir
Nebukadnezars, also mittlerweile 19 Jahre, befunden
haben. Zuvor, im 28. Jalir, hatte ein Vorgang statlge-
funden, auf den sich der Klager gleich zu Anfang
bezieht, von dessen Schilderung uns aber nur die
Worte "meiner Mutter" und "Tafel" erhalten sind. Sie
lassen an eine Vermogensubertragung an oder durch
die Mutter denken, da zu fuppi mar banuti wegen der
restlichen erhaltenen Zeichenspuren vvohl nicht er-
ganzt werden kann. Damit scheidet die Moglichkeit,
der Sklave Amurru-qate-sabat habe unter Berufung
auf eine Urkunde iiber seine Freilassung wegen seines
Status prozessiert, als unwahrscheinlich aus.
Nach dem Klager horten die Richter eine gevvisse
Taltemanni an, ob als Zeugin oder weil sie Anspriiche
geltend gemacht hatte, ist aus dem Zusammenhang
nicht recht ersichtlich. Sie sagt aus, Nabu-§arra-usur53
habe eine gesiegelte Urkunde bezuglich Amurru-qate-
sabat ausgestellt. Durch die Erwahnung einer \uppi
assuti "Eheurkunde" in Z. 8' und die Zeichenspuren
ku-um n[u-...] in Z. 7* khngt der Gedanke an Heirat
und Mitgift (nudunnu) an, nur wird leider nicht zwei-
felsfrei klar, wer wen geheiratet haben konnte bzw.
wer was oder wen erhalten hat.
Die Eigentumsverhaltnisse an den Sklaven miissen
aber bereits zum Zeitpunkt der Ausstellung dieser
Urkunde durch Nabu-§arra-usur reichlich undurchsich-
tig gewesen oder gemacht worden sein, wie ein in der
ProzeBurkunde wiedergegebenes Zitat daraus verdeut-
licht: Wenn der Eigentumer (bei) von Amurru-qate-
sabat diesen holt54, solle eine gewisse Guzummaja
53) In unserer Urkunde wird kein Verwandtschaftsverhalt-
nis von Taltemanni und Nabu-Sarra-usur angegeben. Wenn es
um eine Vermogensubertragung zugunsten der Taltemanni
unter Erwahnung einer Mitgift gehen sollte, dann ist entwe-
der an den Vater oder Bruder zu denken, der der Tochter
bzw. Schwester eine Mitgift oder zusatzliche Mitgift bestellt,
oder an den Ehemann, der Vermogenswerte an seine Frau zur
Sicherung ihrer Mitgift (die haufig Silberbetrage umfaBte)
uberschreibt. In letztgenanntem Falle fande sich die Formel
kum nudunne "(als Gegenwert) fur die Mitgift", wie sie hier
vielleicht in Z. 7' erganzt werden konnte.
54) Das Verb ist abaku "wegfiihren"; zur Verwendung des
Perfekts zum Ausdruck der Vorzeitigkeit in der Zukunft vgl.
Streck, Zahl und Zeit, S. 160-162. Amurru-qate-sabat als
Subjekt des Satzes aufzufassen ist wenig sinnvoll; daB ein
Sklave seinen Herren wegfiihrt, ist unwahrscheinlich und daB
Amurru-qate-sabat selbst der Herr ist, der einen ungenannten
Sklaven holen soil, scheidet angesichts von Z. 19' aus,
wonach Amurru-qate-sabat mit seiner Familie als amelutu
"Sklaven" bezeichnet wird. Das Verb wird audi im Sinne
von ana kaspi abaku "fur Silber wegfiihren = kaufen" ver-
wendet, ob hier aber auf einen Verkauf des Sklaven ange-
spielt wird, ist mehr als fraglich. Es konnte auch um ein
Wegfiihren des Sklaven durch den Glaubiger aufgrund einer
antichretischen Verpfandung gehen. Unter belsu "sein Herr"
ware dann der Glaubiger und Besitzer des Nutzpfandes zu
verstehen.
nicht iiber Aliba (offensichtlich eine Sklavin, viel-
leicht die Ehefrau oder Tochter des Amurru-qate-
sabat) verfiigen. Guzummaja scheint die damalige oder
fruhere Eigentiimerin der Sklaven zu sein; vielleicht
ist sie die "Mutter", auf deren Urkunde aus dem Jahre
28 Nbk sich der Klager ganz zu Anfang berufen hat.
Die ProzeBurkunde zitiert dann die Antwort dar-
auf55: Es seien gar keine Sklaven (des Nabu-sarra-
usur?), sondern der Guzummaja. Sie gipfelt in der
verwundert-vorwurfsvollen Frage, wie man iiberhaupt
einen solchen Wortlaut in die Urkunde habe schreiben
konnen.
Daraufhin wurde Nabu-sarra-usur selbst vor die
Richter geholt und gab an, die Sklaven gehorten der
Guzummaja. Ein gewisser Arad-Nabu56 brachte weite-
re Vertrage herbei, die Guzummaja wegen der Skla-
ven bzw. wegen Taltemanni mit anderen Personen
geschlossen hatte. Moglicherweise ging es um die
Frage, ob die Sklaven als Pfand bestellt oder verkauft
worden waren. Die Dokumente wurden verlesen und
gepruft und waren fur den Fall offensichtlich von
Bedeutung, ohne daB ihre Erwahnung fur uns auf-
schluBreich ware. Nach einer Beratung fallten die
Richter schlieBlich die Entscheidung: Die Sklavenfa-
milie solle auch weiterlun bei Nabu-etir-napSati blei-
ben. Unklar bleibt fur uns, wie dieser in den Besitz der
Sklaven gekommen ist und wer ihn ihm streitig ma-
chen wollte.
Anhang
Der Anhang enfhalt Urkundenbearbeitungen und
die Kopien der bislang unpublizierten Texte sowie
Kopien der Tafelrander gesiegelter Urkunden, die bei
J. N. StraBmaier veroffentlicht sind. Die Transliterati-
on umfaBt nur den Vertragstext; Zeugen, Schreiber,
Ausstellungsort und Datum werden dagegen tabella-
risch aufgefuhrt. Das Datum ist nach dem Schema
Tag.Monat.Regierungsjahr des jeweiligen Herrschers
angegeben, in Klammern folgt die Umrechnung nach
dem Julianischen Kalender. Haufig wiederkehrende
Logogramme wurden folgendermaBen umschrieben:
abu = §E§, amtu = GEM£, aplu = IBILA, aplu2 = A,
arfju = ITI, ardu = iR, assatu, altu = DAM, dBdba =
dKA, BabUF = TIN.TIR^, baldfu = TIN, banu = DIJ,
55) Wer die Antwort gibt, laBt die Beschadigung am
Anfang der Zeile nicht erkennen. Es konnten die Richter
sein, aber vielleicht auch die Sklaven ([iR]me5). Dann ware
aber unklar, worauf sich [s]unu "sie" in Z. 11' beziehen
sollte.
56) In der Urkunde ist keine Filiation oder sonstige Ver-
wandtschaftsbezeichnung angegeben. Moglicherweise war er
ein Angehoriger der Guzummaja, denn diese hat nicht mehr
selbst in den ProzeB eingegriffen und die Urkunden stammen
vermutlich aus ihrem NachlaB.
Und die Richter berieten
73
ABel = d+EN, belu = EN, bitu = £, dajjanu « DI.KU5,
= A.SA, ilu = DINGIR, itti = KI, =
KIJ.BABBAR, *wrt«A*K = KlSlB, AMadanu = dDI.KUs,
manu = MA.NA, dMarduk = dAMAR.UTU, mdrtu =
DUMU.Mi, maru = DUMU, mdru2 = A, mufjfju =
UGU, ANabu = d+AG, nadanu = MU, nasdru = URU,
ANergal = dU.GUR, pa/?w = IGI, gr||» = BA, qatu =
§U, dSf« = dXXX, a&wtti£ = dUTU, toga = SANGA,
simw = §AM; siqlu = GfN, iwww = MU, umu = UD,
zeru = NUMUN. A He anderen Logogramme siud in
Klaminern gesetzt. Namen werden nach dem Prinzip
Personenname/Vatersname/Ahnherrenname bzw. Per-
sonenname//Ahnherrenname wiedergegeben. In der
Obersetzung werden Filiationen weggelassen, sofern
sie nicht fiir das Verstandnis des Vorgangs unerlafilich
sind.
Nr. 1 BM 30571 (76-11-17, 298)
Kopie: Nbk 101
Bearbeitung: F. E. Peiser, BRL 1 (1890), S. 7 (0); ders., KB 4 (1896), S. 186-189 (T+t)); A. Boissier, Recherches
(1890), S. 40-42 (T+t)); V. Marx, BA 4 (1902), S. 4-6 (T+0); M. T. Roth, AOAT 222 (1989), S. 42-44. (T+t))
1 [mD]a-gi-U-UV*** mar2-su sd mZa-am-bu-bu a-na tHa-am-[ma]Ja}
2 [m]drat-su sd mANergal-iddin mar mBa-bu-tu {a} ki-a-am iq-bi
3 um-ma fLa-tu-ba-si-in-ni mdrat-ka bi-in-nim-ma
4 lu-u assatu si-i fffa-am-ma-a ta-<as>-me-e-su-ma
5 {La-tu-ba-si-in-ni mdrassu(DUM\J.Mf.A.NI) a-na assutu(DAM-u-tu)
6 ta-ad-da-ds-su u mDa-gi-il-ilicae!' ina fyu-ud lib-bi-<su>
1 mA-na-mul}}}i-bel-a-mur {<xqal-la sd a-na 1/2 ma-na kaspi ab-ka
8 u 1/2* mana kaspa it-ti-i a-na {Ha-am-ma-a
9 ku-mu {La-tu-ba-si-in-ni mdrti-su id-din
10 u4-mu mDa-gi-il-ilimeS assata sd-ni-tu
Rs 11 is-ta-ds-su-it 1 ma-na kaspa mDa-gi-il-[ilime&]
12 a-na lLa-tu-ba-si-in-ni i-nam-din-ma a-s[ar pdnisu]
13 mafy-ri tal-lak-ka
13a f. ina asdbi-Zeuge: §uma-iddin/Te§e-etir/Sin-daniaqu
15-18 Zeugen
Bel-ahhe-iddin/Nabu-bel-§umati/§angu-Istar-Babili
Marduk-Sarrani/Balatu/Paharu
Marduk-etir/Nergal-iddin/Babutu (Bruder der Brautmutter)
18f. Schreiber
Nabu-mukih-zeri/Marduk-zera-ibni/Sangu-Istar-Babili
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 9.8.13 Nbk (19.11.592 v. Chr.)
Obersetzung:
Dagil-ilT sprach zu tjammaja folgendermafien: "La-
tubasinni, deine Tochter, gib mir. (Meine) Ehefrau soli
sie sein." (Z. 4a) Hanimaja horte ihn an und gab ihm
La-tubasmni zur Ehe. Und Dagil-ili gab aus freiem
Entschlufi Ana-muhhi-bel-amur, den Sklaven, den er
fur 30 Sekel Silber weggefiihrt (= gekauft) hatte, und
30 Sekel Silber dazu an Hammaja (als Gegenleistung)
fiir La-tubaslnni, ihre Tochter. (Z. 10) Wenn Dagil-ili
eine zweite Ehefrau nimmt, wird Dagil-ili eine Mine
Silber an La-tubasmni zahlen und sie kann gehen,
wohin sie will.
Kommentar:
Z. 8: Bei dem Betrag handelt es sich nur um 1/2 Mine
(Kopie: 1 1/2).
Z. 12f.: Peiser liest und iibersetzt asar matfri "zu [ihrem]
fruheren Ort". Das letzte kopierte Zeichen von Z. 12 ist
beschadigt und danach ist noch genug Platz vorhanden, um
zur gut bezeugten Formel asar pdnisu mafjri "wohin es ihr
beliebt" zu erganzen (so auch von M. T. Roth, allerdings
ohne Erganzung, iibersetzt). Auch aus inhaltlichen Griinden
ist eine Bestimmung, daB die Ehefrau im Falle einer Schei-
dung zur Mutter (falls diese dann iiberhaupt noch am Leben
sein sollte) zuruckzukehren habe, kaum zu erwarten. Mit der
Zahlung von Silber und der Ubergabe des Sklaven im Rah-
men der EheschlieBung sind einerseits die Anspriiche der
Mutter auf Unterhalt und Pflege im Alter abgegolten, ande-
rerseits soil das vereinbarte Scheidegeld der Ehefrau gerade
ermoglichen, einen eigenen Hausstand zu griinden.
Zum ina-asabi-Zeugea vgl. S. 65 mit Anm. 25.
74
Cornelia Wunsch
Nr. 2 BM 30342 (76-11-17, 62)
Kopie: Nbk 193
Bearbeitung: F. E. Peiser, KB 4 (1896), 190f. (T+U)
1 uA-mu sd mdNabu-eda(A&)-usur %qal-la
2 sd mIna-E-sag-il-suma-ibni
3 ina pan mU-bar mdr2-su sd mZa-am-bu-bu
4 i-te-la-a* uA-mu* 2(BAN) w//ato($E.BAR)
5 man-da-at-ta-su a-na
6 mIna-E-sag-il-suma-ibni i-nam-din
Rs 7f. Zeuge
Ahunu/Adad-zera-iddin
9f., Schreiber
Bel-ahhe-eriba/Bel-usezib/Dabibi
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 6.10.28 Nbk (30.12.577 v. Chr.)
Ubersetzung:
Wenn Nabu-eda-usur, der Sklave des Ina-Esagil-
§uma-ibni, bei Ubar auftaucht, wird er taglich 2 Ban
Gerste (als) seine Sklavenabgabe an Ina-Esagil-suma-
ibni geben.
Nr. 3 BM 31285 (76-11-17, 1012)
Kopie: Nr. 3
1 ^Bel-abb^-iddin u ^Nabu-abb^-bul-lif
2 mdrumei sd mE-sag-il-suma-ibni mdr2 mdSm-damdqu(SlG5)
3 u fRe-sat ummi(AMA)-su-nu ina bu-ud lib-bi-su-nu
4 mdNabu-eda(A§)-usur x<iqal-la-su-nu a-na 5/6 mana 8 siqil kaspi
5 a-na simi ba-ri-is a-na mSdpik(DUB)-zeri mar2-su sd
6 mIddin-dMarduk mdr2 m$i-gu-u-a id-di-nu-i?
1 pu-ut ltise-bi-i *pa-qir-a-nu l<ssabu(EK&N)meS sarru(LUGAL)-u-tu
8 u mar banu-u-tu sd radrNabtf-eda(A&)-usur
9 ^Bel-abb^-iddin ^Nlabu-abb^-bul-lit]
10 u fRe-sat ummi(AMA)-su-[nu nasu]
uRd I-en pu-ut sd-ni-i na-s[u-u]
Rs 12-15 Zeugen
Nabu-bani-ahi/Suzubu/Sangu-parakki
Nabu-a^e-iddina/Zakir/Amel-Isin
$illaja/Laba§i/$igua
16f. Schreiber
Kabtija/Marduk-Suma-ibni/Amel-Ea
Ausstellungsort: weggebrochen
Datum: 10.11.1 [Ngl(?)] (13.2.559 v. dir.?)
Obersetzung:
Bel-afrke-iddin und Nabu-a^he-bullit und Re§at,
ihre Mutter, haben aus fireiem Entschlufi (Z. 4) den
Nabu-eda-usur, ihren Sklaven, fur 58 Sekel Silber zum
/fan>Kaufpreis an Sapik-zeri gegeben. (Z. 7) Fur (das
Nichtvorhandensein von) Vertragsanfechtung, Vindi-
kation, Konigsdienst und (den Status des Sklaven als)
Freier beziiglich Nabu-eda-usur [biirgen] Bel-ahhe-
iddin und N[abu-ahlje-bullit] und Re§at, ihre Mutter.
(Z. 11) Einer biir[gt] fur den anderen.
Kommentar:
Z. 3: Der Name Resat ist eine Verkiirzung und von resit
"umjubeln" abzuleiten; vgl. die Belege bei Stamm, Namenge-
bung, S. 185f.
Zur Datierung dieser Urkunde siehe S. 67.
Nr. 3 (BM 31285)
Und die Richter berieten
75
Nr. 4 BM 30228 (75-6-9, 1: korrigiert)
Kopie: Ngl 2
Bearbeitung: M. A. Dandamaev, Slavery (1984), S. 188f. (0), S. 667, Nr. 11 (T); R. D.
Sack, Neriglissar (1994), S. 140-142 (Nr. 2, T+U)
1 ^Bel-abbe^-iddin u ^Nabu-affh^-bul-lif marumei [sd mEsagil-suma-ibni]
2 mdr2 mdSin-da-ma-qu ii rRe-sat ummi(AMA)-[su-nu mdrassu]
3 sd mSu-zu-bu mdr2 X<3S'angu-parakki(BARA) ina lju-ud lib-bi-[su-nu]
4 mdNabu-e-du-usur {dBani-tuA-um-ma alti-[su]
5 fKi-is-ri-in-ni u {Gi-mil-in-ni af}^dti(NlN*ymeS*-su*'1
6 napjjariVAV*) 4 a-me-lut-tu4 a-na 2 mana kaspi a-na simi
7 gam-ru-tu a-na ^Nabu-afjfj^-iddin mar2-su sd mSu-la-a
8 mar2 mE-gi-bi id-di-nu pu-ut se-fyi-i pa-qir-ra-nu
9 u mar banu-u-tu sd a-me-lut-tuA ^Bel-ajjlje^^-iddin
10 u ^Nabu-abbe^-bul-lit marumei sd mdE-sag-il-suma-ibni
11 mar2 mdSin-damdqu(SlGs) u {Re-sat ummi(AMA)-su-nu na-su-u
12 l-en pu-ut 2-u na*-su-u
Rs 13-18 Zeugen
Nabu-bani-alji/Suzubu/Sangu-parakki*
[Asa]ridu/Marduk-nasir/Sangu-ili
Marduk-iqi§anni/Banija/Ilu-tillati
§apik-zeri/Nergal-usallim/Sin-karabi-i§me
Bel-iddin/Bel-usebsi/Sangu-Zariqu
Adad-ibni/Zariqu-zera-ibni/Sangu-Zariqu
19 Schreiber
Rimut/Nabu-§uma-i§kun/Galjul
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 16.6.0 Ngl (5.9.560 v. Chr.)
Obersetzung:
Bel-alirje-iddin und Nabu-a^ihe-bullit und Re§at,
[ihre] Mutter, haben aus freiem Entschlufi Nabu-eda-
usur, Banitumma, seine Ehefrau, Kisrinni und Gimil-
linni, [seine] Schwestern, (Z. 6) insgesamt vier Skla-
ven, ftir zwei Minen Silber zum vollstandigen Kauf-
preis an Nabu-ahhe-iddin gegeben. Fur (das Nichtvor-
handensein von) Vertragsanfechtung, Vindikation, (den
Status der Sklaven als) konigliche Sklaven und Freie
bezuglich der Sklaven biirgen Bel-ahhe-iddin und
Nabu-ahhe-bullit und Resat, ihre Mutter. Einer biirgt
fur den anderen.
Kommentar:
Abweichungen gegeniiber Evetts Kopie sind mit * ge-
kennzeichnet. Da bei Sacks Umschrift nicht zwischen Kolla-
tionsergebnissen und Fehllesungen unterschieden werden kann,
wird dessen Bearbeitung hier ignoriert.
Zweiter Zeuge: Tallqvist, NN, bucht die Person s. v. als
Sarid/Marduk-nasir/Sangu-Nergal und listet diese Stelle so-
wie Ngl 23 und Nbn 50 als Belege auf, obwohl die Kopie als
Ahnherrennamen jeweils lu.SANGA-DINGIR zeigt.
Dritter Zeuge: Zu moglichen Lesungen des Familienna-
mens mdKASKAL+KUR-w-/a//, fur den bislang keine syllabi-
schen Schreibungen bekannt sind, siehe zuletzt A. C.V. M.
Bongenaar, The Neo-Babylonian Ebabbar Temple at Sippar.
Its Administration and its Prosopography, Leiden 1997, S.
464f. Von ihm wird die Lesung Balihu bevorzugt.
Funfter Zeuge: Die Emendation des Vatersnamens in Bel-
uSallim bei Sack ist nicht durch Parallelen gerechtfertigt.
Nr. 5 BM 31797 (76-11-17, 1524)
Kopie: Nr. 5
1 [{La-t]u-ba-sin-ni alti mDa-gil-ilim[ei u ... ana]
2 [mdNabu-mu]km([G]lN)-apli x"sukkallv(fi) u ^dajjdne™1 sd mdNe[rgal-sarra-usur sdr BdbilP]
3 [il-l]i-ku-nim-ma it-ti ^Bel-afrb^-iddin mar-s[u sd mEsagil-suma-ibni]
4 [mar m]dStn-damaqu(SlG5) di-i-ni id-bu-bu-ma {La-tu-b[a-sin-ni taqbi umma]
5 [mdNabu]-eda(A&)-usur mdBel-a^a-usur mE-sag-il-re-su-h?-[a *Kisrinni]
6 [u {G\i-mil-in-ni mdre^-e-a sd ina biti-ku-nu dr-ki sd-fa-[ri fuppi mar banuti)
1 [u-l]i-du l*sukkallul(ti) u l<1dajjdnumei dr-kdt-su-nu is-ta-lu-[ma ""Bel-afrb^-iddin]
8 [ri-k]a-si-su sd a-di la tup-pi mar ba-nu-tu sd {La-t[u-ba-sin-ni]
9 [is]-saHa-ru mdNabu-eda(A$)-usur mdBel-alja-usur aE-sag-il-[re-su-u-a]
10 [lK\is-ri-in-ni u ^Gi-mil-in-ni ma-al-du u u-il-[ti sd ...]
11 [mdNab]u-e-du-usur u mdBel-al}a-usur a-na man-da-at-ti «-[...]
12 [ub-la]-am-ma a-na li,sukkalli(S\JKKAL) u ^dajjdne™* u-kal-lim [...]
76
Cornelia Wunsch
13 [mE-sa]g-il-suma-ibni abu(AD) sd mdBel-a[bbeBMi]-id[din(S\J[M.'NA]) ■ ••]
14 [ ]-li-su a-na dBel ii-z[ak- ]
15 [ ]-nu i-mu-ru u d[ib-bi-su-nu ismu{l) ]
Rs 16 [mdNabu-eda-usur] mdBel-al)a-usur (Kis-ri-[in-ni u {Gi-mil-in-ni]
17 [sd a-di l]a fuppi(D\JB) mar ba-nu-tu sd lLa-t[u-ba-sin-ni aldii ana]
18 [^B^l-afjhe^^-iddin id-di-nu u mArdi-ia [sd arki safdr fuppi]
19 [sd ^La-tu-ba-sin-ni mdl-du a-na \La-tubasinni iddinu]
20 [m]a-ti-[m]a {La-tu-ba-sin-ni u mArdi-ia maru-su a-na m[uhhi mdNabu-eda-usar]
21 [m]dBel-a/ja-usur {Kis-ri-in-ni u (Gi-mil-in-ni la [iraggufnu(l)]
22 iusukkallu'(\J) u [udajjanumei tup-pi is-tu-ru ina m'[kunukklsunu]
23 ib-ru-mu-ma a-na ^Bel-afyfye^-iddin id-[di-nu]
24 Einleitungsformel
ina purusse(E&.BAR) di-i-ni su-a-ta
lAdi-lb Richterliste
Nabu-mukm-apli (Sukkallu, ohne Filiation)
Marduk-sakin-sumi//URU.[DU-mansum]
Nabu-iddin//Mudam[miq-Adad]
27 Schreiber
Nabu-mutir-gimilli//[Gahul-Marduk]
Ausstellungsort: Babylon
Datum 10.8.0 [Ngl] (29.10.560 v. Chr.)
tlbersetzung:
La-tubasinni, die Ehefrau des Dagil-ili, [und PN]
haben sich an [Nabu-mujkm-apli, den Sukkallu, und
die Richter des Ne[riglissar, Konigs von Babylon,
gewandt] und mit Bel-ahhe-iddin Rechtsstreit gefuhrt,
und La-tub[asinni hat folgendermaCen gesprochen: (z.
5) Nabu]-eda-usur, Bel-aha-usur, Esagil-resua, [Kisrinni
und] Gimilinni sind meine Kinder, die ich in eurem
Haus nach dem Schreiben [der Urkunde iiber (meine)
Freilassung gebo]ren habe. Sukkallu und Richter ha-
ben ihren Fall untersucht [und Bel-ahhe-iddin brachte
(z. 12 Anfang)] (z. 8) seine [Schriftjstiicke (des In-
halts), dafi solange (noch) nicht die Urkunde iiber die
Freilassung der La-t[ubasinni] geschrieben worden war,
Nabu-eda-usur, Bel-aha-usur, Esagil-[resua], Kisrinni
und Gimilinni geboren sind, und eine Urkunde [dar-
iiber, dafi ... Nabu]-eda-usur und Bel-aha-usur fur
Sklavenabgabe [... haben] (z. 12) herbei und wies sie
dem Sukkallu und den Richtern vor. [... Esa]gil-suma-
ibni, der Vater des Bel-ah[he-iddin, ...] seine [Skla-
v]en(?) (freigelassen und) dem (Tempel des Gottes)
Bel gew[eiht ...]. Ih[re ...] haben sie gesehen und
[ihre] Sa[che angehort (?) ...]. (z. 16) [Nabu-eda-
usur], Bel-aha-usur, Kisri[nni und Gimilinni, die, so-
lange] nicht die Urkunde iiber die Freilassung der La-
tfubasinni (geschrieben war), geboren sind, haben sie
an] Bel-ahhe-iddin gegeben. Und Ardija, [der nach
dem Schreiben der Urkunde (iiber die Freilassung)
der] La-tubasinni geboren ist, [gaben sie] an [LjI-
tubasinni]. (z. 20) [(Damit) kiinf]tig La-tubasinni und
Ardija, ihr Sohn, weg[en Nabu-eda-usur], Bel-aha-
Nr. 5 (BM 31797)
usur, Kisrinni und Gimilinni nicht [klagen], (z. 22)
haben der Sukkallu und die Richter eine Urkunde
geschrieben (und) mit [ihren Siegeln] gesiegelt und an
Bel-ahhe-iddin ge[geben].
Kommentar:
Die vorliegende Tafel diirfte eine Abschrift sein, darauf
deutet neben dem Fehlen von Siegeln eine Reihe von Schreib-
fehlern. Das Zeichen SUKKAL ist in mindestens zwei Fallen
eindeutig in U verschrieben. Alle hier autgefiihrten Richter
und der Schreiber erscheinen audi im Grundstiickskaufver-
trag 5R 67, 1 vom 8.11.0 Ngl.
Eine Frau namens La-tubasinni wird laut Tallqvist, NN
s. v., noch in drei weiteren Urkunden genannt, es handelt sich
aber jeweils um eine andere Person.
Und die Richter berieten
77
Z. I: Wegen des Plurals beirn Verb in Z. 3 und 4 ist
anzunehmen, daB nach La-tubasinni noch eine zweite Person
folgt, die gemeinsam mit ihr als Klager auftritt, vermutlich
ihr Sohn Ardija, der auch in Z. 20 beim Klageverzicht
zusammen mit ihr genannt wird.
Z. 2 Anfang: Es handelt sich um den Namen des Sukkal-
lu, vgl. Z. 24.
Z. 3: Das Sich-Wenden an die Richter wird sonst meist
mit qabu "sprechen" ausgedriickt; ebenfalls bezeugt sind
maharu "gegeniibertreten" (z. B. RA 12 6: 3), oder kasddu
"herantreten" (z. B. Nbn 495: 14). Im vorliegenden Fall
diirfte aldku "gehen" verwendet worden sein.
Z. 7: Die Erganzung [a]l-du ware auch denkbar, aber
dann waren wohl noch ein oder zwei Zeichen davor zu
erwarten. Fur arkatu als "circumstances (of a case)" s. die in
CAD s. v. 4b zitierte parallele Formulierung in TCL 12 86:
12. Am Ende der Zeile ist vermutlich noch der Name des
Beklagten trotz Platzmangels zu erganzen, da er es war, der
die im folgenden genannten Beweisstiicke vorgelegt haben
muB.
Z. 9: Zu adi la + Prasensform zur Bezeichnung der
Gleichzeitigkeit in der Vergangenheit s. Streck, Zahl und
Zeit, S. 111.
Z. 11: Der Inhalt dieser Formulierung ist augenscheinlich,
daB die genannten Personen fur mandattu (Sklavenabgabe)
gearbeitet haben, vermietet wurden, abwesend waren o. a.;
beim Verb konnte man vielleicht an eine Form von (w)asu §
denken, ohne daB sich das durch Parallelen verifizieren lieBe.
Z. 14: Die Verbindung mit ana Bel assoziiert eine Form
von zaku D "(einen Sklaven) freilassen (und dem Tempel)
weihen". Um welche Person es dabei jedoch geht, ist wegen
der Liicken nicht ersichtlich. Anzumerken ist, daB der Ehe-
mann der La-tubaSinni, Dagil-ili, ein plausibler Kandidat
ware, da in seinem Namen eine Verbindung zum Tempel
anklingt (Hinweis K. Kessler). Zu den entsprechenden Imp-
likationen fur die Ehe zwischen La-tubaSinni und Dagil-ili
sowie den Status ihrer Kinder siehe S. 65f.
Z. 17: Fur die Erganzung zu adi la fuppi ... issaffaru
analog zu Z. 8f. erscheint der Platz zu knapp; vermutlich
liegt eine Ellipse vor.
Z. 20-24 beinhaltet ein Klageverbot fur La-tubasinni und
ihren jiingsten Sohn verbunden mit dem Vermerk uber die
Ausstellung einer diesbeziiglichen Urkunde fiir den Beklag-
ten. Die entsprechende Formulierung ist jedoch syntaktisch
schwierig. Zu assu matima ... la ragamu dajjanu fuppa isfuru
... (vgl. Nbn 668: 18-21) oder einer analog zu ana la ene
fuppa isturu "damit (die Abmachung) nicht geandert werde,
haben sie eine Tafel ausgestellt" gebildeten Phrase kann nicht
erganzt werden, da einerseits der Platz fur assu bzw. ana am
Anfang von Z. 20 fehlt (ebenso wie am Ende der vorherge-
henden) und andererseits die Nennung der potentiellen Kla-
ger als Subjekt eine finite Verbalform erfordert. Dann wiede-
rum ware eigentlich die Negation ul zu erwarten (vgl. das
ana aframes ul iraggumii "sie werden/diirfen nicht gegenein-
ander klagen" in der Nichtanfechtungsklausel von Kaufver-
tragen). Eine Erganzung des Zeilenanfangs zu [i]t-ti {x}
erscheint auch nicht angezeigt, da sich das Verbot gegen
kiinftige Klagen durch die vormaligen Klager richten sollte.
Es scheint bei dieser Klausel eine ungeschickte Koppelung
von anderweitig bekannten Versatzstiicken vorzuliegen.
Nr. 6 BM 32023 + 32155 + 32220 (76-11-17, 1750 + 1882 + 1947, Joins von I. L. Finkel)
Kopie: Nr. 6
1 [^Bel-abh^-eriba mar-sit sd mdBel-usezib]
2 [mar mDabibi ana li']daj\Jdnemei]
3 [sd mydNabu-na>id(Nl.T\JK.y sdr Babili* iq-[bi]
4 um-ma mdNabu-u-tir-ri *qal-la-[a]
5 a-na 1 mana 5 siqil kaspi slmi gam-ru-[tu]
6 a-na mdBel-re-man-nu mdr-su sd mdMarduk-mukin{GlN)-a[pli]
1 mar mdSin-damdqu(SlG5) ad-din-ma *I-na-t[u4]
8 al-ti mApla-a afji-ia pa-qa-r[i]
9 ina mufjfji ardi su-a-tu tu-sab-si-ma dr-[ki]
10 a-fja-mes nim-gur-ma i-na kaspi su-a-[tu\
11 sd ul-tu pa-ni mdBel-re-man-nu na-s[d-a-ku]
12 i-na lib-bi 18 siqil kaspa ^P-[na-tu^\
13 rx1 [x x x x (x)] rx x x x x1 [x x (x) x]
14 sd ad-di-nu [ ]
15 a-na-ku al-te-q[i-ma riksa itti afydmes]
16 ni-is-ku-us-ma ixP-[na-tuA ina migir libbisu]
17 i-na tup-pi mal)iri(YA.LAM) sd XmdBel-re^-[man-nu]
18 ii-se-sib H-na-tuA md[B]el-re-man-nu l"qa[l-la]
19 u rik-su [s\u-a-tu a-n[a] malj-ri-ku-nu ub-la
20 purussa(E§.BAR)-a-ni suk-na ^dajjamV™1 dib-bi-su-nu is-mu-u
21 [r]ik-su su-a-tu ma-[fja]r-su-nu is-tas-su-ma
22 [r]TP-na-tu4 taq-[b]i um-ma 18 siqil kaspa
23 [i-na] sim mdN[abu]-u-lir-ri al-te-qe
78
Cornelia Wunsch
Rs
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
[u i-na] mi-gir li[b-bi-i]a rik-su an-na-a
[sd ittisu a]r-ku-su a-na [mdB]el-re-man-nu
[l(1s]a-a-a-ma-nu at-t[a-din] i-na tup-pi maffiri(Kl.LAM)
[set] mdBel-re-man-nu a-na s[i-bu-t]i at-ta-sab
tup-pi a-na mufjjji sa-[a-a]-ma-a-na
lm]dBel-re-man-nu it-ti'-[i]a ina mu/j-fji-su
[i]a-a-nu l<,dajjdnumei dib-bi \an-n\u-lu is-mu-u
ri-kis-su-nu la i-nu-u [tn]dBel-re-man-nu
[i-na^ (up-pi maffiri(Kl.LAM)-su us-ziz-z[u] r«1 ds-su ma-ti-ma
[la sa-fj]a-ri-im-ma la ra-ga-mu mdajjanumei
[tup-p]i is-fu-ru-ma i-na m'k[unukki]-su-nu
[i]b-ru-mu-ma a-na mdBel-re-man-nu [id-di]-nu
[Nabu-balassu]-iqbi//Amelu
36 Einleitungsformel
tp-na purusse(E&.BAR) di-i-ni su-[a-tu\
37-42 Richterliste
Nergal-banunu//Rab-[bane]
Nabu-ahhe-iddin//Egi[bi]
Nabu-§uma-ukin//Ir>aiini
[Be]l-ahtje-iddin//Nur-Sin
[Bel]-etir//Sin-tabni
43f. Schreiber
[Nadi]nu//Paharu
[Nabu-Suma-iSku]n//[Rab-bane]
Ausstellungsort: [Babylon]
Datum: weggebrochen
Siegelbeischriften
lRd oben [m'kunuk mdNergal-banunu \\ x<idajjanu] Siegel
lRd Mitte [m'kunuk mdN\abu-a\}b^-iddin || ^dajjdnu Siegel
lRd unten ™*kunuk mdNabu-suma-ukin(G\.NA) \\ adajjdnu Siegel
rRd oben [™<kunuk ^Bel-abb&^-iddin \\ x<xdajjanu] Siegel
rRd Mitte [m'kunuk ra]d#e/-e//r(KAR)'v \\ [x<1da]jjanu Siegel
rRd unten [a*t]kunuk || [mdNabu]-balat-su-iq-bi \\ mdajjanu Siegel
Nr. 6 (BM 32023+)
Und die Richter berieten
79
Obersetzung:
[Bel-ahhe-eriba] spra[ch zu den] Richtern [des]
Nabonid, des Konigs von Babylon, (Z. 4) folgender-
mafien: Nabu-utirri, [meinen] Sklaven, habe ich fur 1
Mine 5 Sekel Silber (zum) vollen Kaufpreis an Bel-
remanni verkauft, und Inatu, die Ehefrau des Aplaja,
meines Bruders, hat wegen des betreffenden Sklaven
Vindikation vorhanden sein lassen, und darauf (Z. 10)
haben wir uns miteinander geeinigt, und von dem
betreffenden Silber, das [ich] von Bel-remanni erhal-
ten habe, davon [hat] Inatu 18 Sekel Silber [erhalten.
((Lucke)) ...], das ich gezahlt habe [...] (Z. 15) habe
ich erhalten [und einen Vertrag haben wir miteinan-
der] geschlossen, und Inatu habe ich [aus (ihrem)
freiem Entschlufi] dem Kaufvertrag des Bel-re[manni]
als Zeuge beitreten lassen. Inatu, Bel-remanni, den
Sklaven und den betreffenden Vertrag habe ich vor
euch gebracht: Fallt fur uns eine Entscheidung! (Z.
20a) Die Richter horten ihre Angelegenheit an, den
betreffenden Vertrag verlasen sie vor ihnen, und Inatu
sprach folgendermafien: 18 Sekel Silber [vom] Kauf-
preis des Nabu-utirri habe ich erhalten (Z. 24) [und
aus] freiem Entschlufi habe ich diesen Vertrag, [den
Nr. 7 BM 31070 (76-11-17, 797)
Kopie: Nbn 516
1
2
3
4
5
6
7
Rs 8-11 Zeugen
Uballissu-Gula/Musezib*-Marduk/$angu-Gula*
Bel-iqi§a/Marduk-zera-ibni/Egibi
12f. Schreiber
Nabu-nadin-a|ji/Kiribtu*-Marduk/Dabibi
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 11.4.11 Nbn (16.7.545 v. Chr.)
ich mit ihm (d. h. Bel-ahhe-eriba)] geschlossen habe,
an Bel-remanni, den Kaufer, gegeben. Beim Kaufver-
trag des Bel-remanni war ich (damit) als Zeuge anwe-
send. (Z. 28) Eine Urkunde bezuglich des Verkaufers
Bel-remanni mit mir zu seinen Lasten gibt es nicht. (Z.
30a) Die Richter horten diese Sache an. Ihren Vertrag
anderten sie nicht. Sie bestatigten Bel-remanni(s Recht)
bezuglich seines Kaufvertrages, und damit kiinftig nicht
wie[derum] geklagt werde, schrieben die Richter eine
[Urkunde] und siegelten sie mit ihren S[iegeln] und
[gab]en sie Bel-remanni.
Kommentar:
Z. 4: qal-la-a "meinen Sklaven" (Akk.) z. B. Nbn 13: 4.
Z. 7: Der Name Inatu leitet sich von inu "Auge" her, was
im Plural auch in der Bedeutung "Edelstein, Augenstein"
verwendet wird.
Z. 25: Die Lucke am Anfang ist fur nur ein Zeichen zu
groB, daher ist wohl noch ittisu tax erganzen.
Z. 29: it-ti-ia uber Rasur.
Z. 32: us-ziz-z[u] Kausativ zu AHw s. v. izuzzu G I 5e
"stehen bleiben", "im Recht auf etwas bleiben".
Z. 33: Erganzung nach Nbn 668: 18.
Obersetzung:
18 Sekel Silber vom Kaufpreis des Nabu-
utirri hat Ina-Esagil-zera-ibni im Aufirag der
Inatu, der Ehefrau des Aplaja, von Bel-
remanni erhalten.
Kommentar:
Die Auszahlung des Silbers erfolgt durch den Kaufer an
einen Stellvertreter der Inatu. Es kann sich jedoch weder urn
deren Ehemann (es ist Aplaja/Bel-usezib/Dabibi) noch ihren
Sohn handeln.
18 siqil kaspa ina sim
mdNabu-u-tir-ri mIna-E-sag-il-zera-ibni
mar2-su sd m6Marduk-e(ir(iKAR)ir mdr2 mIb-ni-ili
ina na-as-par-tu^ sd {I-na-tu4 alti mApla2-a
ina qatelx mdBel-re-man-ni mdr2-su sd
mdMarduk-mukin(G\N)-apli2 mar2 mASin-da-ma-qu
ma-fyi-ir
Nr. 8 BM 31562 (76-11-17, 1289)
Kopie: Nbn 518
1 1 mana 5 siqil kaspu sim m6Nabu-u-t[ir-ri]
2 sd mdBel-re-man-ni mar2-su sd mdMarduk-mukin(GlN)-[apli]
3 mar2 mdSin-da-ma-qu ina qate" mdBel-a^e(PAP*)me*-[eriba]
4 mar2-su sd mdBel*-u-se-zib mar. mDa-bi-bi u {[Kassaja]
5 alti-su marat-su sd mdBel-iqisa^ [mar x x x x]
6 a-na kaspi i-bu-ku ina Ub-bi U8*1 [siqil kaspa * Inatu]
7 alti mApla*-a a\}i sd mdBel-ahhe[mei-eriba analkum]
8 kurummati{§UKU)bia-5rw ((Rasur)) tal-te-qi 1/3 ma[na kaspa m ]
80
Cornelia Wunsch
mar2-su id m$u-la-a mar2 mdSin-na-din-sumi Mr<w[w](TUK)*r,>1* [sd eli]
^Bel-abbe^-eribaiSU) u sKas-sd-a a[lti-su ilteqe]
x x x x x x [ ]
3* siqil* kaspa* mZeri-ia* mdr2-su sd ""x1-! ^rdsu]
sd e*-li* ^Bel-abbe^-eribaiSU) u [{Kassaja altisu]
il-te-qi 2 siqil 4-tu siqil* ka[spa* m... ]
['"rai]w([TU]K*)"* sd* e-li ^Bel-abb^-eribaiSV) u lKas-sd-a alti-su il-te-[qi x siqil kaspa]
^Bel-abbe^-eribaiSU) mdr2-su sd mdBel-ii-se-z[ib* mar2 mDdbibi]
u cKas-sd-a alti-su na-di-na-nu lia-m[e-lut-ti]
ina Ub-bi il-te-qu-ii napbar($U.NIGiN) 1 mana r5+1 [siqil kaspa]
^Bel-abb^-eribaiSU) mdr2-su sd mdBel-u-se-zib mar2 mDa-bi-[bi]
{Kas-sd-a alti-su sim mdNabu-u-tir-ru
{<xqal-li-su-nu ina gate11 mdB el-re-ma n-ni m[ab~ru-if]
9
10
Rd 11
12
13
Rs 14
15
16
17
18
19
20
21
22-26 Zeugen
Damqija/Sulaja/[...]
IqISaja/Bel-zera-ibni/Tabihu
Nabu*-§iima-usur/Nabu-§apik-zeri*/Sahit*-gine*
Gula-[balassu-iqbi]/Iqisaja/Rab-bane
26f. Schreiber
[...]/Kittija*/Sangu*-[...]
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 23.4.11 Nbn (28.7.545 v. Chr.)
Ubersetzung:
(Betrifft) 1 Mine 5 Sekel Silber, Kaufpreis des
Nabu-ut[irri], den Bel-remanni von Bel-ahhe-[erTba]
und [KaSSaja], seiner Ehefrau, fiir Silber weggefiihrt
(= gekauft) haben: (Z. 6a) Davon hat 18 [Sekel Silber
Inatu], die Ehefrau des Aplaja, des Bruders des Bel-
ahhe-[eriba fiir] ihre Versorgung(sanspriiche) genom-
men. (Z. 8a) 20 Sekel [Silber hat PN], der Glaubiger,
[der (eine Forderung) gegeniiber] Bel-ahhe-enba und
KaSsaja, [seiner] Ehe[frau (hat), genommen. ...] (Z.
12) 3 Sekel Silber hat Zerija, [der Glaubiger], der
(eine Forderung) gegeniiber Bel-ahhe-erlba und
[KaSSaja, seiner Ehefrau, (hat),] genonunen. 2 1/4 Se-
kel Siflber hat PN2, der Glau]biger, der (eine Forde-
rung) gegeniiber Bel-ahhe-erlba und Kassaja, seiner
Ehefrau, (hat), genommen. [x Sekel Silber] haben Bel-
ahhe-erlba und Kassaja, seine Ehefrau, die Verkaufer
des Sklafven], davon genommen. (Z. 18a) Insgesamt 1
Mine 5 [Sekel Silber] haben Bel-ahhe-eriba (und)
Ka§§aja, seine Ehefrau, (als) Kaufpreis des Nabu-
utirri, ihres Sklaven, von Bel-remanni er[halten].
Kommentar:
Eckige Klammera sind entsprechend den Beschadigungen
auf der Tafel gesetzt, sie differieren teilweise von Straflmai-
ers Kopie; sonst sind Kollationsergebnisse mit * markiert.
Z. 3 Ende: Zeichenreste passen besser zu PAP.ME als zu
SES.MES.
Z. 6 Ende: Nach dem Winkelhaken sind noch Senkrechte
zu erkennen, die selu wohl zur Zahl 18 passen.
Z. 8f.: Ein gewisser Nabu-ere§, Sohn des Sulaja//Sin-
nadin-sumi, wird in 5R 67,1: 9 als Nachbar bei einem
Grundstiickskauf des Nabu-ahhe-iddin aus der Familie Egibi
erwahnt (s. Tallqvist, NN); er konnte vielleicht mit unserem
Glaubiger identisch sein.
Z. 11 ist abgerieben, die Zeichen sind absolut unklar.
Z. 15: Anfang auf lRd.
Z. 18 Ende: Der Anfang der Zahl 5 ist noch zu erkennen.
Dritter Zeuge: Er erscheint bei Tallqvist, NN, mit Vaters-
namen Sapik-zeri noch fiinfmal; der vorliegende Beleg ist
unter Bel-suma-usur, Nr. 1, gebucht.
Vierter Zeuge: Erganzung nach Tallqvist, NN (Ngl 45:
11).
Schreiber: Es handelt sich mit Sicherheit um einen der
Sonne des Kittija aus der Famile Sangu-Ea, die u. a. als
Schreiber/Notare von Grundstiicksgeschaften in Babylon ge-
wirkt haben.
Fur die Verkaufer des Sklaven bleiben vom Erlos hoch-
stens 20 Sekel iibrig.
Nr. 9 BM 31589 (76-11-17, 1316)
Kopie: Nr. 9
Anfang weggebrochen
!' ina qateu mdBel-abbe(VAP)me-enba(S\J) ^mdr^su-sd1 [mdBel-usezib]
T mar2 mDa-bi-bi i-bu-uk-ka[m]-m[a (uppa]
y ((Rasur)) a-na sumi sd mdBel-re-man-ni mdr2-su sd m[dMarduk-mukin-apli]
4' mdr2 mdSin-damdquiSlG^ e-le-ti tup-pi
5' ina bit di-i-nu a-na mubbi saf-ru
6' [kaspu sd] mItti-dMarduk-baldfu a-na sim
T [mdNabu]-u-tir-ri it-ta-din
Und die Richter berieten
81
uRd 8' [lu]-u '™1 fup-pi lu-u u-il-ti
Rs 9' lu-u ri-ik-su sd ina bit mdBel-re-man-ni
10' il-la-c? sd mItti-dMarduk-bald(u su-u
\V-\y Zeugen
Nergal-ugallim/Marduk-etir/Ga^al
Bel-iddin/Banija/Arabtu
13*f. Schreiber
rBel1-[remanni]/rMarduk-mukin-apli1/[Sin-damaqu]
Ausstellungsort: weggebrochen
Datum: weggebrochen
Obersetzung:
[(Was) den Sklaven Nabu-utirri (betrifft), den Bel-
remanni] (Z. 1') von Bel-ahhe-eriba weggefuhrt (=
gekauft) hat und (woriiber) [eine Urkunde] auf den
Namen des Bel-remanni ausgestellt worden ist (und)
eine Urkunde vor Gericht daruber geschrieben worden
ist: (Z. 6') [Silber des] Itti-Marduk-balatu hat er beim
Kauf des [Nabu]-utirri gezahlt. Eine Urkunde, ein
Verpflichtungsschein oder ein Vertrag, der im Hause
des Bel-remanni auftaucht, gehort Itti-Marduk-balatu.
Nr. 9
(BM 31589)
Kommentar:
Der Schreiber operiert als Mittelsmann im Auftrag des
Itti-Marduk-balatu beim Weiterverkauf des Nabu-utirri und
erscheint auch in Nbn 597: 20 (bei Tallqvist, NN unter Bel-
etir gebucht).
Nr. 10 BM 31921 (76-11-17, 1648)
Kopie: Nbk 359
1 m[Arad-6Gu-l]a mar2-su sd mTdNabu-le^-H mar2 ^Bd'iru^V.KU^
2 a-na {Dam-qa-a mdrat-su sd mr^(SUrj[)-e//r(SUR)
3 mdr2 mMar-duk-u alti-su ki-a-am iq-bi
4 um-ma ul-tu sanat(MU) 28.kam dNabu-kudurn(N\G.D\J)-usur
5 sdr BdbiliiE)^ a-na ds-su-tu ki-i
6 ar-su-ka mdra u mdrta it-ti ta*-fya*-mes*'*
7 ul ni-ir-su u tup-pi it-[ti]
8 a-lfa-mes ki-i ni-is-tu-ur-[ma]
9 nikkassi(NtG.§lD)-i-ni {m} eqlu(A.&A) a-fja-mes su-nu [...]
10 x x (x) tup-pi-i-ni sd-fi-ir [...]
11 [ ] rx-a m*Arad*-d*i[Gula ...]
Rest des Vertragstextes weggebrochen
Rs l'-4' (11-14) Zeugen (Anfang weggebrochen)
Te§e-etir/§akin-§umi/[Marduku] (Vater der Damqaja)
Bel-kasir/Sakin-Sumi/Marduku (Onkel der Damqaja)
Tabnea/Nabu-leVBa^ru (Bruder des Arad-Gula)
Bel-nasir/Nabu-le'i/Ba'iru (Bruder des Arad-Gula)
Rs 5'f. (15f.) Schreiber
§ama§-nasir/Bel-u§allim/Misiraja
Ausstellungsort: rjursagkalamma
22.3.40 Nbk (10.6.565 v. Chr.)
Obersetzung:
[Arad-Gu]la hat zu Damqaja, seiner Ehefrau, fol-
gendermaBen gesprochen: (Z. 4a) "Seit dem 28. Jahr
Nebukadnezars, Konigs von Babylon, als ich dich zur
Ehe nahm, haben wir mit[einander] keinen Sohn und
keine Tochter bekommen. Und als wir miteinander
eine Tafel geschrieben haben [und] unser Vermogen
(und) Feld(?) gemeinsam ... [... in(?)] unsere Tafel
geschrieben ist [...] Arad-[Gula ...]
82
Cornelia Wunsch
Nr. 11 BM 30262 (76-10-16, 12)
Kopie: Nbn 314
Bearbeitung: V. Scheil bei E. Cuq, RA 12 (1915), S. 100 (U), H. Petschow, NPR (1956), S. 158-160 (T+O). Fur
weitere Literatur vgl. Anm. 37
2 mana 1/3 siqil kaspu sd mdNabu-suma-ukin(Gl.NA) mar2-su sd
mIbna-a mdr2 mMlSangu-dNa-na-a ina mu))-\}i
mArad-dGu-la mar2-su sd ^Nabu-le'KDA) mdr2 m W/n/(§U.KU6)
u cDam-qa-a mdrat-su sd mIna-tese(Sl]H)-efir(SUK)
alti mArad-dGu-la {dTas-me-tuA-at-kal
*Amat-dNin-lil u tdNa-na-a-na-biti-su
mdZa-baA-baA-iddin* ni*-is bltl-su-nu u mim-mu-su-nu
4 4
sd a//(URU) u ££t;'(EDEN) ma-la ba-ds-su-u mas-ka-nu
sd mdNabu-suma-ukin(Gl.'NA) lfira.sw(TUK)" sd-nam-ma ina muhi-lji
ul i-sal-lat a-di mulf-ffi sd mdNabu-suma-ukin{Gl.NA)
kaspa aA 2 mana l/3!(2) siqle in-ni-fir-ru
ina llxajjdri(GU4) kaspa a4 2 mana'l/3 siqle
[ina] qaqqadi(S>AG.DU)-su a-na mdNabu*-suma-ukw(Gl.'NA) i-nam-din-i?
l-en pu-ut 2-i na-su-u pu-ut e-\e-ru
sd kaspi aA 2 mana 1/3 siqle mdBel-re-man-ni
mdr2-su sd mLa-ba-si-dMarduk mdr2 lfi&i-ga/7-/7a(=A§gandu) na-si
ki-i ina a-dan-m (DA)-su-nu kaspa a4 2 mana 1/3 siqle
a-na mdNabu-suma-ukin(Gl.'NA) la it-tan-nu sd arfyi
ina mul}-}ji 1 ma-ne-e 1 siqil kaspu ina mufy-fji-su-nu i-rab-bi
1
?
•J
A 1
5
6 7
8
9
10 11
uRd 12
13
Rs 14
15
16
17
18
19
20-22 Zeugen
Bel-uballit/Nadin/Nabu-<bul>litsu
Guzanu/Nabu-u§ab§i/Tunaja
§amas-suma-ukin/Nabu-etir-nap§ati/Bel-pir>a*-ibni
23 Schreiber
Laba§i-Marduk/Nadin/Amel-Istar(LU-d§AR)
25f. ina-asdbi-Zeugin (nachgetragen)
Reminni-<Islar>/Ina-tese-etir/Marduku (Schwester der
Damqaja)
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 22.12.8 Nbn (24.3.547 v. Chr.)
Ubersetzung:
2 Minen 20 Sekel Silber, (Forderung) des Nabu-
Suma-ukin zu Lasten von Arad-Gula und Damqaja,
seiner Ehefrau. (Z. 5a) Tasmetu-atkal, Amat-Ninlil,
und Nanaja-ana-biti§u (und) Zababa-iddin, ihre Skla-
Nr. 12 BM 30523 (76-11-17, 250)
Kopie: Nbn 626
Bearbeitung: Vgl. Anm. 37
ven, und alle ihre Habe in Stadt und Land, soviel
vorhanden ist, ist Pfand des Nabu-suma-ukin. (Z. 9a)
Ein anderer Glaubiger wird dariiber nicht verfugen,
bis Nabu-suma-ukin beziiglich dieses Silbers bezahlt
sein wird. (Z. 12) Im Monat Ajjar werden sie dieses
Silber, 2 Minen 20 Sekel, in seinem Kapitalbetrag an
Nabu-suma-ukTn zahlen. Einer biirgt fur den anderen.
Fiir die Zahlung dieses Silbers, 2 Minen 20 Sekel,
biirgt Bel-remanni. (Z. 17) Wenn sie zu ihrem Termin
dieses Silber, 2 Minen 20 Sekel, nicht an Nabu-suma-
ukin bezahlt haben werden, wachst pro Monat auf eine
Mine ein Sekel Silber zu ihren Lasten an.
Kommentar:
Die Tafel weist einige unkonventionelle syllabische Schrei-
bungen auf, insbesondere bei Namen.
Z. 7: Emendation bereits bei Stamm, Namengebung, S.
194, Anm. 1. (s. HKL); durch Kollation bestatigt.
1 {Dam-qa-a mdrat-su sd m/«a-fe^(SOH)-e/i>-(SUR) mar2 mMar-duk-u
2 ina fru-ud lib-bi-su mtuppi(DUB) mar <banu>-u-tu sd
3 {{&xSa-la-en-qet u mdZa-ba4-ba4-iddin
4 [x (x) x (x)] Ha1 pa'-nf m*Arad*-d*Gu*-la* x (x)1
Rest des Vertragstextes weggebrochen
Zeugen bis Rs 1' weggebrochen Ausstellungsort: IJursagkalamma
Rs 2'(4') Schreiber ^ Datum: 1.7.12 Nbn (23.9.544 v. Chr.)
Nergal-§uma-iddin/Suma-u§ur/Nabu*-suma?-ibni?
Una die Richter beneten ...
Obersetzung:
Damqaja hat aus freiem EntschluB eine Urkunde
iiber die Freilassung(l) von Sala-enqet und Zababa-
iddin [ausgestellt ...]
Kommentar:
Z. 2: M. A. Powell bei M. A. Dandamaev, Slavery, S.
Rs 1' Einleitungsformel
[ina] pur[usse(E[S.BAR]) dini sudti]
Rs 2*-8' Richterliste
Nergal-u§allim//[ Sigua]
Nergal-banunu//[Rab-bane]
Nabu-ahhe-iddin//[Egibi]
Nabu-§uma-ukTn//[Ir>anni]
Bel-ahbe-iddin//[NQr-Sin]
Bel-etir//[Sin-iabni]
[Nabu-balassu-i]qbi//[Amelu]
Rs 9'f. zwei Schreiber (Namen weggebrochen)
Ausstellungsort: [Babylon]
Datum: 25.9.12 [Nbn] (15.12.544 v. Chr.)
Ubersetzung:
[Bel-remanni hat sich an die Richter des Nabonid,
Konigs von Babylon, gewandt und folgendermafien
gesprochen:]
(Z. 1') "Nabu-S[uma-ukm hatte (ein Guthaben von)]
2 Minen 20 Sekel [Silber zu Lasten von Arad-Gula
und einen Verpflichtungsschein zu seinen (d. h. Arad-
Gulas) Lasten und zu Lasten] von Dam[qaja, seiner
(d. h. Arad-Gulas) Ehefrau hat er begriindet und Ana-
TaSmetu-atkal], (Z. 5') Amat-N[inlil, Nanaja-ana-bitiSu
und Zababa-iddin, ihre Kinder], seine Sklaven, und
alle seine [Habe in Stadt und Land] nahm er als Pfand.
Und [er liefi sie] fiirein[ander] biirgen (Z. 8') und mich
[lieB er] die Zahlburgschaft [iibernehmen. Arad-Gula]
hat das Silber nicht beglichen, Arad-Gula [und Damqaja
haben das Silber] nicht gehabt und das Schicksal
[holte sie fort]. [Dann hat] Nabu-Suma-ukin [...]
83
439, Anm. 470, erwagt die Emendation zu fuppi mdr-<bari>iiti
und charakterisiert den Vorgang auf S. 145, Anm. 77a, als
"deathbed attempt by Damqa to free at least two of these
slaves". Eine Adoption ohne Erbanspruch unter Ausstellung
einer fuppi maruti ware allerdings ebenfalls denkbar, hatte
aber wohl die gleichen rechtlichen Konsequenzen.
Z. 3: Der erste Name ist eindeutig Sala-enqet und keines-
falls Amat-Ninlil oder Amtija zu lesen.
Kommentar:
Die Tafel ist weniger breit als
TCL 12, 122 und enthalt wesentlich
weniger Text. In TCL 12, 122 wird
offensichtlich noch einmal wieder-
holt, was bereits in dieser Urkunde
steht, daher geht der Text beider Ur-
kunden, soweit hier erhalten, fast
parallel.
Z. 8': Erganzung nach TCL 12,
122: 8; auch nasdku ware moglich.
Z. 10': Vgl. TCL 12, 122: 9 s'u u
altisu simtu ubil-ma ...
Nr. 13 (BM 34196+34450)
Nr. 13 BM 34196 + 34450 (Sp. 302 + 574, eigener Join)
Kopie: Nr. 13
1' [m]ANabu-s[uma-ukln mdr-su sd mIbnaja mar x<xSangu-ANanaja\
T [1]+1 1/3 ma[na kaspa eli mArad-AGula mdr-su sd ^Nabu-le^i
y mar lfiB[d^7rw(S[U.KU6) irsima uHlta elisu u eli]
4' {Dam-\qa-a altisu Pilma {Ana-ATasmelu-atkal\
5' lAmat-dN[in-lil {dNanaja-ana-bitisu u ^Zababa-iddin mdresu]
6' «iie(UN)me5 bltl-su u mim-m[u-su sd dli u seri]
7 mas-ka-nu is-bat-ma l-en pu-ut [2-i usassisunuti]
8' u ia-a-tu pu-ut e-fe-ru [usassdnni mArad-dGula]
9' kaspa la i-fir mArad-dGu-l[a u {Damqaja kaspa]
10' la i-su-u u sim-tuA [ubilsunuti]
U' [arki] lmdNabu-suma-ukin(Gl.'NA) x x x1 [x x x x x]
Rest weggebrochen
84
Cornelia Wunsch
Nr. 14 MNB 1809
Kopie: TCL 12, 122
Bearbeitung: E. W. Moore, NBAD Nr. 122 (S. 118-121, T+l)). Fur weitere Literatur vgl. Anm. 37
Photos der Siegel: L. Delaporte: Catalogue des cylindres cachets et pieires gravies [de style oriental] du Musee
du Louvre, Paris 1920, PI. 120, Abb. la, lb
1 mdBel-re-man-ni mar-su sd mLa*-[a-ba]-si-dMarduk mar mAs-gan-du1 a-na ^dajjdne1"'*
2 sd mdNabu-na'id(Nl.TUK) s'dr Babili[* iq-b]i um-ma i-na sanat(MU) 8.kam ^Nabu-na'idiNl.TUK)
3 sdr Babili* mdNabu-suma-u[kin(G[l.'NA]) mar-s]u* sd mIb-na-a mar l<>$angu-dNa-na-a
4 2 1/3 mana kaspa e-li mA[rad-dG]u*-la mar-su sd mdNabu-le>i(V&) mar w505zrw($U.KU6)
5 ir-se-e-ma u-il-ti e-l[i-su u e]-li {Dam-qa-a alti-su i-i-il-ma
6 ^-na-^Tas-me-tu^a^-kal*1 {*A[mti*-ia ^^Na-na-a-a-na-biti-su u mdZa-ba4-ba4-iddin
7 mar^-su am[elu(L[(j])*-ut-tu-su] r«7* [mimmusu sd dli] u ^ercXEDEN)1 mas-ka-nu is-ba-at-ma
8 i-en pu-u[t* 2-i u-sd]-ds-si-su-nu-rtu* u* ia*^-a-tu pu-ut e-fe-ru u-sd-ds-sd-an-ni
9 mArad-d[Gu-l]a* kaspa la i-tir su-u u alti-su sim-tu4 u-bil-ma
10 dr-ki mdNabu-suma-ukin(Gl.'NA) a-na malj-ri-Tku]*-nu ub-la-an-ni-ma rik-sa-a-tu
11 ta-mu-ra-a-ma 2 1/3 mana kaspu e-Uat1* kaspi ma^ru(lGY)" sd i-na lib-bi ad-di-nu-su
12 e-li-ia tu-sd-ar-sd-a-su-ma ia-a-tu* a-na bit mArad-dGu-la
13 tu-sd-afy-fyi-sa-ay-in-ni kaspa* su*-a-tu* mdNabu-suma-ukin(Gl.NA) e-fi-ir-ma
14 u-il-ti u gaZ)re(GABA.RI) tup-pi di-i-ni id-di-nam-ma dr-ki
15 mdNergal-uballitu ia-a-ri-tu sd mArad-dGu-la u mRi-min4-ni-dIs*-tar*
16 tf/?a/w(NIN) sd mDam-qa-a al-ti mArad-dGu-la a-na mafj-ri-ku*-nu ub-lam-ma
17 [rik]-sa-a-tu-ii-a ta-mu-ra-a-ma mdNergal-uballif u mRi-min4-ni-dIstar(l5)
18 [iq-bu^it^-ku-nu-si {x x} um-ma ia-a-ri-tu-tu sd mArad-dGula(ME.ME) ul ni-ip-pu-us
19 [x x x x x x] ar-ki nikkassu(NlG.&\D) sd mArad-dGu-la u l<1a-me-lut-tu4 bit mas-ka-ni-su
20 [x x x x x ra-s]u*-ut-su i-na lib-bi lis-lim u (up-pi ji^-fu-ra-a-ma ^ /-/ fas
21 [x x x x x x x x x 3 m]a*-na 50 siqil kaspu dr-ku-u u mah-ru-u
22 [xxxxxxxxxx mArad-dGu-l]a* u {Dam-qa-a alti-su e-li mim-mu-su-nu
23 [ dr]-ki sd tup-pi su-a-tu {dTas-me-tu4-at-kal
24 [lAmtija aNanaja-ana-biti-s]u* it mZa-ba4-ba4-iddin mar^-su
25 [ a-b]u*-uk*-ma i-na pa-ni-ia su*-nu
26 ]-su/ma* mtuppa(D\JB)-a a-na mar banu-u-tu ka-ni-ik
27 [ t]i*-ia mu-du-u lu-bi-lam-ma
28 [ ]-A mar ^Ga-bal mdNergal-uballitif
29 [u mRimut-dBel mare™* sd mdB]el*-na-sir mare™* afc sd mArad-dGu-la
30 [ ]-su-nu tu-ub*-lam-ma nis Hi u* [sarri]
31 [ ]-ma* iq-bu-ku*-nu [x (x)]
groBe Lucke, etwa 10 Zeilen (ca. 1/3 der Tafel, sehr eng beschrieben) fehlen
Rs T (32) l<sdajjdnumel mu-kin-nu-ti [x (\)]-ni-ti [...]
2' (33) {A-na-dTas-me-tu4-at-kal ummu(AMA) sd {Amti-ia u amelu(UJ)*-t[u* ...]
3' (34) iAmti-ia ki-i rik-sa-a-ti-su a-na mdBel-r[e-man-ni ... iddinii]
Rs 4' (35) Einleitungsformel Bel-etir//Sin-tabni
i-na purusse(E&.BAR) di-i-ni [suati] (kein IGI) Nabu-balassu-iqbi//Amelu
Rs 5'-ll' (36-42) Richterliste Rs 12'f. (43f.) Schreiber
Nergal-usalum//[Sig]ua* Nadin//Paharu
Nergal-banunu//Rab-bane Nabu-§uma-iskun//R[ab-bane]
Nabu-ah^e-iddin//Egibi
Nabu-suma-ukm//Ir>anni Ausstellungsort: [Babylon]
Bel-ahbe-iddin//Nur-Sin Datum: 21.10.1[2] Nbn (10.1.543 v. Chr.)
Siegelbeischriften und Siegelabrollungen
IRd oben m<kunuk mdNergal-usallim(Gl) ^dajjanu Siegel
lRd 2. von oben ^'kunuk mdNergal-ba-nu-nu x"dajjdnu Siegel
IRd unten na'ku[nuk ^Nabu-afylj^-iddin l<1dajjdnu] [Siegel]
rRd oben °*'kunuk mldNabu-suma-ukin] \\ ^dajUdnu] Siegel
rRd 2. von oben a3,kunuk ^Bel-afjfj^-iddin || ^dajjdnu Siegel
rRd 3. von oben ^kunuk mdBel-etir(KAR)ir ^dajjdnu Siegel
rRd unten na'ku[nuk mdNabu-baldssu-iqbi] \\ ^dal/jdnu] [Siegel]
Und die Richter berieten
85
Obersetzung:
Bel-remanni hat zu den Richtera des Nabonid,
Konigs von Babylon, folgendermaBen [gesprochen]:
Im 8. Jahre Nabonids hatte Nabu-suma-ukln (eine
Forderung iiber) 2 Minen 20 Sekel Silber zu Lasten
von Arad-Gula und hat einen Verpflichtungsschein zu
[seinen (= A.s)] Lasten [und zu] Lasten von Damqaja,
seiner Ehefrau, begriindet, und (Z. 6) Ana-Tasmetu-
atkal, A[mtija], Nanaja-ana-bMsu und Zababa-iddin,
ihre Kinder, [seine Sklavjen, und [alle seine Habe in
Stadt] und Land hat er als Pfand genommen, und er
hat sie ftir[einander] biirgen [lassen] und mich hat er
die Zahlbiirgschaft ubernehmen lassen. (Z. 9) Arad-
[Gula] hat das Silber nicht beglichen. Ihn und seine
Frau holte das Schicksal fort, und danach hat Nabu-
suma-ukln mich vor Euch gebracht, und die Vertrage
habt ihr angesehen, und (eine Forderung iiber) 2 Mi-
nen 20 Sekel Silber, abgesehen von fruherem Silber,
das ich ihm davon(?) gezahlt habe, (Z. 12) zu meinen
Lasten lieBt ihr ihn haben und mich habt ihr an das
Haus Arad-Gulas zuriickverwiesen. Das betreffende
Silber habe ich (an) Nabu-suma-ukln gezahlt und den
Verpflichtungsschein und ein Duplikat der ProzeBur-
kunde hat er mir gegeben. Und dann habe ich Nergal-
uballit, den Erben des Arad-Gula, und Reminni-Istar,
die Schwester der Damqaja, der Ehefrau des Arad-
Gula, vor euch gebracht und (Z. 17) meine Vertrage
habt ihr angesehen und Nergal-uballit und Reminni-
IStar haben zu euch folgendermaBen [gesprochen]:
'Die Erbschaft des Arad-Gula treten wir nicht an.' [...]
... das Vermogen des Arad-Gula und die Sklaven,
seine Pfandobjekte [...] sein [Gut]haben (gegeniiber
Arad-Gula, d. h. seine Forderung) moge er damit be-
l ikr friedigen. Und meine Urkunde habjsn 3ic(fcm. Pl-.-jj
jCseUhc^nguhig gomachj und (Z. 21) [...] 3 Minen 50 Sekel
^>c*1, spateres und fruheres Silber [... Arad-Gul]a und Dam-
qaja, seine Ehefrau, iiber alle ihre Habe [... na]ch (der
Ausstellung) der betreffenden Urkunde [habe ich]
TaSmetu-atkal, [Amtija, Nanaja-ana-bMsu] und Zaba-
ba-iddin, ihre Kinder, [...] weggefuhrt und sie sind zu
meiner Verfugung. (Z. 26) [...] meine Urkunde zur
Freilassung gesiegelt [...] meines(?) [...] will ich ("moge
sie" auch moglich?) Zeugen herbeibringen und (Z. 28)
[PN] (und) Nergal-uballit [und RImut-Bel, die Sonne
des Bel]-nasir, die Sonne des Bruders des Arad-Gula,
[...] hat sie herbeigebracht und einen Eid bei Gott und
[Konig ...] und haben zu euch folgendermaBen [ge-
sagt: ...] ((groBe Liicke))
(Rs V) Die Richter haben das Zeugnis(oder die
Zeugen?) ... [...] Ana-Tasmetu-atkal, die Mutter der
Amtija, und die Sklaven [...] Amtija entsprechend
(dem Wortlaut) seiner Vertrage an Bel-[remanni ...
gegeben.]
Kommentar:
Z. 13: So bereits von H. Petschow (Anm. 37), S. 48, und
M. A. Powell (Anm. 37), S. 127, ubersetzt. Anders CAD N/1,
S. 132 s. v. nahasu lib: "you will let me return to PNs
house" (eher zu 11a: "to send back").
Z. 19-31: Fur die Liicken am Zeilenanfang bieten sich
kaum testes Formular oder Personennamen als Anhaltspunkt.
Die bei Petschow (Anm. 37), S. 34f., Anm. 1, angegebenen
Vorschlage fiillen sie keinesfalls aus.
Z. 20: pafdru "losen, losmachen, ungiiltig rnachen": Ver-
mutlich ist damit der Erbvertrag Nbk 359 (Nr. 10) gemeint
(ahnlich Petschow (Anm. 37), S. 48, allerdings ohne Verweis
auf diese Urkunde).
Z. 29: Erganzung nach Nbn 665: 15 (beide Neffen Arad-
Gulas erscheinen als Zeugen beim Verkauf der Sklavin Am-
tija durch Bel-remanni).
Datum: Von der Jahreszahl ist lediglich 10+ erhalten. Den
tenninus post quern bietet BM 34196+ (Nr. 13) vom 25.9.12
[Nbn], da der entsprechende Vorgang in unserer Urkunde
zitiert wird. Das 13. Jahr wiederum scheidet aus, weil der
Richter Nabu-ahhe-iddin//Egibi, der zu Beginn des 13. Jahres
verstorben ist, in der vorliegenden Urkunde noch amtiert.
Nr. 15 BM 32861 (77-4-17, 12)
Kopie: Nbn 665
Bearbeitung: F. E. Peiser, BRL 4 (1898), S. 72 (U). Fur weitere Literatur vgl. Anm. 37
1 m6Bel-re-man-ni mar2-su sd mLa-ba-a-si-AMarduk
2 mar2 x<sAs-gan-du ina \}u-ud lib-bi-su
3 lAmti-ia iqal-lat-su a-na
4 1 mana 10 siqil kaspi a-na slmi gam-ru-t[u]
5 a-na mSu-qa-a-a mar2-su sd mBa-lat-su
6 mar2 lilPa^dru(BAE.AR) id-din pu-ut se-tyi-i
1 x<ipa-qir-ra-nu amat iara/(LUGAL)-«-fa
8 u mar banu-u-tu sd iAmti-ia
Rd 9 mdBel-re-man-ni na-si
Rs 10 kaspa a' 1 mana 10 siqle mdBel-re-man-ni
11 slm a-me-li4t-tuA-su ina qdte11 mSuqa(S\LA)-a-a
12 e-tir
86
Cornelia Wunsch
12a-17 Zeugen
Laba§i/Marduk-Sumu-lisir/Gahal
Nabu-etir-napsati/Nasir/Rab-bane
Rimut-Bel/Bel-nasir/Ba^ru (Neffe des Arad-Gula)
Nergal-uballit/Bel-nasir/Ba'iru (Neffe des Arad-Gula)
Arad-Bel/Nergal-uballit/Nagiru
18f. Schreiber
Arad-Gula/Nabu-balassu-iqbi/Asgandu
Ausstellungsort: FJursagkalamma
13.11.12 Nbn (31.1.543 v. Chr.)
Obersetzung:
Bel-remanni hat aus freiem EntschluB Amtija, sei-
ne Sklavin, fur eine Mine 10 Sekel Silber zum voll-
standigen Kaufpreis an Suqaja gegeben. (Z. 6a) Fur
(das Nichtvorhandensein von) Vertragsanfechtung, Vin-
dikation, (Status der Sklavin als) konigliche Sklavin
und Freie biirgt Bel-remanni. (Z. 10) Dieses Silber,
eine Mine 10 Sekel, hat Bel-remanni (als) Kaufpreis
seiner Sklavin von Suqaja beglichen bekommen.
Nr. 16 BM 30645 (76-11-17, 372)
Kopie: Nbn 668
Bearbeitung: F. E. Peiser, BRL 4 (1898), S. 85f. (0); V. Scheil bei E. Cuq, RA 12 (1915), S. lOOf. (U). Fur weitere
Literatur vgl. Anm. 37
Rs
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
3 ma-na 50 siqil kaspa sd adajjdnumei i-na tup-pi
is-fu-ru-ma a-na mABel-re-man-nu mar-su
sd mLa-a-ba-si-AMarduk mar mAs-gan-du1 id-di-nu-ma
e-li nikkassi(NlG.§ID) sd* mArad-AGu-la u {Dam-qa-a
alti-su it e-li amelu(LU)-tu bit mas-ka-ni-su mABel-re-man-nu
u-[sar-s\u-u it mANergal-uballit'' ia-a-ri-tu-{tu]
sd mArad-dGu-la iq-bu-u um-ma ia-a-ri-tu-tu
sd mArad-AGu-la id e-ep-pu-us mABel-re-man-nu
i-na amelu(LU)-tu bit mas-ka-ni-su lis-lim dr-ki mABel-re-man-nu
rA-na-ATas-me-tu4-at-kal (Amti-ia
{ANa-na-a-a-na-biti-su u mAZa-ba4-baA-iddin(S\JM.'NA)
nise(\J'N)mei biti sd mArad-AGu-la bit mas-ka-ni-su
a-na ma-fjar ^dajjdne™** sarri(L\JGAL) ub-lam-m[a]
amelu(UJ)-tu sa a-na ku-mu 3 mana 50 siqil [kaspi]
simi gam!(TAR)-ru-tu pa-ni mABel-re-man-n[u]
ki-i pi-i fup-pi-su u-sad-gi-l[u]*
na-din ma-ljir a-pil ru-gum-ma-a id i-si
u ds-sit ma-ti-ma la sa-ija-ri-im-ma
a-na muhfji amelu(L(j)-tu su-a-tu la ra-ga-mu adajjanumeS
tup-pi is-fu-ru-ma ina ™'<kunukki>mei-su-nu ib-ru-mu-ma
a-na mABel-re-man-ni id-di-n[u]
Kommentar:
Z. 6: Erganzt nach TCL 12, 122:
12. Die Emendation zu jaritu bereits
durch B. MeiBner, AJO 11 (1936/37),
S. 153f. und CAD I/J 325 s. v.
Z. 18: CAD S, S. 40, s. v. saharu
le: (in hendiadys) to do again, to
resume doing.
22-24 Einleitungsformel und Richterliste
i-na ma-fjar ... ^dajjane™** tup-pi sd-fir
Nergal-usallim(//5igua)
Nabu-ahhe-iddin(//Egibi)
Nabu-Suma-ukin^/I^anni)
Bel-etir(//Sin-tabni)
Nabu-balassu-iqbi(//Amelu)
24a Schreiber
Nadin(//Paharu)
Nabu-§uma-iSkun(//Rab-bane)
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 26.11.12 Nbn (13.2.543 v. Chr.)
Siegelbeischriflen (so angebracht, als waren Vorder- und Riickseite vertauscht), keine Siegel
IRd unten kopfstehend (statt oben) Ritkunuk \\ mANergal-usallim(Gl) || ^dajjdnu
rRd Siegelbeischrift ausgelassen (zu erwarten ware der Names des zweiten Richters).
oRd links ™'kunuk \\ mANabu-suma-ukin(Gl.'NA) \\ ^dajjdnu
oRd Mitte m-kunuk || mA Bel-efir(K AR)ir \\ *dajjanu
uRd links ^'kunuk \\ mANabu-bald(-su-iq-bi \\ ^dajjdnu
Und die Richter berieten
87
Obersetzung:
(Betrifft) die 3 Minen 50 Sekel Silber, (Forderung,)
die die Richter in einer Urkunde (fest)geschrieben und
an Bel-remanni gegeben haben und (Z. 4) gegeniiber
dem Vermogen des Arad-Gula und der Damqaja, sei-
ner Ehefrau, der Sklaven, seinen Pfandobjekten, Bel-
remanni haben [bekommen] lassen, und Nergal-ubal-
lit, der Erbe des Arad-Gula, folgendermafien gespro-
chen hat: "Die Erbschaft des Arad-Gula trete ich nicht
an (wortlich: mache ich nicht). Bel-remanni moge
(seine Forderung) durch die Sklaven, seine Pfandob-
jekte, befriedigen." (Z. 9a) Daraufhin hat Bel-remanni
Ana-Tasmetu-atkal, Amtija, Nanaja-ana-bTtisu und
Zababa-iddin, die Sklaven des Arad-Gula, seine Pfand-
objekte, vor die Richter des Konigs gebracht und (Z.
14) die Sklaven {die} haben sie fur den Gegenwert
von 3 Minen 50 Sekel [Silber] (als) vollstandigen
Kaufpreis an B., entsprechend dem Wortlaut seiner
Tafel, (als Eigentum) ubertragen. (Z. 17) Gegeben,
empfangen, er ist befriedigt, Klageanspruch hat er
nicht. Und damit kiinftig nicht wiederum wegen dieser
Sklaven geklagt werde, haben die Richter eine Tafel
geschrieben und nut ihren <Siegeln> gesiegelt und an
Bel-remanni gegeben.
Nr. 17 BM 31253 (76-11-17, 980)
Kopie: Nbn 679
Bearbeitung: F. E. Peiser, BRL 4 (1898), S. 29 (0); B. MeiBner, MAOG 11/1-2 (1937), S. 14 (0); J. Krecher,
Egibi (1970), S. 183 (Regeste); M. A. Dandamaev, Slavery (1984), S. 133f. (0), S. 679, Nr. 36 (T)
1 ina xuJ-mu ^Amti-ia qal-la-Uu^
2 sd mItti-dMarduk-baldtu mar2-su sd ^Nabu-ahb^-iddin
3 mar2 mE-gi-bi a-na mNur(ZALAG2)-dSin mar2-su sd
4 mdSamas-afja-iddin mdr2 ^Rabi{GAL)-bane tu-uk*-tin-nu
5 um-ma tje-le-[q(\-ia se-ma*-a-ta* mNiir(ZALAG2)-dSin
6 man-da-at-tu4 sd fAmti-ia
7 a-na mItti-dMarduk-baldfu i-nam-din
Rs 8-11 Zeugen
$uma-ukin/Aplaja/Ga{ial
Nabu-etir/$illaja/Gallabu(uber Rasur)
Nabu-belsunu/Sapik-zeri/Adad-Se'a
12f. Schreiber
Nabu-apla-iddin/Nummuru/Misiraja
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 20.12a.12 Nbn (7.4.543 v. Chr.)
Obersetzung:
Wenn Amtija, die Sklaven des Itti-Marduk-balatu,
den Niir-Sin beschuldigl, (Z. 5) folgendermafien: 'Von
meinem Fliehen hast Du gehort', dann wird Nur-Sin
die Sklavenabgabe der (= fur) Amtija an Itti-Marduk-
balatu leisten.
Kommentar:
Z. 5: Bisherige Cbersetzungen basierten auf der Lesung
kuzbi(Hl.Ll)-(\)-ia tu-a-di "du hast meine Scham erkannt(?)",
die bereits auf Peiser zuriickgeht. MeiCner fragte sich darauf-
hin, "ob die Besitzer von Sklavinnen mit deren unzuchtigem
Gewerbe sogar Geschafte gemacht haben". Seine SchluBfol-
gerung (S. 15), naTimuru itti werde fur den "aufierehelichen
geschlechtlichen Verkehr einer Frau mit einem Manne" ge-
braucht, basiert auf diesem Beleg. Die Obersetzung bei Dan-
damaev folgt der gleichen Tradition. CAD K, S. 615, s. v.
kuzbu, lehnt zwar diese Lesung der Textstelle ab, weil kuzbu
und HI.LI nur in literarischem Kontext belegt sind, kann aber
keine Alternative anbieten. Den Vorschlag, zu frelequ, der
spatbabylonischen Variante fur halaqu, zu erganzen, verdan-
ke ich Michael Jursa.
Nr. 18 BM 30868 (76-11-17, 595)
Kopie: Nbn 682
Bearbeitung: Peiser, KB 4 (1896), S. 244f. (T+0); Meifiner, MAOG 11/1-2 (1937), S. 54 (0); J. Krecher, Egibi
(1970), S. 184 (Regeste); M. A. Dandamaev, Slavery (1984), S. 134 (0)
1 ina uA-mu rAmti-ia ^qal-la-ta
2 sd mItti-6Marduk-balatu mar2-su sd mdNabii-ahhen>eS-iddin
3 mdr2 mE-gi-bi it-ti mGu-za-nu
4 mdr2-su sd mdNabu-fmu-se-tP-iq-udde (<VD>.DA)
5 mar2 mMudammiq(KAL)-dAdad(\M) ta-at-na-mar-ri
6 u* si*-mu-us-su it-ti-su
7 it-te-se-mu-u uA-mu 3 (BAN) «//a/a(§E.BAR)
8 man-da-at-ta-su mGu-za-nu
9 a-na mItti-dMarduk-baldfu i-nam-din
88
Cornelia Wunsch
Rs 10-13 Zeugen
[Nab]u-nadin-ab.i/MuSezib-Bel/Nannaja
Nabu-zeru-li§ir/Balassu/Nabunnaja
Rimut/Nabu-nasir/Malahu
14f. Schreiber
Nabu-nadin-ahi/Kiribtu-Marduk/Dabibi
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 25.12(a?).12 Nbn (12.4.543 v. Chr.)
Ubersetzung:
Wenn Amtija, die Sklavin des Itti-Marduk-balatu,
bei Guzanu gesehen wird (Z. 6) und das Gerucht(?),
(daB) sie bei ihm (ist), gehort wird, wird Guzanu
Nr. 19 BM 32431 (76-11-17, 2166)
Kopie: Nr. 19
taglich 3 Ban Gerste (als) ihre Sklavenabgabe an Itti-
Marduk-balatu geben.
Kommentar:
Z. 6: Bei Peiser und MeiBner findet sich die Emendation
der ersten Zeichen zu uA[\]-mu-us-su ("taglich"), da die Kopie
am Anfang zwei Schragkeile zeigt. Dieser Lesung folgt CAD
§/2, S. 287, ^. v. semu 9a. Es sind jedoch zwei deutlich
voneinander abgesetzte Winkelhaken zu erkennen, der zweite
gehort zum Zeichen IGI. Daher sollte man vielleicht an ein
Abstraktum semutu denken, wenngleich diese Ableitung in
den Worterbuchern nicht belegt ist. [S. hier S. 423. Red.]
Datum: Obwohl das Jahr 12 Nbn einen Schaltaddar hatte,
ist in dieser Urkunde nur ITI.SE angegeben. Es ist daher
nicht zu entscheiden, aus welchem Monat die Urkunde stammt.
Die Umrechnung geht von Addar I aus.
Vorderseite nicht erhalten
Rs 1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Rest des Vertragstextes weggebrochen.
Richterliste, Schreiber, Ausstellungsort und Datum weggebrochen.
[...-m]u-tu4 sd mar ban[u ...]
[...] mArad-dGu-la [x x x (x x) x x]
[..J-1^1 -H-in-ni-ma ^fuppu [x x x x (x) x]
[...]-ti-si ma-la tu-ub-[\ (x)]
[... ta-ar-k]u-us-ma ta-ad-di-nu sd a-[dr]
[...] a-na mafy-ri-ku-nu ub-la purussd(E§.BAR)-a-ni suk-na
[l(sdajjdnumei dibbisunu is\-mu-u rik-su-su a-na ma-har-su-nu
[iltasu f...] i-sd-lu-ma taq-bi um-ma mtuppa(D\}&)-a
[... ina] mi-gir lib-bi-ia ri-ik-su
[... m]dBel-re-man-ni at-ta-din
[...] x [x x]-{x*-mu-ru-ma
[...] mdBel-re-man-[ni]
Siegelbeischrift mit Siegelabrollung
rRd 2.(?) von oben [™'kunuk mdNabu-baldssu]-iq-[bi]
Ubersetzung:
[...] des Vollfreien-[Status ...] des Arad-Gula [...] ...
und eine Tafel [...] soviel sie gebra[cht hat ... (einen
Vertrag) geschl]ossen(?) und gegeben hat, ... [...] (Z.
6) [...] habe ich vor euch gebracht. Fallt eine Entschei-
dung fur uns! [Die Richter horjten (sie an). Seinen/
ihren Vertrag [verlasen sie] vor ihnen und befiragten
(sie) und sie sprach folgendermaBen: Meine Tafel [...]
habe ich aus freiem EntschluB [... und an] Bel-remanni
gegeben. [...] sahen(?) sie und [...] Bel-remanni [...]
Kommentar:
Die ungefahre zeitliche Einordnung dieser Urkunde kann
nur uber den Richter Nabu-balassu-iqbi erfolgen. Dieser
amtierte, wie aus der Position seines Siegels (am rechten
Rand, in der oberen Halfte) zu schlieBen ist, auf ca. 3. oder
4. Position, jedenfalls offenbar nicht - wie in alien Urkunden
"dajjdn]u
bis zum Jahre 12 Nbn - an letzter Stelle.
Die Urkunde ist daher wohl nicht vor 13
Nbn zu datieren. Unklar bleibt dabei, ob
sie aufgrund des spaten Datums iiber-
haupt zur Affare um den NachlaB des
Arad-Gula gehort, auch wenn mit Arad-
Gula und Bel-remanni die Namen zweier
Protagonisten genannt werden. Deren
Filiationen sind hier namlich nicht erhal-
ten, es konnte sich also auch um einen
ganz anderen Fall handeln. Der Wortlaut
weist groBe Ahnlichkeit mit dem von
BM 32023 (Nr. 6) auf, einer Urkunde, in
der es um die auBergerichtliche Einigung
uber den Anteil einer Frau am Kaufpreis
des Sklaven Nabu-utirri geht (insbeson-
dere Z. 19-26). Es wird in diesem Zu-
sammenhang auch ein Bel-remanni er-
wahnt (der Kaufer des Sklaven), aller-
dings kein Arad-Gula. Moglicherweise
reprasentiert das vorliegende Fragment
einen Beleg fur einen anderen, ahnlichen
Vort'all.
Nr. 19 (BM 32431)
Und die Richter berieten
89
Nr. 20
Kopie:
V
T
y
4'
5'
6'
T
8'
9'
10*
XV
12'
13'
14'
15'
16'
17
18'
BM 32174 (76-11-17, 1901)
Nr. 20
mdN[abu- ana mdSin-eriba]
^sar-te-inu u ^dajjane*™* sa mAN[abu-na>id sar Babili*]
iq-b[i] um-ma i-na sanat(MU) 2.kam radA/fli6M-/ifl>i[rf(Nf.T[UK]) sar Bdbili*]
mArad-d[Ma]rduk mar-su sa radAfar<M-f?/i'r(KAR),r mar [x x x x (x)]
iq-ba-a [um-m]a kaspu sib-tuA e-li-ia [x x x x]
kaspa a-na mufrfyi-ia e-fir-ma ^zera u qanati(Gl)mei [(maskanu)]
lu-sd-as-bit-ka ia-a-ti kaspa su-a-tu ba-lu {[Busasa]
ummi(AMA)-su la ad-din-su 16 mana kaspa ad-din-su-fnu-tu1
u-il-e-ti e-li-su e-H-il-ma 1 GUR 1 (PI) 4 (BAN) "zero
sa mubbi nari(l7) es-su sa i-na qatexx mdNabu-mu-se-ti-iq-udde(UD.DA)
mab-ru u bita sa ina lib-bi ds-bu mas-ka-nu
u-sd-as-bit-an-ni-ma *Bu-sa-sa ummi(AMA)-s[u u]
tAmat^ZarpanituiE^.RUJ marat-su a-na si-[bu-u-ti]
ina lib-bi u-se-sib u sd-a-su u md*NabulBeP-[x x (x) x]
mu-tu sa {Amat-dZarpanitu(E4.R{J6) \+en p[u-ut sani\
u-sd-ds-si-ma kaspa su-a-tu i[P x x (x x) x]
wrasw(TUK)me5 sd mubbi-su i-fir u a-na [x x (x x) x]
lRd oben
lRd 2. von oben
lRd 3. von oben
lRd unten
a-na ummi(AMA)-su Talti mx x1 [x x (x x) x]
Rest des Urkundentextes weggebrochen
Rs l1 Einleitungsformel
[ina] purusse(ES.BAR) d[i-i-ni sudti]
Rs 2'-9" Richterliste
[S]in-eriba, [der Sartennu]
[Na]bu-etir//[Buraqu]
Bel-zeri//[Rimut-GN]
Nergal-u§allim//[Sigua]
Bel-uballit//[Rab-§uS§i]
Bel-zeri//[Eppe§-ili]
Nergal-banunu//[Rab-bane]
Nabu-abbe-iddin//[Egibi]
Rs 10'f. Schreiber
Nadin//[Pa^aru]
Nabu-§uma-i§kun//[Rab-bane]
Ausstellungsort: Babylon
Datum: weggebrochen (nach 2 Nbn, 554 v. Chr.)
Siegelbeischriften mit Siegelabrollungen
[^'kunuk mdSm-eriba || x<ssar-te-e]n-nu
*m'kunuk mdNab& -e/ir(KAR)ir x<sdajjanu
^'kunuk mdBel-zeri Xi,dajjdnu
[™<kunuk mdNergal-us\allim(G\) x<sdajjanu
Siegel
Siegel
Siegel
[Siegel]
Nr. 20 (BM 32174) Rs.
Obersetzung:
[PN ... hat zu Sin-eriba], dem Sartennu, und den
Richtern des Nabonid, Kfonigs von Babylon], folgen-
dermaBen gesprochen: "Im Jahre 2 Nbn sprach Arad-
Marduk zu mir folgendermafien: (Z. 5'a) '(Eine) ver-
zinsliche (Forderung iiber) Silber zu meinen Lasten
[besteht]. Begleiche das Silber auf meine Rechnung
und ich will dich (dafiir) Feld- und Hausgrundstuck
[(als Pfand)] ergreifen lassen.' Ich habe das betreffen-
de Silber ohne (Zustimmung der) [Busasa], seiner
Mutter, ihm nicht gegeben. 16 Minen Silber zahlte ich
Nr. 20 (BM 32174) Vs.
90
Cornelia Wunsch
an sie(PL). (Z. 9') Verpflichtungsscheine habe ich zu
seinen Laslen begriindet und 1.1.4 Kur Anbauflache
am Neuen Kauai, die er von Nabu-muSetiq-udde er-
worben hatte, und das Haus, in dem er wohnt, hat er
mich (als) Pfand ergreifen lassen. (Z. 12'a) Und Busa-
sa, seine Mutter, [und] Amat-Zarpanitu, seine Tochter,
habe ich als Zeu[gen] dabei anwesend sein lassen.
Und sie und [PN], den Ehemann der Amat-Zarpanitu,
habe ich fiir[einander] burgen lassen (Z. 16'a) und das
betreffende Silber [... (und) an] seine Glaubiger begli-
chen. Und an/fur [...] an seine Mutter, die Ehefrau des
[...]"
Kommentar:
Z. 1': Am Anfang des Textes fehlen vermutlich ein oder
zwei Zeilen (vgl. die Beischrift des Sartennu auf dem linken
Rand), das Formular beginnt wahrscheinlich: PN (mit voller
Filiation) ina sanat x.kam ... Die ersten erhaltenen Zeichen
sind daher wo hi zu miNa[bu-na^id sar Babili* zu erganzen.
Z. 4': Zu einer moglichen Erganzung des Ahnherrenna-
mens vgl. Anm. 49.
Z. 5': sibtu "Zins" erscheint nur ausnahmsweise in neuba-
bylonischen Texten; als einzigen syllabischen Beleg fuhrt das
CAD eine ProzeBurkunde an, TCL 12 86: 18: kaspu ana $ib-
tu4 se-im ana UR5.RA "silver at interest, barley at ffubullu-
interest". Im vorliegenden Falle ist die Formulierung wohl
als kaspu (u) $ibtu "Silber (und) Zins" oder kasap $ibti
"Silber des Zinses, verzinsliche Forderung" zu verstehen. Am
Ende der Zeile ist vielleicht elija ibassi zu erganzen.
Z. 18': Die erhaltenen Zeichenspuren scheinen nicht zu
DAM mdAMAR.UTU-KAR-/r zu passen, wie man eigentlich
vermuten sollte.
Datierung: Das Richterkollegium amtiert in dieser Zusam-
mensetzung etwa zwischen dem 2. und 6. Regierungsjahr
Nabonids.
Nr. 21 BM 34392 + 41543 + 41700 + 41907 (+) BM 31676 (Sp. 511 + 81-6-25, 319 + 319 + 527 (+) 76-
11-17, 1403) (alles eigene Joins)
Kopie: Nr. 21
1 [-
2
3 [sar Babili* ...
Liicke von etwa 8-10 Zeilen
]-rx! a-na ^dajjdne10*
[sd **Naburtu?id sar Babili*] iq-bi um-ma sanat(MU) 28.kam mdNabu-kudurri(NiG.DU)-usur
Rs
V
T
y
4'
5'
6'
T
8'
9'
10*
ir
12'
13'
14'
15'
16'
IT
18'
19'
20'
21'
] ummi(AMA)-ia mfuppi(D\JB) fbitati
]-bu-u rxM
me«?
XXX
[
Tx* [x x x x x (x)] ub-la-ds-su-nu-tu purussd(E&.BAR)-a-ni [sukna]
^dajjdlnu™]* [l-ew]-TA-AM dib-bi-su-nu is-mu-[u-ma]
{Tal-te-ma-an-ni taq-bi um-ma mdNabu-sarra(LVGAL)-usur [x x (x x)]
sd mAAmurru(K\JR.GAL)-qdte<n>-sa-bat ik-nu-uk-ma sd-a-su [x x x (x)]
id-di-na-[an]-ni-ma fup-pi ds-^su^-ti [x x x x x]
ku-um «[w?-x-x x x x x] t^AmurruiKXJR.GALyqdt^-sa-bat ma-fjar-su-nu x x x
[ina] lib-b[i satir u]m-ma ki-i mAAmurru(YJJR.GAL)-qaten-sa-bat bel-su i-tab-ku-us
[rGu-z]u-um-ma-a x x ina mufyfri {A-li-ba-a> ul ta-sal-laf
\^dajjanu\mei iq-bu(uber Rasm)-su-nu-tu ul ardumei-um-ma sd {{§A}Gu-zu-um-ma-a
[x (x) s\u-nu mi-nam-ma ki-i pi-i an-ni-i ina mluppi(JR3B>)-ku-nu sd-fir
Tdr-kP mdNabu-sarra(lAJGAL)-usur sd ""fuppa^DMBysu-nu ik-nu-ku ub-lu-nim-ma iq-bi
um-ma w'.se(UN)meS biti sd cGu-zu-um-ma-a su-nu dr-ki mArad-ANabu
u-il-ti sd ina sanat(MU) 33.kam mdNabu-kud[urri(NlG.D\J)-usur] sar Bdbili*
{Gu-zu-um-ma-a it-ti mIl-t[a-x x a]-na mujjjji
mdAmurru(KUR.GAL)-qdten-sa-bat man-da-at-ti [x x x x x x]
sd a-na mufrlfi {Tal-te-ma-an-ni it-ti mTdNabu^-suma-iskun(GAR)U"
e-let ub-lam-ma ma-fjar-su-nu is-tas-su-u u is-ta-lu-ma
ul-tu sanat(MU) 33.kam amelu{UJ)-tu su-a-tu ina bit mdNabu-etir(KAR)-napsdti(Zl)mcS si-i
im-tal-ku-u ^AmurruiKXJR.GALyqdt^-sa-bat alti-su u mdr^-su i-il-sa-a
a-na mdNabu-etir(KAR)-napsati(Zl)mei belJ-su i-di-nu
Rs 22' Einleitungsformel
i-na purusse(E&.BAR) di-i-ni su-a-ti
Rs 22'a-26' Richterliste
Nabu-etir//Buraqu
Bel-zeri//RJmut-Marduk(d§U)
Mu§ezib-Marduk//IlI-[tillatu]
[Nergal-u§allim]//Sigua
[Bel-uballit//Rab-§u§si]
[Bel-zeri//Eppe§-ilT]
Nergal-banunu//Rab-bane
[Nabu-ahhe-iddin]//Egibi
Rs 27* Schreiber
[Nadin//Pa]haru
vielleicht noch ein zweiter Schreiber
Ausstellungsort: [Babylon]
Datum: 21.2.3 Nbn (27.5.553 v. Chr.)
Und die Richter berieten
91
Siegelbeischriften
lRd oben
lRd 2. von oben
lRd 3. von oben
lRd unten
rRd oben
rRd 2.von oben
rRd 3. von oben
rRd unten
ohne Siegelabrollungen
[m'kunuk mdNabu-efir l<,dajjanu]
[m'kunuk mABel-zeri l(,dajjdnu]
™'kunuk mdMusezib(¥J^R)-f^[Marduk] || ^dajjanu
m'kunuk mdNergal-us[allim{G\)\ || Hajjdnu
[m-kunuk ^Bel-uballif)1 \\ [l<sdajjdnu]
[m'kunuk mAB)el-zeri \\ [x<idajja]nu
[™'kunuk miNe]rgal-ba-nu-nu \\ []"dajjdnu]
m'kunuk || ^Nabu-abb^-iddin \\ ^dajjanu
Nr. 21 (BM 34392+)
Ubersetzung:
[PN] hat zu den Richtern [des Nabonid, Konigs von
Babylon,] folgendermaflen gesprochen: "Im 28. Jahre
Nebukadnezars, [Konigs von Babylon, ...], meiner
Mutter, eine Urkunde iiber Hauser(?) [((groBe Liik-
ke))]
(Z. 1') [...] habe ich/hat er ihnen hergebracht.
[Entscheidet] unseren Rechtsstreit!" (Z. 3') Die Rich-
ter horten je eine (= beide Seiten der) Angelegenheit
[an und] Taltemanni sprach folgendermafien: "Nabu-
Sarra-usur hat [...] des Amurru-qate-sabat selbst gesie-
gelt und jene(n) [...] mir gegeben. (Z. 6'a) Und eine
Eheurkunde [...] anstelle von [...] Amurru-qate-sabat
vor ihnen [... und da]rin folgendermafien [geschrie-
ben(?)]: "Wenn den Amurru-qate-sabat sein Herr weg-
gefiihrt (haben wird), wird [Guz]ummaja, [...], iiber
Aliba nicht verfugen.
(Z. 10') [Die Richter] sprachen zu ihnen: "Es sind
keine Sklaven! Der Guzummaja [gehoren sie?] War-
um ist dieser Wortlaut in eure Tafel geschrieben?"
(Z. 12') Dann brachten sie den Nabu-§arra-usur
herbei, der ihre Tafel (geschrieben und) gesiegelt hat-
te, und er sprach folgendermafien: "Sklaven {nisi biti)
der Guzummaja [(...)] sind sie."
(Z. 13'a) Dann brachte Arad-Nabu den Verpflich-
tungsschein, den im 33. Jahre Nebukadnezars Guzum-
maja mit Ilta[...] wegen Amurru-qate-sabat (und) [sei-
ner] mandattu [... und den Verpflichtungsschein], den
deswegen Taltemanni mit Nabu-suma-iSkun begriindet
hatte, herbei, und vor ihnen verlasen sie ihn und
befragten (ihn/sie), und seit dem Jahre 33 Nbk sind
diese Sklaven im Hause des Nabu-etir-napsati.
(Z. 20') Sie berieten. Amurru-qate-sabat, seine Ehe-
frau und seine Kinder ... gaben sie an Nabu-etir-
napSati, seinen Herrn.
Kommentar:
Z. 3': Die Erganzung des Formulars erfolgt nach BM
31961: 9 (vgl. Anm. 2).
Z. 8': Es ist kaum eine andere Erganzung als angegeben
moglich, da nur Platz fur zwei kurze Zeichen vorhanden ist.
Z. 9': Bei den beiden Zeichen vor ina muhfri konnte es
sich um a-na handeln, was freilich an dieser Stelle uberfliis-
sig ist. Ob die Zeichen beschadigt oder aber halb radiert
worden sind, laBt sich nicht entscheiden.
Z. 19': si bezieht sich auf das Abstraktum amelutu, das als
Sg. fern, konstruiert wird. Die Formulierung betrifft daher die
Sklavenfamilie, nicht die zuvor genannte Taltemanni.
Z. 20' Ende: Die Zeichen sind deutlich erkennbar, aber
ihre Bedeutung unklar.
92
Cornelia Wunsch
Nr. 22
Kopie:
Lucke
Rs
V
T
y
4'
5'
6*
1"
2"
3"
4"
5"
6"
7"
V
T
y
4'
5'
6'
BM 32157 (+) BM 34432 (76-11-17, 1884 (+) Sp. 555)
Nr. 22
[ ] xx
[ ] mufrfri mSu-la-a
[mar-su sd m mar] liSd-fdbti(M\J'Nfia-su
[ ] SAL-M-a
[ m]dSamas-zera-ibni
[ ) m-u\i)
[X (X)]| X X [...]
uzeri-su sd rxn [..,]
mas-ka-nu sab-tu [...]
afju sd mSu-la-a ...]
i-na ma-tjar ^dajjdlne™** sd mANabu-na>id]
sdr Bdbili* [...]
[md$amas-zera]-ibni [...]
[x x x x x] rxn [...]
[x x (x)]-^1-^ ina lib-b[i ...]
5M/«/?/7e(ZU.LUM.MA)-iw-nw #-[...]
1/2 mana kaspi im-[...]
ill mana kaspu sim su[luppe(Z[u.LUM.MA) ...]
mdSamas-zera-ibni [...]
Ubersetzung nicht sinnvoll
Kommentar:
Beide Bruchstiicke gehoren eindeutig zur
gleichen Tafel; neben der Ahnlichkeit von
Schriftduktus und Tafelform spricht auch die
Nennung des Personennamens §amas-suma-ibni
in beiden Fragmenten dafur. Wahrend auf der
Riickseite die Zeichen der letzten Zeile von
BM 32157 und der ersten von BM 34432 zum
gleichen Namen gehoren (dem des ersten Rich-
ters), lafit sich fur die Vorderseite der Textan-
schluB nicht genau bestimmen. Z. 1" konnte
bereits mit 5' zusammengehoren.
Die Identifizierung des Siegels auf dem
rechten Rand von BM 34432 als das des Rich-
ters Bel-zeri//Eppes-ilI (das bislang auf keiner
anderen Urkunde erhalten ist) basiert auf des-
sen Position in der Richterliste. Die Siegel der
vor und nach ihm genannten anderen Richter
sind bekannt und sehen anders aus.
Datierung: Da sich Richterkollegien in ahn-
licher Zusammensetzung in datierten Urkun-
den bis zum 6. Jahr Nabonids finden, ist auch
die vorliegende in die erste Halfte seiner Re-
gierung einzuordnen.
Rs 7 Einleitungsformel
[i-n]a purusse(E&.BAR) di-[i-ni suati]
Rs 8'-12' Richterliste
[NabuPetir^/ZBuratou
[Nergal-u§allim//§i] gua
[Bel-uballit//]Rab-§u§§i
[Bel-zeri//Ep]pe§-ili
[Nergal-banunu//Rab-ban]e
Rest der Richterliste, Schreiber, Ausstellungsort und Datum
weggebrochen
Siegelbeischriften mit Siegelabrollungen
lRd Mitte [™'kunuk mdNergal-usallim \\ {<idajjdnu] Siegel
IRd unten ™'kunuk mdBel-uballit" \\ [x<1dajjanu\ [Siegel]
rRd oben [m'kunuk mABel-zeri] \\ ^dajjdnu1 Siegel
5'
Nr. 22 (BM 32157 (+))
Und die Richter berieten
93
Nr. 23 BM 31681 (76-11-17, 1408)
Kopie: Nr. 23
1 [...-id^w([SU]M.NA) mar-su sd mSu-l[a]Ja1
2 [...]-ni a-na ^dajjane™*]
3 [...] x x [x x x (x)]
Rs Y-T Richterliste, Anfang weggebrochen
[PN]//[AN], [Richler]
[Nergal-bantin]u//Rab-bane, Richter
Rs 3'f. Schreiber
[Nadin]//Pabharu
Nabu-Suma-iSkun[//Rab-bane]
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 7.5.5 Nbn (17.8.551 v. Chr.)
Siegelbeischrift (unklar, ob die Tafel gesiegelt war)
rRd oben m'kunuk \\ [m]Bel-zeri \\ mdajjanu*
Kommentar:
Rechte obere Ecke einer ProzeBurkunde. Beim Klager,
der in Z. If. genannt wird, konnte es sich urn Nabu-ahhe-
iddin aus der Familie Egibi handeln, dann ware wohl nicht
die Formel PN ana dajjane ... imhurliksud zu erwarten,
sondern [... di-i]-ni in Z. 2 zu erganzen.
Nr. 24 BM 37323 (80-6-17, 1079)
Kopie: Nr. 24
1 12 gur [...]
2 marat-su [sd ...]
3 i-na [...]
4 mar %..]
5 xx [...]
6 sd mMU-[...]
7 *x [...]
8 sd rx! [...]
Rest weggebrochen
Rs 1-4' Richterliste, Anfang weggebrochen
[Nergal-u§allim](//Sigua) vgl. Siegel
Nab[u-sumu-libur](//Gahul-Marduk)
[MuSezib-Bel] (//Eppe§-ili)
Rimut-[Bel](//Misiraja)
Rs 5' Schreiber
Nabu-Suma-iSkun(//Rab-bane)
Ausstellungsort: Babylon
Datum: x.x.13 [Nbn] (543/542 v. Chr.)
Siegelbeischriften (ohne Siegelabrollungen)
lRd oben (kopfstehend) ™'kunuk \\ mdNergal-usallim(Gl)
lRd 2. von oben [™'kunuk PN] || mdajjdmS
oRd links m'kunuk II m6Nabu-sumu-li-bur I
Nr. 23 (BM 31681)
Kommentar:
Linke obere Ecke einer von Richtern bezeugten und
gesiegelten Urkunde, die offensichtlich ein Grundstiick zum
Gegenstand hat. Die Richter diirften ohne Filiation in der
Liste genannt sein, daher ist zwischen Nabu-§umu-libur und
Rimut-Bel noch ein weiterer Name zu erwarten. Laut Nbn
720 und TBER Nr. 60 ist an dieser Position Musezib-Bel//
Eppes-ili bezeugt. Die Siegelbeischriften auf dem linken
Rand sind falsch herum angebracht; Nergal-usallim diirfte
aber in erster Position zu erwarten sein, da er diese in alien
Urkunden seit dem Jahre 9 Nbn innehat.
| <l<idajjdnu>
iudajjdnu
94
Cornelia Wunsch
Nr. 25 BM 40263 (81-3-24, 130)
Kopie: Nr. 25
V [...] 'x xi [...]
T [... *]dajjan&wai x [x (x)]
3' \...]-ma mdNabu-zera-ukin(GlN)
4' [... s]u-a-ti u-kin-nu-ma
5' [... qaqq]adu([SA]G.DU) u fjubullu(\JR5.RA) ki-i
pi-i
6' [...-/]/ i-pu-su-ma
T [...] siqil gi-ru-u kaspu e-li
8' [...\-su ip-ru-su-m[a]
9* [...]-W-m-ti id-[di-nu]
Rs 10' Einleilungsformel
[ina purusse(E&].BAR) di-i-ni su-a-ti
Rs 11'-14' Richterliste
[Nergal-u§all]im//$igua
[Bel-ahhe-iddin]//Nur-Sm
[Nabu-balassu-iqbi]//Amelu
[Nabu-Sumu-libur//Gabul-M]arduk
Rest der Richterliste und Schreiber weggebrochen
Ausstellungsort: [Babylon]
Datum: weggebrochen (um
v. Chr.)
13/14 Nbn, etwa 542
Siegelbeischrift mit Siegelabrollung
rRd unten [m>kunuk || PN] || ^dajjantf
Obersetzung:
[...] Richter [...] und Nabu-zera-ukhi [...] das be-
treffende [...] bestatigt hatte und [...] Kapitalbetrag
und Zins, entsprechend [...] gemacht hat und [... x]+l/24
Sekel Silber zu Lasten [von ...] entschieden sie und
ga[ben (es) an ...].
\
Nr. 25 (BM 40263)
Kommentar:
Rechte untere Ecke einer ProzeBurkunde. Der fragmenta-
rische Erhaltungszustand laBt kaum einen Zusammenhang
erkennen. Offenbar geht es um eine verzinsliche Forderung,
und die Richter fallen die Entscheidung, daB Silber an [...]nati
(eine Frau?) zu zahlen ist.
Das Siege 1 auf dem rechten
Rand laBt sich nicht sicher
identifizieren, es konnte
RImut-Bel//Misiraja geho-
ren.
Datierung: Wegen der
beteiligten Richter ist die
Urkunde in das Jahr 13 oder
14 Nbn zu datieren.
I umma
Nr. 26
Kopie:
1
2
3
4
5
6
7
8
9 [
Rest weggebrochen
BM 41785 (81-6-25, 404)
Nr. 26
[mItti-Marduk-balatu mar-su sd ^Nabii-abb^-idjdin mar mE-gi-bi
[ina maljar ^dajjdne™*6 sd mANabu-na>id sdr] Babili^ iq-bi
]-MU mar-su sd mBa-ni-ia
]-*x^-sa-am-mu
] mufrbi TAR TIR BA
mdNabu]-na'id(l) sdr BabilF
]-rx1-wa
]-rxWr (Ni-din-tuA
\-me-er
Richterliste weggebrochen
Rs T Schreiber
[Bel-iddin]//At[u(i.DUg)] (vgl. Nbn 776 und TBER Nr. 60)
Ausstellungsort: [Babylon]
Datum: x.x.17 [Nbn] (539 v. Chr.)
Nr. 26
(BM 41785)
Und die Richter berieten
95
Siegelbeischrift mit Siegelabrollung
rRd oben "Hunuk || mMusezib(KAR)-dBel ||
<li,>dajjdnu
oRd rechts [™>kunuk || ...]
Obersetzung:
[Itti-Marduk-balatu hat zu den Richtern des Nabo-
nid, Konigs] von Babylon, [folgendermaCen] gespro-
chen: [PN ...] ... [im Jahre x] des Nabonid, Konigs von
Babylon, [...] und [...] die/der Nidintu [...]
Kommentar:
Die Siegelbilder sind falsch herum abgerollt.
Nr. 27 BM 42040 (81-6-25, 662)
Kopie: Nr. 27
Text der Urkunde nicht erhalten
Rs l*-6* Richterliste
[erster Richter oder Sartennu/Sukkallu/Sakin-temi]
[Richter]
[Richter]
Rim[ut-Bel//Misiraja]
Marduk-[§uma-iddin//Esagilaja]
Balas[su//Malahu]
Rs T Schreiber
Nabu-suma-[i§kun//Rab-bane]
Nabu-[kasir//Atkuppu]
Rest weggebrochen
Ausstellungsort: [Babylon]
Datum: weggebrochen, wegen der beteiligten Richter
nicht vor 14 Nbn (542 v. Chr.).
Siegelbeischrift mit Siegelabrollung
lRd, 1. oder 2. Siegel von oben n3ik[unuk] \\ mdNabii-
baldt-su-[iqbi] \\ <x<1>dajjdnu
Nr. 29 BM 32166 (76-11-17, 1893)
Kopie: Nr. 29
Nr. 27 (BM 42040) Nr. 28 (BM 48562)
Nr. 28 BM 48562 (81-11-3, 1273)
Kopie: Nr. 28
1 [... m]dMarduk-sdkin-sumi mar mdURU.[DU-
mansum]
2 [...] mAE-a-ahh^-iddin mar m[...]
3 [... {LP]-bar-tu4 mdratF[ei ...]
4 [...-S]E§ mdru sd mdEa-a\}h^%-\iddin ...]
5 [...]-si-na mABel-ik-$ur mar [...]
6 [... m\a\}-ri '"dajjdne*1* sd mdNabu-na['id{^\.l\}K)
...]
7 [...]-ku-ut-tu4 u-il-t[i ...]
8 [...] nu-dun-ne-e [...]
9 [... mdNabu]-na'id sar Bab[UP]
10 [...] mdE-a-MV[...]
Kommentar:
Eine zusammenhangende Obersetzung ist nicht moglich.
Die Formulierung "vor die Richter des Nabonid" in Z. 6 laBt
an einen Rechtsstreit denken, bei dem es um "(Schuld)forde-
rung(en)" (Z. 7) und "Mitgift" (Z. 8) gehen diirfte. Das
Verhaltnis der erwahnten Personen zueinander ist unklar. Bei
der in Z. 1 genannten Person handelt es sich wohl um einen
Sohn oder eine Tochter des koniglichen Richters Marduk-
sakin-§umi/AJRU.DU-mansum (in 5R 67, 1 und Edinb. 69
bezeugt). Eine Tochter, deren Namen nicht erhalten ist, er-
scheint in BM 48712 als Kauferin eines Feldes.
Richterliste, Ausstellungsort und Datum sind nicht erhal-
ten.
1' x [ ]-na-sir mar m[...]
2' 4 me 15 KU$ siddu(US) saplu(Kl.[TA]) ^m5W/w(Ulg.LU) ta[t}(tiS.[SA.DU) ...]
3' bit qasti(BXN) libbu(&A) eqli(A.Sk) sd /a/?(US.[SA].DU)] f£?-[... mdrat-su]
4' sd mMu-se-zib-dMarduk mar ^Bd'iru^V.KV^) u [...]
5' 51 KU§ putu(SAG) e/i/w(AN.TA) ^^(MAR.TU) /dMUS.SA.DU) [...]
6' sd tSu-un-na-a mdrat-su sd mdMarduk-zera-[...]
T 49 Ktl§ 6 §U.SI putu(SAG) saplitu(Kl.TA) ™sadu /aMUS.SA.DU) [...]
8' w*/?£ar(SU.NIGIN) 1 (PI) 1 (BAN) 2 1/2 SILA *zeru l-et mi-[sib-ti]
Linie
9' 1 Um 90 KU§ siddu(U&) elu(AN.TA) miltdnu(Sl.SA) /a/z(US.SA.DU) [...]
10' [ ] x x [...]
Rest des Vertragstextes weggebrochen
96
Cornelia Wunsch
Rs 2' Einleitungsformel
i-na k[a-na-ku \uppi suati]
Rs 3'-6' Richterliste
Nergal-uSallim//Sigua
[Bel-uballit//Rab-§u§§i]
Nergal-banunu//Rab-bane
[ein Richter, wohl Nabu-guma-ukln/ZlPanni]
Bel-abke-iddin//Nur-Sin
[Bel-etir//Sin-tabni]
Nabu-balassu-iqbi//[Amelu]
Rs 7' Zeuge
Iddin-Marduk/[...]
Rs 8*-ir Schreiber
Nabu-zeru-li§ir//[...] (wohl Familie Nabunnaja)
Nabu-zeru-lI§ir//[...] (wohl Familie Sama§-(a)bari)
Marduk-mu§allim//[...] (wohl Familie Suhaja)
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 6.5.x [Nbn] (zwischen 9. und 12. Jahr, ca. 547
bis 544 v. Chr.)
Siegelbeischriflen mit Siegelabrollungen
lRd oben [™'kunuk mdNergal-usallim \\ ^dajjdnu]
lRd Mitle ™'kunuk m6Bel-uballif' \\ ^dajjanu
lRd unten [m,kunuk mdNer]gal-ba-nu-nu || [l"dajjdnu]
oRd links [m'kunuk ... || ^fupsarru]
Obersetzung:
(Z. 2') 415 Ellen untere Langsseite im Suden, ne-
ben dem [...] Bogenland, die im folgenden zu vermes-
sende Flache, die neben E. und [... (liegt)].
(Z. 5') 51 Ellen obere Stirnseite im Westen, neben
[...] der S.
(Z. 7') 49 Ellen 6 Finger untere Langsseite im
Osten, neben [...].
(Z. 8') Insgesamt 0.1.1.2 1/2 Kur Anbauflache, er-
ste verme[ssene Flache].
(Z. 9') 1090 Ellen obere Langsseite im Norden,
neben [...]
Kommentar:
Es handelt sich urn das Fragment eines von Richtern und
Schreibern bezeugten und gesiegelten Grundstiickskaufver-
trages. Es wurde wegen der Richterliste in unserem Zusam-
menhang aufgenommen.
Die Namen von Kaufer und Verkaufer sowie der meisten
Nachbarn sind nicht erhalten, weshalb sich der Vorgang
Nr. 30 BM 41402 (81-6-25, 13)
Kopie: Nbn 13, Siegel Nr. 30
Bearbeitung: F. E. Peiser, ZA 3 (1988), S. 82f. (0);
ders., KB 4 (1896), S. 206-209 (T+O); A. Boissier,
Recherches (1890), S. 56-58 (T+O); V. Marx, BA 4
(1902), S. 53 (Kommentar); J. Krecher, Egibi (1970),
S. 144 (Regeste); M. A. Dandamaev, Slavery (1984),
S. 189f. (O)
keinen bekannten Urkunden zuordnen lafit Moglicherweise
besteht eine Verbindung zu den Geschaften der Familie
Egibi, in deren Archiv ahnliche Dokumente aufbewahrt wur-
den (siehe Anm. 6); dies lieBe sich jedoch nur erweisen,
wenn es gelingt, die Tafel zu joinen. Die zeitliche Einord-
nung erfolgt aufgrund der Besetzung des Richterkollegiums.
Schreiber: Die Zahl der Schreiber, die regelmaBig Grund-
stiickskaufe beurkunden und siegeln, ist begrenzt. Daher
konnen die Familiennamen mit groBer Sicherheit erganzt
werden. Die beiden letztgenannten erscheinen auch in Nbn
687 zusammen. Das Siegel auf dem oberen Rand gehort
sicher einem Schreiber (im Unterschied zu ProzeGurkunden
siegeln bei Kaufvertragen auch die Schreiber), vielleicht
Nabu-zeru-li§ir//Nabunnaja, vgl. Nbn 116 = 5R 68, 1 (rechts
oben).
Siegel
Siegel
[Siegel]
Siegel
i
i
i
t
Nr. 29 (BM 32166)
Kommentar:
ProzeBurkunde. Die Verkauferin eines Sklaven behauptet,
den Kaufpreis nicht erhalten zu haben. Der Kaufer (Nabu-
ahhe-iddin//Egibi) legt den Richtern die entsprechende Quit-
tung vor. Auch die Sonne der Verkauferin bezeugen, daB der
Preis gezahlt wurde. Sie wird daraufhin zur Zahlung einer
Strafe in Ho he des Streitwertes verurteilt.
Und die Richter berieten
97
Nr. 31 BM 30549 (76-11-17, 276)
Kopie: Nbn 16
Bearbeitung: F. E. Peiser, BRL 4
(1898), S. 21 (0)
Kommentar:
Vor Richtern ausgestellte ungesiegel-
te Biirgschaftsurkunde, deren Hintergrund
nicht ersichtlich ist. Peiser spricht von
"Stiftungsschenkung". Kollationsergeb-
nisse: Die bereits in CAD S, S. 174 s. v.
saraqu B b vermerkten Emendationen sind
mit * gekennzeichnet, eigene Ergebnisse
mit **.
Z. 1: [p]u*-ut* sa-ra-qu sd** {dBa-
b[ab-en-qet]
Z. 2: CAD liest ana rsffl Nin-lil; W
steht nicht da.
Z. 4: a-di iUAPIN na*'-si* BURU14?*
A.§A?* (alles uber Rasur und schwer
erkennbar, es durfte sich allerdings nicht
um einen Personennamen handeln).
Z. 7: a-di mub-fri {a-di muffffi] (teil-
weise Rasur)**
Z. 13: e-le**-et
Die Tafel ist sehr schlecht geschrie-
ben.
Nr. 30 (Nbn 13)
Nr. 32 BM 31398 (76-11-17, 1125)
Kopie: Nbn 64, Siegel Nr. 32
Kommentar:
Der Text der Vorderseite ist bis auf geringe Spuren
nicht erhalten, der Vorgang somit nicht zu klassifizieren.
Nr. 33
Kopie:
Bearbeitung:
<P)
BM 31535 (76-11-17, 1262)
Nbn 495, Siegel Nr. 33
F. E. Peiser, BRL 4 (1898), S. 81-83
Kommentar:
ProzeBurkunde uber die Vindikation einer Sklavin.
Die Urkunde gehort zum Sklavenkaufvertrag Nbn 400 und
509 (Duplikate, beide am 2.1.11 Nbn ausgestellt - kolla-
tioniert), sowie zu Nbn 508 (nachtraglicher Beitritt weite-
rer Zeugen zum Vertrag am 26.2.11 Nbn), wie bereits bei
Peiser angegeben. Die ProzeBurkunde Nbn 495 gibt als
Kaufzeitpunkt Ajjar des 11. Jahres an und ist selbst im
Nisan ausgestellt, weshalb sie wohl in das 12. Jahr Nabo-
nids zu datieren ist. Die Entscheidung der Richter ist nicht
erhalten.
Nr. 34 BM 30707 (76-11-17, 434)
Kopie: Nbn 776, Siegel Nr. 34
Bearbeitung: F. E. Peiser, BRL 4 (1898), S. 81 (0)
Nr. 32 (Nbn 64)
Kommentar:
Von Richtern beurkundete Geschaftsauflosung. In den
gleichen Kontext gehoren die Urkunde Nbn 608, ein Vertrag
uber ein Boot, der vor vier Richtern abgeschlossen wurde,
sowie Nbn 536, ebenfalls ein Boot betreffend. Geschaftspart-
ner waren drei Richter.
98
Cornelia Wunsch
Nr. 33 (Nbn 495)
Nr. 35
Kopie:
Bearbeitung:
S. 70f. ((J)
BM 41415 (81-6-25, 26)
Nbn 1128, Siegel Nr. 35
F.E. Peiser, BRL 2 (1892),
Kommentar:
ProzeB um eine Forderung zwischen den
Erben von Glaubiger und Schuldner. Da die
Riickzahlung der Schuld nicht durch Urkunden
belegt werden kann, iibertragen die Richter ei-
nen Anteil an einem Hausgrundstiick des Erben
des Schuldners an den Klager.
Wegen der Zusammensetzung des Richter-
kollegiums ist die Urkunde in die ersten Regie-
rungsjahre Nabonids zu datieren.
Vgl. den Kommentar zur folgenden Urkunde.
Nr. 34 (Nbn 776)
Nr. 36 (BM 32551)
Nr. 36 BM 32551 (76-11-17, 2294)
Kopie: Nr. 36
1' [x x x (x)] rx-e,1-s7 su rx1 [ ]
2' [x x x] 'x1 i-na qandti(gi)meS sd mM[u-se-zib-Bel mdr2-su sd]
3' [mN\a-di-nu mdr2 l"Rabi-bane sd x<ssa-a[r-te-en-nu]
4' [u] x<1dajjdmtmei ku-um kasap ra-su-t[i]
5> r^i ^Nabu-ahb^-bul-lit mar mMi-sir-a-[a pa-ni]
6' mANabu-ga-mil mdri sd ^Nabu-ahffj^-lbul-lit]
7 u-sad-gi-lu napfyar{l[vL-.mgm) ]
8' [mi]-si-ii}-ti b[iti sudti
9' [it-t]i m<iN[abu-ga-mil ]
Resl des Vertragstextes weggebrochen, Riickseite nicht erhalten
Und die Richter berieten
99
Nr. 35 (Nbn 1128)
Obersetzung:
[...] ... [...] des Hausgrundstuckes des M., das der
Sa[rtennu] und die Richter (als Gegenwert) fur das
Silber der Forderung (Z. 5') des N. [an]
N2, den Sohn des N., (als Eigentum) uber-
tragen haben. Ins[gesamt ...], das MaB [die-
ses Hausgrundstuckes], (Z. 9') hat von
N[abu-gamil ...]
Kommentar:
Z. 2': Am Anfang durfte eine MaBangabe
gestanden haben, allerdings stimmen die Spuren
nicht mit dem in Nbn 1 128: 24 genannten Be-
trag ii herein.
Z. 4': Das neutrale rasiitu "Guthaben" ist in
diesem Zusammenhang als "Forderung" zu ver-
stehen.
Z. 9': Hier ist der Name des Verkaufers zu
erwarten, d.h. Nabu-gamil.
Dieses Fragment nimmt direkten Bezug auf
die in Nbn 1128 (Nr. 35) dokumentierte Vermo-
gensubertragung durch den Sartennu und die
Richter. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um
einen Kaufvertrag, in Z. 1' bis 8' wird das
Objekt beschrieben. Durch eine Linie getrennt,
folgt die KaufabschluBklausel, von der aller-
dings so gut wie nichts erhalten ist. Die Zeichen-
spuren passen aber zum ublichen Formular. Da-
mit liefert dieses kleine Fragment, aus dem
sonst leider keine Details zu entnehmen sind,
zumindest eine Bestatigung dafiir, daB das Ob-
jekt der erwahnten richterlichen Verfugung ver-
kauft worden ist, vermutlich innerhalb kurzer
Zeit. Zwar ist der Name des Kaufers nicht erhal-
ten, aber die Vennutung liegt nahe, daB die
Familie Egibi ein Interesse daran hatte und
beide Urkunden daher in ihr Archiv gelangten.
Nr. 37 BM 32846 (77-2-22,8)
Kopie: Nr. 37
Am Anfang mindestens ein Drittel der Tafel weggebrochen
1' [x x x x] d[
T [x (x) myiddirf-dMarduk ma-\}d\r
y {Dam-qa-a i-sd-lu-ma [
4' sd e-fe-ru sd u-il-ti sd rm?1[
5' sd fKas-sd-a la tu-ub-la [
6' sd mIddin-dMarduk ina u>ileti{\].\L.l\M)mei [
7 ki-i pi-i 8i7<?5/(DA) sd {Dam-[qa-a
8' [i]b-f}i-su-ni u re-etj-tu 2/3 ma-n[a kaspu
9' [x (x)] u-il-ti sd mIddin-dMarduk m[a-la (?)
10' [x (x)]-/7?-ma kaspu ina qaqqadi(SAG.DU) e-li-[ ]
IV [u]-ses-bu-u u {Ba-zi-tu4 u-[ ]
12" ^Kas-sd-a u mIddin-dMarduk nikkassu(NiG.&\D) sd ra?[
13' W lBa-zi-tu4 sd a//(URU) u seri(ED\N) ma-l[a ba-su-u]
Riickseite weggebrochen
Richterliste, Schreiber, Ausstellungsort und Datum nicht erhalten
Nr. 37 (BM 32846)
lRd Mille ["-kunuk "»'Nergal]-ba-nu-nu || [*'dajj\anu Siegel
lRd unten ["•kunuk "'Nabu-abb^T-'ddin || [*dajjan]u [Siegel]
100
Cornelia Wunsch
tJbersetzung:
[.„] L vor [...] D. befragt und [...] zum Begleichen
der Forderung des [...] (Z. 5') der K. hat sie nicht
herbeigebracht [...] was I. von den Forderungen [...]
entsprechend dem Wortlaut der Tafel der D. [...] ha-
ben sie abgezogen und den Rest, 20 Sekel [Silber ...
der (?)] Forderung des I., so[viel (?) ...] (Z. 10') [...]
und das Silber im Kapitalbetrag zu Lasten [von ...]
liefien sie (als Zeugen) anwesend sein und B. [...] (Z.
12') K. und I. [haben] das Vermogen von [...] und B.
in Stadt und Land, sovi[el vorhanden ist, ...]
Kommentar:
Die Urkunde ist leider zu fragmentarisch, um den Rechts-
streit zu beurteilen, zumal die beteiligten Personen nicht
identifiziert werden konnen. Offensichtlich geht es um For-
derungen (sicher gegen einen NachlaB), deren Begleichung
nicht durch Urkunden belegt werden konnte und die nun
entsprechend den Verpflichtungsscheinen den Glaubigern
gutgeschrieben werden. Die Details und das Verhaltnis der
Personen zueinander entziehen sich unserer Kenntnis.
Wegen der Richter Nergal-banunu//Rab-bane und Nabu-
ahhe-iddin//Egibi, die auf Position 2 und 3 des Kollegiums
amtierten (was aus der Anordnung ihrer Siegel hervorgeht),
ist die Urkunde in die Zeit zwischen dem 9. und 12. Regie-
rungsjahr Nabonids einzuordnen.
Katalog der Urkunden
BM 30228 siehe Ngl 2
BM 30262 siehe Nbn 314
BM 30342 siehe Nbk 193
BM 30523 siehe Nbn 626
BM 30549 siehe Nbn 16
BM 30571 siehe Nbk 101
BM 30645 siehe Nbn 668
BM 30707 siehe Nbn 776
BM 30868 siehe Nbn 682
BM 31070 siehe Nbn 516
BM 31253 siehe Nbn 679
BM 31285 Nr. 3
BM 31398 siehe Nbn 64
BM 31535 siehe Nbn 495
BM 31562 siehe Nbn 518
BM 31589 Nr. 9
BM 31676 siehe BM 34392
BM 31681 Nr. 23
BM 31797 Nr. 5
BM 31921 siehe Nbk 359
BM 32023 Nr. 6
BM 32155 siehe BM 32023
BM 32157 Nr. 22
BM 32166 Nr. 29
BM 32174 Nr. 20
BM 32220 siehe BM 32023
BM 32431 Nr. 19
BM 32551 Nr. 36
BM 32846 Nr 37
BM 32861 siehe Nbn 665
BM 34196 Nr. 13
Nr. ii
TZ>\jf 1 A A1 siene dm jzIj/
BM J443U siene JdM J4iyo
BM 37323 Nr. 24
BM 40263 Nr. 25
T~* I if A 1 A f \ ^ BM 41402 siehe Nbn 13
BM 41415 siehe Nbn 1128
BM 41543 siehe BM 34392
BM 41700 siehe BM 34392
BM 41785 Nr. 26
BM 41907 siehe BM 34392
BM 42040 Nr. 27
BM 48562 Nr. 28
MNB 1809 siehe TCL 12, 122
Nbk 101 Nr. 1
Nbk 193 Nr. 2
Nbk 359 Nr. 10
Nbn 13 Nr. 30
Nbn 16 Nr. 31
INbn o4 Nr. 32
\IUn 1 1 A in on j 14 Nr. 1 1
inDn ^yj Nr. 33
Nbn 516 Nr. 7
Nbn 518 Nr. 8
Nbn 626 Nr. 12
Nbn 665 Nr. 15
Nbn 668 Nr. 16
Nbn 679 Nr. 17
Nbn 682 Nr. 18
Nbn 776 Nr. 34
Nbn 1128 Nr. 35
Ngl 2 Nr. 4
TCL 12, 122 Nr. 14
Nachtrag:
Als dieser Artikel bereits umgebrochen war, mach-
te mich C. B. F. Walker dankenswerterweise auf eine
gesiegelte neubabylonische Tafel aufmerksam, o^ie dem
Britischen Museum 1919 als Schenkung zuging und
unter BM 113908 (1919-11-8, 1) registriert wurde. Es
handelt sich um eine ProzeBurkunde aus der Regie-
rungszeit Neriglissars. Beginn und Schlufl des ProzeB-
protokolls samt Entscheidung sind nicht erhalten, auch
Richterliste und Datum sind weggebrochen. Beide
Seitenrander tragen Siegelabdriicke. Links oben befin-
det sich das Stempelsiegel des im Text genannten
Sukkallu Nabu-mukin-apli (die Beischrift ist nicht er-
halten), gefolgt von den Siegeln des Rimut-bel-ili
(Familie Atju-bani) und Marduk-§akin-sumi (Familie
URU.DlJ-mansum), die beide auch durch 5R 67, 1
bekannt sind. Rechts ist das obere Siegel nicht erhal-
ten, die beiden anderen lassen sich nicht nut bekann-
ten Richter- oder Schreibersiegeln identifizieren. Ge-
genstand des Rechtsstreites ist u. a. ein Grundstiick,
auf das eine Witwe und ihre Kinder Anspruch erhe-
ben, da es vom Sakin-temi und den Richtern als Kom-
pensation fiir Silber aus ihrer Mitgift bestimmt worden
war. Eine Kopie und Bearbeitung dieser Urkunde durch
Verf. ist in Vorbereitung.