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Sonderdruck aus:
ARCHIV
FUR
ORIENTFORSCHUNG
Internationale Zeitschrift
fur die Wissenschaft vom Vorderen Orient
Begrundet von Ernst Weidner
In Zusammenarbeit mit Hermann Hunger
Herausgegeben von Hans Hirsch
Redaktion: Michael Jursa
BAND XLII UND BAND XLIII
1995/1996
Selbstverlag des Instituts fur Orientalistik der Universitat Wien
Druck: F. Berger & Sonne G.m.b.H., Horn
Sonderdruck aus: Archiv fur Orientforschung, Band 42/43 (1995/96), S. 33-63
Die Frauen der Familie Egibi*
Von Cornelia Wunsch (Barcelona)
Das umfangreichste und bedeutendste Privatarchiv aus der Zeit des neubabylonischen Reiches und der ersten
Achamenidenherrscher, das uns bisher bekannt ist, stammt aus Babylon und dokumentiert die Geschafte von fiinf
Generationen eines wohlhabenden und einfluBreichen Zweiges der Familie Egibi. Es kam in den siebziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts bei Raubgrabnngen durch Einheimische im Gebiet von Babylon zu Tage. Wiihrend einzelne
Texle, die einst zu diesem Archiv gehort haben, iiber die ganze Welt verslreut in Museen und Privatsanmilungen zu finden
sind, wurde der iiberwiegende Teil der Tafeln dnrch G. Smith fiir das Britische Museum angekauft und gelangte, mil
Texten anderer Herkunft vermischt, 1876 nach London. Auch weitere, kleinere Ankaufe, die bis zu Begum der achtziger
Jahre vom Britischen Museum erworben wurden, enthalten Egibi-Texte.1 Es ist insbesondere der Pionierleistung J.N.
StraBmaiers zu danken, daB bereits zu Ende des vergangenen Jahrhunderts Kopien von Hunderten der Londoner Texte
publiziert vorlagen.: Diese bildeten, vermehrt um die Egibi-Urkunden aus dem Metropolitan Museum New York, dem
Louvre, dem Museum in Liverpool und einige Einzeltexte, den Gegenstand verschiedener Untersuchungen. Insbesondere
die Studien von Weingort3, Ungnad4, Krecher5 und van Driel6 sind fiir die Genealogie und Geschichte des erwahnten
Zweiges der Familie Egibi relevant.
Die uberlieferten Urkunden stammen aus einem Zeit-
raum von iiber hundert Jahren, von der Zeit Nebukadnezars
bis zum Beginn der Regierung Xerxes'. Die altesten doku-
mentieren die Geschafte von Sulaja, Sohn des (Nabu-)zera-
ukln, der die erste Generation reprasentiert. Der wirt-
*) Diese Arbeit wurde durch ein Postdoktorandenstipendium
der Deutschen Forschungsgemcinschaft gefbrdert, das mir u. a.
einen fast zweijahrigen Aufenthalt am Britischen Museum er-
moglichte. Den Trustees des Britischen Museums gebuhrt mein
Dank fiir die Genehmigung, unpublizierte Texte zu veroffentli-
chen. Herrn J. Curtis, Keeper am Department of Western Asiatic
Antiquities, sowie alien Mitarbeitera der Abteilung mochte ich
dafur danken, daB sie mir ermoglichten, die Texte der noch nicht
katalogisierten Babylon-Sammlung durchzusehen. Herr C.B.F.
Walker stellte mir dafiir seine Vorarbeiten zum Katalog zur
Verfugung, wodurch bereits publizierte Texte und solche nicht-
okonomischen Charakters leichter identifizierl bzw. als nicht
relevant fiir die vorlicgende Studie ausgeschieden werden konn-
ten. Des weiteren konnte ich von mehreren Joins profitieren, die
I.L. Finkel bei seiner Arbeit an der Babylon-Sammlung gelungen
sind. Mein herzlicher Dank gilt Michael Jursa, der fiir das Thema
dieser Arbeit groBes Interesse zeigte, wichtige Hinweise und
Korrekturen beisteuerte und mich stets ermutigt hat. Allen Kol-
legen, mit denen ich Gelegenheit hatte, Details zu diskutieren,
sei an dieser Stelle fiir ihre Anregungen gedankt, insbesondere
K. Abraham und P.D. Gesche.
') Vgl. J.E. Reade, "Introduction" in: E. Leichty, Catalogue
of the Babylonian Tablets in the British Museum, vol. 6, insbe-
sondere S. xiv-xvi, zur Geschichte der Erwerbungen.
') J.N. StraBmaier, Babylonische Texte, Heft 1-12, Leipzig
1889-1897. Die chronologisch geordnete Edition bricht mit einer
Urkunde aus dem 23. Jahr Darius' ab.
') S. Weiugort, Das Haus Egibi. Berlin [1939].
4) A. Ungnad, "Das Haus Egibi", AfO 14 (1941-44), S.
57-64 (im folgenden als AfO 14 zitiert).
5) J. Krecher, Das Geschaftshaus Egibi in Babylon in neu-
babylonischer und achamenidischer Zeit. Habilitationsschrifl,
MiinsterAV. 1970.
6) G. van Driel, "The Rise of the House of Egibi. Nabu-ahhe-
iddina", JEOL 29 (1985-86), S. 50-67 (im folgenden als JEOL
29 zitiert).
schaftliche und gesellschaftliche Aufstieg des Hauses Egibi
geschah in der zweiten Generation durch Sulajas Sohn
Nabu-ahhe-iddin, der geschaftliche Kontakte zu Neriglissar
unterhielt und als koniglicher Richter in Babylon zur Zeit
Nabonids eine einfluBreiche Stellung innehatte. Der wach-
sende Wohlstand der Familie ist an einer groBen Zahl von
Land- und Sklavenkaufen aus dieser Periode zu erkennen.
Sein Sohn Itti-Marduk-balatu fiihrte die Geschafte in der
dritten Generation bis zum Ende von Cambyses' Regie-
rung, ihm folgte Marduk-nasir-apli zur Zeit des Darius.
Die Urkunde iiber die Erbteilung in der vierten Genera-
tion zwischen Marduk-nasir-apli und seinen zwei Brii-
dern, die im 14. Jahr des Darius stattfand, legt Zeugnis
fiir den Reichtum der Egibis ab: In ihr werden sechzehn
Hausgrundstiicke und iiber hundert Sklaven aufgefiihrt;
die Felder und Dattelgarten sind leider nur am Rande
erwahnt, da sie nicht Gegenstand der Teilung waren. In
der fiinften Generation fiihrte Nidinti-Bel die Geschafte
seines Vaters Marduk-nasir-apli weiter; allerdings sind
vergleichsweise wenig LIrkunden iiberliefert, weil das
Archiv zu Beginn von Xerxes' Regierung abbricht.
Die Frauen, die aus diesem Zweig der Familie Egibi
stammen oder in sie hineingeheiratet haben, werden nur
selten in den Geschaftsurkunden erwahnt, meistens dann,
vvenn es um Vermogenswerte aus den Mitgiften geht.
Eine umfangreiche Studie zu diesen Mitgiften wurde
unlangst von Martha T. Roth veroffentlicht.7 Sie basiert
nicht nur auf den seit Ende des vergangenen Jahrhunderts
bekannten Texten, sondern bietet weitere, bisher unbe-
kannte Urkunden aus dem Britischen Museum in Transli-
teration und Ubersetzung nach unpublizierten Kopien von
') M.T. Roth, "The Dowries of the Women of the Itti-
Marduk-balatu Family," JAOS 111/1 (1991), S. 19-37 (im fol-
genden als JAOS 111 zitiert). Umfang und Bestandteile der
Mitgiften wurden von der gleichen Autorin in ihrem Artikel
"The Material Composition of the Neo-Babylonian Dowry", AfO
36/37 (1992), S. 1-55, behandelt.
34
Cornelia Wunsch
Familie
Generation
(1)
Nur-Sin
/
/
/
/
/
/
/
(2) Ina-Esagila-ramdt oo Iddin-Marduk
(3)
Egibi
/
/
/
Sulaja
Nabfi-ahhe-iddin cc Qudasu
Egibi
/
/
Marduk-remanni Nuptaja oo Itti-Marduk-balatu
Tasmetu-damqat
(4)
(5)
Amat-Bdba cc Marduk-na§ir-apli Nabu-ahhe-bullit Nergal-usezib Tasmetu-tabni Ina-Esagila-belet Nanaja-etirat
Susanna oo Nidinti-Bel
Re^indu
Beletu
Erklarungen:
Frauen oo Ehepartner
Manner Hauptlinie der Familie Egibi
Eristu
G. Bertiii.8 Sie betreffen insbesondere die vierte und
funfte Generation, da Texle aus den spat en Regierungs-
jahren Darius' in StraBmaiers Edition nicht mehr enthalten
sind.
Die Babylon-Sanmilung des Britischen Museums um-
faBt jedoch eine groBe Zahl von Texten, die weder von
StraBmaier noch Bertin noch anderen kopiert vvurden. Sie
sind linufig schlecht erhalten, fast immer fragmentarisch
und manchmal schwer lesbar; manche mogen audi schlicht
iibersehen worden sein. Es erwies sich daher als lohnend,
in dieser Sammlung systematisch nach unpublizierten
Egibi-Texten zu suchen. Einige solcher Texte, insbeson-
dere aus dem Ankauf 76-11-17, konnte ich bereits in
meine Arbeit iiber die Geschafte des Iddin-Marduk einbe-
ziehen.9
8) G. Bertin hat etwa zur gleichen Zeit wie J.N. StraBmaier
Urkunden aus neubabylonischer und achamenidischer Zeit im
Britischen Museum kopiert, darunter auch viele der spater von
StraBmaier publizierten Texte. Da er gezwungen war, seme
A\rbeit abzubrechen, bevor er die Kopien vollendeu koimte,
haben diese einen provisorischen Charakter; sie sind daher weni-
ger zuverlassig als die StraBmaiers und weisen neben unsicheren
Lesungen auch gelegentlich offene Stellen bei schwierigen Pas-
sageu auf. Bertins Kopien sind im Britischen Museum einzuse-
hen und ihre Publikation ist geplant. Da diese - wie StraBmaiers
Edition - in chronologischer Ordnung vor sich gehen soil,
wcrden die Texte aus Darius' Zeit nicht so bald zu erwarten sein.
Aus diesem Grunde habe ich eigene Kopien der von M. Roth
verwendeten Urkunden angefertigt (siehe Anliang).
9) C. Wunsch, Die Urkunden des babylonischen Geschafts-
Im vorliegenden Artikel vverden alle anderen mir be-
kannten Urkunden veroffentlicht, in denen die Frauen der
Familie Egibi erscheinen. Wenngleich nicht ausgeschlos-
sen werden kann, daB noch weitere interessante Texte in
den Bestanden des Britischen Museums zu finden sind
oder aufgefundene nicht identifiziert werden konnten, so
scheinen die bisherigen Ergebnisse trotz ihres vorlaufigen
Charakters doch bedeutend genug, um hier prasentiert zu
werden. Neben neuen Details iiber die Mitgiften doku-
meutieren die Texte auch extradotale Vermogensitbertra-
gungen und Verfugungen von Todes wegen, sowohl durch
den Ehemann zugunsten von Frau und Enkelkindern als
auch durch die Mutter zugunsten ihrer Tochter.10
Die erste Generation
Sulaja, der Solm des (Nabu)-zera-ukin, ist der erste
Vertreter unseres Zweiges der Familie Egibi, der als
aktive Partei in ca. 50 Geschaftsurkunden erscheint. We-
der iiber seine Ehefrau noch iiber andere Frauen dieser
Generation ist irgend etwas bekannt.
marines Iddin-Marduk. Zurn Handel mit Naturalien im 6. Jahr-
hundert v. Chr. (= Cuneiform Monographs 3a und 3b), Groningen
1993 (im folgenden als CM 3 zitiert).
I0) In ihrem Artikel "The Neo-Babylonian Widow", JCS 43-
45 (1991-93), S. 1-26, fiihrt M. Roth verschiedene Beispiele fur
derartige Vermogensiibcrtragungen an; Belege aus der Egibi-
Hauptlinie fehlten aber bislang.
Die Frauen der Familie Egibi
35
Die zweite Generation
Qudasu, die Ehefrau des Nabu-ahhe-iddin
Die Identitat der Ehefrau des Nabu-ahhe-iddin war
bislang ein Problem. In der Urkunde Cyr 49 erscheint
eine Qudasu, die zum einen durch ihre Filiation als
Tochter des Sulaja aus der Familie Egibi ausgewiesen ist,
und zum anderen als Mutter eines Itti-Marduk-balatu
bezeichnet wird. Dessen Filiation ist zwar nicht angege-
ben, da jedoch seine Ehefrau genannt wird, lafit er sich
eindeutig als Sohn des Nabu-ahhe-iddin aus der Familie
Egibi identifizieren. Der Vater des Nabu-ahhe-iddin wie-
derum hieB Sulaja; seine Filiation ist also mil der Qudasus
identisch, und es hat den Anschein, als seien die Eltern
des Itti-Marduk-balatu Geschwister. Hatte es H. Petschow
im RlA-hvXikoX "Inzest"1' noch als "unklar" bezeichnet,
ob Geschwisterehe in neubabylonischer Zeit moglich war,
so sfellte G. van Driel alle textkritischen und inhaltlichen
Argumente gegen eine Geschwisterehe im allgemeinen
zusammen und schloB in bezug auf Nabu-ahhe-iddin sehr
treffend: "As aula the father of N.A.I, was not very rich
and N.A.I, was obviously ambitious, there was no reason
to marry a sister."12 Audi die Annahme, Qudasu sei nicht
die leibliche Schwester Nabu-ahhe-iddins, sondern von
Sulaja adoptiert worden, stoBt auf die gleichen Schwierig-
keiten. Nicht vollig undenkbar ware es allerdings, wenn
Sulaja, der Vater der Qudasu, in Ermaugelung eines
mannlichen Erben Nabu-ahhe-iddin adoptiert und mil sei-
ner Tochter verheiratet hatte; allerdings liefern uns die
erhaltenen Urkunden keinerlei Hinweis darauf.
Sofern man die Moglichkeit einer Geschwisterehe aus-
schlieBt, gibt es prinzipiell drei Erklarungsmoglichkeiten
fiir die gleichlautende Filiation von Qudasu und Nabu-
ahhe-iddin: (1) Entweder ist der Vater der QudaSu ein
anderer Sulaja aus einem anderen Zweig der Familie
Egibi und nicht mit ihrem Schwiegervater identisch; (2)
oder die Filiation der Qudasu ist falsch angegeben; (3)
oder die Mutter-Solm-Beziehung zwischeu Qudasu und
Itti-Marduk-balatu muB in Zweifel gezogen werden.
Bereits A. Ungnad vertrat erstgenannte Auffassung,
daB Sulaja, der Vater Nabu-ahhe-iddins, nicht mit dem
Vater der Qudasu identisch sein kann.13 Er bezeichnete
Qudasu als "entfernte Kusine"14 des Nabu-ahhe-iddin.
Seine Aussage, Qudasu konne "nur die Tochter des Sula,
Sohues des Bel-upahhir, sein",15 laBt sich leider nach wie
vor nicht belegen. Nicht von der Hand zu weisen ist aber
das Argument, mit dem Ungnad diese These zu unter-
mauern versucht: Urkunden eines Sulaja/Bel-upahhir/Egibi
(insbesondere sein Erbe betreffend), die im Kontext unse-
res Egibi-Archivs, d.h. im Archiv eines anderen Familien-
") RIA, Bd. 5, S. 148.
12) JEOL 29, S. 66.
13) AfO 14, S. 59 (C 3 Ende).
M) ibid., S. 60.
,5) ibid., S. 59.
zweiges, uberliefert sind, lassen in der Tat vermuten, daB
enge famihare oder geschaftliche Beziehungen bestan-
den. Es sei ferner darauf verwiesen, daB audi zwei Kin-
der Nabu-ahhe-iddins mit Egibis aus Seitenlinien dieser
weitverzweigten Familie verheiratet waren.16
Demgegeniiber hatte Weingort die Moglichkeit erwo-
gen, daB durch die gleichlautende Filiation "nur ein
Gewaltverhaltnis ausgedriickt wurde, indem Qudasu, als
Frau des N.A.I, zu ihm wie eine Schwester stand",17 der
Vaters- und Ahnherrenname des Ehemannes also offen-
bar den ihres eigenen V7aters ersetze. Es sind aber m. W.
keine weiteren Belege fiir eine solche Verfahrensweise in
der neubabylonischen Urkundenpraxis nachweisbar. Au-
Berdem ist die Urkunde Cyr 49 wie audi drei weitere, in
denen Qudasu mit gleicher Filiation erscheint, zu einer
Zeit ausgestellt worden, als Nabu-ahhe-iddin nicht mehr
am Leben war und das Gewaltverhaltnis nicht mehr be-
stand.18 Somil diirfte dieser Losungsvorschlag als unwahr-
scheinlich ausscheiden.
Eine ganzlich andere These vertritt M. Roth, indem sie
Nabu-ahhe-iddin und Qudasu als Geschwister betrachtet,
eine Geschwisterehe ausschlieBt und folglich das Mutter-
Sohn-Verhaltnis von Qudasu und Itti-Marduk-balatu, das
in Cyr 49 durch das Logogramm AMA ausgedriickt wird,
in Zweifel zieht.19 Sie macht zu Recht darauf aufmerk-
sam, daB man die Filiation in Rechtsurkunden dieser Zeit
sorgfaltig angegeben hat, um Parteien und Zeugen zwei-
felsfrei identifizieren zu konnen; dies kann aber nicht als
Argument gegen Ungnads These dienen. Die Angabe des
Vaters- und Ahnherrennamens erfolgt, um eine Person (in
unserem Falle Qudasu) hinreichend zuverlassig von ande-
ren Personen gleichen Namens zu unterscheiden (d.h. hier
von anderen Frauen, die audi Qudasu heiBen). Gleichgul-
tig, ob ihr Vater und der des Nabu-ahhe-iddin die gleiche
Person sind oder nicht - wenn sie die Tochter eines
Sulaja aus der Familie Egibi ist, dann ist ihre Filiation
vollig korrekt angegeben. Den Zeitgenossen damals war
es aber ebenso wie uns heute bewuBt, daB eine gleichlau-
tende Filiation nicht notwendigerweise heiBen muB, daB
die betreffenden Personen Geschwister sind. Wenn es bei
Rechtsgeschaften darauf ankam, die Verwandtschafts-
verhaltnisse zwischen den beteiligten Personen klarzu-
stellen, so hat man die entsprecheiiden Termini wie "Bru-
der", "Schwester", "Bruder des Vaters", "Ehegatte" usw.
16) Der Ehemami der Tochter Qibl-dumqI-ilat war Bel-udammiq
(Dummuqu), Sohn eines Bel-ahhe-iddin. Der Sohn Nergal-etir
war mit SQqa'itu, der Tochter des Itti-Nabu-balatu (so in Dar
265: 2 zu lesen, kollationiert) aus der Familie Egibi, verheiratet.
") S. Weingort, Das Haus Egibi, Berlin 1939, S. 9.
1S) Nbn 724, Cyr 123, Camb 118. Lediglich Nbn 12 stammt
aus Lebzeiten Nabu-ahhe-iddins.
19) JAOS 111, S. 25: "We might, therefore, suggest that AMA
("mother") in this curious text refers not to Itti-Marduk-balatu's
biological mother, but to a woman of the same generation as his
mother who lived in his father's household. fQudasu, as an
unmarried sister of Nabu-ahhe-iddin, would have lived in his
household under his jurisdiction. She would not be, then, the
mother of Itti-Marduk-balatu, but his father's sister.'"
36
Cornelia Wunsch
hinzugefugt. Was jedoch die Urkunde Cyr 49 angeht, so
war es dorl keineswegs notig oder beabsichtigt, Qudasus
Verhaltnis zu dem in der Urkunde gar nicht genannten
Nabu-ahhe-iddin zu definieren. DaB sie nicht die leibliche
Schvvester ihres verstorbenen Ehemannes hatte sein kon-
nen, verstand sich fur jeden AuBenstehenden von selbst.
Indem sie den Begriff "Mutter" auf eine im gleichen
Haushalt lebende Fran der gleichen Generation ausweitet,
iiuBert M. Roth indirekt Zweifel an der Zuverlassigkeit
von Verwandtschaftsbezeichnungen wie "Vater", "Bru-
der", "Schwester" usvv. in Rechtsurkunden. Derartige
Zweifel sind bei Briefen generell am Platze, da allgemein
Hoherrangige als "Vater", Gleichrangige als "Bruder"
angeredet werden, die Begriffe somit nicht wortlich ge-
nommen werden konnen. Ein gleichartig freier Umgang
mit Verwandtschaftstermini ist im Kontext der Rechts-
urkunden jedoch nicht nachzuweisen und auch nicht zu
erwarten.20
Dariiber hinaus bereitet M. Roths Annahme, Qudasu
sei eine im Haushalt ihres Bruders (bzw. Neffen zur Zeit
der Ausstellung von Cyr 49) lebende unverheiratete Schwe-
ster Nabu-ahhe-iddins, noch eine weitere Schwierigkeit:
In der von ihr ebenfalls besprochenen Urkunde Nbn 760
ist in Z. 16f. im Zusammenhang mit der Mitgift von Qibi-
dumqi-ilat, einer Tochter des Nabu-ahhe-iddin, ein Ver-
merk enthalten, wonach eine Qudasu (ohne Angabe der
Filiation) dem Ehemann dieser Tochter (wohl als zusatz-
liche Mitgift) mehrere Sklaven zugesagt habe. DaB es
sich bei Qudasu urn eine Familienangehorige und urn die
aus Cyr 49 bekannte Person handelt, ist von niemandem
bezweifelt worden. Woher aber sollte eine unverheiratete
Frau die Mittel haben, die Mitgift ihrer Nichte aufzustok-
ken? Von einer ledigen, bei ihrer Familie lebenden Frau
konnen wir uberhaupt nicht annehmen, dafi sie Sklaven
besaC, iiber die sie nach eigenem Gutdiinken verliigen
konnte. Einer Witwe dagegen stiinden neben ihrer eige-
nen Mitgift moglichervveise Vermogenswerte durch eine
Schenkung ihres Ehemannes oder eines Mitglieds ihrer
eigenen Familie zur Verfiigung, aber als Begiinstigte
sollten zunachst ihre eigenen Kinder vermutet werden.
Es liegt daher wesentlich naher, der These Ungnads
folgend, in Qudasu die leibliche Mutter von Itti-Marduk-
balatu und QibT-dumqi-ilat und damit die Witwe Nabu-
ahhe-iddins zu erblicken.
Diese Annahme kann noch durch eine Passage in einer
bisher unpublizierten Urkunde21 gestiitzt werden, in der
20) Untersuchungen zum Ehe- und Erbrecht z. B. wiirden ganz
erheblich erschwert oder vollig fragwiirdig, gingen wir von der
Annahme aus, die Verwandtschafisbezeichnungen seien nicht
erast zu nehmen. Wo einander in EinzelFallen Urkunden wider-
sprechen, sollte immer zuerst gepriift werden, ob nicht etwa
Kopierfehler (wie DAM fiir NIN) oder echte Schreiberversehen
vorliegen.
-") BM 31959+32047 (76-1 1-17, 1686+1774, Join durch I.L.
Finkel) mit Duplikat 41551 (81-6-25, 165). Die Publikation
durch Verf. im Rahmen einer Studie zu den Grimdstiicksgeschaf-
ten der Familie Egibi ist in Vorbereitung.
Qudasu zwar nicht als Ehe frau des Nabu-ahhe-iddin, aber
ausdriicklich als Mutter seiner Soline bezeichnet wird,
und zwar im Zusammenhang mit einer Vermogensuber-
tragung durch Nabu-ahhe-iddin an Qudasu. DaB die Mut-
ter seiner legitimen und erbberechtigten Sonne gleichzei-
tig Nabu-ahhe-iddins Ehefrau war, verstand sich fiir den
Babylonier von damals von selbst und bedurfte keiner
gesonderten Erwahnung.
In der Urkunde wird berichtet, daB im 7. Jahr des
Cambyses Itti-Marduk-balatu und sein Bruder Nergal-etir
Sklaven und ein Feld miteinander geteilt haben, von
denen es heiBt: (Z. 10) ^a-me-lut-tuA u iezera (11) sd ina
mulj-hi nari es-su sd ^Nabu-ahlje^-iddin abu-su-nu ik-
nu-uk-ma pa-ni sOu-da-su (12) um[mi]-[su-ntfl u-sad-gil-
lu ii i[na li]b-bi is-tur-ru um-ma u4-mu ma-la (13) bal-fat-
ta akale^3 ina lib-bi lak-kal!(LAK) u dr-ku a-na sim-luA
tat-tal-ka (14) pa-ni maremet-su id-dag-gal "die Sklaven
und das Feld (11) am Neuen Kanal, die Nabu-ahhe-iddin,
ihr Vater, unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde
der Qudasu, (12) ihrer Mutter, iibertragen und darin (d.h.
in der betreffenden Urkunde) festgeschrieben hatte: "So-
lange sie (13) lebt, soil sie NieBbrauch damn haben, und
nachdem sie gestorben sein wird, (14) soli (alles) seinen/
ihren Sohnen gehoren." " Diese Zeilen sind der erste (und
bisher einzige) Hinweis auf eine Vemiogensiibertragung
des Nabu-ahhe-iddin zugunsten der Qudasu. Sie erhielt
demnach das NieBbrauchsrecht an den Sklaven und dem
Feld22 auf Lebenszeit, jedoch nicht das Verfugungsrecht,
da ihre Sohne als Nacherben bestimmt sind.
Da diese im 7. Jahr des Cambyses den NachlaB unter
sich aufgeleilt haben, konnen wir schluBfolgern, daB
Qudasu spatestens in diesem Jahr verstorben ist. Sie war
demnach knapp zwanzig Jahre lang Witwe.23 Ihr altester
Sohn Itti-Marduk-balatu hat sie nur um wenige Jahre
iiberlebt.24
Die dritte Generation
Die Tochter des Nabu-ahhe-iddin
QibT-dumqi-ilat, die Tochter Nabu-ahhe-iddins, ken-
nen wir nur dank zweier Urkunden, die ihre Mitgift
betreffen und aus denen hervorgeht, daB sie seit spate-
stens dem 14. Jahr Nabonids mit Bel-udanmuq, dem Sohn
des Bel-ahhe-iddin aus der Familie Egibi, verheiratet
war.25
2") Es handelt sich um Nabu-ahhe-iddins Anted an einem
Grundstuck, das dieser im Akzessionsjahr Neriglissars gekauft
hatte (5R 67, 1). In der Urkunde Cyr 123, einem tmittu-
Verpflichtungsschein aus dem 3. Jahr des Cyrus, der dieses
Grundstuck betrifft, erscheint folgerichtig Qudasu als Glaubige-
rin, ebenso wie in Camb 118 aus dem 2. Jahr des Cambyses.
") Nabu-ahhe-iddin ist im Jahr 13 Nbn gestorben, vgl. Ungnad,
AfO 14, S. 60 (D 1). Von einer Wiederverheiratung Qudasus ist
nichts bekannt.
24) Er starb zu Beginn von Darius' Regierung, vgl. Ungnad,
AfO 14, S. 61 (E 1).
") Zu ihrer Mitgift ausfiihrlich bei Roth, JAOS 111, S. 24f.
Die Frauen der Faniilie Egibi
37
In der Urkunde BM 31333 (Nr. 1), ebenfalls aus der
Zeit Nabonids stammend, erscheint eine andere Tochter
des Nabu-ahhe-iddin als Glaubigerin. Als ihr Name ist
Tasmetu angegeben, was zweifellos die Verkiirzung elites
Satznamens darstellt.26 Sehr wahrscheinlich handelt es
sich um dieselbe Frau, die als Tasmetu-damqat, Tochter
des Nabu-ahhe-iddin, ohne Angabe des Ahnherrennamens
in zwei weiteren Urkunden erscheint: Nbn 807 und 830
aus dem 14. bzw. 15. Jahr Nabonids.27 Im Falle von Nbn
830 erscheint audi Itti-Marduk-balatu als Partei und agiert
zusammen mil Tasmetu-damqat.
Leider stehen die dokumentierten Geschaftsvorgange,
die jeweils bedeutende Vermogenswerte zum Gegenstand
haben, dadurch, daB sie nicht mit anderen Urkunden in
Verbindung gebracht vverden konnen, isoliert da, und uns
fehlen jegliche Hintergrundinformationen. In BM 31333
(Nr. 1) erscheint Tasmetu-damqat als Glaubigerin von 20
Sekel Silber; der Schuldbetrag ist zum iiblichen Zinssatz
von 20 % zu verzinsen, und er ist durch ein Sklavenpfand
gesichert. Um einen ahnlich hohen oder hoheren Betrag
geht es in Nbn 830. Hier wird offensichtlich eine Forde-
rung der Tasmetu-damqat beglichen, indem Itti-Marduk-
balatii den Betrag im Auftrag der Schuldnerin an Tasmetu-
damqat auszahlt und das Pfandobjekt, das zur Sicherung
der Forderung gedient hatte, zuriickgibt. Aus Nbn 807
erfahren wir, daB Tasmetu-damqat beabsichtigt, eine Skla-
vin zu kaufen. Mit einem Teil des Kaufpreises soli ihre
Forderung iiber 4 Sekel Silber gegeniiber dem Bruder der
Verkauferin beglichen werden. Der Betrag ware zu ver-
zinsen, kame der Kauf nicht zustande.
Diese wenigen Fakten geben keiue Auskunft iiber den
Lebensweg der Tasmetu-damqat, es wird jedoch deutlich,
daB sie eine Frau aus wohlhabenden Verhaltnissen war,
die aktiv in ihrem eigenen Namen Geschafte betrieb,
ohne dazu der ausdriicklichen Zustimmung eines Ehe-
mannes oder anderen Familicnangehorigen zu bediirfen.28
Nuptaja, die Ehefrau des Itti-Marduk-balatu
Nuptaja, die Ehefrau des Itti-Marduk-balatu, war die
Tochter des vermogenden Geschaftsmannes Iddin-Marduk
aus der Familie Nur-Sin.29 Die Heirat, die fur beide
2t>) Die Verkiirzung eines Satznamens auf das theophore
Element ist selten, aber bezeugt, vgl. J.J. Stamm, Die akkaciische
Namengebung (= MVAeG 44), Berlin 1939, S. 117.
") Transliteration und Ubersetzung beider Urkunden im An-
hang.
2S) Ein Ehemann der Tasmetu-damqat wird zwar in keiner der
Urkunden erwalmt, dies erlaubt aber nicht den RiickschluB, sie
sei nicht (mehr) verheiratet (vgl. dazu das Beispiel der Ina-
Esagila-ramat//Nabaja, dargestellt in CM 3a, S. 68 mit Anm.
260f.).
29) Zu den Geschaften des Iddin-Marduk vgl. L. Sniff, The
Nur-Sin Archive. Private Entrepreneur-ship in Babylon (603-507
B.C.). (Ph.D. Diss., University of Pennsylvania, 1987) und Verf,
CM 3.
Familien groBe geschaftliche Vorteile brachte,30 ist um
das Jahr 5 Nbn angebahnt worden. Die Mitgift der Nuptaja
war sehr bedeuteud und umfaBte neben 24 Minen Silber
audi mehrere Sklaven sowie Hausrat.31 Das Silber wurde
in Etappen bis zum Jahre 13 Nbn an Nabu-ahhe-iddin,
den Schwiegervater der Nuptaja, ausgezahlt.32 Noch vor
Ablauf eines Jahres ist Nabu-ahhe-iddin verstorben, und
sein altester Sohn Itti-Marduk-balatu ubernahm die Lei-
tung der Familiengeschafte. Nur etwa vier Jahre spater
stellte dieser eine Urkunde aus, kraft derer er seiner
Ehefrau Nuptaja fiir den Fall seines Todes sein gesamtes
Vermogen uberschrieb.33
Um diesen auBergewohnlichen Vorgang angemessen
beurteilen zu konnen, sei der Vertragstext hier zitiert
(Filiationen sind der Ubersichtlichkeit halber weggelas-
sen) und besprochen:
(Z. 1-6) Itti-Marduk-balatu hat aus freiem EntschluB
sein Vermogen in Stadt und Land, soviel vorhanden ist,
unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde an Nuptaja,
seine Ehefrau, iibertragen. (Z. 6a-8) Solange Marduk-
nasir-apli, sein Sohn, am Leben ist, hat er NieBbrauch am
Vermogen mit Nuptaja. (Z. 8a-13) 2 Kur Anbauflache
(und) 5 Sklaven [wird er]w mit Tasmetu-tabni an Itti—
Nabu-balatu (als Mitgift) [ge]ben. 1 Kur Anbauflache
(und) 3 Sklaven [wird er] mit Esagila-bdet, seiner Toch-
ter, [mitgeben]. (Z. 13a-15) Nuptaja, Marduk-nasir-apli,
Tasmetu-tabni und Esagila-belet werden den NachlaB
gemeinsam an sich nehmen. (Z. 16) Solange Itti-Marduk-
balatu lebt, steht das Vermogen zu seiner Verfiigung.
Zunachst folgt die Urkunde dem gangigen Formular
einer Vermogensiibertragung,35 jedoch behalt sich mit
dem entscheidenden Zusatz in Z. 16, ki Itti-Marduk-
balatu balfu nikkassasu ina pamsu, Itti-Marduk-balatu das
Verfugungs- und Nutzungsrecht auf Lebzeiten vor. Damit
enthalt die Urkunde (die im ubrigen von Itti-Marduk-
balatu eigenhandig geschrieben wurde) jene Elemente,
die fiir ein Testament charakteristisch sind, freilich ohne
daB die Urkunde explizit als solches bezeiclmet wird.36
Vermogensubertragungen auf den Todesfall zugunsten
der Ehefrau sind in neubabylonischen Urkunden des ofte-
30) Ausfiihrlicher dazu CM 3a, S. 8If.
31) Die Mitgift der Nuptaja ist von M. Roth in JAOS 111, S.
21-24, sowie in CM 3a, S. 78f, behandelt worden.
32) Die Quittung iiber die vollstiindige Zahlung liegt als CM
3 Nr. 209 (vom 25.1.13 Nbn) vor. Sklaven und Hausrat waren zu
diesem Zeitpunkt noch nicht iibergeben worden, wie aus einem
Vermerk in der gleichen Urkunde hervorgeht.
") CM 3 Nr. 260 (BM 31698 mit Duplikat BM 31693).
**) Vom Verb ist nur -na~\mJ'din1 erhalten, es liiBt sich daher
nicht sicher entscheiden, ob Itti-Marduk-balatu oder Nuptaja
gemeint ist.
35) PN, ina hud libbisu (Objekt) iknuhna pani PN, usadgil.
Die Klausel ana time sdti "auf ewige Zeiten" und Fluchformeln
fehlen in der Urkunde, was als Zeichen dafiir gewertet werden
kann, daB die Vermogensiibertragung als nicht unwiderruflich
angesehen wurde.
36) Der Terminus fuppi simti als Bezeichnung fiir ein Testa-
ment ist nur aus Nuzi-Urkunden bekannt.
38
Cornelia Wunsch
ren bezeugt.37 Angesichts der Tatsache, daB die Ehefrau
(wie audi die Tochter) keinen Erbanspruch hatte, dienten
sie vor a Hem dazu, den Unterhalt der Witwe zu sichem.
Es muB aus diesem Grunde zunachst verwundern, daB der
Gegenstand unserer Urkunde nicht etwa nur ein Haus-
oder Feldgrundstiick ist, durch dessen Vermietung oder
Verpachtung die Witwe regelmaBige Einkiinfte beziehen
konnte und ein Auskommen hatte, ohne auf Zuwendun-
gen dnrch andere - seien es ihre Kinder, die Verwandten
ihres Mannes oder ihre eigene Familie - angewiesen zn
sein. Eine derartige Regelung wnrde z. B. eine Genera-
tion fruher getroffen, als Nabu-ahhe-iddin, wie bereits
erwahnt, seiner Frau Qudasu Sklaven nnd ein Feld- und
Gartengrundstiick iibertrug und ihr das Nutzungsrecht auf
Lebzeiten garantierte. Was also mag Itti-Marduk-balatu
bewogen haben, sein gesamtes Vermogen seiner Ehefrau
zu iiberschreiben?
Es liegt nahe, eine besondere familiare Situation als
AnlaB fiir die Ausfertigung unseres Testamentes zu ver-
muten. Das Datum der Urkunde ist der 12.10. des Jahres
sanat (MU.AN.NA) Kuras sar matate "Jahr: Cyrus (ist)
Konig der Lander", wie in beiden Exemplaren angegeben
ist. Diese Formulierung ist ungewohnhch, aber es gibt m.
E. keinen Zweifel, daB das Akzessionsjahr {sanat res
sarruti) Cyrus' gemeint ist.38 Die Urkunde ist demnach nur
kurze Zeit nach der Machtubernahme der Achameniden
in Babylonien ausgestellt worden. Bald darauf muB Itti-
Marduk-balatu Babylon verlassen haben, denn bis Mitte
des 2. Jahres von Cyrus' Regierung liegen keine Geschafts-
urkunden aus Babylon vor, sondem vielmehr Verpflich-
tungsscheine, die in verschiedenen anderen Orten zu sei-
nen Lasten ausgestellt wurden.39 Uber den AnlaB fiir seine
Abwesenheit kann nur spekuliert werden. DaB Reisen
strapazios und gefahrvoll war, steht auBer Zweifel; Itti-
Marduk-balatu muB daher (und vielleicht noch aus ande-
ren, mis nicht bekannten Griinden) mit der Moglichkeit
seines Todes gerechnet haben.
Itti-Marduk-balatu hatte als altester der drei Soline
Nabu-ahhe-iddins die Familiengeschafte nach dem Tod
seines Vaters weitergefuhrt, ohne daB eine Erbteilung
stattgefunden hatte. Wir haben vielmehr Grund zu der
Annahme, er habe sich zu Beginn der Regierung von
Cyrus noch in ungeteilter Erbengemeinschaft mit seinen
Brudern befunden.40 Sein bis dahin einziger Sohn Marduk-
") Vgl. die von M. Roth, JCS 43-45, S. 8-14, zusammenge-
stellten Beispiele.
3S) DaB es sich um das erste Jahr handelt, ist unwahrschein-
lich, man wiirde MU.l.KAM erwarten; in spateren Jahren erst
recht die voile Datenformel. Itti-Marduk-balatu hatte zwar eine
Schreiberausbildung erhalten und erschemt gelegentlich als Schrei-
ber von Urkunden (vgl. die Belege bei Tallqvist, Neu-
babylonisches Namenbuch, s.v.), eine Kamere als Gerichtsschrei-
ber und Richter wie sein Vater hat er jedoch nicht verfolgt. Es
sollte daher nicht verwundern, daB ihm die neue Datenformel
noch nicht geliiufig war.
39) Vgl. CM 3a, S. 80 mit Anm. 306.
40) Erst drei Jahre spater wurden laut Cyr 129//130 die 24
Minen Silber, die Bestandteil der Mitgift der Nuptaja gewesen
nasir-apli war noch zu jung, um die Geschafte im Falle
seines Todes iibemehmen zu konnen.4' Vor diesem Hin-
tergrund ist die Formulierung in Z. 6-8 des Testamentes
zu verstehen, die Marduk-nasir-apli und seiner Mutter
den gemeinsamen NieBbrauch am Vermogen einraumt.
Damit erhalt Nuptaja eine rechtliche Handhabe, um im
Falle eines Falles im Interesse ihrer Kinder (und in ihrem
eigenen selbstverstandlich) in die Familiengeschafte ein-
greifen zu konnen.
Ohne dieses Testament ware es der altere von Itti-
Marduk-balatus Briidern gewesen, der die Leitung der
Geschafte iibernommen hatte, zumindest solange bis
Marduk-nasir-apli seine eigenen Interessen hatte wahr-
nehmen konnen. Itti-Marduk-balatu scheint jedoch nicht
sehr viel Vertrauen in die geschaftlichen Fahigkeiten und
die Redlichkeit seiner Briider gesetzt zu haben.42 Es stand
zu befurchten, daB diese versucht hatten, den Anteil
Marduk-nasir-aplis zu schmalern. Ware auch Marduk-
nasir-apli gestorben, dann hatte Nuptaja lediglich auf die
Herausgabe Hirer Mitgift Anspruch gehabt, aber keinerlei
Rechte am Vermogensanteil ihres Mamies.
Das Testament zielt demnach eindeutig darauf ab, im
Falle von Itti-Marduk-balatus Tod seine Briider daran zu
hindern, das Familienerbe ungeteilt zu iibernehmen.43
Es bleibt die Frage, ob Nuptaja in der Lage gewesen
ware, die Geschafte zu fiihren, solange ihr Sohn zu jung
sind und von Nabu-ahhe-iddin in sein Geschaft investiert worden
waren, aus dem gemeinsamen Erbe ausgegliedert, indeni der
Geldbetrag durch gleichwertige Grundstiicke kompensiert und
diese an Itti-Marduk-balatu ubereignet wurden. Damit wurde
sehr wahrscheinlich die Erbteilung eingeleitet, iiber die uns
leider keine Urkunde erhalten ist. Es sei darauf verwiesen, daB
eine Generation spater laut Dor 379 die Erbteilung nach Itti-
Marduk-balatu ebenfalls mit der Herauslosung der Mitgiften
seiner Schwiegertdchter aus dem Gemeinschaftsvermogen ein-
hergeht.
41) Marduk-nasir-aplis Geburtsdatum ist zwar nicht bekannt,
da aber die Ehe seiner Eltem etwa um das Jahr 5 Nbn angebahnt
worden war und er erst knapp zwanzig Jahre nach Ausfertigung
des Testaments, zu Beginn von Darius' Regierung, geheiratet hat,
diirfen wir annehmen, daB er damals noch ein Kind war.
n) Die wenigen Urkunden, die z. B. iiber Iddin-Nabu Aus-
kunft geben, veranlassen Ungnad, ihn in AfO 14, S. 62, als "bete
noire" der Familie zu charakterisieren. Erinnert sei an den heim-
lichen Verkauf von Itti-Marduk-balatus Sklavin, den er im Jahr
3 Camb arrangiert hat (Liv 19 mit unpubliziertem Duplikat BM
31410). Ebenfalls aus der Regierungszeit Cambyses' stammt die
unpublizierte Urkunde BM 31334, laut der Iddin-Nabu ein Hans
verpfanden muB und der Glaubiger sich Itti-Marduk-balatu ge-
geniiber verpflichtet, kein weiteres Silber an Iddin-Nabu ohne
Wissen seines Bruders auszuzahlen.
4J) Bemerkenswert ist noch ein weiteres Detail: Die beiden im
Testament genannten Zeugen sind nicht aus anderen Egibi-
Texten bekannt. Man hatte Itti-Marduk-balatus Briider als mittel-
bar Betroffene, die aus dem Testament keine Anspriiche erlang-
ten, als Zeugen hinzuziehen konnen, schon um einer Anfechtung
des Testamentes vorzubeugen. Vielleicht haben sie sich gewei-
gert, um spater einen Rechtsstreit anstrengen zu konnen, oder das
Testament wurde ohne ihr Wissen mehr oder weniger heimlich
oder in Eile ausgestellt.
Die Frauen der Familie Egibi
39
dazu war. Prinzipiell waren Frauen in neubabylonischer
Zeit geschaftsfahig, so daB dem keine juristischen Hin-
demisse im Wege standen. Insbesondere Nuptajas Mutter,
Ina-Esagila-ramat, ist eine gutes Beispiel fur eine ge-
schaftstuchtige Babylonierin.44 Nuptaja erscheint demge-
geniiber selten als aktive Partei in Urkunden. Hinter ihr
stand aber die Person ihres Vaters Iddin-Marduk. Dieser
reiche Geschaftsmann, der innerhalb von drei Jahrzehnten
vor allem durch den Handel nut Naturalien im Gebiet um
Babylon ein betrachtliches Vermogen erwerben konnte,
hatte seiner Tochter nicht nur eine sehr stattliche Mitgift
zukommen lassen, sondern ihr dariiber hinaus, wohi be-
reits bei ihrer EheschlieBung und als Bestandteil des
Ehevertrags, audi ein Drittel seines Vermogens zuge-
sagt.45 Damit stand ihr also faktisch ein in seiner Hohe
nicht definierter Erbanspruch zu einem Drittel neben
Iddin-Marduks einzigem46 Sohn Marduk-remanni zu. Die-
ser Erbanspruch scheint vor allem dadurch realisiert wor-
den zu sein, daB Itti-Marduk-balatu bereits zu Lebzeiten
seines Schwiegervaters nach und nach Zugang zu einem
wichtigen Bereich von dessen Geschaften erhielt, namlich
zu dem Handel mit Naturalien (Gerste, Datteln und Zwie-
beln), der im Gebiet um Sahrihu am Borsippakanal zen-
tralisiert war. Bei einer soldi engen Verflechtung der
Geschafte und angesichts der Werte, die durch die Ver-
bindung mit Iddin-Marduk in das Vermogen der Egibis
geflossen waren, war das Testament auch fur Iddin-
Marduk von groBer Wichtigkeit, denn sonst ware auch
seine wirtschaftliche Position beim Tode Itti-Marduk-
balatus gefahrdet bzw. von Verlusten bedroht gewesen.
Die Ubertragung von dessen Anteil an Nuptaja hatte es
ihm erlaubt, in die Familiengeschafte der Egibis einzu-
greifen und vielleicht sogar liir kurze Zeit die Regie zu
ubernehmen, bis das Erbe Nabu-ahhe-iddins geteilt wor-
den ware.
44) Zu den Geschaften der Ina-Esagila-ramat vgl. das ihr
gewidmete Kapitel in CM 3a, S. 66-72.
45) Weder ein Ehevertrag noch die Urkunde iiber die Mitgift-
bestellnng sind iiberliefert. Die Regelnng ist uns nur bekannt,
weil zwei Urkunden, in denen es um Mitgiftsilber geht, eine
entsprechende elat-Klausel enthalten: BM 33114 (CM 3 Nr. 137;
Roth, JAOS 111, S. 21 Anm. 4), Z. 8-12: elat 10 amelutu u ude
biti sa ina pan Iddin-Marduk salsu ina nikkassi sa Iddin-Marduk
elat nudunnesu Iddin-Marduk iknukuma itti Nuptaja martisu ana
Itti-Marduk-balatu iddinu "Abgesehen von 10 Sklaven und Haus-
rat, die sich bei Iddin-Marduk befmden, (und) einem Drittel vom
Vermogen des Iddin-Marduk, (das), abgesehen von ihrer Mitgift,
Iddin-Marduk unter Ausstellung einer gesiegelteii Urkunde mit
Nuptaja, seiner Tochter, an Itti-Marduk-balatu mitgegeben hat."
CM 3 Nr. 209, Z. 8-10: elat u'ilti sa salsu zitti sa Nuptaja
martisu sa ina nikkassi sa Iddin-Marduk "Abgesehen von einer
Urkunde iiber einen Drittelanteil der Nuptaja, seiner Tochter, den
(sie) am Vermogen des Iddin-Marduk (hat)." Da die Urkunden
bereits aus dem 5. bzw. 13. Jahr Nabonids stammen, konnen wir
annehmen, daB Mitgiftbestellung und Erbvertrag gekoppelt wa-
ren.
46) Ein zweiter Sohn, Marduk-u§allim, existiert nicht, vgl.
CM 3a, S. 77 mit Anm. 294.
In Z. 8-13 des Testaments finden sich auch Festlegun-
gen zu den Mitgiften der Tochter, auf die weiter unten
nalier eingegangen werden soil.
Die drei Kinder Nuptajas und Itti-Marduk-balatus, die
im Testament erwahnt und bedacht werden, blieben nicht
die einzigen. Innerhalb der nachsten neun lahre47 erblick-
ten drei weitere Kinder das Licht der Welt, zwei Sonne
und eine Tochter. Damit diirfte ein weiteres familien-
oder besser forschungsgeschichtliches Problem gelost sein.
Itti-Marduk-balatus drei Sonne erscheinen in Urkunden
gelegentlich unter einem Kurz- bzw. Spitznamen48 und
bezeichnen sich dann (aber nicht nur dami) als Sohne
eines gewissen Iddinaja. Weingort hat dies als Kurz-
namen oder Pseudonym fur Itti-Marduk-balfitu aufge-
faBt,49 woraufhin ihm Ungnad heftig widersprochen hat.50
Er betrachtete Iddinaja als Kurzform fiir Iddin-Nabu, den
Namen von Itti-Marduk-balatus Bruder. Darauf gjriindet
sich seine Theorie, die drei Kinder seien keine leiblichen
Sohne von Itti-Marduk-balatu (und Nuptaja), sondem viel-
mehr die Kinder seines Bruders Iddin-Nabu, die er man-
gels eigener mannlicher Nachkommen adoptiert habe.
Das Problem blieb lange unentschieden. Unser Testament
liefert keinen Anlialtspunkt fiir eine Adoption, wohl aber
mehr Gegenargumente, da eine Adoption von drei Kin-
dern in Etappen sehr unwahrscheinlich ist.51 Die These
Weingorts diirfte damit weiter fundiert sein.
Itti-Marduk-balatus Testament ist nie zur Anwendung
gekommen, da er seine Frau iiberlebt hat. Nuptaja ist
gegen Ende von Cyrus' Regierungszeit gestorben,52 was
der unmittelbare AnlaB fiir die Ausstellung eines weiteren
Testaments gewesen sein diirfte, jedoch diesmal nicht
durch Itti-Marduk-balatu, sondern durch Nuptajas Vater
Iddin-Marduk." Der Tod der Nuptaja noch zu Lebzeiten
ihres Vaters erforderte eine neue, eindeutige Regelung
47) Alle sechs Kinder werden in BM 32205 (Nr. 2) aus dem
Jahre 0 Camb aufgefiihrt (vgl. dazu im folgenden). Wir haben
dadurch einen Anlialtspunkt, um das Alter der Kinder zu bestim-
men - einer der wenigen Falle, in denen dies wenigstens anna-
herungsweise moglich ist.
4S) Marduk-nasir-apli als Sirku, Nabu-ahhe-bullit als Liblut,
Nergal-uSezib als Pursu.
4») Weingort, Das Haus Egibi, S. 15f.
50) AfO 14, S. 62.
51) Vgl. CM 3a, S. 82f., Anm. 311.
52) Die letzte datierbare Urkunde, in der sie als aktive Partei
erscheint, ist CM 3 Nr. 304 aus dem Jahre 6 Cyr.
n) BM 32205+41542+41561+41600+41720+ 48890 (Nr. 2).
Von dieser Urkunde war mir, als ich die Geschafte des Iddin-
Marduk untersuchte, leider nur das Fragment BM 32205, ein
Bruchstuck der Riickseite, bekannt. Da dort nur eine Ina-Esagila-
ramat ohne Filiation, ein Marduk-nasir-[...] und ein Nergal-
usallim statt des zu erwartenden Nergal-usezib genannt sind,
erschien eine Identifizierung mit den Egibis zu gewagt, zumal
vom Vertragstext fast nichts erhalten war. Es ist daher nicht in
CM 3 aufgenommen worden. Erst als ich die Moglichkeit hatte,
die hohen Nummern der Babylon-Sammlung durchzusehen, fie-
len mir die von I.L. Finkel gejointen Fragmente mit Nummern
zwischen BM 41542 und 48890 in die Hande und der Zusam-
menhang mit BM 32205 war offensichtlich.
40
Cornelia Wunsch
iiber jenen Driltelanteil am vaterlichen Vermogen, den
Iddin-Marduk seiner Tochter vertraglich zugesichert hat-
te. Es gait, die Anspriiche ihrer Kinder und damit der
Familie Egibi abzusichern.
Das Testament des Iddin-Marduk wurde im Akzessions-
jahr Cambyses' ausgestellt. Die uns erhaltene Tafel ist
groBformatig, sorgfaltig gefonnt und beschrieben, jedoch
nicht gesiegelt (s. Foto). Als Ausstellungsort ist das UraiStor
von Babylon angegeben, was ihren offiziellen Charakter
unterstreicht.
Die Urkunde beginnl in Z. 1-10 mit einer Verfugung
Iddin-Marduks zugunsten seiner Ehefrau Ina-Esagila-
ramat. Sie soil das Wohnhaus und 15 Sklaven erhalten,
darunter Madanu-bela-usur und Nabu-ajjalu, die als ge-
schaftsfiihrende Elitesklaven fiir Iddin-Marduk und sei-
uen Schwiegersolm arbeiteten und daher von groBer Be-
deutung fur die Familie waren. Von besonderer Wichtig-
keit ist ein Vermerk in Z. 9f., der in Z. 35f. noch einmal
wiederholt wird, wonach Ina-Esagila-ramat das uneinge-
schrankte Verfiigungsrecht iiber Haus und Sklaven erhalt,
oder, wie es in der Urkunde formuliert ist: Sie kann Haus
und Sklaven geben, wohin sie will.54 Wahrend einige der
Sklaven iiber 20 Jahre spater in der groBen Egibi-
Erbteilungsurkunde Dar 379 als Eigentum von Ina-Esagila-
ramats Enkeln erwahnt werden, lafit sich nicht ermitteln,
wer das Wohnhaus nach Ina-Esagila-ramats Tod (oder
schon zu ihren Lebzeiten?) erhalten hat.
Iddin-Marduk hat seiner Ehefrau aber wohl nicht nur
das Verfiigungsrecht iiber die erwahnten Sklaven und das
Haus eingeraumt, sondern dariiber hinaus offenbar auch
den NieBbrauch an seinem sonstigen Vermogen auf Le-
benszeit. Die entsprechende Passage (Z. 29f.) ist zwar
beschadigt, die nachfolgende Klausel liefert aber eine
indirekte Bestatigung unserer Annahme. In ihr wird fest-
gelegt, daB Iddin-Marduks drei Enkelsohne Marduk-nasir-
apli, Nabu-ahhe-bullit und Nergal-usezib (die Sohne sei-
ner Tochter Nuptaja) alles, was ihnen ihr GroBvater be-
stimmt hat, erst nach ihrem (d. h. Ina-Esagila-ramats) Tod
ubernehmen sollen.
Das den Enkeln vorbehaltene Vermogen wird in Z.
10-14 naher beschrieben. Es handelt sich zunachst um
eine Forderung ihres GroBvaters iiber 40 Milieu Silber zu
Lasten ihres Vaters sowie um seine iibrigen Sklaven und
sein gesamtes iibriges Vermogen - reljet amelutisu u
nikkassisu sa all u seri mala basu "den Rest seiner
Sklaven und seines Vermogens in Stadt und Land, soviel
vorhanden ist." AuBerdem legt Iddin-Marduk in Z. 17-26
fest, daB von diesem Vermogen insgesamt 40 Minen fiir
die drei Enkelinnen Tasmetu-tabni, Ina-Esagila-belet und
Nanaja-etirat bestinunt sind - ein Betrag, dessen Grofien-
ordnung sich mit der eingangs erwahnten Forderung ge-
M) In JCS 43-45, S. 10, fiihrt M. Roth den Fall der Misatu als
das einzige bisher bekannte Beispiel an, wouach eine Witwe
ausdriicklich das Verfiigungsrecht iiber ihr Wohnhaus erhalt.
Verniogensiibertragungen zugunsten der Ehefrau sind sonst in
der Regel auf den NieBbrauch am Vermogensobjekt beschrankt
und setzen die Kinder bzw. nur die Sohne als Nacherben ein.
gen Itti-Marduk-balatu deckt. Wir konnen daher voraus-
setzen, daB Iddin-Marduks restliches Vermogen minde-
stens noch einmal so viel wert ist, vermutlich wesentlich
mehr.
Forderungen als Gegenstand von Vermogensiibertra-
gungen sind durchaus nicht ungewohnlich,55 das Besonde-
re im vorliegenden Fall ist, daB die Begiinstigten zugleich
die zukiinftigen Erben des Schuldners sind. Im Grunde
bewirkt diese Regelung, daB der Betrag von 40 Minen
Silber, der bereits in die Geschafte der Egibis geflossen
ist und iiber den ein Verpflichtungsschein zu Lasten Itti-
Marduk-balatus ausgestellt wurde, von dessen Sohnen
nach dem Tode des GroBvaters nicht zuriickgezahlt wer-
den muB. Eine Verzinsung und Riickzahlung war offen-
sichtlich gar nicht beabsichtigt, wir haben vielmehr Grund
zu der Annahme, bei diesem Vermogenstransfer, der de
facto bereits stattgefunden hat, habe es sich um eine
Vorabzahlung eines Teils von Nuptajas Erbe gehandelt
(in einer Grofienordnung, die den Wert der Mitgift bei
weitem iibersteigt). Dies erklart allerdings auch, warum
iiber den Betrag ein Verpflichtungsschein ausgestellt
wurde, obwohl an eine Riickzahlung nicht gedacht war:
Itti-Marduk-balatu als Nuptajas Ehemann halte keinen
Rechtsanspruch auf ihr Erbe.
Die bisherige Argumentation ging da von aus, daB
Nuptaja (und damit ihren Kindern als ihren Erben) ein
Drittelanteil am Vermogen des Iddin-Marduk zustand,
wie dies aus <?/<3r-Vermerken in zwei Urkunden zu erfah-
ren ist.56 Fiir wen die anderen zwei Drittel bestimmt
waren, ist aus diesen Dokumeuten nicht zu erfahren; wir
haben aber stillschweigend vorausgesetzt, daB es sein
Sohn Marduk-remanni war. Zwei Details in Iddin-Marduks
Testament sind jedoch aufiallig: Marduk-remanni wird
mit keiner Silbe erwahnt und erscheint auch nicht als
Zeuge, und Nuptajas Nachkonunen sollen neben den be-
reits erwahnten 40 Minen Silber den Rest seiner Sklaven
und des gesamten Vermogens erhalten; von einem Drittel-
anteil ist nicht die Rede. Dies fiihrt zwangslaufig zu der
Frage, warum Marduk-remanni im Testament nicht ge-
nannt wird, ob er, als es ausgestellt wurde, noch am
Leben war und ob - falls er gestorben sein sollte - die
Egibis moglicherweise alles geerbt haben konnten.
Zunachst muB festgehalten werden, daB Marduk-
remanni als Iddin-Marduks Sohn nach geltendem Recht
unbestritten dessen Erbe war; als einziger Sohn sogar
alleiniger Erbe, solange keine anderen Verfiigungen ge-
troffen wurden. Mit dem Testament sollen die Anspriiche
derer legitimiert werden, die nicht automatisch erbberech-
tigt waren, d. h. die Anspriiche von Iddin-Marduks Ehe-
frau und den Kindem seiner Tochter. Die Ausstellung der
Urkunde liegt demnach in deren Interesse, wahrend
Marduk-remanni durch sie keine Rechte geltend machen
kann, sondern nur indirekt durch die Reduzierung seines
") Vgl. z.B. VAS 5, 146 (= NRV 11) und den einleitenden
Kommentar von San Nicolo und Ungnad in NRV.
S6) Siehe Anm. 45.
Die Frauen der Fami lie Egibi
41
Anleils betroffen ist. Seine Anwesenheit als Zeuge ware
zwar eine zusatzliche Absicherung gegen Klagen von
seiner Seite, unbedingt erforderlich ist sie jedoch nicht.
Allein ans der Nichterwahnung Marduk-remannis kann
demnach nichl gesclilossen werden, er sei gestorben.
Es ist schvvierig, aus den iiberlieferten Urkunden et-
was iiber die Lebensdaten Marduk-remannis in Erfahrung
zu bringen. Er erscheint sehr selten in Urkunden des
Egibi-Archivs, in der Regel nur, wenn er als Stellvertreter
seines Vaters oder im Zusammenhang nut dessen Ge-
schaften agiert.57 Sie stammen aus der Zeit des Nabonid
und Cyrus, es gibt aber immerhin eine datierbare Urkun-
de, in der er genannt wird und die j linger ist als Iddin-
Marduks Testament: Dar 56 aus dem 2. Jahre Darius'.58
Wenn Marduk-remanni bei Ausstellung des Testamen-
tes noch am Leben war, dann haben wir wenig Grund
anzunehmen, daB die Egibis das gesamte Vermogen des
Iddin-Marduk geerbt haben. Gegen diese These hatte ich
bereits in CM 3a, S. 7-11, argumentiert und halte diese
Argumente nach wie vor aufrecht. Die Urkunden des
Iddin-Marduk, die innerhalb des Egibi-Archivs auf uns
gekommen sind, dokumentieren nur bestimmte Geschafte,
die einen Bezug zu denen der Egibis haben. Wahrend wir
iiber seinen Handel mit Naturalien im Gebiet um Babylon
gut informiert sind, haben wir z. B. das vollige Fehlen
von Grundstuckskaufvertragen zu verzeiclmen.59 In ande-
ren Privatarchiven aus dieser Zeit ist der Stellenwert von
Haus-, Garten- und Feldgrundstiicken als sichere und
produktive Kapitalanlage sowie als Prestigeobjekt deut-
lich zu erkennen, und auch die Familie Egibi hat insbe-
sondere in der Generation des Nabu-ahhe-iddin umfang-
reichen Grundbesitz erworben. Das Fehlen diesbeziigli-
cher Texle des Iddin-Marduk kann daher nicht zufallig
sein; wir miissen vielmehr aunehmen, daB sie deshalb
nicht in das Archiv der Familie Egibi gelangt sind, weil
die Egibis keine Erben dieser Vermogensobjekte waren.
") Vgl. CM 3a, S. 77F.
5S) Marduk-remanni zahlt im Auftrag seines Vaters 5 Sekel
Silber fiir f/r<2if/-Verpflichtungen. Auch der Empfanger handelt
im Auftrag seines eigenen Vaters, der in anderen Urkunden aus
der Zeit zwischen dem 1. und 5. Jahr des Cyrus in gleichem
Kontext erscheint (vgl. die im Kommentar zu Dar 56 in CM 3b
zu Nr. 349 aufgefiihrten Belege). Angesichts des Fehlens jegli-
cher Urkunden aus der Zeit des Cambyses, die Marduk-remanni
erwahnen, und im Lichte von Iddin-Marduks Testament erschien
mir eine erneute Kollation des Datums von Dar 56 angebracht.
Die Urkunde ist sehr schlecht gesclirieben, aber dennoch scheint
mir der Konigsname Darius - jedenfalls wohl kaum Cyrus - zu
sein. Linker Rand:
/?: fdanach sind keine
Zeichen mehr zu erkennen]; zu lesen mDa-ri-su oder vielleicht
-us, wie von StraBmaier kopiert.
59) Dieses argumentum ex silentio wiegt jetzt noch schwerer,
nachdem ich Gelegenheit hatte, die unpublizierten Texle der
Babylon-Sammlung des Britischen Museums durchzusehen und
mein besonderes Augenmerk auf Grundstiickskaufe gerichtet
hatte. Nicht ein einziger Kauf durch Iddin-Marduk ist bisher zu
meiner Kenntnis gelangt.
Die vierte Generation
Die Tochter des Itti-Marduk-balatu
Die beiden alteren Tochter Itti-Marduk-balatus werden
erstmalig im Akzessionsjahr Cyrus' in seinem Testament
erwahnt, wo Regelungen iiber ihre Mitgiften getroffen
werden. Interessant ist dabei, daB die alteste, Tasmetu-
labni, etwa doppelt so viel erhalten soli wie ihre jiingere
Schwester Ina-Esagila-belet: 5 Sklaven und 2 Kur Feld
gegeuiiber 3 Sklaven und 1 Kur Feld. Dies entspricht der
Verfahrensweise bei der Erbteilung der Sonne, wo eben-
falls der alteste einen Vorzugsanteil erhalt. Auch ein
Brautigam ist fur Tasmetu-tabni, die damals hochstens
zwolf Jahre alt gewesen sein kann, schon beslimmt: Itti-
Nabu-balatu, Sohn des Marduk-bani-zeri aus der Familie
Bel-etir, ein Geschaftsfreund ihres Vaters.60 Tatsachlich
wird drei Jahre spater zwischen den beiden genannten
Mannern der Mitgiftvertrag geschlossen,61 allerdings mit
einer Modifizierung: Das Feldgrundstiick von 2 Kur wird
durch 10 Minen Silber ersetzt.
Wahrend der Regierungszeit des Cyrus wurde noch
eine dritte Tochter geboren, die in dem bereits erwahnten
Testament Iddin-Marduks (Nr. 2) aus dem Akzessionsjahr
Cambyses' erstmalig erwahnt und Etirtu genannt wird,
wahrend sie in anderen Urkunden mit dem vollen Namen
Nanaja-etirat erscheint. Alle drei Madchen - Tasmetu-
tabni, Ina-Esagila-belet und Nanaja-etirat - werden im
Testament von ihrem GroBvater bedacht. In Z. 17-26 wird
festgehalten, daB insgesamt 40 Minen Silber von dem
Vermogen, das die Enkelsohne erben sollen, fiir ihre
Schwestern bestimmt sind. Die alteste und die jiingste
sollen jeweils 10 Minen Silber erhalten, wahrend fiir die
mittlere, Ina-Esagila-belet, das Doppelte vorgesehen ist.
Ein Grund fiir diese Bevorzugung ist weder angegeben
noch aus anderen Urkunden zu erschlieBen. Es wird
jedoch ausdrucklich festgehalten, daB dieses Silber kein
Bestandteil der Mitgiften ist, die Itti-Marduk-balatu sei-
nen Tochtern bestellt hat bzw. noch bestellen wird.62
Drei Jahre nach Ausstellung von Iddin-Marduks Te-
stament, im 3. Jahre Cambyses', wurden drei Urkunden
ausgefertigt, in denen es um die Mitgiften von Itti-Marduk-
balatus Tochtern geht. In der Urkunde Camb 214 ist
festgehalten, daB von der Mitgift Tasmetu-tabnis, die laut
60) Er erscheint erstmals im Jahre 15 Nbn als Schuldner von
Nuptaja (CM 3 Nr. 241), wobei Itti-Marduk-balatu Zeuge ist;
weitere Urkunden aus der Zeit Nabonids zeigen ihn als Schreiber
in Itti-Marduk-balatus Angelegenheiten (Belege bei Tallqvisi,
Neubabylonisches Namenbuch, s.v.).
61) Cyr 143 vom 26.11.3 Cyr.
62) Nur die Mitgift fiir Tasmetu-tabni war zu diesem Zeit-
punkt bereits bestellt worden, daher wird ihr Fall getrennt vor
dem der beiden jiingeren Schwestern behandelt. In Z. 25 Ende
wird man mit Bezug auf letztere wohl inamdinusindti "(Mitgift,
die) er ihnen bestellen wird" zu erganzen haben, vgl. CM 3 Nr.
260a: 11, wo ebenfalls von einer zukiinftigen Mitgiftbestellung
die Rede ist und Reste von na\m-din zu erkennen sind.
42
Cornelia Wunsch
Cyr 143 im 3. Regierungsjahr Cyrus' versprochen worden
war, nichts an Itti-Nabu-balatu, ihren Brautigam, iiberge-
ben worden ist. Er erscheint nun vielmehr in Camb 215,
dem an gleichen Tag ausgeslellten Mitgiftvertrag fiir Ina-
Esagila-belet, als deren Brautigam. Bereits Weingort63
hatte angenonunen, daB Tasmetu-tabni verstorben ist,
"ohne ihre Bestimmung erreicht zu haben", und der Brau-
tigam nun ihre nachstjungere Schwester zur Frau erhalt.
Interessant ist die Hohe der Mitgift: Ina-Esagil-belet er-
halt nicht etwa das gleiche wie ihre Schwester, sondem
sie wird zu genau jenen Konditionen verlieiralet, die
bereits im Testament ihres Vaters aus dem Akzessions-
jahr Cyrus' (CM 3 Nr. 260) fiir sie bestimmt sind: 1 Kur
Feld und 3 Sklaven sowie Hausrat.64 Offensichtlich ist
man von dem einmal festgelegten Betrag nicht mehr
abgewichen.
Am gleichen Tag wurde auch der Mitgiftvertrag fiir
die jiingste Tochter, Nanaja-etirat, ausgestellt.65 Nanaja-
etirat kann zu diesem Zeitpunkt kaum alter als neun Jahre
gewesen sein.66 Ihre Mitgift hat den gleichen Umfang wie
die ihrer Schwester. In keinem der beiden Mitgiftvertrage
wird jenes Silber erwahnt, das die beiden Madchen zu-
satzlich zur Mitgift von ihrem GroBvater erben sollen.
Zwei Urkunden aus der Zeit des Darius, deren genaue
Datierung sich nicht ermitteln lafit, belegen die Bestcl-
lung einer zusatzlichen Mitgift fiir Nanaja-etirat durch
ihre GroBmutter Ina-Esagila-ramat.67 Falls die von mir in
CM 3a, S. 71 f., vorgeschlagene Rekonstruktion des Ab-
laufes zutrifft, so handelte es sich zunachst urn 10 Minen
Silber und einen Sklaven, denen spater ein weiterer Skla-
ve sowie vier Minen Silber hinzugefiigt wurden. Unklar
war bisher, aus welchen Mitteln Ina-Esagila-ramat diese
Zuwendung bestreiten konnte. Der Betrag von 10 Minen
Silber lafit nun vermuten, dafi diese Zahlung im Zusam-
menhang mil jenem Silber steht, das in Iddin-Marduks
Testament fiir Nanaja-etirat bestimmt war.
Amat-Baba, die Ehefrau des Marduk-nasir-apli
Die erste datierbare Urkunde, in der Amat-Baba, die
Tochter des Kalbaja aus der Familie Nabaja und Ehefrau
des • Marduk-nasir-apli, erwahnt wird, ist Dar 26 vom
Ende des ersten Regierungsjahres Darius'. Es handelt sich
um einen Grundstiickskaufvertrag; als Kaufer erscheint
Marduk-nasir-apli, als Verkaufer sein Schwiegervater. Die
63) Weingort, Das Hans Egibi, S. 18.
M) Dies geht aus dem vollstandig erhaltenen Duplikat von
Camb 215, BM 32894, hervor; vgl. CM 3 Nr. 335.
M) Camb 216 mit Join BM 41592 (Nr. 3). Damit ist der
Vertragstext jetzt fast vollstandig erhalten.
°6) Als ihr Vater Itti-Marduk-balatu zwolf Jahre friiher sein
Testament schrieb, vvaren weder sie noch ihre zwei Briider Nabu-
ahhe-bullit und Nergal-usezib geboren. Vermutlich ist sie die
jiingste der Geschwister, denn sie wird bei der Aufzahlung von
Itti-Marduk-balatus Kindem in CT 22, 6 an letzter Stelle ge-
nannt.
OECT 10, 161 und CM 3 Nr. 355.
Grundstiicksbeschreibung weist das Nachbarfeld an der
Nordseite als Mitgiftfeld der Amat-Baba aus. Damit lie-
fert dieser Kaufvertrag den terminus ante quern fiir die
Mitgiftbestellung, die uns in zwei fragmentarischen Ex-
emplaren iiberliefert ist, bei denen jeweils die Riickseite
der Urkunde und damit das Datum verlorengegangen ist:
BM 34241 und BM 35492 (Nr. 4a und b). Die Mitgift
umfafit neben dem beeindruckend hohen Betrag von 30
Minen Silber, ffiinf Sklaven und Hausrat auch jenes be-
reits erwahnte Gartengrundstuck, dessen Grofie mit 2 Kur
angegeben ist.
Die Mitgifturkunde, die mit Ausnahme eines Ein-
schubs in Z. 4 dem bekannten Formular von Mitgift-
bestellungen folgt, weist eine Besonderheit auf: Der Brau-
tigam Marduk-nasir-apli wird nicht nur durch seine eige-
ne Filiation als Sohn des Itti-Marduk-balatu aus der Fami-
lie Egibi ausgewiesen, sondern auch als Enkel seiner
Grofieltern miitterlicherseits, d.h. als Enkel von Iddin-
Marduk und Ina-Esagila-ramat. Der Sinn dieses Zusatzes
wird angesichts des nachfolgenden Quittungsvermerks
(Z. If.) offenbar, in dem Iddin-Marduk den Empfang des
Mitgiftsilbers im Betrage von 30 Minen bestatigt; die
Ubergabe der Sklaven, des Hausrates und wohl auch des
Grundstiicks soli venmitlich zu einem spateren Zeitpunkt
erfolgen.68 Es uberrascht zunachst, den GroBvater als
Empfanger der Mitgift zu sehen. Wir miissen daher an-
nehmen, daB Itti-Marduk-balatu, Marduk-nasir-aplis Va-
ter, zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben war.69 Sein
Tod kam offenbar plotzlich und unerwartet zu einer Zeit,
als sein altester Sohn Marduk-nasir-apli noch kaum akti-
ven Anteil an den Geschaften hatte. Aus unserer Urkunde
geht nicht hervor, ob und durch welche Rechtsgrundlage
Iddin-Marduk zum Eingreifen in die Familiengeschafte
der Egibis tin Interesse seines Enkels legitimicrt war.
Seine Vorgehensweise stand aber ohne Zweifel im Ein-
klang mit Itti-Marduk-balatus Absichten, wie wir bereits
aus dessen Testament (oben S. 37f. besprochen) schlieBen
konnten.
Die Mitgift der Amat-Baba wird funfzehn Jahre spater
wieder erwahnt,70 als Marduk-nasir-apli seiner Frau ein
Grundstuck und neun Sklaven anstelle (kum) ihrer Mitgift
iibertragt. Die in dieser Urkunde genannten Mitgift-
bestandteile stimmen jedoch nicht exakt mit denen uber-
ein, die wir aus dem Mitgiftvertrag (Nr. 4) kennen. Neben
den dort erwahnten und von Iddin-Marduk quiltierten 30
**) Eine entsprcchende Regelung konnen wir in Z. 9ff. ver-
muten, der fragmentarische Zustand des Textes erlaubt jedoch
keine sichere Erganzung. Als Parallele konnte BM 30441 (Nr. 6)
Z. I Off. dienen, der Wortlaut kann jedoch nicht iibereinstimmen.
Selbst wenn man im-ha-x-[...] am Ende von BM 34241: 10 als
Verschreibung iiir cine Form von ahazu ansahe, ware die Propo-
sition ana statt der zu erwartenden Akkusativrektion nicht zu
erklaren.
69) Er wird zuletzt in der Urkunde Nbk 10 vom 21.9.0 Nbk III
(= 8 Camb, 522 v. Chr.) als Vertragspartei erwahnt.
70) BOR 2, 3 mit Duplikat BM 41316 (Nr. 5) vom 15.3.16
Dar.
Die Frauen der Familie Egibi
43
Minen Silber werden in BOR 2, 3 zwei Minen Gold und
weitere fiinf Minen Silber in Schmuck aufgefiihrt, wah-
rend von den urspriinglich versprochenen fiinf Mitgift-
sklaven drei fehlen; die beiden anderen wurden von
Marduk-nasir-apli verkauft. Der Dattelgarten schlieBlich
wird iiberhaupt nicht erwahnt. Es ist nicht auszuschlie-
Ben, daB er in der Zwischenzeit verkauft oder gegen
andere Vermogenswerte ausgetauscht worden ist und sein
Wert durch die zwei Minen Gold und fiinf Minen Silber
reprasentiert wird.71 Ebensogut konnte das Grundstiick
aber auch deshalb nicht in der Urkunde BOR 2, 3 aufge-
fiihrt sein, weil es weder verkauft noch verpfandet wor-
den war und daher auch nicht kompensiert oder vor dem
Zugriff von Glaubigern gesichert werden muBte. Betrof-
feu sind vielmehr diejenigen Teile der Mitgift, die in den
allgemeinen Geschaftsbetrieb geflossen oder verauBert
worden sind und damit nicht mehr gegenstandlich greif-
bar waren. Solange nichts iiber das Schicksal des ur-
spriinglichen Mitgiftgrundstiickes in Erfahrung zu brin-
gen ist, wird sich nicht entscheiden lassen, ob in Z. 7-11
kum ... nudunnu sa Amat-Baba nut "anstelle von der
Mitgift der A." oder "anstelle von Mitgift(bestandteilen)
der A." wiederzugeben ist.
M. Roth hat auf die allgemeine Praxis von derartigen
"dowry conversions" hingewiesen und herausgearbeitet,
daB insbesondere Silber das zu kompensierende Element
darstellt und ausschlieBlich in Sklaven und Grundstucke
umgewandelt wird.72 Die Rechtsnatur soldier Transaktio-
nen zwischen Ehemann und Ehefrau bildet den Gegen-
stand einer Untersuchung von K. Abraham." Sie unter-
streicht, daB die nut kum nudunne ausgewiesenen Vermo-
gensubertragungen den Charakter eines Sicherungspfandes
haben.
Bei den Objekten, die Marduk-nasir-apli seiner Frau
ubertragt, handelt es sich urn ein Grundstiick in BTt-rab-
kasiri am Tupasu-Kanal, dessen GroBe in der Urkunde
nicht angegeben ist, sowie urn die Sklavenfamilie des
Madanu-bela-usur und eine weitere Sklavin, insgesamt
neun Personen. Die Sklavenfamilie hatte urspriinglich
Iddin-Marduk gehort und er hatte sie in seinem Testament
fur seine Frau bestimmt. In der Erbteilungsurkunde Dar
379 zwischen Marduk-nasir-apli und seinen Briidern wa-
ren die Sklaven als gemeinsames Eigentum aller drei
ausgewiesen worden, ohne daB wir wissen, auf welche
Weise sie in ihren Besitz gelangt sind.74 Kurze Zeit spater
71) Das Grundstiick hatte laut BM 34241 (Nr. 4a) eine GroBe
von 2 Kur, ebenso wie die angrenzende Parzelle, die Dar 26
zufolge an Marduk-nasir-apli zum Preis von 9 Minen 30 Sekel
Silber verkauft wurde.
72) M.T. Roth, "The Material Composition of the Neo-
Babylonian Dowry", in AfO 36-37 (1989-90), S. 1-55; vgl.
insbesondere S. 5f.
") K. Abraham, Studies in the Cuneiform Sources Related to
Marriage and Matrimonial Property from the First Millennium
B.C.E. Dissertation, Bar-Ilan Univ. 1993 (Publikation in Vorbe-
reitung).
74) Vgl. den Kommentar zu Nr. 2, Z. 4-7.
hat Marduk-nasir-apli Dar 376 zufolge die Anteile seiner
Briider erworben.75 Nachdem Amat-Baba zunachst einen
Versuch gemacht hatte, die Sklaven zu verkaufen, von
diesem Vorhaben aber wieder Abstand nehmen muBte,76
finden wir die Sklaven und das Grundstiick am Tupasu-
Kanal schlieBlich in einer Verfiigung Amat-Babas zugun-
sten ihrer Tochter wieder (vgl. im folgenden).
Die funfte Generation
Die Tochter des Marduk-nasir-apli
Von den Tochtern des Marduk-nasir-apli war bisher
nur Eristu durch Urkunden, die ihre Mitgift betreffen,
bekannt.77 Im 25. Jahr Darius wurde zwischen ihrem
Vater und Marduk-iqisanni, dem Sohn des GinuTlu aus
der Familie Munnabittu, der Mitgiftvertrag geschlossen.78
Er hatte ein Feldgrundstuck von insgesamt 1.1.4 Kur
GroBe, zwei nicht namentlich genannte Sklaven, fiinf
Minen Silber und Hausrat zum Gegenstand. Die Urkunde
enthalt einen Quittungsvennerk iiber die erwahnten fiinf
Minen Silber, die bereits an den Brautigam ausgezahlt
worden sind, sowie eine Zusatzklausel, wonach Feld,
Sklaven und Hausrat zu iibergeben sind, wenn die Fleirat
tatsachlich stattgefunden hat (urn sa Marduk-iqisanni Eristu
ihljaza, Z. 10). Die Verfahrensweise bei der Ubergabe
von Eristus Mitgift entspricht somit der, die auch fur die
Heirat ihrer GroBmutter Nuptaja und ihrer Mutter Amat-
Baba bezeugt ist: Die Auszahlung des Silbers hat Priori-
tat, wahrend sich die Ubergabe der restlichen Vermogens-
objekte hinzieht, in diesem Falle neun Jahre. Sie ist erst
im 34. Regierungsjahr Darius' abgeschlossen, als Eristus
Bruder Nidinti-Bel statt der zwei Mitgiftsklavinnen, die
sich bislang noch bei seinem Vater Marduk-nasir-apli
befunden hatten, eine andere Sklavin sowie zwei Minen
20 Sekel Silber an Marduk-iqisanni aushandigt.79 In der
Urkunde wird ausdnicklich bestatigt, daB damit die ge-
samte Mitgift iibergeben ist (Z. 15).
Die Urkunde enthalt ferner (Z. 16-23) einen Klage-
verzicht Marduk-iqisannis und Eristus, der sich nicht nur
auf die gesamte Mitgift erstreckt, sondern dariiber hinaus
auch auf ein Feldgruiidstiick und zehn Sklaven, die
Marduk-nasir-apli an einen gewissen Anu-mukin-apli ver-
kauft hat. Es handelt sich um jenes Grundstiick am Tupa§u-
Kanal und jene Sklavenfamilie, die Marduk-nasir-apli
seiner Ehefrau Amat-Baba laut BOR 2, 3 (mit Duplikal
BM 41316, Nr. 5) 18 Jahre friiher zur Sicherstellung ihrer
Mitgift iibertragen hatte. Die Erwahnung dieser Ver-
75) Das Datum der Urkunde ist in 21.7.14 Dar zu korrigieren,
die Urkunde ist demnach jiinger als Dar 379; vgl. Roth, JAOS
111, S. 29, Anm. 28.
76) Dar 429 aus den Jahr 16 Dar.
77) Vgl. die Zusammenstellung bei Roth, JAOS 111, S. 29-32.
7S) BM 30441 = Nr. 6; Transliteration und Ubersetzung bei
Roth, JAOS 111, S. 29f. mit Anm. 30.
") BM 33934 (Nr. 7); Transliteration und Ubersetzung bei
Roth, JAOS 111, S. 31 mit Anm. 35.
44
Cornelia Wunsch
mogenswerte im Zusammenhang mit der Mitgift der EriStu
wird erst durch zwei neue Texte verstandlich.
In der einen dieser Urkunden, BM 33997 (Nr. 7), triffi
Amat-Baba eine Verfugung iiber das genannte Grund-
stiick und die Sklavenfamilie mit Ausnahme des Familien-
vaters Madanu-bela-usur selbst, der offensicktlich inzwi-
schen verstorben war, sowie iiber zwei weitere Sklaven,
die sie von ihrem Vater als Geschenk erhalten hatte. Da
das Datum der Urkunde weggebrochen ist, kann sie nur
aufgrund innerer Kriterien grob eingeordnet werden: in
die Zeit zwischen dem Tod des Madanu-bela-usur (etwa
im 20. Jahr Darius') und dem 34. Jahr Darius', als der
oben erwahnte Klageverzicht in BM 33934 (Nr. 7) gelei-
stet wurde.
Die Begiinstigte ist jedoch nicht nur Eristu allein,
sondem auch ihre beiden Schwestern Re'indu und Beletu,
von denen bislang nichts bekannt war. Da sie vor Eristu
genannt werden, diirften sie alter als diese sein. Amat-
Baba iibertragt diejenigen Vermogeuswerte, die sie von
Marduk-nasir-apli als Kompensation fiir insgesamt 35
Minen Silber, zwei Minen Gold und zwei Sklaven aus
ihrer eigenen Mitgift erhalten hat, an ihre drei Tochter.
Ihr Sohn Nidinti-Bel wird nicht bedacht.80 Falls das Grund-
stiick am Tupasu-Kanal und die genannten Sklaven Amat-
Babas gesamte Mitgift reprasentieren,sl dann war es of-
fenbar beabsichtigt, daB lediglich die Tochter sie bekom-
men sollten, und zwar zu gleichen Teilen, falls die For-
mulierung in Z. 23f. so zu verstehen ist. Diese Regelung
muB im Einvernehmen mit Marduk-nasir-apli getroffen
worden sein, denn er erscheint als erster Zeuge.
Zu einem spateren Zeitpunkt ist diese Verfiigung je-
doch widerrufen worden, wie aus D.T. 233 (Nr. 9, mit
Duplikat) hervorgeht. Audi in diesem Falle ist das Datum
leider nicht erhalten. In der Urkunde werden die
Vermogensobjekte zunachst aufgezahlt; in Z. 13-15 fiu-
det sich dann eine Klausel, die besagt, daB die drei
Tochter (nunmehr) keinerlei Anteil daran haben. Offen-
bar wird in den fragmentarischen Zeilen davor ausgesagt,
daB der Widerruf auf Marduk-nasir-aplis Veranlassung
hin geschehen ist (ana sibuti [sa Marduk-nd]si<r>-apli,
Z. lOf.) und moglicherweise irgendeine Kompensation
stattgefunden hat (falls ... sa zeri u ameluti [...] efir in Z.
12f. so zu verstehen ist). Aus einem Nebensatz in der
bereits erwahnten Urkunde BM 33934 (Nr. 7) schlieBlich
erfahren wir, daB Marduk-nasir-apli die betreffende
Sklavenfamilie verkauft hat.
Abgesehen von der Erwahnung in diesen beiden Ur-
kunden sind keine weileren Informationen iiber die Schwe-
stern Eristus zu gewinnen.
so) Nidinti-Bel war gewiB bereits geboren, als diese Urkunde
ausgestellt wurde, da er hochstens 14 Jahre spiiter in BM 33934
(Nr. 7), wie schon erwahnt, als aktive Partei handelt.
S1) Wir wissen nichts iiber das Schicksal des urspriinglichen
Mitgiftfeldes, vgl. oben S. 43.
Susannu, die Ehefrau des Nidinti-Bel
Von Susannu, der Ehefrau des Nidinti-Bel, ist erst
durch drei Urkunden etwas bekannt geworden, die M.
Roth nach Kopien Bertins in Transliteration und Uberset-
zung veroffentlicht hat.82 BM 33932 (Nr. 10) aus dem 32.
Jahr Darius' ist die vor Richtern ausgestellte und von
diesen gesiegelle Urkunde iiber die Mitgiftbestellung fiir
Susannu, die Tochter des Rimut-Bel aus der Familie
Munnabiltu. Sie erhalt neben zwei Sklaven und Hausrat
einen Anteil von 2.3.2 Kur Feldgrundstiick in Kar-TaSmetu,
das ihr Valer in ungeteilter Erbengemeinschaft mit sei-
nem jiingeren Bruder besitzt.SJ Etwa ein Zehntel der
Flache ist als Ersatz fiir vier Sklaven ausgewiesen, die
offenbar urspriinglich zur Mitgift gehoren sollten. Das
Formular der Urkunde folgt dem ublichen Schema. Be-
merkenswert ist der Umstand, daB kein Silberbetrag als
Bestandteil der Mitgift ausgewiesen ist und sich weder
ein Quittungsvermerk noch eine elat-YAmsoX iiber Silber
findet. Es muB daher zunachst verwundern, nur drei
Monate spater in Rm 681 (Nr. 11) Nidinti-Bel als Glau-
biger von Silber anzutreffen, das als Mitgift(bestandteil)
der Susannu bezeichnet wird und auf ihre Anweisung hin
an den Schuldner gezahlt wurde. Die Hohe des Betrages
la'Bl sich leider nicht feststellen, da die Tafel beschadigt
ist. Etwas Licht in die Angelegenheit bringt BM 33933
(Nr. 12), ein knappes Jahr nach dem Mitgiftvertrag aus-
gestellt. Dieser Urkunde zufolge ist das Mitgiftfeld fiir 26
Minen 50 Sekel Silber verkauft worden, um Glaubiger
des Nidinti-Bel zu befriedigen. Zur Sicherstellung von
Susannus Mitgift iibereignet er ihr nun insgesamt 11
Sklaven und drei Hausgrundstiicke mit mmderwertiger
Bebauung.84 Die zuvor erwahnte Urkunde Rm 681 (Nr.
12) konnte insofern mit dieser in Zusammenhang stehen,
als es sich um einen Teilbetrag handeln konnte, der nicht
an die Glaubiger gezahlt werden muBte und von Nidinti-
Bel und Susannu investiert worden ist.
Ein weiteres, bislang unbekanntes Dokument, BM
33981 (Nr. 13) aus dem ersten Regierungsjahr Xerxes',
also fiinf Jahre nach dem Mitgiftvertrag ausgestellt, ver-
wirrt jedoch die Situation vollends. Die Urkunde ist als
Verpflichtungsschein stilisiert und hat ebenfalls Silber
aus dem Verkauf des besagten Mitgiftfeldes in Kar-
Tasmetu zum Gegenstand, und zwar immer noch einen
Restbetrag von 12 Minen, d.h. der knappen Halfte. Als
Schuldner erscheint hier Rimut-Bel, der Vater der Susannu.
Aus dieser Urkunde muB man demnach schliefien, daB es
der Schwiegervater selbst war, der das Mitgiftfeld ge-
kauft hat. Offenbar ist aber bisher nur ein Teil des
Kaufpreises ausgezahlt worden. Als nominelle Glaubige-
82) Vgl. die Darstellung bei Roth, JAOS 111, S. 32-34.
83) Vgl. den Kommentar zur Urkunde, Z. 7. Dieser Umstand
diirfte der Grand fiir die Anwesenheit von Susannus Onkel als
Zeuge beim Vertrage gewesen sein.
84) Aus der Urkunde geht nicht hervor, wann der Verkauf des
Feldes stattgefunden hat und ob der gesamte Betrag an Nidinti-
Bels Glaubiger gezahlt worden ist.
Die Frauen der Familie Egibi
45
rin des Verpflichtungsscheines iiber den Reslbelrag er-
scheinl Susannu. Sie erhalt von ihrem Vater ein Haus-
grundsliick in offensichtlich gnter Lage (an der Stadtmau-
er neben einem Grundstiick des Konigs) zur antichretischen
Nutzung, wahrend er weiterhin iiber das angrenzende
Bauland verfiigen kami.
Die geschaftlichen Transaktionen, die den Flinlergrund
der erwahnten Urkunden bilden, lassen sich ohne Kontexl
nicht rekonstruieren. Leider befinden sich auch unter den
unpublizierten Egibi-Texten nur wenige aus den spaten
Regierungsjahren Darius', so daB es kaum moglich ist,
den Umfang und Erfolg der Geschafte in dieser Genera-
tion zu beurteiien.
Die Urkunde BM 33981 (Nr. 13) erhellt auch, was
unter dem Pauschalbegriff "Hausrat" des Mitgiftvertrages
im vorliegenden Fall zu verstehen ist: ein Bett, ein Stuhl
und zwei Schemel. Die Feststellung, daB Nidinti-Bel und
Susannu daruber hinaus nichts erhalten und auch nichts
mehr zu erwarten haben, laBt aber vermulen, daB es sich
um eine Minimalausstattung handelt und der Hausrat
urspriinglich mehr umfassen sollte.85
Anhang: Kopien, Transliterationen und
Ubersetzungen
Der Anhang enthalt Urkundenbearbeitungen sowie die
Kopien derjenigen unpublizierten bzw. bislang ohne Ko-
pie zitierten Texte, die im Zusammenhang mit den Mitgif-
ten und Geschaften der Egibi-Frauen von Interesse sind.86
Auf eine erneute Umschrift und Ubersetzung der bei
Roth, JAOS HIS. 19-37 behandelten Texte wurde ver-
zichtet; auf abweichende Lesungen wird im Kommentar
verwiesen. Die Transliteration umfaBt nur den Vertrags-
text; Zeugen, Schreiber, Ausstellungsort und Datum wer-
den tabellarisch aufgefuhrt. Das Datum ist nach dem
Schema Tag.Monat.Regierungsjahr des jeweiligen Herr-
schers angegeben. Haufig wiederkehrende Logogramme
vvurden folgendermaBen umschrieben: ahu = §E§, amtu =
GEME,, aplu = IBILA, aplu2 = A, ar/ju = ITI, dBaba =
dKA, balatu = TIN, dBel = d+EN, belu = EN, bitu = E, eqlu
= A.SA, itti = KI, kaspu = KU.BABBAR, dMadanu =
dDI.KUs, manu = MA.NA, AMarduk = dAMAR.UTU,
martu = DUiMU.MI, maru = DUMU, maru2 = A, muhhu
= UGU, dNabu = d+AG, nadanu = MU, nam - I7, na?aru
= URU, dNergal = dU.GUR, pdnu = IGI, qdsu = BA, qdtu
= §U, dSin = dXXX, siqlu = GiN, tabu = DA, umu = UD,
zeru = NUMUN. Alle anderen Logogramme sind in Klam-
mern gesetzt. Namen werden nach dem Prinzip Personen-
85) Eine Zusammenstellung der Belege fur detailliert aufgeli-
stetcn Hausrat im Zusammenhang mit Mitgiften ist bei Roth, AfO
36-37, S. 17-33 zu finden.
86) Lediglich Urkunden, die die Verpachiung von Grundstiik-
ken zum Gegenstand haben, vvurden ausgeklammert; ihre Publi-
kation im Rahmen einer Monographie zu den Grundstucksge-
schaften der Familie Egibi durch Verf. ist in Vorbereitung.
name/Vatersname/Ahnherrenname bzw. Personenname//
Ahnherrenname wiedergegeben. In der Ubersetzung wer-
den Filiationen weggelassen, sofern sie nicht fur das
Verstandnis des Vorgangs unerlaBlich sind.
Texte
BM 30441 Nr. 6
BM 31333 = Nr. 1
BM 32072 Nr. 3
BM 32205 Nr. 2
BM 33932 Nr. 10
BM 33933 Nr. 12
BM 33934 Nr. 7
BM 33981 Nr. 13
BM 33997 Nr. 8
BM 34241 Nr. 4 a
BM 35492 Nr. 4b
BM 41316 Nr. 5
BM 41542 s. BM 32205
BM 41561 s. BM 32205
BM 41592 s. BM 32072
BM 41600 s. BM 32205
BM 41720 s. BM 32205
BM 48890 s. BM 32205
DT 233 Nr. 9
Rm 681 Nr. 11
BM 30231 (= 76-1-10, 2)
Kopie: Nbn 807
Transliteration
1 4 siqil kaspu sd MTas-me-tu4-dam-qdt
2 mdrassu (DUMU. MI. A.N I) sd mdNabu-ahhemei-
iddin (SUM.NA)
3 ina muhfji mGi-mil-dNergal mdr-su sd
4 mdBel-usallim (DI-/m) mar2 mAbi(AD)-ul-
ide (NU.ZU)
5 ina umi 2.kam sd "'kislimi (GAN) ina simi (SAM) sa
6 (I?ia-s*silli (Ml)-E-sa-bad it-ti
7 (Tap-pa-ds-ra a'-jja-ti-su
8 u {Sik-ku-u mdrassu (DUMU.Mi.A.NI) sd rTap-pa-
ds-ra
9 u-sd-an-qa-at ki-i ma-hi-ri
10 sd *Ina-&silli {U\)-E-sa-bad
11 mTas-me-tuA-dam-qdt la te-te-ep*-su*
12 a-ki-i mahlri (KI*.LAM*) sd Til (DU6)*-gu-ub-bi
13 ina 1 siqli 3 (BAN)* suluppe (ZO.LUM.MA) i-nam-
din
14-16 Zeugen
Bullutu/PirVSumu-libsi
Ea-iddin/Arad-Nabu/Su(m)ati (geschrieben mSu-um*-
a-ti)
17f. Schreiber
Marduk-balfissu-iqbi/Nabu-zera-iddin/Dabibi
Ausstellungsort: BTt-sar-Babili
Datum: 26.8.14 Nbn
46
Cornelia Wiinsch
Ubersetzung
4 Sekel Silber, Forderung der Tasmetu-damqat zu
Laslen von Gimil-Nergal. Am 2.KislTm vvird er (es) vom
Kaufpreis der Ina-silli-Esabad von Tappasra, seiner Schwe-
ster, und Sikku, der Tochter der Tappasra, abziehen.
Wenn Tasmetu-damqat die Ina-silli-Esabad nicht kauft,
wird er Dalteln entsprechend dem Knrs von Til-gubbi
(und zusatzlich) pro Sekel 0.0.3 kur (Dalleln) zahlen.
Kommentar
Z. llf.: CAD Q, S. 309 s.v. quppu A 3b liest die in der Kopie
angedeuteten Zeichenspuren tetetir statt tetepsu und interpretiert
den Sachverhalt folglich anders.
Z. 12: CAD loc. cit. iibersetzt, dem Vorschlag Oppenheims in
JNES 6 (1947), S. 118, folgend: "according to the exchange rate
of the (office of the) cash box" (aki mahiri sa giiqu-up-pi).
Z. 12 Ende: Lesung und Kollation verdanke ich M. Jursa. Zu
Til-gubbi vgl. Jursa, AfO Beih. 25 (1995), 230ff. Bemerkenswert
ist, daft der Oil hier auBerhalb des Ebabbar-Archivs genannt
wird.
Z. 13: Das HohhnaB scheint mir nicht 1 PI zu sein (CAD loc.
cit. "1 (PI)"; das Zeichen PI miiBte in diesem Kontext allerdings
ausgeschrieben werden), da in jedem Falle der Senkrechte fur
"1" fehlen wiirde. Die Zeichenspuren passen besser zu A§ =
3 (BAN), also der Halfte davon.
Die vorliegende Urkunde ist ihrem Charakter nach ein Ver-
pflichtungsschein iiber den Betrag von 4 Sekel Silber zu Lasten
von Gimil-Nergal. Ungewohnlich sind die Riickzahlungsbedin-
gungen: Der geschuldete Betrag soil mit dem Preis einer Sklavin
verrechnet werden, die die Glaubigerin von zwei Frauen (der
Schwester und Nichte des Schuldners) innerhalb von weuigen
Tagen zu kaufen beabsichtigt. Es niuB folglich auch eine Rege-
lung fiir den Fall getroffen werden, daB dieser Kauf nicht
zustande kommt. In Z. 13 ist ein Aquivalent von Silber zu
Datteln angegeben, das 10% des Idealkurses von 1 Kur zu 1
Sekel eutspricht. Daher ist zu bezweifeln, daB dies den Kurswert
fiir die Riickzahlung des geschuldeten Betrags darstellt; die
Zeilen sind vielmehr als eine atypische Naturalzinsklausel zu
interpretieren. Fiir weitere Belege vgl. van Driel, JEOL 29
(1985-86), S. 52.
BM 33060 (= 78-10-28, 13)
Kopie: Nbn 830
Transliteration
1 [x mana x] siqil kaspu sd mIUi-dMarduk-baldtu mdr2-
su sd
2 [mdNabu]-afjfieineg-iddin mar2 mE-gi-bi ina mulj-hi
3 [m]Mu-se-zib-dMarduk mar2-su sd mdNabu-zer-kit-ti-
liSir (SI.SA)
4 [ma]r2 mSul-lu-ma-nu sd ar-hi ina mu/j-hi 1 ma-ne-e
5 [1] siqil kaspu ina muh-hi-su i-rab-bi
6 [x x]-ti sd 7 siqil 6-1/ ljurdsi (KU.GI)
7 [x x x] mas-ka-nu sd mItti-dMarduk-ba-la-tu
8 [kaspu sd a-na] muh-hi [Sik-ku-u marat-su
9 [sd m ]-A mdr2 mDa-bi-bi
Rd.
10 [a-na tdTas-m]e-tu4-dam-qa-al
11 [marat-su sd ^Ndlbu-ahh^-iddin nadnu (SUM.NA)
Rs.
12 [ ]-u sd* ina pan aTas-me-tu4-dam-qdt
13 [ ] ina ki-in-gi-su
14 [mItti-dMard\uk-ba-la-tu ki-i u-tir-ri
15 [a-na mMu]-se-zib-dMarduk muti (DAM) sd {Sik-ku-u
16 [it-t]a*-din
16-19 Zeugen
Aplaja/[Arad]-Bel/Aslaku
Mu§ezib-Bel/Nabu-iddin/§angu-Nabu
Balatu/Nabu*-iddin*/§angfl-Nabu
20 Schreiber
[MardukJ-suma-ibni/Nabu-suma-ukin/Ile^i-bulluta-
Marduk
Ausstellungsort weggebrochen
Datum: 16.1.15 Nbn
Ubersetzung
[x Minen x] Sekel Silber, (Forderung) des Itti-Mar-
duk-balatu zu Lasten von Musezib-Marduk. Pro Monat
wachst auf eine Mine [ein] Sekel Silber zu seinen Lasten
an. [Ein ...] von 7 1/6 Sekel Gold [...] ist Pfand des Itti-
Marduk-balatu. [(Es handelt sick um) Silber, das auf]
Redlining von Sikku [an] Tasmetu-damqat gezahlt wor-
den ist. [...], das Tasmetu-damqat zur Verfugling (steht/
stand), [...] in seiner (intakten) Versiegelung hat Itti-
Marduk-balatu [an] Musezib-Marduk, den Ehemann der
Sikku, zuriickgegeben.
Kommentar
Bei dieser Urkunde, deren linker Rand weggebrochen ist,
handelt es sich um einen Verpflichtungsschein iiber einen be-
trachtlichen Betrag Silber. Die Liicke am Anfang laBt erwarten,
daB vor den Sekeln noch ein Vielfaches oder Teil einer Mine zu
erganzen ist, mindestens wohl 1/3 Mine = 20 Sekel. Auch die
Erwahnung eines Pfandobjektes aus Gold (Z. 6f.) unterstreicht
die Bedeutung der Transaktion. Der geschuldete Betrag ist mit
dem ublichen Zinssatz von jahrlich 20 % zu verzinsen (Z. 4-5).
Die folgenden Zeilen 6-16 faBt CAD K, S. 387 s.v. kinku A 2,
offenbar als einen Satzzusammenhang auf: "(an object weighing
7 1/6 shekels of gold as surety for a loan) PN ina ki-in-gi-su ...
Id utirri PN2 ana PN3 [iri\andin PN, (the debtor) will hand over
to PN3 as soon as PN (the creditor) returns it to him in its sealed
bag". Es scheint mir jedoch angebracht, den Text in einzelne
Phrasen zu gliedern, deren Formular jeweils gut bezeugt ist.
Z. 6f. folgt dem Formular einer einfachen Pfandklausel:
Objekt maskanu sa Gliiubiger. Am Anfang von Z. 7 konnte eine
Qualitatsangabe zum Gold gestanden haben. Die Erweiterung,
daB kein anderer Gliiubiger iiber das Pfandobjekt verfugen darf,
solange die Fordemng nicht beglichen ist, fehlt in unserem Falle.
Nach Petschow, NPR S. 97 mit Anm. 290, ist dies bei Urkunden
aus dieser Periode jedoch keine Ausnahme.
Z. 8-11: Fiir die Interpretation dieser Zeilen sehe ich, auch in
Anbetracht des Platzes, der fiir Ergiinzungen zur Verfiigung
steht, kaum eine andere Moglichkeit als hier angegeben. Die
Schreibung SUM.NA laBt einen Stativ erwarten. Die Formel ana
muhhi PN "auf Rechnung von PN" ist in Quittungsklauseln mit
maharu und eteru gut bezeugt (vgl. NRV Glossar S. 84), aber
auch mit nadanu belegt, z.B. BM 41489: 4-7 elat x kaspi ... sa
PN, ana muhhi PN, ana PN3 iddinu "abgesehen von x Silber
das PN, auf Rechnung von PN2 an PN3 gezahlt hat". Diese Zeilen
Die Frauen der Familie Egibi
47
geben, falls meine Interpretation zutrifft, den Schuldgrund an
und erlauben es, die verwirrenden Beziehungen zwischen den
vier beteiligten Personen zn erschlieBen: Den Hintergrund unse-
rer Urkunde bildet offensichtlich eine Zahlung von Silber durch
Itti-Marduk-balatu im Auftrag der Sikku an Tasmetu-damqat,
seine Schwester, wodurch deren Forderung gegeniiber Sikku
beglichen wird. Formal handelt es sich jedoch nicht um eine
Zession, da als Schuldner des Itti-Marduk-balatu nunmehr der
Ehemann der Sikku erscheint.
an den Schuldner zuriickgegeben hat, das sich bisher bei Tasmetu-
damqat befand. Da es versiegelt ausgehandigt wird, ist an ein
Depositum zu denken. Es hat vermutlich zur Sicherung der
Forderung Tasmetu-damqats gedient und ist nun durch das in Z.
6f. erwahnte Pfand ersetzt worden. Am Anfang von Z. 13 konnte
daher paqdu (sudti) zu erganzen sein, falls nicht die Formulie-
rung ina riksisu u ina kingisu wie in spateren Verpflichtungs-
scheinen vorliegt (vgl. M.W. Stolper, "Late Achaemenid, Early
Macedonian, and Early Seleucid Records of Deposit and Related
Texts." AION 53/4 (= Suppl. 77), Napoli 1993, S. 19f.).
In Z. 12-16 wird bestatigt, da/5 Itti-Marduk-balatu ein Objekt
BM 31333 (= 76-11-17, 1060)
Kopie: Nr. 1
Transliteration
1 rl/31 mana kaspu sd MTas-me-t[u4]
2 marassu (DUMU.M1La.NI) sd ^Nabu-ahh^-iddin (SUM.NA)
3 [m]dr mE-gi-bi ina muJj-hi {Bu-ra-su
4 \ma\rassu ([DUM]U.Mi.A.NI) sd mdBel-ib-ni
5 [md]r mItti-ensi (S\G)-dNabu sd arfji a-na muljfji
6 [1 ma-ne]-{e^ 1 siqil kaspu ina mufy-fyi-su i-r[ab-bi]
7 [f ]-dBaba {qal-[lat-su]
8 [mas-ka-nu sd] fdTas-me-[tuA]
9 [w*rdsu sd]-nam-ma ina mut-h[i]
10 [ul i]-sal-lat a-di muhhi [sd]
11 {id'lTas-me-tuA kasap-su ta-s[al-lim]
12-15 Zeugen
Labasi/Marduk-zera-ibni/Itinnu
Nabu-muSetiq-udde/Sillaja/Itinnu
15f. Schreiber
Bel-ahhe-[... ]/Zerij a/Itinnu
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 23.5.[x] Nbn
15 f^>^(M^\^^^0r:
In dieser Urkunde wird die Schwester des Itti-Marduk-balatu
mit voller Filiation genannt, ihr Name ist jedoch auf das theo-
phore Element verkiirzt. Dennoch ist die Identifizierung mit der
Tasmetu-damqat, Tochter des Nabu-ahhe-iddin, die in den bei-
den anderen Urkunden erscheint, sehr wahrscheinlich, zumal in
Nbn 830 Itti-Marduk-balatu in den Geschaftsvorgang verwickelt
ist. Die Schuldnerin ist sonst nicht bezeugt.
1/3 Mine Silber, (Forderung) der Tasmetu zu Lasten
von Bura§u. Pro Monat wachst auf eine Mine ein Sekel
Silber zu ihren Lasten an. [...]-Baba, ihre Sklavin, [ist
Pfand der] Tasmetu. [Ein] anderer [Glaubiger] wird dar-
iiber [nicht] verfugen, bis Tasmetu bezuglich ihres Silbers
befriedigt ist.
Kommentar
Ubersetzung
Nr. 1 (BM 31333)
48
Cornelia Wunsch
BM 32205 (= 76-11-17, 1932) + 41542 (= 81-6-25, 156) + 41561 (= 81-6-25, 175) + 41600 (= 81-6-25, 215)
+ 41720 (= 81-6-25, 339) + 48890 (= 81-11-3, 1601) [Die Nummem 41542 bis 48890 wurden durch IX. Finkel
gejoint]
Kopie: Nr. 2
Transliteration
1 [mIddin-dMarduk mdr2-su sd mIqisai6-a mdr2 m]N&r (ZALAG2)-dSin
2 [ina lju-ud Ub-bi-su bitu sd ina Hb-b]i ds-bu Idly bit mRi-mut-dB[el]
3 [ ina mu/jh]i ndri u mim-ma sa ina biti
4 [ibassu{l) mdMada]nu-bela-usur assati (DAM)-su u 3 mdr^^-su
5 [m miNabu)-a-a-lu u {Ku-ut-ta-a ds-sd-ti-su
6 [f u] 3 mdr^-su mdBel-lu-mur
7 [f ]-tuA u Hn-ba-a «^ar(§U.NIGIN2) 15 a-me-lu-ut-ti
8 [ p]a-ni Hna-E-sag-ila-ra-mat assati (DAM)-su marti sd mZ[e-r]i-ia
9 [mdr2 mNa-ba-a-a] a-na u^-mu sa-a-ti u-sad-gil {Ina-E-sag-ila-[ra]-mat
10 [a-sar pa-ni]-su malj-ru ta-nam-din u-il-ti sa 40 mana ka[spi pesu]1"1
11 [qaqqadu] u fjubul/a (UR5.RA)-iw sd muhlji rnItti-dMarduk-baldfu
12 [mdr2-su sd ^Nabu-afyfye^^-iddin mdr2 [m]E-gi-bi
13 [re]-he-et a-me-l[u]-ti-su u nikkassi(NIG.KA9)-i?i
14 [sd dli] u seri (EDIN) m[a-la b]a-su-u ik-nu-uk-ma
15 [pa]-ni m[dMarduk-na-sir-ap]li mdru rabu (GAL)" sd mItti-dMarduk-baldtu
16 [u p]a-ni mLib-lu-fu u mdNergal-usallim (GI) mare10** tar-din-ne-e
17 [sd mItti-d]Marduk-baldtu mare™** mdrti-su u-sad-gil 10 mana kaspu
18 [xxx] u 111 bilat (Gl).UN) kaspu ul-tu nikkassi (NfG.KA9) sd pa-ni mdMarduk-na-sir-apli
19 [mLib-lu]-fu u mdNergal-usallim (GI) su-u[d]-gu-lu ina lib-bi 10 mana kaspu
20 [pa-ni ^Tas-me-tu^-tab-ni [e^-[l]at nu-dun-nu-u
21 [sd^ mltti-dMarduk-baldtu abu {AD)-su id-di-[n]u-us u-sd-ad-gil
22 20 mana kaspu pa-ni rIna-E-sag-ila-be-l[et]
23 u 10 mana kaspu pa-ni iE-li-ir-tudi mdrdtv™1 marti-[su]
24 mdrdtimeS sd mItti-dM[arduk-balatu] e-[la]t nu-dun-nu-h?
25 sd mItti-dMarduk-bald}u a[bu (AD)-si-na inamdinusindti]
26 u-sad-gil a-di [ aTasmetu-tabni Hna-Esagila-belet]
27 u [E-(i-i[r-tu4 ]
28 [ ]
29 [ ]
Rs.
30 nikkassu (NIG.KA9) gab-bi i-na pa-ni-su xixl-[na urn a]-na si-im-t[i]
31 ta-at-tal-ku mim-ma sd pa-ni md[Marduk-na-sir]-ap/i mLib-lu-fu
32 u mdNergal-usallim (GI) su-ud-gu-lu a-k[i-i zizd]ti ([HA.L]A)meS-su-nu
33 r0-leq-qu-u mdMarduk-na-sir-[apli mLib]-lu-tu
34 [u m]dNerga/-usallim (GI) dr-kdt a-ha-mes [x x x]-u
35 [V]Ina-E-sag-ila-ra-mat bitu [sd i-na lib]-bi <asbat>
36 u 15 a-me-lut-tu4 a-sar pa-[ni-su maljru ta-nam-di]-in
37 [kas]pu u ni-is-fji gab-bi sd mlddin-d[Marduk sa- {Ina-E-sag-ila]-ra-mat
38 [ina] lib-bi pa-af-ra-at a-sar [pdnisu mahru uV tanamdin]
39 [m]a-na-ma dr-ku-u sd ri[k-su sudti (...)]
40 u-paHa-ru dMarduk u [dZarpanitu arrat]
41 [la na]p-su-ru li-ru-[ru-su dNabu fupsar]
42 E-s[ag]-ila ume^-su [arkuti likarri]
1. Rd.
54 [... mltti-dMarduk-baldtu h]a-ta-ni-su mdr2-su sd ^Nabu-afjfj^-idyin]
55 [ ] ina lju-ud lib-bi-su
56 [ ] su-u
44-49 Zeugen 50f. Schreiber: [Mardn]k-sapik-zeri/[Sil]Iaja/[...]
Nabu-etir/[...], Kalbaja/[...], Labasi/[...], E[a-...]/[...], Ausstellungsort: Babylon, Urastor
IqIsaja/[...], Iddin-Nabu/[...] Datum: [x.x.]0 Camb
Die Fraueu der Familie Egibi
49
Ubersetzung
(1) [Iddin-Marduk, Sohn des Iqlsaja aus der Familie] Nur-Sin,
(2) [hat aus freiem Entschlufi das Haus, in] dem er wohnt, neben dem Haus des RTmut-B[el]
(3) [... am] Kanal und alles, was sich im Haus
(4) [befindet, (sowie)] Madanu-bela-usur, seine Frau und seine drei Kinder,
(5) [PN(f), Nabu]-ajjalu und Kuttaja, seine Frau,
(6) [PN(f)2 und] seine/ihre drei Kinder, Bel-lumur,
(7) [PN(f)3] und Inbaja - insgesamt 15 Sklaven -
(8) [...] an Ina-Esagila-ramat, seine Ehefrau, die Tochter des Zerija
(9) [aus der Familie Nabaja], auf ewige Zeiten (als Eigentum) iibertragen. Ina-Esagila-ramat
(10) kann (es) geben, [wohin sie] will. Den Verpflichtungsschein iiber 40 Minen wei[6es Silber,]
(11) [Kapitalbetrag] und sein Zins, der zu Lasten von Itti-Marduk-balatu,
(12) [dem Sohn des] Nabu-ahhe-iddin aus der Familie Egibi, (besteht),
(13) den Rest seiner Sklaven und seines Vermogens
(14) [in Stadt] und Land, so[viel vorhanden] ist, hat er unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde
(15) an [Marduk-nasir-ap]li, den altesten Sohn des Itti-Marduk-balatu,
(16) [und an] Liblut und Nergal-usallim (so!), die jungeren Sonne
(17) [des Itti]-Marduk-baIatu, die Sonne seiner Tochter, (als Eigentum) iibertragen. (Was) 10 Minen
(18) [...] Silber (und) ein halbes Talent (= 30 Minen) Silber aus dem (Geschafis)vermogen (betrifft), das an Marduk-nasir-
apli,
(19) Liblut und Nergal-usallim (so!) (als Eigentum) iibertragen ist: davon hat er 10 Minen Silber
(20) [an] Tasmetu-tabni - abgesehen von der Mitgift,
(21) die Itti-Marduk-balatu, ihr Vater, ihr gegeben hat, - (als Eigentum) iibertragen;
(22) 20 Minen Silber hat er an Ina-Esagila-belet
(23) und 10 Minen Silber an Etirtu, die Tochter [seiner] Tochter,
(24) die Tochter des Itti-Marduk-balatu, - abgesehen von der Mitgift,
(25) die Itti-Marduk-balatu, [ihr] Vater, [ihnen geben wird] -
(26) (als Eigentum) iibertragen. Bis [... Tasmetu-tabni, Ina-Esagila-belet]
(27-29) und Etirtu [... (Liicke von zwei Zeilen) ... Solange er/sie lebt, (stent)]
(30) das gesamte Vermogen zu seiner/ihrer Verfiigung. [Wenn] sie stirbt,
(31) werden, was an Marduk-nasir-apli, Liblut
(32) und Nergal-usallim (so!) (als Eigentum) iibertragen ist, sie entsprechend ihren [Anteilen]
(33) an sich nehmen. Marduk-nasir-apli, Liblut
(34) [und] Nergal-usallim (so!) werden den Nachlafi gemeinsam [an sich nehmen].
(35) Ina-Esagila-ramat kann das Haus [...]
(36) und die 15 Sklaven [geben], wohin sie will.
(37) Das Silber und das gesamte nishu-... des Iddin-Marduk, [hinsichtlich dessen Ina-Esagila]-ramat
(38) 'abgelost' ist, kann sie [nicht (?) weggeben], wohin [sie will].
(39) (Wenn) spater jemand [diesen] Vertrfag (...)]
(40) ungultig macht, (den) mogen Marduk [und Zarpanitu] nut einem
(41) [un]16sbaren Fluch belegen, [Nabu, der Schreiber von]
(42) Esagila, [moge] seine [langen] Tage [verkiirzen].
1. Rd.
(54) [... Itti-Marduk-balatu], sein Schwiegersohn, der Sohn des Nabu-ahhe-iddin,
(55) [...] aus freiem EntschluB
(56) [...] ist er/es (?).
Kommentar
Z. 2f.: Das betreffende Haus ist bislang nicht lokalisierbar.
Da am Ende von Z. 3 vom Inventar dieses Hauses die Rede ist,
wird davor die Lagebeschreibung zu erwarten sein, zu der [ina
muhhy nari "am FluB bzw. Kanal" offensichtlich gehort. Erst-
mals wird ein Wohnhaus Iddin-Marduks im Jahre 5 Nbn im
Zusammenhang mit der Mitgift seiner Tochter erwahnt (BM
33114 = CM 3 Nr. 137, vgl. Roth, JAOS 111, S. 2If. mit Anm.
4). Schwiegersohn Itti-Marduk-balatu und Nuptaja erhalten dort
einen Auteil an diesem Haus, der Bestandteil der Mitgift der
Nuptaja gewesen war, ausbezahlt bzw. gutgeschrieben (vgl. CM
3a S. 78f.). Der Rechtsstreit zwischen Ina-Esagil-ramat und
Marduk-nasir-apli urn ein Haus im Jahre 15 Dar (Dar 410 = CM
3 Nr. 353) scheint sich nicht auf dieses Wohnhaus zu beziehen;
es geht wohl vielmehr um die Frage, mit wessen Geld ein
Hauskauf getatigt worden ist.
Z. 4-7: Die Textverteilung ist nach der angegebenen Gesamt-
zahl der Sklaven und der Grofte der Liicken erschlossen. Madanu-
bela-usur war einer der wichtigsten Sklaven Iddin-Marduks, der
eine bedeutende Rolle bei der Organisation von dessen Geschaf-
ten spielte (vgl. CM 3a S. 45-49). Die Familie des Madanu-bela-
50
Cornelia Wunsch
usur wird spater in der groBen Erbteilungs-
Nr. 2 (BM 32205) Vs.
urkunde Dar 379 aus dem Jahre 14 Dar in Z.
60f. als gemeinsames Eigentum der Sonne
von Itti-Marduk-balatu und Nuptaja ausge-
wiesen (vgl. dazu auch Roth, JAOS 111, S.
29 Anm. 28). Zu diesem Zeitpunkt war Ina-
Esagil-ramat wohl noch am Leben, denn die
Urkunde Dar 410 aus dem Jahre 15 Dar
behandelt einen Rechtsstreit zwischen ihr und
Marduk-nasir-apli, ihrem Enkel, ohne irgend-
einen Hinweis, da!3 es sich um eine lange
zuruckliegende Angelegenheit handelte oder
sie in der Zwischenzeit verstorben ware. Au-
Berdem ist zu beobachten, daB der Sklave in
Urkunden ab dem Jahre 4 Camb Itti-Marduk-
balatu bzw. Marduk-nasir-apli als seinen
Herren angibt. Wenngleich diese "Quasi-Fili-
ation" nichts iiber den juristischen Eigentii-
mer des Sklaven aussagt (vgl. meine Argu-
mentation in CM 3a S. 45 und S. 49 Anm.
190 Ende), diirfen wir wohl annehmen, daB
Ina-Esagila-ramat diese Sklavenfamilie, iiber
die sie laut Z. 9f. und 35f. frei verfugen
konnte, entweder bereits zu Lebzeiten ihren
Enkeln Marduk-nasir-apli, Nabu-ahhe-bullit
und Nergal-uSezib gegeben oder gegen ande-
re Sklaven oder Vermogensobjekte ausge-
tauscht hat.
Z. 5: Nabu-ajjalu wird in der Urkunde
CM 3 Nr. 339 aus dem Jahre 4 Camb erst-
mals als Sklave des Iddin-Marduk erwahnt
(auch Camb 279 und CM 3 Nr. 376); spater
wird er wie Madanu-bela-usur als Sklave des
Itti-Marduk-balatu bezeichnet. In der Erbtei-
lungsurkunde Dar 379: 21 wird ein Nabu-
ajjalu aufgefuhrt, als seine Frau erscheint
jedoch Gabbi-ina-qate-Banitu (beide auch in
der unpublizierten Sklavenliste BM 30897: 4, wo ihre vier
Kinder erwahnt werden). Dies spricht jedoch nicht grundsatzlich
gegen eine Identitat der beiden Nabu-ajjalus. Bei Ausstellung
unserer Urkunde war er noch sehr jung, und es werden keine
Kinder erwahnt. Seine erste Frau Kuttaja konnte friih gestorben
sein. Die ganze Sklavenfamilie fallt bei der Egibi-Erbteilung an
Marduk-nasir-apli.
Z. 6: Bel-lumur wird in Dar 379: 15 genannt, auch er gehort
zum Erbteil des Marduk-nasir-apli.
Z. 8: Die Liicke reicht fur hochstens 5 Zeichen. Fiir eine
Erganzung e-lat nu-dun-ne-e-su "abgesehen von ihrer Mitgift",
die man hier erwarten konnte, scheint mir kein Platz zu sein,
ebensowenig wie fur ku-um nu-dun-ne-e-su "anstelle ihrer Mit-
gift". Moglicherweise wird an dieser Stelle noch einmal das Haus
erwahnt.
Z. 10 Anfang: Die Erganzung wird durch Z. 36 gestiitzt, wo
die gleiche Klausel wiederholt wird.
Z. 10-12: Aus dieser Formulierung geht eindeutig hervor,
daB dieses Silber bereits in das Geschaftsvermogen der Familie
Egibi eingeflossen ist.
Z. 16: Die beiden jiingeren Sohne des Itti-Marduk-balatu
werden nicht beim vollen bzw. richtigen Namen genannt: Fiir
Nabu-ahhe-bullit steht die auch sonst haufig belegte Kurzform
Liblut, wahrend Nergal-uSezib, der gelegentlich unter den Spitz-
namen Pursu erscheint, vom Schreiber dieser Urkunde konse-
quent Nergal-uSallim genannt wird.
Z. 18: Eine Erganzung fja-a-(u "in bar" am Anfang ist
moglich, aber nicht sicher; der Betrag steht aber offenbar im
Gegensatz zum nachfolgend genannten Silber in Vermogenswer-
ten.
Z. 23: Die jiingste Tochter, Nanaja-ejirat, wird hier mit
Kurznamen Etirtu genannt.
Z. 24f.: Vgl. die Parallelstelle in BM 33997 (Nr. 8), Z. 19f:
[e]-lat nu-dun-du-u sd mdMarduk-na-$i-<ir>-apli [abusina id-di]-
nu-si'-na'-tUt
Z. 30: In der vorangehenden Liicke ist vermutlich entweder
um mala m Iddin-Marduk balfu oder ... * Ina-Esagila-ramat balfat
zu erganzen. Es laBt sich nicht eindeutig entscheiden, auf wen
sich der Satz bezieht. Bei der ersten Variante handelte es sich um
eine in Schenkungen auf den Todesfall haufig anzutreffende
Klausel, mit der sich der Verfugende Eigentum und NieBbrauch
auf Lebenszeit vorbehalt. (z.B. TCL 13, 174 (betrifft Mitgift),
VS 6, 184 (= NRV 27) (betrifft Sklaven), CM 3 Nr. 260 (betrifft
das gesamte Vermogen)). Allerdings folgte dann unmittelbar ein
Subjektwechsel im nachsten Satz. Daher ist nicht auszuschlieBen,
daB sich die Bestimmmung auf Ina-Esagila-ramat bezieht. Ihr
wiirde damit NieBbrauch (aber kein Verfugungsrecht - dem
stehen Z. 7-10 und 35-38 indirekt und Z. 37f., falls die vorge-
schlagene Erganzung und Interpretation korrekt ist, direkt entge-
gen -) am Vermogen des Iddin-Marduk bis zu ihrem Tod
eingeraumt. Diese Interpretation wird auch durch die folgende
Klausel gestiitzt, wonach die Enkel erst nach ihrem Tod das
Die Frauen der Familie Egibi
51
Nr. 2 (BM 33205) Rs. -
Vermogen iibemehmen sollen.
Z. 30: Fur die angegebene Erganzung scheint die Liicke sehr
knapp zu sein. Die Zeichenspuren passen jedoch eher zu
als zu ki-i, a-di, ina umi o. a.
Z. 34: Die Verbform ist wegen der Pleneschreibung wohl
eher von leqii als zdzu abzuleiten. Eine parallele Formulierung
findet sich in CM 3 Nr. 260: 13-15 (Testament des Itti-Marduk-
balatu): Nuptaja Marduk-ndsir-apli Tasmetu-tabni u Esagila-
belet arkatu ahdmes ileqqu sowie in BM 33997: 20-22 (Nr. 8),
wo allerdings arkatu durcli zeru u amelutu prazisiert und leqii
durch s/saqdlu ersetzt ist. Damit ist aber eindeutig, daB arkatu
nicht prapositional verstanden werden kann und die Ubersetzung
"nacheinander" im vorliegenden Falle ausscheidet.
Z. 37f.: Den Inhalt dieser zwei Zeile'n zu erschlieBen ist
schwierig, nicht nur wegen der Liicke im Text. Die mit agar ...
eingeleitete Formel ist wohl analog zu Z. 10 und 36 zu erganzen
und besagt, daB Ina-Esagila-ramat diesen bestimmten Teil von
Iddin-Marduks Vermogen entweder frei vergeben oder nicht frei
vergeben kann. Da zuvor bereits zweimal ausdriicklich festgehal-
ten worden ist, daB ihr das Verfiigungsrecht iiber Haus und
Sklaven, die ihr Iddin-Marduk iibertragen hat, zusteht, wird man
annehmen diirfen, daB sich die folgende Klausel auf Dinge
bezieht, die davon ausgenommen sind. Bei kaspu u nishu gabbi
sollte es sich demnach urn jenen Teil von Iddin-Marduks Vermo-
gen handeln, der nicht ihr, sondern ihren Enkeln iiberschrieben
wurde. Die Bedeutung von nishu ist nicht sicher zu ermitteln.
Nishu nasdhu erscheint zwar neben ana kaspi naddnu, rimutu
rdmu, ana sirikti sardku und maskanu sakdnu (verkaufen, ver-
schenken, verpfanden) als Teil der Verfiigungsbeschrankungen,
Nr. 2 (BM 32205) Rd.
denen das Eigentum bei Vermogensubertragungen auf den To-
desfall bis zum Tode des Vergebenden unterliegt, das Wort steht
hier jedoch in einem anderen Zusammenhang. Da nishu auch zur
Qualifizierung von Schuldbetragen verwendet wird, sollte man
eher an AuBenstande oder durch Pfand gesicherte Forderungen
des Iddin-Marduk denken.
52
Cornelia Wunsch
Der Stativ fem. von pataru "(ab-, aus-, ein)16sen" kann nur
Ina-esagila-ramat zum Subjekt haben und ist wohl so zu verste-
hen, daB sie in bezug auf Silber und nishu gabbi keine Rechte
und Pflichten hat und daher auch nicht frei dariiber verfugen
kann. Falls mit nishu AuBenstande gemeint sind, dann sollte
diese Klausel vennutlich besagen, daB Ina-Esagila-ramat nicht
fur sie haftet.
Z. 39f.: Zu riksa pataru "einen Vertrag brechen, auflosen,
ungiiltig machen" s. AHw 849 s. v. pataru G 7; der D-Stamm ist
in ahnlichem Kontext in BM 33092: 45f. belegt: ... ri-ik-sa-a-ti
PN la u-pat-tar (Transliteration bei Roth, AfO 36/37, S. 48f.).
Z. 50: Der Schreiber dieser Urkunde laBt sich - schon wegen
Die Frauen der Familie Egibi
53
links: Nr. 2
(BM 32205) Vs.
rechts: Nr. 2
(BM 32205) Rs.
des fehlenden Almherrennamens, der am Anfang von Z. 51
gestanden haben muB - nicht identifizieren; eine Person dieses
Namens erscheint sonst nicht im Zusammenhang mit Angelegen-
heiten der Familien Nur-Sin oder Egibi.
Z. 51: Unsere Urknnde erwahnt das Urastor von Babylon
offensichtlich als Ansstellnngsort des Textes; eine anBergewolm-
liche Angabe, die semen offiziellen Charakter unterstreicht. Znr
Lokaiisierung dieses Tores im Siiden beim Bezirk Suanna s. A.R.
George, Babylonian Topographical Texts (= OLA 40), Leuven
1992, Karte S. 24. Es scheint rnir wenig wahrscliemlich, abul
dUras als Teil des Almherrennamens des Schreibers aufzufassen
(etwa Massar-abuI-Uras), da ein solcher m. W. nicht belegt ist.
54
Cornelia Wunsch
BM 32072 (= 76-11-17, 1799) + BM 41592 (= 81-
6-25, 207)
Kopie: Nr. 3 (ersetzt Camb 216, dort ist nur das
Fragment BM 32072 kopiert)
Transliteration und Ubersetzung
zuletzt CM 3 Nr. 336, nunmehr zu vervollstandigen:
8 a-na mKur-ban-nu-d Marduk mar-su
9 sd mE-tel-lu mar mE-fe-ru
10 id-din 1-ew-TA.AM sd-fa-ru
11 il-te-qu-u
1. Rd.
[x (x)] sd m[ ]
12-16 Zeugen
Etellu/Musezib-[...]/Etiru (Vater des Brautigams)
Bel-udammiq/Bel-ahhe-iddin/Egibi (Schwager des
Itti-Marduk-balatu)
Kmaja/Nurea/lPanni (erster Zeuge in Camb 215)
Arad-Bel/Marduk-remanni/Etiru (zweiter Zeuge in
Camb 215)
17f. Schreiber
Itti-Nabu-balatu/Marduk-bani-zeri/Bel-etiru
Kommentar
Z. 5: Am Anfang ist I1 a-{a}-me-{me}-lut-tuA (korrigiert
iiber unvollstandige Rasur) zu lesen.
Z. 6f.: Der in CM 3 Nr. 336 in Klammern erganzte Text ist
vollstandig erhalten.
Nr. 3 (BM 32072+41592)
BM 34241 (= Sp 347)
Duplikat: BM 35492 (= Sp 2, 1084)
Kopie: Nr. 4 a und 4 b
Transliteration
1 [mKa]lJba^-a mar2-su sd m$il-la-a mar2 mNa-ba-a-a
[ina Jjud libbisu]
2 30 mana kaspu 2 GUR ^zera zaq-pi ina lez[eri-su sd
fjarri sd (md]r mIlu (DINGlR)-tillati (ILLAT)-O
3 sd ina S3timLi-ta-mu 5-ta a-me-lu-tu4 u (u-de-e biti)
4 ik-nu-uk-ma it-ti *Amat-dBa-b[ab martisu] {a-na)
5 nu-dun-nu-u a-na mdMarduk-na-sir-[apli mar2-su sd
(m]Itti-dMarduk-balafu)
6 mdr2 mE-gi-bi mar mdrti sd mIddin-diMarduk (u {lna-
E?)-[sag-ila-ramdt iddin]
1 kaspa a4 30! mana' mIddin (SUMy^Marduk mar2-su
[sd mIqisaja mar mNur-dSin]
8 ina qdteu mKal-ba-a mdr2-su sd m$il-la-a mar2
[mNabaja maljir]
9 l-ew-TA.AM sd-fa-ri <il>-qu-ii x[ ]
10 a-na {Amat-dBa-ba6 im-[ja-x[
11 5-ta a-me-lut-tu4 rx x7-[ ]
12 mdMarduk-na-[sir-apli ]
Rest des Vertragstextes, Zeugen, Schreiber und Datum
nicht erhalten.
Ubersetzung
Kalbaja [hat aus freiem EntschluB] 30 Minen Silber, 2
Kur (mit Baumen) bepflanzte Anbauflache von [seinem]
Feld [am Bewasserungsgraben der Familie] Ilu-tillatl, das
(sich) in Litamu (befindet), 5 Sklaven und Hausrat unter
Ausstellung einer gesiegelten Urkunde mit Amat-Baba,
[seiner Tochter], als Mitgift an Marduk-nasir-apli, den
Sohn des Itti-Marduk-balatu aus der Familie Egibi, den
Sohn der Tochter des Iddin-Marduk und der Ina-E[sagila-
ramat, gegeben]. Dieses Silber, 30 Minen, hat Iddin-
Marduk von Kalbaja [erhalten]. Je ein Schriftstiick haben
sie an sich genommen. [...] an Amat-Baba ... [...], 5
Sklaven und Haus[rat ...] Marduk-nasir-apli [...].
K o m m e n t a r
Diese Urkunde ist in zwei Exemplaren iiberliefert, die beide
lediglich Oberflachenfragmente der Vorderseite sind. Bei BM
34241 ist noch ein Teil des linken Randes und der linken unteren
Ecke zu erkennen. Die erste erhaltene Zeile scheint tatsachlich
der Beginn des Textes zu sein, da zum einen der Satzzusammen-
hang am Anfang nichts vermissen laBt und zum anderen rechts
oben ein ca. 2 mm breiter Steg erhalten ist,.auf dem keine Spuren
von Keilen zu erkennen sind.
Die Zeilenaufteilung der Transliteration folgt BM 34241; der
nur in BM 35492 erhaltene Text ist in runde Klammern gesetzt.
Das Formular folgt in Z. 1-6 den Mitgiftvertragen Camb 215
und 216 sowie BM 30441 (Nr. 6) mit Ausnahme des eingefiigten
iknuk-ma in Z. 4. Es folgt die Quittungsklausel iiber den Silber-
betrag, der sich nach dem Vermerk iiber die doppelte Ausferti-
gung der Urkunde wohl eine Regelung iiber Sklaven und Hausrat
(und wahrscheinlich auch das Feld) anschlieBt, die allerdings zu
fragmentarisch ist, um eine sichere Ergauzung zu gestatten. Man
vergleiche jedoch BM 30441 (Nr. 6, Mitgift der EriStu), wo
Die Frauen der Familie Egibi
55
ebenfalls der in der Mitgift enthaltene Silberbetrag als bereits
ausgezahlt quittiert wird, wahrend die Ubergabe von Feld, Skla-
ven und Hausrat noch zu erfolgen hat.
Z. 2 Ende: Vgl. die Grundstiicksbeschreibung in Dar 26, wo
der angrenzende Teil des Feldes an Marduk-nasir-apli verkauft
wird. Dort erscheint in Z. 7 har-ri sd mar mIlu-tillati-i als
seitliche Begrenzung gegeniiber dem Mitgiftfeld.
Z. 4: In BM 35492 ist wohl [ik-nu-u]k-rku~*-tna zu lesen.
Z. 7: Am Betrag 30 mana ist korrigiert worden, ohne zu
radieren.
Z. 11: Die Zeichenspuren am Ende konnten zu rw! (iiber
andere Zeichen) u}-[de-e biti ...] "und Hausrat" gehdren.
Nr. 4a (BM 34241); Rs. nicht erhalten
Nr. 4b (BM 35492); Rs. nicht erhalten
BM 30441 (= 76-11-17, 168)
Kopie: Nr. 6
Transliteration und Ubersetzung
Roth, JAOS 111, S. 29 mit Anm. 30 und 32 nach
Bertin 2580.
Kommentar
Z. 4 lies ul-tu muhhi statt u GU TU UGU (Anm. 32 entfallt
damit).
Z. 10 Ende lies i-ha-za*.
Z. 21 lies m[Sd]*-dBel-at-ta mdru sd miMarduk-suma-
ibni (D[U]*) mar mE-gi-bi (vgl. die Belege bei Tallqvist, NN).
BM 41316 (= 81-4-28, 864)
Kopie: Nr. 5
Duplikat zu BM 41434 (= 81-6-25, 45), Kopie:
BOR 2, S. 3f.
Transliteration und Ubersetzung
Pinches, BOR 2, Iff.
Kommentar
Keine Textvarianten.
Nr. 5 (BM 41316)
BM 33934 (= Sp 30)
Kopie: Nr. 7
Transliteration und Obersetzung
Roth, JAOS 111, S. 31 mit Anm. 35 nach Bertin 2726.
Kommentar
Z. If.: Beide Zeilen sind iiber eine Rasur geschrieben; lies
gegen Bertin [Bal-ta (statt DA)-am-mu; wie in 33933: 4 (Nr. 12).
Z. 19: Lies mdMaddnu-iddin statt mdHAR.SE§?.MU und mdBel-
56
Cornelia Wunsch
gab-bi-bel-um-ma statt miEN.hM-il-ka-ma. Fiir wei-
tere Belege zur Schreibung dieses Namens vgl. den
Kommentar zu BM 33997 (Nr. 8), Z. 4.
Z. 21: Der Name des Empfangers ist mdA-num-
mukin (GIN)-ap-lu zu lesen. Er ist Sohn des Anu-
aha-iddin aus der Familie Ea-qalu-isemme und er-
scheint auch in BM 33935 (unpubliziert). Es han-
delt sich um eine Quittung aus der Zeit des Darius
(Jahreszahl nicht erhalten), bei der in Z. 12-15
vennerkt ist: kaspu sim ... **z0ri ... u 10 amelutu sd
Marduk-na$ir-apli ana Anu-mukfn-apli iddinu "Das
Silber ist der Kaufpreis fur ein Grundstuck ... und
10 Sklaven, die M. an A. verkauft hat." Ohne
Zweifel wird damit auf die gleiche Transaktion
verwiesen, die auch in unserer Urkunde erwahnt
wird.
Z. 22: Bei ma-a-a-sd-al-tuA (fiber Rasur) konnte
es sich um eine Verschreibung fiir mafaltu handeln
[Ich verdanke diesen Vorschlag Michael Jursa]. Statt
teUKKIN lies "SUKKAL.
linker Rand: Statt NA4.KISIB, lsul-l[u-ma-a],
DI.KfUD] lies: na<KISIB, mMusezib (KAR)-
iMarduk ([AMAR.U]TU), DI.K[U5] (die Beischrift
steht kopf)- Es ist anzumerken, daB Sullumaja in der
Zeugenliste nicht als Richter bezeichnet wird und
die Position am linken Rand oben dem ranghoch-
sten (d.h. zuerst genannten) Richter zusteht.
Nr. 6 (BM 30441)
40
as
20
Die Frauen der Familie Egibi
57
Nr. 7 (BM 33934)
45
30
Nr. 8 (BM 33997) Vs.
58
Cornelia Wunsch
BM 33997 (= Sp 93)
Kopie: Nr. 8
Transliteration
1 cAmat-6Bdba martu sa mKal-ba-a mar mNa-b[a-a-a]
2 [in]a Iju-ud lib-bi-su Sezera zaq-pi u me-r[e-su]
3 [sd ur]u {ina} Bit-^rabi (GAL)-ka-si-ru sa ina muthi
nar Ju-pd-su
4 [mdZ\a-ba4-ba4-iddin mdMaddnu-iddin mdBel-li-gu-ub-
bu-um-ma
5 [mA-hu-s]u-nu mdNabu-re-he-tu4-u-sur mdBel-it-tan-nu
6 [x x (x)]-{xx-tu4 aNa-na-a-bela-ii-sur {Ha-ds-da-a-a-
i-tu4
7 [// {A-b]at-su-nu sa mdMarduk-na-si-<ir>-apli
8 [marsu sa mItti-d]Marduk-baldtu mar mE-gi-bi mu-u-
tu sa lAmat-dBdba
9 [iknuku-m]a ku-u nu-dun-du-u sa (Amat-dBdba
10 [ana lAmat]-dBaba id-din-nu u {Ma-la-a-kal-lu
11 [u {Itti-dNinlil-ini (IG]I)-/o sa mKal-ba-a
12 [marsu sa m$illaja mar mNa-ba]Jdx-a a-na {Amat-
dBdba
13 [ ] id-di-nu-su
Rs.
14 [naphar \2-ta amelutu] it ^zerd (NU) zaq-pi [u me-
r]e-sii
15 [sa wuBIt-urabi-ka-si-r]u sd ina mufjhi nar fu-paP-su
16 [[Amat-dBdba mdrassu sd m]Kal-ba-a mar mNa-ba-a-a
17 [ina fjud libbisu pdni ^Re-^i-in-du {Be-let-tu4
18 [// *Eristu m]drdti"Ki-su a-na u4-mu sa-a-ta
19 [tusadgil e]-lat. nu-dun-du-u sd mdMarduk-na-si-<ir>-
apli
20 [abusina id-di]-nu-si'-na'-tu4 xRe-i-in-du
21 [£Beletu] u {E-ris-tu4 it-ti a-ha-mes-su
22 [^Yzeru u Vsa-me-lut-tu4 i-saq-qa-la-a-a^
23 ma-la a-ha-mes i-le-qu-a-a* \-ta dr-ka-tu4
24 sd 2-i i-<saq>-qa-la-a-a>
25-30 Zeugen
Marduk-nasi<r>-apli/Itti-Marduk-balatii/[Egibi] (Ehe-
mann der Amat-Baba)
Nabu-ittannn/Ardija/[ Sin-ill]
Arad-Baba/Musezib-[Marduk]/[Aslaku]
Ardija/Marduk-suma-u[.../...]
Zerija/Itti-Nabu-balatn/E[gibi?]
[...]//Hgibi
31 Schreiber (?)
[...]/Bel§unu
Ansstellungsort und Datum weggebrochen
Ubersetzung
Amat-Baba hat aus freiem EntschluB die (mit Dattel-
palmen) bepflanzte und (fiir Getreideanbau) kultivierte
Anbauflache [in] BTt-rab-ka^iri am Tupasu-Kanal (und)
Zababa-iddin, Madanu-iddin, Bel-gabbi-Belunuua, Ahii-
sunu, Nabu-rehti-usur, Bel-ittannu, [...]-tu, Nanaja-bela-
usur, Ha^dajitu [und] Ahassunu, die Marduk-nasir-apli,
der Ehemann der Amat-Baba, [unter Ausstellung einer
gesiegelten Urkunde] anstelle der Mitgift der Amat-Baba
[an] Amat-Baba gegeben hat, und Malakallu [und Itti-
Ninlil-mija], die Kalbaja an Amat-Baba [...] gegeben hat:
[insgesamt 12 Sklaven] und die (mit Dattelpalmen) be-
pflanzte [und] (iiir Getreideanbau) kultivierte Anbaufla-
che [in Blt-rab-kasiri] am TupaSu-Kanal hat Amat-Baba
[aus freiem Entschlufi an] Re'indu, Beletu [und EriStu],
ihre Tochter, auf ewige Zeiten [(als Eigentum) iibertra-
gen.] Abgesehen von der Mitgift, die Marduk-nasir-apli,
[ihr Vater], ihnen gegeben hat. Re'indu, [Beletu] und
Eristu werden das Feld und die Sklaven gemeinsam ub'er-
nehmen. Soviel sie gemeinsam an sich nehmen, wird eine
den NachlaB des (so!) anderen (= wie die and ere?) iiber-
nehmen.
K o m m e n t a r
Die Tafel ist offensichtlich eine Abschrift; der Text wnrde an
einigen Stellen miBverstanden und korrigiert. Sie ist auBerdem
erheblich zu klein bemessen.
Z. 4: Der Name des Sklaven Bel-gabbi-Belumma "Herr der
Gesamtheit ist Bel'" erscheint hier in einer stark verfremdeten
syllabischen Schreibung. Weitere Belege fur diesen Sohn des
Madanu-bela-usur sind: BOR 2, 3: 5 und Duplikat BM 41316
(Nr. 5) ^Bel-gab-bi-^bel-um-ma und BM 33934: 19 (Nr. 7)
^Bel-gab-bi-bel-um-ma.
Z. 6: Es ist unsicher, vvelcher Name am Anfang zu erganzen
ist. Laut BOR 2, 3 hatte Marduk-nasir-apli im Jahre 16 Dar die
ganze Familie des (inzwischen wohl verstorbenen und daher
nicht selbst genannten) Madanu-bela-usur an seine Frau zur
Kompensation ihrer Mitgift ubereignet. Nabu-rehti-usur und Bel-
ittannu werden dort nicht genannt, aber (in umgekehrter Reihen-
folge) in BM 33934 (Nr. 7), wo ihnen Itti-Ninurta-inija folgt.
Urn diesen kann es sich hier jedoch nicht handeln, die Endung
-tu deutet vielmehr auf eine Sklavin. Allerdings sind uns keine
weiteren Tochter des Madanu-bela-usur als die nachtblgend ge-
nannten bekannt. In BOR 2, 3: 7 wird aber nach der Familie
noch eine Sklavin Kiisirtu aufgefiihrt. Die erhaltenen Zeichen-
spuren passen allerdings nicht recht.
Z. 11: Die Sklavin Itti-Nmlil-inija wird auch in BM 33933:
6 (Nr. 12) nach Malakallu genannt.
Z. 22: Anstelle des zu erwartenden lequ (vgl. z. B. Dar 379:
27, 52; BM 32205: 33 (Nr. 2)) erscheint hier und in Z. 24 (mit
Emendation) ein Verb s'saqalu, fur das CAD S, S. 168, nur jB
Belege und den Hinweis auf aram. s'qal "take away" bietet. Vgl.
dazu J.C. Greenfield, "The Root sql in Akkadian, Ugaritic and
Aramaic," UF 11 (1979), S. 325-327, und J. Huehnergard,
"Further South Semitic Cognates to the Akkadian Lexicon," FS
Leslau (Wiesbaden 1991), S. 690-713, der auf S. 702 unter dem
Stichwort saqalu ausfuhrt: "Both the rare saqalu and a few
instances of saqalu denote 'carry, take'. It is likely that these are
biforms and that both derive from also attested in Aram,
and Ug. with the same meaning ..."
Z. 23f.: Die Bedeutung dieser Klausel ist nicht recht klar.
DaB es sich urn eine Regelung zum Nacherbe handelt, wenn
eines der Geschwister stirbt, scheint mir wenig wahrscheinlich.
Eine derartige Bestimmung findet sich z. B. in BM 33092: 37-41
(Roth, AfO 36/37, S. 48f.) und bedient sich eines anderen
Formulars. Man wiirde vielmehr eine Angabe iiber die GroIJe der
jeweiligen Anteile erwarten, zumal bezeichnenderweise die For-
mel aki zizdtisina "entsprechend ihren Anteilen" in der vorange-
henden Klausel fehlt. Allerdings wird mit arkatu allgemein das
Erbe, nicht der Erbteil bezeichnet. Die knappe Formulierung und
Die Frauen der Familie Egibi
59
der Mangel an Paralleltexten erlauben keine Entscheidung.
Z. 31: Offenbar der Schreiber, allerdings ist nicht klar, ob der
erhaltene Name als Personenname, Vatersname oder Ahnherren-
name zu verstehen ist.
Z. 32: Vom Datum ist nur ein Teil des Herrschertitels erhal-
ten. Die Urkunde ist wegen der erwahnten Sklavenfamilie zwi-
schen etwa 20 Dar (Tod des Madanu-bela-usur) und 34 Dar
(Verkauf an Anu-mukin-apli laut BM 33934 (Nr. 7)) einzuord-
nen.
DT 233
Kopie: Nr. 9
Duplikat: Birmingham Museum and Art Gallery,
1761.A.1982 (Publikation durch M. Jursa in Vorberei-
tung)
Transliteration
1 [5ez<?rw zaqpu u] me-re-su sd uru{ina} Bit-habi (GAL)-
ka-si-ru
2 [sa ina mufjfji ndr Jupasu mdZa]-ba4-ba4-iddin
mdMadanu-iddin
3 [mdBel-gabbi-dBel-um-m]a mA-f?u-su-nu mdNabu-re-t}e-
tu4-u-sur
4 [mdBel-ittannu fx x (\)-tu] idNa-na-a-bela-u-sur
5 [fHasdajitu fAfyat-su]-nu {Ma-la-a-kal-lu u
6 [Htti-Ninlil-inija sa {Amat-dBab]a martu sa mKal-
ba-a
7 [mar mNabaja assat mdMardu]k-na-si-<ir>-apli
8 [taknuku-ma pan lR]e-^i-in-du
9 [{Beletu u {Eristu] mdrdtimei-su
10 [tusadgilu ... ] x a-na si-bu-tu
Rest des Vertragstextes bei DT 233 weggebrochen; es
schlieBt das Duplikat an:
11 [sd miMarduk-na\-si-<ir>-apli mdru sd mltti-dMar-
duk-baldfu
12 [x x (x)] NA? AD HU sd lezeri it ^a-me-lut-tu
13 [x x (x)] xex-\i-ir mim-ma zittu (HA.LA) sd ^Re-i-in-
du
14 [(B]e-/et-tu4 u {E-rriP-tu4 ina iezeri u
15 a-me-lut"'-tu4 su-a-ti ia-a-nu a-sar gab-ri sd
16 fuppi (DUB) su-a-ti in-nam-ma[r-ru ]
Zeugen weggebrochen
Rs.
1' Schreiber
[...]//Gahal
Ausstellungsort und Datum weggebrochen
Ubersetzung
[(Was) die (mit Dattelpalmen) bepflanzte und] (fur
Getreideanbau) kultivierte [Anbauflache] in Bit-rab-kasiri
[am Tupa§u-Kanal] (und) Zababa-iddin, Madanu-iddin,
[Bel-gabbi-Belumma], Ahusunu, Nabu-rehti-usur, [Bel-
ittannu, ...-tu], Nanaja-bela-usur, [Hasdajitu, Ahassunu],
Malakallu und [Itti-Ninlil-inija (betrifft), die Amat-Baba,
die Ehefrau des] Marduk-nasir-apli [unter Ausstellung
einer gesiegelten Urkunde an] Re'indu, [Beletu und Eristu],
ihre Tochter, [als Eigentum iibertragen hat: ...] auf Ver-
langen
(Duplikat: [des] Marduk-nasir-apli [...] des Feldes und
der Sklaven [...] beglichen. Irgendeinen Anteil der Re^ndu,
Beletu und Eri§tu an diesem Feld und diesen Sklaven gibt
es nicht. Wo ein Duplikat dieser Urkunde gesehen wird,
[gehort es ...].)
Kommentar
Ich verdanke Michael Jursa den Hinweis auf das bisher
unpublizierte Fragment in Birmingham, das aller Wahrschein-
lichkeit nach ein Duplikat unseres Textes darstellt. Es handelt
sich um den unteren Rand der Tafel; der Text schlieBt mit -[tu]
(Z. 10 Ende) an. Meine Ubersetzung dieser sechs Zeilen basiert
auf Kopie und Transliteration, die mir M. Jursa freundlicherwei-
se zur Verfugung gestellt hat. Beide Exemplare dieses Textes wie
auch BM 33997 (Nr. 8) weisen die Schreibung na-si-<ir> auf
und konnten vom gleichen (Ab)schreiber stammen.
Die vorliegende Urkunde widerruft die vorangegangene Schen-
kung Amat-Babas zugunsten ihrer drei Tochter, offenbar auf
Veranlassung ihres Ehemannes, Marduk-nasir-aplis, der zuvor
bei der Schenkung als Zeuge anwesend war und damit seine
Zustimmung erteilt hatte.
Rs. 3': Vom Datum ist nur ein Teil des Herrschertitels zu
erkennen. Zur zeitlichen Einordnung vgl. die vorhergehende
Urkunde.
Nr. 9 (DT 233)
60
Cornelia Wunsch
BM 33932 (= Sp 28)
Kopie: Nr. 10
Transliteration und Ubersetzung
Roth, JAOS 111, S. 32 mil Anm. 39 nach Bertin 2706.
K o m in e n t a r
Z. 5 Ende: Das Zeichen ist eindeutig RI, ebenso Bertins
Kopie.
Z. 7: 2*-ta §U". Auf der Tafel sind z\vei Senkrechte zu
erkennen, die gebrochen sind, vermutlich ist am Zeichen ohne
Rasur korrigiert worden. In Z. 9 ist im Gegensatz dazu ein echtes
A-ta zu sehen, mit drei Senkrechten in der oberen Reihe und
Nr. 10 (BM 33932)
einem darunter. Fur die Lesung 2 statt 4 sprechen auch inhaltli-
che Erwagungen: Es gent um einen Anteil an einern Feld, den
Rimut-Bel in ungeteilter Erbengemeinschaft mit seinem Bruder
innehat. Bei zwei Brudern stehen dem alteren zwei Drittel, dem
jiingeren ein Drittel zu. Ein Anteil von vier Funfteln kann nur
zustandekommen, wenn von vier Brudern zwei ihren Anteil dem
altesten uberschreiben oder verkaufen - ein eher unwahrschein-
licher Fall.
Auf dem linken Rand befinden sich Beischrift und Siegel
eines Richters Rimut-Bel, der in der Zeugenliste ausgelassen
worden ist. Er ware auf Position 2 zu erwarten.
Aulter den Richtern und dem Schreiber erscheinen nur Fami-
lienangehorige als Zeugen.
Die Frauen der Fami lie Egibi
61
Rm 681
Kopie: Nr. 11
Transliteration
Roth, JAOS 111, S. 32 mil Anm. 41.
U bersetzung
[x] Silber von l/8-««/7/?///;/-Qualitat, (Forderung) des
Nidinli zu Lasten von Nabu-ahhe-bullit. Sein Hans, das
neben dem Haus des Murasu [und] neben dem Haus des
Arad-Mardnk (liegt), ist [Pfand] des Nidinti fiir fiinf
Jahre. [Miete des Hauses] und Zins des Silbers gibt es
nicht. Nidinti wohnt [darin]. Nabu-ahhe-bullit wird ihn
aus dem Haus [nicht] auszuziehen veranlassen, und das
Silber wird Nidinti [auf fiinfj Jahre <von> Nabu-ahhe-
bullit nicht (zuriick)erhalten. [Die Arbeit an Ziegeln],
Rohr(geflecht) und Balken, [soviel] er [darin] ausfuhrt,
wird Nidinti [...] dem Nabu-ahhe-bullit [in Rechnung
stellen]. Das betreffende Silber, von dem Nidinti
[fblgender]maBen [gesprochen hat]: "(Es handelt sich
urn) die Mitgift der Susanni, [meiner Frau,] und ich habe
sie auf ihre Anweisung hin [an] Nabu-ahhe-bullit ge-
zahlt."
Kommentar
Z. 3: DUMU sd* Z. 4: si-gu-u*-a
Z. 7-10 sind wohl folgendennaBen zu erganzen: mNi-din-ti
(8) [ina libbi] Ta^-si-ib mANabit-ahh^-bul-lit ul-tu biti (9) [ul u-
s)e-es-si-is u kaspu mNi-din-ti (10) [adi 5-la sd\nati ([M]U)me5
<ina qati> ^Nabii-ahh^-bid-lit id i-mah-har. Mit dieser Klau-
sel wird die Laufzeit des Darlehens und der damit verbundenen
Nutzung des Hauses durch den Glaubiger noch einmal ausdriick-
lich fixiert, um einer vorfnstigen Kiindigung entgegenzuwirken.
Z. 11: ri* GlS.UR...; Z. 12: ip-pu-su*
Z. 13: Nach dem ublichen Formular ist am Anfang entvveder
nichts oder sehr viel (etwa ein Pauschalbetrag, bis zu dem der
Mieter selbst fur die Kosten aufzukommen hat) zu erwarten. Da
die Zeile auf dem unteren Rand steht, hat sie wahrscheinlich
nicht ganz links begonnen.
Z. 14f.: Die Liicke am Anfang diirfte mit imanni ausgefullt
sein, daher beginnt der nachste Satz wohl mit kaspu sudti. Die
von M. Roth vorgeschlagene Erganzung sd mNi-din-ti [id-din-
nu]-ma ist jedoch durch den vor -ma erkennbaren Senkrechten
ausgeschlossen. We gen des folgenden jdti und attadin ist wohl
ehcr an [iqbu u]m-ma als Einleitung einer wortlichen Rede zu
denken.
Z. 17: [a-na n,dAG.SES].MES>'TIN** ...
Datum: Vor der Zahl "9" konnten noch ein oder zwei
Winkelhaken gestanden habeii.
Statt Roths "left edge" lies "right edge". Die Tafel ist unge-
siegelt.
Nr. 11 (Rm 681)
62
Cornelia Wunsch
BM 33933 (= Sp 29)
Kopie: Nr. 12
Transliteration und Ubersetzung
Roth, JAOS 111, S. 33 mit Anm. 43
nach Bertin 2716.
{Comment ar
Z. 6: Statt f2ALAG-drDUMU?",-E-i/-/-r/Y?1 ist
{Itti-dNin-h'l-ini (IGI)-i'a zii lesen; die Zeichen-
spuren sind bei Bertin bis auf ZALAG, korrekt
kopiert.
Z. 7: Die leicht beschadigte Zahl ist "11".
Bertin hat offenbar einen Kratzer fur einen
zweiten Senkrechten gehalten und "12" kopiert.
Damit besteht zur Emendation (Roth, Anm. 47)
kein AnlaB.
Z. 8: Am Anfang ist offenbar [bitu ab]-tu
"verfallenes Haus" zu lesen; der Senkrechte
von AB ist erhalten.
Z. 10: Am Anfang erganze [tah b]it PN.
Z. 14: Das Zeichen HI fehlt lediglich in
Bertins Kopie.
Z. 15f. diirfte folgendermaBen zu erganzen
und zu iibersetzen sein: [kaspu {sudti) sa mNi-
din-]tuA-dBel iq-bu-u um-ma a-na *rase (TUK)me$
sd muhhi-ia (16) [addinsu ...] "Das (betreffen-
de) Silber, von dem Nidinti-Bel folgenderma-
Ben gesprochen hat: 'An die Glaubiger, die
(Forderungen) gegen mich (hatten), [habe ich
es gezahlt.]'" Es handelt sich um einen Ein-
schub in den von Z. 1-17 reichenden Satz, der
dem Formular einer Vermogensubertragung nach
folgendem Schema folgt: PN ina hud libbisu
(Objekte) kum (andere Objekte) pdni PNf ana
timesati usadgil. Der Einschub bezieht sich auf
den Betrag von 26 Minen 50 Sekel Silber, den
Gegenwert des Mitgiftfeldes der SuSanni. Aus
ihm geht demnach eindeutig hervor, daB das
betreffende Feld verkauft wurde, um Nidinti-
Bels Glaubiger zu befriedigen (Anm. 44 ist
damit gegenstandslos). Ein ganz ahnlich stili-
sierter Vermerk, ebenfalls mit wortlich zitierter
Aussage des Nidinti-Bel, Findet sich in Rm 681
(Nr. 11) Z. 14f., am Ende des Vertragstextes.
Z. 22: Der Name des Richters ist mit aller Wahrscheinlichkeit
zu (M)usallim-Marduk (geschrieben DI-i'm-...) zu erganzen. Der
erhaltene Senkrechte ist nicht der Personenkeil, sondem gehort
zum folgenden Zeichen.
Statt Roths "left edge" lies "right edge", der linke Rand ist
nicht erhalten. Da die Siegelung entsprechend der Rangfolge auf
dem linken Rand beginnt, haben wir dort das Siegel des ersten
Richters zu vermuten. Der Name des zweiten Richters scheint
nachtraglich eingefugt worden zu sein; sein Siegel konnte daher
ebenso wie das des letzten Richters gefehlt haben.
AW^H^^F IP
^ AS
25
Nr. 13 (BM 33981)
BM 33981 (= Sp 77)
Kopie: Nr. 13
Transkription
12 mana kaspu sd ina 1 siqli bit-qu nu-ulj-fju-tu
re-fje-et si-me eqli sa ina muKar-dTas-me-tuA
nu-dun-nu-u sa {Su-sd-an-ni marti sd mRi-mut-dBel
assat (DAM) mNi-din-ti-dBel maru sd mdMarduk-na-
sir-apli (A* A) mdr2 mE-gi-bi
ina muhfyi mRi-mut-dBel maru sd mBa-nu-nu
mar ^Sd-fabti (MUN)bia-.sw bit-su sd ina suq (SILA)
duri(B AD)
sd tab qandti (GI)meS makkur (NfG.GA)
sarri (LUGAL) u (dfj bit mdBel-it-tan-nu
8 maru sd mdNergal-e(ir (KAR)'r mas-ka-nu sd
Die Frauen der Familie Egibi
63
cSu-sd-an-ni a-di mufytyi [e]-fe-ri
kaspi a4 12 lmand] i-d[i] biti u
\ia-a-n\u
9
10
11 fyubul (UR5.RA) kaspi
u. Rd.
(Su-sd-an-nu ina lib-bi ds-bat' (bak)
mim-ma ina u-de-e biti sd mRi-mut-dBel
a-na mNi-din-ti-dBel iq-bu-u al-la
13
14
Rs
15
16
17
18
19
l+et *&ersi (NA) 1 ^kussi (GU.ZA) 2
^litteti (SU.A)
mNi-din-ti-dBel ina qate]] mRi-mut-dBel ul
ma-fjir
a-na mufylfi re-fye-et u-de-e biti
mNi-din-ti-dBel u lSu-sd-an-nu
assati (DAM)-iw it-ti
mRi-mut-dBel ul i-dab-bu-bu
1. Rd.
kqaq-qa-ru sd biti su-a-ti
ina pan mRi-mut-dBel
20-27 Zeugen
Itti-Bel-lummir/Nabu-zeru-lisir/Egibi
Bel-asua/Adad-belani/Etiru
Marduk-suma-iddin und Kiribti-Marduk/
Rimut-Bel/Sa-tabtl-su (Briider der
Susannu)
Nabu-kasir/Iddin-Bel/Etiru
Mu§ezib-Bel/Karea
Na'id-Bel/Gabbi-Belumma
Bel-iddin/Liblut/Itinnu
28 Schreiber
Nidinti-Bel//Bana-sa-ilij a
Ausstellungsort: Babylon
Datum: 26.5.1 Xer
m
ID
Ubersetzung
12 Minen Silber von l/8-/7w#/?wft/-Qualitat,
der Rest des Kaufpreises des Feldes in Kar-
Tasmetu, Mitgift(bestandteil), (Forderung) der
Susannu, der Ehefrau des Nidinti-Bel, zu La-
sten von Rimut-Bel. Sein Haus in der Mauer-
gasse neben dem Grundstiick des Konigs und
neben dem Haus des Bel-ittannu ist Pfand der
Susannu bis zur Begleichung dieser 12 Minen
Silber. Miete des Hauses und Zins des Silbers
gibt es nicht. SuSannu wohnt darin. (Was den)
Hausrat (betrifft), den Rimut-Bel dem Nidinti-
Bel versprochen hat: Aufier einem Bett, einem Stuhl und
zwei Schemeln hat Nidinti-Bel von Rimut-Bel nichts
erhalten. Wegen des Restes des Hausrates werden Nidin-
ti-Bel und Susannu, seine Ehefrau, nicht gegen Rimut-Bel
klagen. Das Bauland, das neben dem betreffenden Haus
(liegt), steht Rimut-Bel zur Verfiigung.
Kommentar
Die vorliegende Urkunde ist als Verpflichtungsschein stili-
siert. Seinen Gegenstand bilden 12 Minen Silber, die einen Teil
des Wertes eines Grundstiickes representieren, das urspriinglich
It
Nr. 12 (BM 33933)
zur Mitgift der Susanni gehort hatte. Diese erscheint folgerichtig
als Glaubigerin, als Schuldner ihr Vater. Es sei auf einen ahnli-
chen Fall verwiesen, die Urkunde CM 3 Nr. 137. Dort handelt es
sich um die Mitgift von Itti-Marduk-balatus Ehefrau Nuptaja.
Als Schuldner ist Iddin-Marduk genannt, als gemeinsame Glau-
biger sein Schwiegersohn und seine Tochter (vgl. zum Vorgang
CM 3a S. 79 Anm. 299).