Die Frauen der Familie Egibi more

Die Frauen der Familie Egibi.
In: Archiv für Orientforschung, vol. 42/43 (1995–96), pp. 33–63.

Sonderdruck aus: ARCHIV FUR ORIENTFORSCHUNG Internationale Zeitschrift fur die Wissenschaft vom Vorderen Orient Begrundet von Ernst Weidner In Zusammenarbeit mit Hermann Hunger Herausgegeben von Hans Hirsch Redaktion: Michael Jursa BAND XLII UND BAND XLIII 1995/1996 Selbstverlag des Instituts fur Orientalistik der Universitat Wien Druck: F. Berger & Sonne G.m.b.H., Horn Sonderdruck aus: Archiv fur Orientforschung, Band 42/43 (1995/96), S. 33-63 Die Frauen der Familie Egibi* Von Cornelia Wunsch (Barcelona) Das umfangreichste und bedeutendste Privatarchiv aus der Zeit des neubabylonischen Reiches und der ersten Achamenidenherrscher, das uns bisher bekannt ist, stammt aus Babylon und dokumentiert die Geschafte von fiinf Generationen eines wohlhabenden und einfluBreichen Zweiges der Familie Egibi. Es kam in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei Raubgrabnngen durch Einheimische im Gebiet von Babylon zu Tage. Wiihrend einzelne Texle, die einst zu diesem Archiv gehort haben, iiber die ganze Welt verslreut in Museen und Privatsanmilungen zu finden sind, wurde der iiberwiegende Teil der Tafeln dnrch G. Smith fiir das Britische Museum angekauft und gelangte, mil Texten anderer Herkunft vermischt, 1876 nach London. Auch weitere, kleinere Ankaufe, die bis zu Begum der achtziger Jahre vom Britischen Museum erworben wurden, enthalten Egibi-Texte.1 Es ist insbesondere der Pionierleistung J.N. StraBmaiers zu danken, daB bereits zu Ende des vergangenen Jahrhunderts Kopien von Hunderten der Londoner Texte publiziert vorlagen.: Diese bildeten, vermehrt um die Egibi-Urkunden aus dem Metropolitan Museum New York, dem Louvre, dem Museum in Liverpool und einige Einzeltexte, den Gegenstand verschiedener Untersuchungen. Insbesondere die Studien von Weingort3, Ungnad4, Krecher5 und van Driel6 sind fiir die Genealogie und Geschichte des erwahnten Zweiges der Familie Egibi relevant. Die uberlieferten Urkunden stammen aus einem Zeit- raum von iiber hundert Jahren, von der Zeit Nebukadnezars bis zum Beginn der Regierung Xerxes'. Die altesten doku- mentieren die Geschafte von Sulaja, Sohn des (Nabu-)zera- ukln, der die erste Generation reprasentiert. Der wirt- *) Diese Arbeit wurde durch ein Postdoktorandenstipendium der Deutschen Forschungsgemcinschaft gefbrdert, das mir u. a. einen fast zweijahrigen Aufenthalt am Britischen Museum er- moglichte. Den Trustees des Britischen Museums gebuhrt mein Dank fiir die Genehmigung, unpublizierte Texte zu veroffentli- chen. Herrn J. Curtis, Keeper am Department of Western Asiatic Antiquities, sowie alien Mitarbeitera der Abteilung mochte ich dafur danken, daB sie mir ermoglichten, die Texte der noch nicht katalogisierten Babylon-Sammlung durchzusehen. Herr C.B.F. Walker stellte mir dafiir seine Vorarbeiten zum Katalog zur Verfugung, wodurch bereits publizierte Texte und solche nicht- okonomischen Charakters leichter identifizierl bzw. als nicht relevant fiir die vorlicgende Studie ausgeschieden werden konn- ten. Des weiteren konnte ich von mehreren Joins profitieren, die I.L. Finkel bei seiner Arbeit an der Babylon-Sammlung gelungen sind. Mein herzlicher Dank gilt Michael Jursa, der fiir das Thema dieser Arbeit groBes Interesse zeigte, wichtige Hinweise und Korrekturen beisteuerte und mich stets ermutigt hat. Allen Kol- legen, mit denen ich Gelegenheit hatte, Details zu diskutieren, sei an dieser Stelle fiir ihre Anregungen gedankt, insbesondere K. Abraham und P.D. Gesche. ') Vgl. J.E. Reade, "Introduction" in: E. Leichty, Catalogue of the Babylonian Tablets in the British Museum, vol. 6, insbe- sondere S. xiv-xvi, zur Geschichte der Erwerbungen. ') J.N. StraBmaier, Babylonische Texte, Heft 1-12, Leipzig 1889-1897. Die chronologisch geordnete Edition bricht mit einer Urkunde aus dem 23. Jahr Darius' ab. ') S. Weiugort, Das Haus Egibi. Berlin [1939]. 4) A. Ungnad, "Das Haus Egibi", AfO 14 (1941-44), S. 57-64 (im folgenden als AfO 14 zitiert). 5) J. Krecher, Das Geschaftshaus Egibi in Babylon in neu- babylonischer und achamenidischer Zeit. Habilitationsschrifl, MiinsterAV. 1970. 6) G. van Driel, "The Rise of the House of Egibi. Nabu-ahhe- iddina", JEOL 29 (1985-86), S. 50-67 (im folgenden als JEOL 29 zitiert). schaftliche und gesellschaftliche Aufstieg des Hauses Egibi geschah in der zweiten Generation durch Sulajas Sohn Nabu-ahhe-iddin, der geschaftliche Kontakte zu Neriglissar unterhielt und als koniglicher Richter in Babylon zur Zeit Nabonids eine einfluBreiche Stellung innehatte. Der wach- sende Wohlstand der Familie ist an einer groBen Zahl von Land- und Sklavenkaufen aus dieser Periode zu erkennen. Sein Sohn Itti-Marduk-balatu fiihrte die Geschafte in der dritten Generation bis zum Ende von Cambyses' Regie- rung, ihm folgte Marduk-nasir-apli zur Zeit des Darius. Die Urkunde iiber die Erbteilung in der vierten Genera- tion zwischen Marduk-nasir-apli und seinen zwei Brii- dern, die im 14. Jahr des Darius stattfand, legt Zeugnis fiir den Reichtum der Egibis ab: In ihr werden sechzehn Hausgrundstiicke und iiber hundert Sklaven aufgefiihrt; die Felder und Dattelgarten sind leider nur am Rande erwahnt, da sie nicht Gegenstand der Teilung waren. In der fiinften Generation fiihrte Nidinti-Bel die Geschafte seines Vaters Marduk-nasir-apli weiter; allerdings sind vergleichsweise wenig LIrkunden iiberliefert, weil das Archiv zu Beginn von Xerxes' Regierung abbricht. Die Frauen, die aus diesem Zweig der Familie Egibi stammen oder in sie hineingeheiratet haben, werden nur selten in den Geschaftsurkunden erwahnt, meistens dann, vvenn es um Vermogenswerte aus den Mitgiften geht. Eine umfangreiche Studie zu diesen Mitgiften wurde unlangst von Martha T. Roth veroffentlicht.7 Sie basiert nicht nur auf den seit Ende des vergangenen Jahrhunderts bekannten Texten, sondern bietet weitere, bisher unbe- kannte Urkunden aus dem Britischen Museum in Transli- teration und Ubersetzung nach unpublizierten Kopien von ') M.T. Roth, "The Dowries of the Women of the Itti- Marduk-balatu Family," JAOS 111/1 (1991), S. 19-37 (im fol- genden als JAOS 111 zitiert). Umfang und Bestandteile der Mitgiften wurden von der gleichen Autorin in ihrem Artikel "The Material Composition of the Neo-Babylonian Dowry", AfO 36/37 (1992), S. 1-55, behandelt. 34 Cornelia Wunsch Familie Generation (1) Nur-Sin / / / / / / / (2) Ina-Esagila-ramdt oo Iddin-Marduk (3) Egibi / / / Sulaja Nabfi-ahhe-iddin cc Qudasu Egibi / / Marduk-remanni Nuptaja oo Itti-Marduk-balatu Tasmetu-damqat (4) (5) Amat-Bdba cc Marduk-na§ir-apli Nabu-ahhe-bullit Nergal-usezib Tasmetu-tabni Ina-Esagila-belet Nanaja-etirat Susanna oo Nidinti-Bel Re^indu Beletu Erklarungen: Frauen oo Ehepartner Manner Hauptlinie der Familie Egibi Eristu G. Bertiii.8 Sie betreffen insbesondere die vierte und funfte Generation, da Texle aus den spat en Regierungs- jahren Darius' in StraBmaiers Edition nicht mehr enthalten sind. Die Babylon-Sanmilung des Britischen Museums um- faBt jedoch eine groBe Zahl von Texten, die weder von StraBmaier noch Bertin noch anderen kopiert vvurden. Sie sind linufig schlecht erhalten, fast immer fragmentarisch und manchmal schwer lesbar; manche mogen audi schlicht iibersehen worden sein. Es erwies sich daher als lohnend, in dieser Sammlung systematisch nach unpublizierten Egibi-Texten zu suchen. Einige solcher Texte, insbeson- dere aus dem Ankauf 76-11-17, konnte ich bereits in meine Arbeit iiber die Geschafte des Iddin-Marduk einbe- ziehen.9 8) G. Bertin hat etwa zur gleichen Zeit wie J.N. StraBmaier Urkunden aus neubabylonischer und achamenidischer Zeit im Britischen Museum kopiert, darunter auch viele der spater von StraBmaier publizierten Texte. Da er gezwungen war, seme A\rbeit abzubrechen, bevor er die Kopien vollendeu koimte, haben diese einen provisorischen Charakter; sie sind daher weni- ger zuverlassig als die StraBmaiers und weisen neben unsicheren Lesungen auch gelegentlich offene Stellen bei schwierigen Pas- sageu auf. Bertins Kopien sind im Britischen Museum einzuse- hen und ihre Publikation ist geplant. Da diese - wie StraBmaiers Edition - in chronologischer Ordnung vor sich gehen soil, wcrden die Texte aus Darius' Zeit nicht so bald zu erwarten sein. Aus diesem Grunde habe ich eigene Kopien der von M. Roth verwendeten Urkunden angefertigt (siehe Anliang). 9) C. Wunsch, Die Urkunden des babylonischen Geschafts- Im vorliegenden Artikel vverden alle anderen mir be- kannten Urkunden veroffentlicht, in denen die Frauen der Familie Egibi erscheinen. Wenngleich nicht ausgeschlos- sen werden kann, daB noch weitere interessante Texte in den Bestanden des Britischen Museums zu finden sind oder aufgefundene nicht identifiziert werden konnten, so scheinen die bisherigen Ergebnisse trotz ihres vorlaufigen Charakters doch bedeutend genug, um hier prasentiert zu werden. Neben neuen Details iiber die Mitgiften doku- meutieren die Texte auch extradotale Vermogensitbertra- gungen und Verfugungen von Todes wegen, sowohl durch den Ehemann zugunsten von Frau und Enkelkindern als auch durch die Mutter zugunsten ihrer Tochter.10 Die erste Generation Sulaja, der Solm des (Nabu)-zera-ukin, ist der erste Vertreter unseres Zweiges der Familie Egibi, der als aktive Partei in ca. 50 Geschaftsurkunden erscheint. We- der iiber seine Ehefrau noch iiber andere Frauen dieser Generation ist irgend etwas bekannt. marines Iddin-Marduk. Zurn Handel mit Naturalien im 6. Jahr- hundert v. Chr. (= Cuneiform Monographs 3a und 3b), Groningen 1993 (im folgenden als CM 3 zitiert). I0) In ihrem Artikel "The Neo-Babylonian Widow", JCS 43- 45 (1991-93), S. 1-26, fiihrt M. Roth verschiedene Beispiele fur derartige Vermogensiibcrtragungen an; Belege aus der Egibi- Hauptlinie fehlten aber bislang. Die Frauen der Familie Egibi 35 Die zweite Generation Qudasu, die Ehefrau des Nabu-ahhe-iddin Die Identitat der Ehefrau des Nabu-ahhe-iddin war bislang ein Problem. In der Urkunde Cyr 49 erscheint eine Qudasu, die zum einen durch ihre Filiation als Tochter des Sulaja aus der Familie Egibi ausgewiesen ist, und zum anderen als Mutter eines Itti-Marduk-balatu bezeichnet wird. Dessen Filiation ist zwar nicht angege- ben, da jedoch seine Ehefrau genannt wird, lafit er sich eindeutig als Sohn des Nabu-ahhe-iddin aus der Familie Egibi identifizieren. Der Vater des Nabu-ahhe-iddin wie- derum hieB Sulaja; seine Filiation ist also mil der Qudasus identisch, und es hat den Anschein, als seien die Eltern des Itti-Marduk-balatu Geschwister. Hatte es H. Petschow im RlA-hvXikoX "Inzest"1' noch als "unklar" bezeichnet, ob Geschwisterehe in neubabylonischer Zeit moglich war, so sfellte G. van Driel alle textkritischen und inhaltlichen Argumente gegen eine Geschwisterehe im allgemeinen zusammen und schloB in bezug auf Nabu-ahhe-iddin sehr treffend: "As aula the father of N.A.I, was not very rich and N.A.I, was obviously ambitious, there was no reason to marry a sister."12 Audi die Annahme, Qudasu sei nicht die leibliche Schwester Nabu-ahhe-iddins, sondern von Sulaja adoptiert worden, stoBt auf die gleichen Schwierig- keiten. Nicht vollig undenkbar ware es allerdings, wenn Sulaja, der Vater der Qudasu, in Ermaugelung eines mannlichen Erben Nabu-ahhe-iddin adoptiert und mil sei- ner Tochter verheiratet hatte; allerdings liefern uns die erhaltenen Urkunden keinerlei Hinweis darauf. Sofern man die Moglichkeit einer Geschwisterehe aus- schlieBt, gibt es prinzipiell drei Erklarungsmoglichkeiten fiir die gleichlautende Filiation von Qudasu und Nabu- ahhe-iddin: (1) Entweder ist der Vater der QudaSu ein anderer Sulaja aus einem anderen Zweig der Familie Egibi und nicht mit ihrem Schwiegervater identisch; (2) oder die Filiation der Qudasu ist falsch angegeben; (3) oder die Mutter-Solm-Beziehung zwischeu Qudasu und Itti-Marduk-balatu muB in Zweifel gezogen werden. Bereits A. Ungnad vertrat erstgenannte Auffassung, daB Sulaja, der Vater Nabu-ahhe-iddins, nicht mit dem Vater der Qudasu identisch sein kann.13 Er bezeichnete Qudasu als "entfernte Kusine"14 des Nabu-ahhe-iddin. Seine Aussage, Qudasu konne "nur die Tochter des Sula, Sohues des Bel-upahhir, sein",15 laBt sich leider nach wie vor nicht belegen. Nicht von der Hand zu weisen ist aber das Argument, mit dem Ungnad diese These zu unter- mauern versucht: Urkunden eines Sulaja/Bel-upahhir/Egibi (insbesondere sein Erbe betreffend), die im Kontext unse- res Egibi-Archivs, d.h. im Archiv eines anderen Familien- ") RIA, Bd. 5, S. 148. 12) JEOL 29, S. 66. 13) AfO 14, S. 59 (C 3 Ende). M) ibid., S. 60. ,5) ibid., S. 59. zweiges, uberliefert sind, lassen in der Tat vermuten, daB enge famihare oder geschaftliche Beziehungen bestan- den. Es sei ferner darauf verwiesen, daB audi zwei Kin- der Nabu-ahhe-iddins mit Egibis aus Seitenlinien dieser weitverzweigten Familie verheiratet waren.16 Demgegeniiber hatte Weingort die Moglichkeit erwo- gen, daB durch die gleichlautende Filiation "nur ein Gewaltverhaltnis ausgedriickt wurde, indem Qudasu, als Frau des N.A.I, zu ihm wie eine Schwester stand",17 der Vaters- und Ahnherrenname des Ehemannes also offen- bar den ihres eigenen V7aters ersetze. Es sind aber m. W. keine weiteren Belege fiir eine solche Verfahrensweise in der neubabylonischen Urkundenpraxis nachweisbar. Au- Berdem ist die Urkunde Cyr 49 wie audi drei weitere, in denen Qudasu mit gleicher Filiation erscheint, zu einer Zeit ausgestellt worden, als Nabu-ahhe-iddin nicht mehr am Leben war und das Gewaltverhaltnis nicht mehr be- stand.18 Somil diirfte dieser Losungsvorschlag als unwahr- scheinlich ausscheiden. Eine ganzlich andere These vertritt M. Roth, indem sie Nabu-ahhe-iddin und Qudasu als Geschwister betrachtet, eine Geschwisterehe ausschlieBt und folglich das Mutter- Sohn-Verhaltnis von Qudasu und Itti-Marduk-balatu, das in Cyr 49 durch das Logogramm AMA ausgedriickt wird, in Zweifel zieht.19 Sie macht zu Recht darauf aufmerk- sam, daB man die Filiation in Rechtsurkunden dieser Zeit sorgfaltig angegeben hat, um Parteien und Zeugen zwei- felsfrei identifizieren zu konnen; dies kann aber nicht als Argument gegen Ungnads These dienen. Die Angabe des Vaters- und Ahnherrennamens erfolgt, um eine Person (in unserem Falle Qudasu) hinreichend zuverlassig von ande- ren Personen gleichen Namens zu unterscheiden (d.h. hier von anderen Frauen, die audi Qudasu heiBen). Gleichgul- tig, ob ihr Vater und der des Nabu-ahhe-iddin die gleiche Person sind oder nicht - wenn sie die Tochter eines Sulaja aus der Familie Egibi ist, dann ist ihre Filiation vollig korrekt angegeben. Den Zeitgenossen damals war es aber ebenso wie uns heute bewuBt, daB eine gleichlau- tende Filiation nicht notwendigerweise heiBen muB, daB die betreffenden Personen Geschwister sind. Wenn es bei Rechtsgeschaften darauf ankam, die Verwandtschafts- verhaltnisse zwischen den beteiligten Personen klarzu- stellen, so hat man die entsprecheiiden Termini wie "Bru- der", "Schwester", "Bruder des Vaters", "Ehegatte" usw. 16) Der Ehemami der Tochter Qibl-dumqI-ilat war Bel-udammiq (Dummuqu), Sohn eines Bel-ahhe-iddin. Der Sohn Nergal-etir war mit SQqa'itu, der Tochter des Itti-Nabu-balatu (so in Dar 265: 2 zu lesen, kollationiert) aus der Familie Egibi, verheiratet. ") S. Weingort, Das Haus Egibi, Berlin 1939, S. 9. 1S) Nbn 724, Cyr 123, Camb 118. Lediglich Nbn 12 stammt aus Lebzeiten Nabu-ahhe-iddins. 19) JAOS 111, S. 25: "We might, therefore, suggest that AMA ("mother") in this curious text refers not to Itti-Marduk-balatu's biological mother, but to a woman of the same generation as his mother who lived in his father's household. fQudasu, as an unmarried sister of Nabu-ahhe-iddin, would have lived in his household under his jurisdiction. She would not be, then, the mother of Itti-Marduk-balatu, but his father's sister.'" 36 Cornelia Wunsch hinzugefugt. Was jedoch die Urkunde Cyr 49 angeht, so war es dorl keineswegs notig oder beabsichtigt, Qudasus Verhaltnis zu dem in der Urkunde gar nicht genannten Nabu-ahhe-iddin zu definieren. DaB sie nicht die leibliche Schvvester ihres verstorbenen Ehemannes hatte sein kon- nen, verstand sich fur jeden AuBenstehenden von selbst. Indem sie den Begriff "Mutter" auf eine im gleichen Haushalt lebende Fran der gleichen Generation ausweitet, iiuBert M. Roth indirekt Zweifel an der Zuverlassigkeit von Verwandtschaftsbezeichnungen wie "Vater", "Bru- der", "Schwester" usvv. in Rechtsurkunden. Derartige Zweifel sind bei Briefen generell am Platze, da allgemein Hoherrangige als "Vater", Gleichrangige als "Bruder" angeredet werden, die Begriffe somit nicht wortlich ge- nommen werden konnen. Ein gleichartig freier Umgang mit Verwandtschaftstermini ist im Kontext der Rechts- urkunden jedoch nicht nachzuweisen und auch nicht zu erwarten.20 Dariiber hinaus bereitet M. Roths Annahme, Qudasu sei eine im Haushalt ihres Bruders (bzw. Neffen zur Zeit der Ausstellung von Cyr 49) lebende unverheiratete Schwe- ster Nabu-ahhe-iddins, noch eine weitere Schwierigkeit: In der von ihr ebenfalls besprochenen Urkunde Nbn 760 ist in Z. 16f. im Zusammenhang mit der Mitgift von Qibi- dumqi-ilat, einer Tochter des Nabu-ahhe-iddin, ein Ver- merk enthalten, wonach eine Qudasu (ohne Angabe der Filiation) dem Ehemann dieser Tochter (wohl als zusatz- liche Mitgift) mehrere Sklaven zugesagt habe. DaB es sich bei Qudasu urn eine Familienangehorige und urn die aus Cyr 49 bekannte Person handelt, ist von niemandem bezweifelt worden. Woher aber sollte eine unverheiratete Frau die Mittel haben, die Mitgift ihrer Nichte aufzustok- ken? Von einer ledigen, bei ihrer Familie lebenden Frau konnen wir uberhaupt nicht annehmen, dafi sie Sklaven besaC, iiber die sie nach eigenem Gutdiinken verliigen konnte. Einer Witwe dagegen stiinden neben ihrer eige- nen Mitgift moglichervveise Vermogenswerte durch eine Schenkung ihres Ehemannes oder eines Mitglieds ihrer eigenen Familie zur Verfiigung, aber als Begiinstigte sollten zunachst ihre eigenen Kinder vermutet werden. Es liegt daher wesentlich naher, der These Ungnads folgend, in Qudasu die leibliche Mutter von Itti-Marduk- balatu und QibT-dumqi-ilat und damit die Witwe Nabu- ahhe-iddins zu erblicken. Diese Annahme kann noch durch eine Passage in einer bisher unpublizierten Urkunde21 gestiitzt werden, in der 20) Untersuchungen zum Ehe- und Erbrecht z. B. wiirden ganz erheblich erschwert oder vollig fragwiirdig, gingen wir von der Annahme aus, die Verwandtschafisbezeichnungen seien nicht erast zu nehmen. Wo einander in EinzelFallen Urkunden wider- sprechen, sollte immer zuerst gepriift werden, ob nicht etwa Kopierfehler (wie DAM fiir NIN) oder echte Schreiberversehen vorliegen. -") BM 31959+32047 (76-1 1-17, 1686+1774, Join durch I.L. Finkel) mit Duplikat 41551 (81-6-25, 165). Die Publikation durch Verf. im Rahmen einer Studie zu den Grimdstiicksgeschaf- ten der Familie Egibi ist in Vorbereitung. Qudasu zwar nicht als Ehe frau des Nabu-ahhe-iddin, aber ausdriicklich als Mutter seiner Soline bezeichnet wird, und zwar im Zusammenhang mit einer Vermogensuber- tragung durch Nabu-ahhe-iddin an Qudasu. DaB die Mut- ter seiner legitimen und erbberechtigten Sonne gleichzei- tig Nabu-ahhe-iddins Ehefrau war, verstand sich fiir den Babylonier von damals von selbst und bedurfte keiner gesonderten Erwahnung. In der Urkunde wird berichtet, daB im 7. Jahr des Cambyses Itti-Marduk-balatu und sein Bruder Nergal-etir Sklaven und ein Feld miteinander geteilt haben, von denen es heiBt: (Z. 10) ^a-me-lut-tuA u iezera (11) sd ina mulj-hi nari es-su sd ^Nabu-ahlje^-iddin abu-su-nu ik- nu-uk-ma pa-ni sOu-da-su (12) um[mi]-[su-ntfl u-sad-gil- lu ii i[na li]b-bi is-tur-ru um-ma u4-mu ma-la (13) bal-fat- ta akale^3 ina lib-bi lak-kal!(LAK) u dr-ku a-na sim-luA tat-tal-ka (14) pa-ni maremet-su id-dag-gal "die Sklaven und das Feld (11) am Neuen Kanal, die Nabu-ahhe-iddin, ihr Vater, unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde der Qudasu, (12) ihrer Mutter, iibertragen und darin (d.h. in der betreffenden Urkunde) festgeschrieben hatte: "So- lange sie (13) lebt, soil sie NieBbrauch damn haben, und nachdem sie gestorben sein wird, (14) soli (alles) seinen/ ihren Sohnen gehoren." " Diese Zeilen sind der erste (und bisher einzige) Hinweis auf eine Vemiogensiibertragung des Nabu-ahhe-iddin zugunsten der Qudasu. Sie erhielt demnach das NieBbrauchsrecht an den Sklaven und dem Feld22 auf Lebenszeit, jedoch nicht das Verfugungsrecht, da ihre Sohne als Nacherben bestimmt sind. Da diese im 7. Jahr des Cambyses den NachlaB unter sich aufgeleilt haben, konnen wir schluBfolgern, daB Qudasu spatestens in diesem Jahr verstorben ist. Sie war demnach knapp zwanzig Jahre lang Witwe.23 Ihr altester Sohn Itti-Marduk-balatu hat sie nur um wenige Jahre iiberlebt.24 Die dritte Generation Die Tochter des Nabu-ahhe-iddin QibT-dumqi-ilat, die Tochter Nabu-ahhe-iddins, ken- nen wir nur dank zweier Urkunden, die ihre Mitgift betreffen und aus denen hervorgeht, daB sie seit spate- stens dem 14. Jahr Nabonids mit Bel-udanmuq, dem Sohn des Bel-ahhe-iddin aus der Familie Egibi, verheiratet war.25 2") Es handelt sich um Nabu-ahhe-iddins Anted an einem Grundstuck, das dieser im Akzessionsjahr Neriglissars gekauft hatte (5R 67, 1). In der Urkunde Cyr 123, einem tmittu- Verpflichtungsschein aus dem 3. Jahr des Cyrus, der dieses Grundstuck betrifft, erscheint folgerichtig Qudasu als Glaubige- rin, ebenso wie in Camb 118 aus dem 2. Jahr des Cambyses. ") Nabu-ahhe-iddin ist im Jahr 13 Nbn gestorben, vgl. Ungnad, AfO 14, S. 60 (D 1). Von einer Wiederverheiratung Qudasus ist nichts bekannt. 24) Er starb zu Beginn von Darius' Regierung, vgl. Ungnad, AfO 14, S. 61 (E 1). ") Zu ihrer Mitgift ausfiihrlich bei Roth, JAOS 111, S. 24f. Die Frauen der Faniilie Egibi 37 In der Urkunde BM 31333 (Nr. 1), ebenfalls aus der Zeit Nabonids stammend, erscheint eine andere Tochter des Nabu-ahhe-iddin als Glaubigerin. Als ihr Name ist Tasmetu angegeben, was zweifellos die Verkiirzung elites Satznamens darstellt.26 Sehr wahrscheinlich handelt es sich um dieselbe Frau, die als Tasmetu-damqat, Tochter des Nabu-ahhe-iddin, ohne Angabe des Ahnherrennamens in zwei weiteren Urkunden erscheint: Nbn 807 und 830 aus dem 14. bzw. 15. Jahr Nabonids.27 Im Falle von Nbn 830 erscheint audi Itti-Marduk-balatu als Partei und agiert zusammen mil Tasmetu-damqat. Leider stehen die dokumentierten Geschaftsvorgange, die jeweils bedeutende Vermogenswerte zum Gegenstand haben, dadurch, daB sie nicht mit anderen Urkunden in Verbindung gebracht vverden konnen, isoliert da, und uns fehlen jegliche Hintergrundinformationen. In BM 31333 (Nr. 1) erscheint Tasmetu-damqat als Glaubigerin von 20 Sekel Silber; der Schuldbetrag ist zum iiblichen Zinssatz von 20 % zu verzinsen, und er ist durch ein Sklavenpfand gesichert. Um einen ahnlich hohen oder hoheren Betrag geht es in Nbn 830. Hier wird offensichtlich eine Forde- rung der Tasmetu-damqat beglichen, indem Itti-Marduk- balatii den Betrag im Auftrag der Schuldnerin an Tasmetu- damqat auszahlt und das Pfandobjekt, das zur Sicherung der Forderung gedient hatte, zuriickgibt. Aus Nbn 807 erfahren wir, daB Tasmetu-damqat beabsichtigt, eine Skla- vin zu kaufen. Mit einem Teil des Kaufpreises soli ihre Forderung iiber 4 Sekel Silber gegeniiber dem Bruder der Verkauferin beglichen werden. Der Betrag ware zu ver- zinsen, kame der Kauf nicht zustande. Diese wenigen Fakten geben keiue Auskunft iiber den Lebensweg der Tasmetu-damqat, es wird jedoch deutlich, daB sie eine Frau aus wohlhabenden Verhaltnissen war, die aktiv in ihrem eigenen Namen Geschafte betrieb, ohne dazu der ausdriicklichen Zustimmung eines Ehe- mannes oder anderen Familicnangehorigen zu bediirfen.28 Nuptaja, die Ehefrau des Itti-Marduk-balatu Nuptaja, die Ehefrau des Itti-Marduk-balatu, war die Tochter des vermogenden Geschaftsmannes Iddin-Marduk aus der Familie Nur-Sin.29 Die Heirat, die fur beide 2t>) Die Verkiirzung eines Satznamens auf das theophore Element ist selten, aber bezeugt, vgl. J.J. Stamm, Die akkaciische Namengebung (= MVAeG 44), Berlin 1939, S. 117. ") Transliteration und Ubersetzung beider Urkunden im An- hang. 2S) Ein Ehemann der Tasmetu-damqat wird zwar in keiner der Urkunden erwalmt, dies erlaubt aber nicht den RiickschluB, sie sei nicht (mehr) verheiratet (vgl. dazu das Beispiel der Ina- Esagila-ramat//Nabaja, dargestellt in CM 3a, S. 68 mit Anm. 260f.). 29) Zu den Geschaften des Iddin-Marduk vgl. L. Sniff, The Nur-Sin Archive. Private Entrepreneur-ship in Babylon (603-507 B.C.). (Ph.D. Diss., University of Pennsylvania, 1987) und Verf, CM 3. Familien groBe geschaftliche Vorteile brachte,30 ist um das Jahr 5 Nbn angebahnt worden. Die Mitgift der Nuptaja war sehr bedeuteud und umfaBte neben 24 Minen Silber audi mehrere Sklaven sowie Hausrat.31 Das Silber wurde in Etappen bis zum Jahre 13 Nbn an Nabu-ahhe-iddin, den Schwiegervater der Nuptaja, ausgezahlt.32 Noch vor Ablauf eines Jahres ist Nabu-ahhe-iddin verstorben, und sein altester Sohn Itti-Marduk-balatu ubernahm die Lei- tung der Familiengeschafte. Nur etwa vier Jahre spater stellte dieser eine Urkunde aus, kraft derer er seiner Ehefrau Nuptaja fiir den Fall seines Todes sein gesamtes Vermogen uberschrieb.33 Um diesen auBergewohnlichen Vorgang angemessen beurteilen zu konnen, sei der Vertragstext hier zitiert (Filiationen sind der Ubersichtlichkeit halber weggelas- sen) und besprochen: (Z. 1-6) Itti-Marduk-balatu hat aus freiem EntschluB sein Vermogen in Stadt und Land, soviel vorhanden ist, unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde an Nuptaja, seine Ehefrau, iibertragen. (Z. 6a-8) Solange Marduk- nasir-apli, sein Sohn, am Leben ist, hat er NieBbrauch am Vermogen mit Nuptaja. (Z. 8a-13) 2 Kur Anbauflache (und) 5 Sklaven [wird er]w mit Tasmetu-tabni an Itti— Nabu-balatu (als Mitgift) [ge]ben. 1 Kur Anbauflache (und) 3 Sklaven [wird er] mit Esagila-bdet, seiner Toch- ter, [mitgeben]. (Z. 13a-15) Nuptaja, Marduk-nasir-apli, Tasmetu-tabni und Esagila-belet werden den NachlaB gemeinsam an sich nehmen. (Z. 16) Solange Itti-Marduk- balatu lebt, steht das Vermogen zu seiner Verfiigung. Zunachst folgt die Urkunde dem gangigen Formular einer Vermogensiibertragung,35 jedoch behalt sich mit dem entscheidenden Zusatz in Z. 16, ki Itti-Marduk- balatu balfu nikkassasu ina pamsu, Itti-Marduk-balatu das Verfugungs- und Nutzungsrecht auf Lebzeiten vor. Damit enthalt die Urkunde (die im ubrigen von Itti-Marduk- balatu eigenhandig geschrieben wurde) jene Elemente, die fiir ein Testament charakteristisch sind, freilich ohne daB die Urkunde explizit als solches bezeiclmet wird.36 Vermogensubertragungen auf den Todesfall zugunsten der Ehefrau sind in neubabylonischen Urkunden des ofte- 30) Ausfiihrlicher dazu CM 3a, S. 8If. 31) Die Mitgift der Nuptaja ist von M. Roth in JAOS 111, S. 21-24, sowie in CM 3a, S. 78f, behandelt worden. 32) Die Quittung iiber die vollstiindige Zahlung liegt als CM 3 Nr. 209 (vom 25.1.13 Nbn) vor. Sklaven und Hausrat waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht iibergeben worden, wie aus einem Vermerk in der gleichen Urkunde hervorgeht. ") CM 3 Nr. 260 (BM 31698 mit Duplikat BM 31693). **) Vom Verb ist nur -na~\mJ'din1 erhalten, es liiBt sich daher nicht sicher entscheiden, ob Itti-Marduk-balatu oder Nuptaja gemeint ist. 35) PN, ina hud libbisu (Objekt) iknuhna pani PN, usadgil. Die Klausel ana time sdti "auf ewige Zeiten" und Fluchformeln fehlen in der Urkunde, was als Zeichen dafiir gewertet werden kann, daB die Vermogensiibertragung als nicht unwiderruflich angesehen wurde. 36) Der Terminus fuppi simti als Bezeichnung fiir ein Testa- ment ist nur aus Nuzi-Urkunden bekannt. 38 Cornelia Wunsch ren bezeugt.37 Angesichts der Tatsache, daB die Ehefrau (wie audi die Tochter) keinen Erbanspruch hatte, dienten sie vor a Hem dazu, den Unterhalt der Witwe zu sichem. Es muB aus diesem Grunde zunachst verwundern, daB der Gegenstand unserer Urkunde nicht etwa nur ein Haus- oder Feldgrundstiick ist, durch dessen Vermietung oder Verpachtung die Witwe regelmaBige Einkiinfte beziehen konnte und ein Auskommen hatte, ohne auf Zuwendun- gen dnrch andere - seien es ihre Kinder, die Verwandten ihres Mannes oder ihre eigene Familie - angewiesen zn sein. Eine derartige Regelung wnrde z. B. eine Genera- tion fruher getroffen, als Nabu-ahhe-iddin, wie bereits erwahnt, seiner Frau Qudasu Sklaven nnd ein Feld- und Gartengrundstiick iibertrug und ihr das Nutzungsrecht auf Lebzeiten garantierte. Was also mag Itti-Marduk-balatu bewogen haben, sein gesamtes Vermogen seiner Ehefrau zu iiberschreiben? Es liegt nahe, eine besondere familiare Situation als AnlaB fiir die Ausfertigung unseres Testamentes zu ver- muten. Das Datum der Urkunde ist der 12.10. des Jahres sanat (MU.AN.NA) Kuras sar matate "Jahr: Cyrus (ist) Konig der Lander", wie in beiden Exemplaren angegeben ist. Diese Formulierung ist ungewohnhch, aber es gibt m. E. keinen Zweifel, daB das Akzessionsjahr {sanat res sarruti) Cyrus' gemeint ist.38 Die Urkunde ist demnach nur kurze Zeit nach der Machtubernahme der Achameniden in Babylonien ausgestellt worden. Bald darauf muB Itti- Marduk-balatu Babylon verlassen haben, denn bis Mitte des 2. Jahres von Cyrus' Regierung liegen keine Geschafts- urkunden aus Babylon vor, sondem vielmehr Verpflich- tungsscheine, die in verschiedenen anderen Orten zu sei- nen Lasten ausgestellt wurden.39 Uber den AnlaB fiir seine Abwesenheit kann nur spekuliert werden. DaB Reisen strapazios und gefahrvoll war, steht auBer Zweifel; Itti- Marduk-balatu muB daher (und vielleicht noch aus ande- ren, mis nicht bekannten Griinden) mit der Moglichkeit seines Todes gerechnet haben. Itti-Marduk-balatu hatte als altester der drei Soline Nabu-ahhe-iddins die Familiengeschafte nach dem Tod seines Vaters weitergefuhrt, ohne daB eine Erbteilung stattgefunden hatte. Wir haben vielmehr Grund zu der Annahme, er habe sich zu Beginn der Regierung von Cyrus noch in ungeteilter Erbengemeinschaft mit seinen Brudern befunden.40 Sein bis dahin einziger Sohn Marduk- ") Vgl. die von M. Roth, JCS 43-45, S. 8-14, zusammenge- stellten Beispiele. 3S) DaB es sich um das erste Jahr handelt, ist unwahrschein- lich, man wiirde MU.l.KAM erwarten; in spateren Jahren erst recht die voile Datenformel. Itti-Marduk-balatu hatte zwar eine Schreiberausbildung erhalten und erschemt gelegentlich als Schrei- ber von Urkunden (vgl. die Belege bei Tallqvist, Neu- babylonisches Namenbuch, s.v.), eine Kamere als Gerichtsschrei- ber und Richter wie sein Vater hat er jedoch nicht verfolgt. Es sollte daher nicht verwundern, daB ihm die neue Datenformel noch nicht geliiufig war. 39) Vgl. CM 3a, S. 80 mit Anm. 306. 40) Erst drei Jahre spater wurden laut Cyr 129//130 die 24 Minen Silber, die Bestandteil der Mitgift der Nuptaja gewesen nasir-apli war noch zu jung, um die Geschafte im Falle seines Todes iibemehmen zu konnen.4' Vor diesem Hin- tergrund ist die Formulierung in Z. 6-8 des Testamentes zu verstehen, die Marduk-nasir-apli und seiner Mutter den gemeinsamen NieBbrauch am Vermogen einraumt. Damit erhalt Nuptaja eine rechtliche Handhabe, um im Falle eines Falles im Interesse ihrer Kinder (und in ihrem eigenen selbstverstandlich) in die Familiengeschafte ein- greifen zu konnen. Ohne dieses Testament ware es der altere von Itti- Marduk-balatus Briidern gewesen, der die Leitung der Geschafte iibernommen hatte, zumindest solange bis Marduk-nasir-apli seine eigenen Interessen hatte wahr- nehmen konnen. Itti-Marduk-balatu scheint jedoch nicht sehr viel Vertrauen in die geschaftlichen Fahigkeiten und die Redlichkeit seiner Briider gesetzt zu haben.42 Es stand zu befurchten, daB diese versucht hatten, den Anteil Marduk-nasir-aplis zu schmalern. Ware auch Marduk- nasir-apli gestorben, dann hatte Nuptaja lediglich auf die Herausgabe Hirer Mitgift Anspruch gehabt, aber keinerlei Rechte am Vermogensanteil ihres Mamies. Das Testament zielt demnach eindeutig darauf ab, im Falle von Itti-Marduk-balatus Tod seine Briider daran zu hindern, das Familienerbe ungeteilt zu iibernehmen.43 Es bleibt die Frage, ob Nuptaja in der Lage gewesen ware, die Geschafte zu fiihren, solange ihr Sohn zu jung sind und von Nabu-ahhe-iddin in sein Geschaft investiert worden waren, aus dem gemeinsamen Erbe ausgegliedert, indeni der Geldbetrag durch gleichwertige Grundstiicke kompensiert und diese an Itti-Marduk-balatu ubereignet wurden. Damit wurde sehr wahrscheinlich die Erbteilung eingeleitet, iiber die uns leider keine Urkunde erhalten ist. Es sei darauf verwiesen, daB eine Generation spater laut Dor 379 die Erbteilung nach Itti- Marduk-balatu ebenfalls mit der Herauslosung der Mitgiften seiner Schwiegertdchter aus dem Gemeinschaftsvermogen ein- hergeht. 41) Marduk-nasir-aplis Geburtsdatum ist zwar nicht bekannt, da aber die Ehe seiner Eltem etwa um das Jahr 5 Nbn angebahnt worden war und er erst knapp zwanzig Jahre nach Ausfertigung des Testaments, zu Beginn von Darius' Regierung, geheiratet hat, diirfen wir annehmen, daB er damals noch ein Kind war. n) Die wenigen Urkunden, die z. B. iiber Iddin-Nabu Aus- kunft geben, veranlassen Ungnad, ihn in AfO 14, S. 62, als "bete noire" der Familie zu charakterisieren. Erinnert sei an den heim- lichen Verkauf von Itti-Marduk-balatus Sklavin, den er im Jahr 3 Camb arrangiert hat (Liv 19 mit unpubliziertem Duplikat BM 31410). Ebenfalls aus der Regierungszeit Cambyses' stammt die unpublizierte Urkunde BM 31334, laut der Iddin-Nabu ein Hans verpfanden muB und der Glaubiger sich Itti-Marduk-balatu ge- geniiber verpflichtet, kein weiteres Silber an Iddin-Nabu ohne Wissen seines Bruders auszuzahlen. 4J) Bemerkenswert ist noch ein weiteres Detail: Die beiden im Testament genannten Zeugen sind nicht aus anderen Egibi- Texten bekannt. Man hatte Itti-Marduk-balatus Briider als mittel- bar Betroffene, die aus dem Testament keine Anspriiche erlang- ten, als Zeugen hinzuziehen konnen, schon um einer Anfechtung des Testamentes vorzubeugen. Vielleicht haben sie sich gewei- gert, um spater einen Rechtsstreit anstrengen zu konnen, oder das Testament wurde ohne ihr Wissen mehr oder weniger heimlich oder in Eile ausgestellt. Die Frauen der Familie Egibi 39 dazu war. Prinzipiell waren Frauen in neubabylonischer Zeit geschaftsfahig, so daB dem keine juristischen Hin- demisse im Wege standen. Insbesondere Nuptajas Mutter, Ina-Esagila-ramat, ist eine gutes Beispiel fur eine ge- schaftstuchtige Babylonierin.44 Nuptaja erscheint demge- geniiber selten als aktive Partei in Urkunden. Hinter ihr stand aber die Person ihres Vaters Iddin-Marduk. Dieser reiche Geschaftsmann, der innerhalb von drei Jahrzehnten vor allem durch den Handel nut Naturalien im Gebiet um Babylon ein betrachtliches Vermogen erwerben konnte, hatte seiner Tochter nicht nur eine sehr stattliche Mitgift zukommen lassen, sondern ihr dariiber hinaus, wohi be- reits bei ihrer EheschlieBung und als Bestandteil des Ehevertrags, audi ein Drittel seines Vermogens zuge- sagt.45 Damit stand ihr also faktisch ein in seiner Hohe nicht definierter Erbanspruch zu einem Drittel neben Iddin-Marduks einzigem46 Sohn Marduk-remanni zu. Die- ser Erbanspruch scheint vor allem dadurch realisiert wor- den zu sein, daB Itti-Marduk-balatu bereits zu Lebzeiten seines Schwiegervaters nach und nach Zugang zu einem wichtigen Bereich von dessen Geschaften erhielt, namlich zu dem Handel mit Naturalien (Gerste, Datteln und Zwie- beln), der im Gebiet um Sahrihu am Borsippakanal zen- tralisiert war. Bei einer soldi engen Verflechtung der Geschafte und angesichts der Werte, die durch die Ver- bindung mit Iddin-Marduk in das Vermogen der Egibis geflossen waren, war das Testament auch fur Iddin- Marduk von groBer Wichtigkeit, denn sonst ware auch seine wirtschaftliche Position beim Tode Itti-Marduk- balatus gefahrdet bzw. von Verlusten bedroht gewesen. Die Ubertragung von dessen Anteil an Nuptaja hatte es ihm erlaubt, in die Familiengeschafte der Egibis einzu- greifen und vielleicht sogar liir kurze Zeit die Regie zu ubernehmen, bis das Erbe Nabu-ahhe-iddins geteilt wor- den ware. 44) Zu den Geschaften der Ina-Esagila-ramat vgl. das ihr gewidmete Kapitel in CM 3a, S. 66-72. 45) Weder ein Ehevertrag noch die Urkunde iiber die Mitgift- bestellnng sind iiberliefert. Die Regelnng ist uns nur bekannt, weil zwei Urkunden, in denen es um Mitgiftsilber geht, eine entsprechende elat-Klausel enthalten: BM 33114 (CM 3 Nr. 137; Roth, JAOS 111, S. 21 Anm. 4), Z. 8-12: elat 10 amelutu u ude biti sa ina pan Iddin-Marduk salsu ina nikkassi sa Iddin-Marduk elat nudunnesu Iddin-Marduk iknukuma itti Nuptaja martisu ana Itti-Marduk-balatu iddinu "Abgesehen von 10 Sklaven und Haus- rat, die sich bei Iddin-Marduk befmden, (und) einem Drittel vom Vermogen des Iddin-Marduk, (das), abgesehen von ihrer Mitgift, Iddin-Marduk unter Ausstellung einer gesiegelteii Urkunde mit Nuptaja, seiner Tochter, an Itti-Marduk-balatu mitgegeben hat." CM 3 Nr. 209, Z. 8-10: elat u'ilti sa salsu zitti sa Nuptaja martisu sa ina nikkassi sa Iddin-Marduk "Abgesehen von einer Urkunde iiber einen Drittelanteil der Nuptaja, seiner Tochter, den (sie) am Vermogen des Iddin-Marduk (hat)." Da die Urkunden bereits aus dem 5. bzw. 13. Jahr Nabonids stammen, konnen wir annehmen, daB Mitgiftbestellung und Erbvertrag gekoppelt wa- ren. 46) Ein zweiter Sohn, Marduk-u§allim, existiert nicht, vgl. CM 3a, S. 77 mit Anm. 294. In Z. 8-13 des Testaments finden sich auch Festlegun- gen zu den Mitgiften der Tochter, auf die weiter unten nalier eingegangen werden soil. Die drei Kinder Nuptajas und Itti-Marduk-balatus, die im Testament erwahnt und bedacht werden, blieben nicht die einzigen. Innerhalb der nachsten neun lahre47 erblick- ten drei weitere Kinder das Licht der Welt, zwei Sonne und eine Tochter. Damit diirfte ein weiteres familien- oder besser forschungsgeschichtliches Problem gelost sein. Itti-Marduk-balatus drei Sonne erscheinen in Urkunden gelegentlich unter einem Kurz- bzw. Spitznamen48 und bezeichnen sich dann (aber nicht nur dami) als Sohne eines gewissen Iddinaja. Weingort hat dies als Kurz- namen oder Pseudonym fur Itti-Marduk-balfitu aufge- faBt,49 woraufhin ihm Ungnad heftig widersprochen hat.50 Er betrachtete Iddinaja als Kurzform fiir Iddin-Nabu, den Namen von Itti-Marduk-balatus Bruder. Darauf gjriindet sich seine Theorie, die drei Kinder seien keine leiblichen Sohne von Itti-Marduk-balatu (und Nuptaja), sondem viel- mehr die Kinder seines Bruders Iddin-Nabu, die er man- gels eigener mannlicher Nachkommen adoptiert habe. Das Problem blieb lange unentschieden. Unser Testament liefert keinen Anlialtspunkt fiir eine Adoption, wohl aber mehr Gegenargumente, da eine Adoption von drei Kin- dern in Etappen sehr unwahrscheinlich ist.51 Die These Weingorts diirfte damit weiter fundiert sein. Itti-Marduk-balatus Testament ist nie zur Anwendung gekommen, da er seine Frau iiberlebt hat. Nuptaja ist gegen Ende von Cyrus' Regierungszeit gestorben,52 was der unmittelbare AnlaB fiir die Ausstellung eines weiteren Testaments gewesen sein diirfte, jedoch diesmal nicht durch Itti-Marduk-balatu, sondern durch Nuptajas Vater Iddin-Marduk." Der Tod der Nuptaja noch zu Lebzeiten ihres Vaters erforderte eine neue, eindeutige Regelung 47) Alle sechs Kinder werden in BM 32205 (Nr. 2) aus dem Jahre 0 Camb aufgefiihrt (vgl. dazu im folgenden). Wir haben dadurch einen Anlialtspunkt, um das Alter der Kinder zu bestim- men - einer der wenigen Falle, in denen dies wenigstens anna- herungsweise moglich ist. 4S) Marduk-nasir-apli als Sirku, Nabu-ahhe-bullit als Liblut, Nergal-uSezib als Pursu. 4») Weingort, Das Haus Egibi, S. 15f. 50) AfO 14, S. 62. 51) Vgl. CM 3a, S. 82f., Anm. 311. 52) Die letzte datierbare Urkunde, in der sie als aktive Partei erscheint, ist CM 3 Nr. 304 aus dem Jahre 6 Cyr. n) BM 32205+41542+41561+41600+41720+ 48890 (Nr. 2). Von dieser Urkunde war mir, als ich die Geschafte des Iddin- Marduk untersuchte, leider nur das Fragment BM 32205, ein Bruchstuck der Riickseite, bekannt. Da dort nur eine Ina-Esagila- ramat ohne Filiation, ein Marduk-nasir-[...] und ein Nergal- usallim statt des zu erwartenden Nergal-usezib genannt sind, erschien eine Identifizierung mit den Egibis zu gewagt, zumal vom Vertragstext fast nichts erhalten war. Es ist daher nicht in CM 3 aufgenommen worden. Erst als ich die Moglichkeit hatte, die hohen Nummern der Babylon-Sammlung durchzusehen, fie- len mir die von I.L. Finkel gejointen Fragmente mit Nummern zwischen BM 41542 und 48890 in die Hande und der Zusam- menhang mit BM 32205 war offensichtlich. 40 Cornelia Wunsch iiber jenen Driltelanteil am vaterlichen Vermogen, den Iddin-Marduk seiner Tochter vertraglich zugesichert hat- te. Es gait, die Anspriiche ihrer Kinder und damit der Familie Egibi abzusichern. Das Testament des Iddin-Marduk wurde im Akzessions- jahr Cambyses' ausgestellt. Die uns erhaltene Tafel ist groBformatig, sorgfaltig gefonnt und beschrieben, jedoch nicht gesiegelt (s. Foto). Als Ausstellungsort ist das UraiStor von Babylon angegeben, was ihren offiziellen Charakter unterstreicht. Die Urkunde beginnl in Z. 1-10 mit einer Verfugung Iddin-Marduks zugunsten seiner Ehefrau Ina-Esagila- ramat. Sie soil das Wohnhaus und 15 Sklaven erhalten, darunter Madanu-bela-usur und Nabu-ajjalu, die als ge- schaftsfiihrende Elitesklaven fiir Iddin-Marduk und sei- uen Schwiegersolm arbeiteten und daher von groBer Be- deutung fur die Familie waren. Von besonderer Wichtig- keit ist ein Vermerk in Z. 9f., der in Z. 35f. noch einmal wiederholt wird, wonach Ina-Esagila-ramat das uneinge- schrankte Verfiigungsrecht iiber Haus und Sklaven erhalt, oder, wie es in der Urkunde formuliert ist: Sie kann Haus und Sklaven geben, wohin sie will.54 Wahrend einige der Sklaven iiber 20 Jahre spater in der groBen Egibi- Erbteilungsurkunde Dar 379 als Eigentum von Ina-Esagila- ramats Enkeln erwahnt werden, lafit sich nicht ermitteln, wer das Wohnhaus nach Ina-Esagila-ramats Tod (oder schon zu ihren Lebzeiten?) erhalten hat. Iddin-Marduk hat seiner Ehefrau aber wohl nicht nur das Verfiigungsrecht iiber die erwahnten Sklaven und das Haus eingeraumt, sondern dariiber hinaus offenbar auch den NieBbrauch an seinem sonstigen Vermogen auf Le- benszeit. Die entsprechende Passage (Z. 29f.) ist zwar beschadigt, die nachfolgende Klausel liefert aber eine indirekte Bestatigung unserer Annahme. In ihr wird fest- gelegt, daB Iddin-Marduks drei Enkelsohne Marduk-nasir- apli, Nabu-ahhe-bullit und Nergal-usezib (die Sohne sei- ner Tochter Nuptaja) alles, was ihnen ihr GroBvater be- stimmt hat, erst nach ihrem (d. h. Ina-Esagila-ramats) Tod ubernehmen sollen. Das den Enkeln vorbehaltene Vermogen wird in Z. 10-14 naher beschrieben. Es handelt sich zunachst um eine Forderung ihres GroBvaters iiber 40 Milieu Silber zu Lasten ihres Vaters sowie um seine iibrigen Sklaven und sein gesamtes iibriges Vermogen - reljet amelutisu u nikkassisu sa all u seri mala basu "den Rest seiner Sklaven und seines Vermogens in Stadt und Land, soviel vorhanden ist." AuBerdem legt Iddin-Marduk in Z. 17-26 fest, daB von diesem Vermogen insgesamt 40 Minen fiir die drei Enkelinnen Tasmetu-tabni, Ina-Esagila-belet und Nanaja-etirat bestinunt sind - ein Betrag, dessen Grofien- ordnung sich mit der eingangs erwahnten Forderung ge- M) In JCS 43-45, S. 10, fiihrt M. Roth den Fall der Misatu als das einzige bisher bekannte Beispiel an, wouach eine Witwe ausdriicklich das Verfiigungsrecht iiber ihr Wohnhaus erhalt. Verniogensiibertragungen zugunsten der Ehefrau sind sonst in der Regel auf den NieBbrauch am Vermogensobjekt beschrankt und setzen die Kinder bzw. nur die Sohne als Nacherben ein. gen Itti-Marduk-balatu deckt. Wir konnen daher voraus- setzen, daB Iddin-Marduks restliches Vermogen minde- stens noch einmal so viel wert ist, vermutlich wesentlich mehr. Forderungen als Gegenstand von Vermogensiibertra- gungen sind durchaus nicht ungewohnlich,55 das Besonde- re im vorliegenden Fall ist, daB die Begiinstigten zugleich die zukiinftigen Erben des Schuldners sind. Im Grunde bewirkt diese Regelung, daB der Betrag von 40 Minen Silber, der bereits in die Geschafte der Egibis geflossen ist und iiber den ein Verpflichtungsschein zu Lasten Itti- Marduk-balatus ausgestellt wurde, von dessen Sohnen nach dem Tode des GroBvaters nicht zuriickgezahlt wer- den muB. Eine Verzinsung und Riickzahlung war offen- sichtlich gar nicht beabsichtigt, wir haben vielmehr Grund zu der Annahme, bei diesem Vermogenstransfer, der de facto bereits stattgefunden hat, habe es sich um eine Vorabzahlung eines Teils von Nuptajas Erbe gehandelt (in einer Grofienordnung, die den Wert der Mitgift bei weitem iibersteigt). Dies erklart allerdings auch, warum iiber den Betrag ein Verpflichtungsschein ausgestellt wurde, obwohl an eine Riickzahlung nicht gedacht war: Itti-Marduk-balatu als Nuptajas Ehemann halte keinen Rechtsanspruch auf ihr Erbe. Die bisherige Argumentation ging da von aus, daB Nuptaja (und damit ihren Kindern als ihren Erben) ein Drittelanteil am Vermogen des Iddin-Marduk zustand, wie dies aus <?/<3r-Vermerken in zwei Urkunden zu erfah- ren ist.56 Fiir wen die anderen zwei Drittel bestimmt waren, ist aus diesen Dokumeuten nicht zu erfahren; wir haben aber stillschweigend vorausgesetzt, daB es sein Sohn Marduk-remanni war. Zwei Details in Iddin-Marduks Testament sind jedoch aufiallig: Marduk-remanni wird mit keiner Silbe erwahnt und erscheint auch nicht als Zeuge, und Nuptajas Nachkonunen sollen neben den be- reits erwahnten 40 Minen Silber den Rest seiner Sklaven und des gesamten Vermogens erhalten; von einem Drittel- anteil ist nicht die Rede. Dies fiihrt zwangslaufig zu der Frage, warum Marduk-remanni im Testament nicht ge- nannt wird, ob er, als es ausgestellt wurde, noch am Leben war und ob - falls er gestorben sein sollte - die Egibis moglicherweise alles geerbt haben konnten. Zunachst muB festgehalten werden, daB Marduk- remanni als Iddin-Marduks Sohn nach geltendem Recht unbestritten dessen Erbe war; als einziger Sohn sogar alleiniger Erbe, solange keine anderen Verfiigungen ge- troffen wurden. Mit dem Testament sollen die Anspriiche derer legitimiert werden, die nicht automatisch erbberech- tigt waren, d. h. die Anspriiche von Iddin-Marduks Ehe- frau und den Kindem seiner Tochter. Die Ausstellung der Urkunde liegt demnach in deren Interesse, wahrend Marduk-remanni durch sie keine Rechte geltend machen kann, sondern nur indirekt durch die Reduzierung seines ") Vgl. z.B. VAS 5, 146 (= NRV 11) und den einleitenden Kommentar von San Nicolo und Ungnad in NRV. S6) Siehe Anm. 45. Die Frauen der Fami lie Egibi 41 Anleils betroffen ist. Seine Anwesenheit als Zeuge ware zwar eine zusatzliche Absicherung gegen Klagen von seiner Seite, unbedingt erforderlich ist sie jedoch nicht. Allein ans der Nichterwahnung Marduk-remannis kann demnach nichl gesclilossen werden, er sei gestorben. Es ist schvvierig, aus den iiberlieferten Urkunden et- was iiber die Lebensdaten Marduk-remannis in Erfahrung zu bringen. Er erscheint sehr selten in Urkunden des Egibi-Archivs, in der Regel nur, wenn er als Stellvertreter seines Vaters oder im Zusammenhang nut dessen Ge- schaften agiert.57 Sie stammen aus der Zeit des Nabonid und Cyrus, es gibt aber immerhin eine datierbare Urkun- de, in der er genannt wird und die j linger ist als Iddin- Marduks Testament: Dar 56 aus dem 2. Jahre Darius'.58 Wenn Marduk-remanni bei Ausstellung des Testamen- tes noch am Leben war, dann haben wir wenig Grund anzunehmen, daB die Egibis das gesamte Vermogen des Iddin-Marduk geerbt haben. Gegen diese These hatte ich bereits in CM 3a, S. 7-11, argumentiert und halte diese Argumente nach wie vor aufrecht. Die Urkunden des Iddin-Marduk, die innerhalb des Egibi-Archivs auf uns gekommen sind, dokumentieren nur bestimmte Geschafte, die einen Bezug zu denen der Egibis haben. Wahrend wir iiber seinen Handel mit Naturalien im Gebiet um Babylon gut informiert sind, haben wir z. B. das vollige Fehlen von Grundstuckskaufvertragen zu verzeiclmen.59 In ande- ren Privatarchiven aus dieser Zeit ist der Stellenwert von Haus-, Garten- und Feldgrundstiicken als sichere und produktive Kapitalanlage sowie als Prestigeobjekt deut- lich zu erkennen, und auch die Familie Egibi hat insbe- sondere in der Generation des Nabu-ahhe-iddin umfang- reichen Grundbesitz erworben. Das Fehlen diesbeziigli- cher Texle des Iddin-Marduk kann daher nicht zufallig sein; wir miissen vielmehr aunehmen, daB sie deshalb nicht in das Archiv der Familie Egibi gelangt sind, weil die Egibis keine Erben dieser Vermogensobjekte waren. ") Vgl. CM 3a, S. 77F. 5S) Marduk-remanni zahlt im Auftrag seines Vaters 5 Sekel Silber fiir f/r<2if/-Verpflichtungen. Auch der Empfanger handelt im Auftrag seines eigenen Vaters, der in anderen Urkunden aus der Zeit zwischen dem 1. und 5. Jahr des Cyrus in gleichem Kontext erscheint (vgl. die im Kommentar zu Dar 56 in CM 3b zu Nr. 349 aufgefiihrten Belege). Angesichts des Fehlens jegli- cher Urkunden aus der Zeit des Cambyses, die Marduk-remanni erwahnen, und im Lichte von Iddin-Marduks Testament erschien mir eine erneute Kollation des Datums von Dar 56 angebracht. Die Urkunde ist sehr schlecht gesclirieben, aber dennoch scheint mir der Konigsname Darius - jedenfalls wohl kaum Cyrus - zu sein. Linker Rand: /?: fdanach sind keine Zeichen mehr zu erkennen]; zu lesen mDa-ri-su oder vielleicht -us, wie von StraBmaier kopiert. 59) Dieses argumentum ex silentio wiegt jetzt noch schwerer, nachdem ich Gelegenheit hatte, die unpublizierten Texle der Babylon-Sammlung des Britischen Museums durchzusehen und mein besonderes Augenmerk auf Grundstiickskaufe gerichtet hatte. Nicht ein einziger Kauf durch Iddin-Marduk ist bisher zu meiner Kenntnis gelangt. Die vierte Generation Die Tochter des Itti-Marduk-balatu Die beiden alteren Tochter Itti-Marduk-balatus werden erstmalig im Akzessionsjahr Cyrus' in seinem Testament erwahnt, wo Regelungen iiber ihre Mitgiften getroffen werden. Interessant ist dabei, daB die alteste, Tasmetu- labni, etwa doppelt so viel erhalten soli wie ihre jiingere Schwester Ina-Esagila-belet: 5 Sklaven und 2 Kur Feld gegeuiiber 3 Sklaven und 1 Kur Feld. Dies entspricht der Verfahrensweise bei der Erbteilung der Sonne, wo eben- falls der alteste einen Vorzugsanteil erhalt. Auch ein Brautigam ist fur Tasmetu-tabni, die damals hochstens zwolf Jahre alt gewesen sein kann, schon beslimmt: Itti- Nabu-balatu, Sohn des Marduk-bani-zeri aus der Familie Bel-etir, ein Geschaftsfreund ihres Vaters.60 Tatsachlich wird drei Jahre spater zwischen den beiden genannten Mannern der Mitgiftvertrag geschlossen,61 allerdings mit einer Modifizierung: Das Feldgrundstiick von 2 Kur wird durch 10 Minen Silber ersetzt. Wahrend der Regierungszeit des Cyrus wurde noch eine dritte Tochter geboren, die in dem bereits erwahnten Testament Iddin-Marduks (Nr. 2) aus dem Akzessionsjahr Cambyses' erstmalig erwahnt und Etirtu genannt wird, wahrend sie in anderen Urkunden mit dem vollen Namen Nanaja-etirat erscheint. Alle drei Madchen - Tasmetu- tabni, Ina-Esagila-belet und Nanaja-etirat - werden im Testament von ihrem GroBvater bedacht. In Z. 17-26 wird festgehalten, daB insgesamt 40 Minen Silber von dem Vermogen, das die Enkelsohne erben sollen, fiir ihre Schwestern bestimmt sind. Die alteste und die jiingste sollen jeweils 10 Minen Silber erhalten, wahrend fiir die mittlere, Ina-Esagila-belet, das Doppelte vorgesehen ist. Ein Grund fiir diese Bevorzugung ist weder angegeben noch aus anderen Urkunden zu erschlieBen. Es wird jedoch ausdrucklich festgehalten, daB dieses Silber kein Bestandteil der Mitgiften ist, die Itti-Marduk-balatu sei- nen Tochtern bestellt hat bzw. noch bestellen wird.62 Drei Jahre nach Ausstellung von Iddin-Marduks Te- stament, im 3. Jahre Cambyses', wurden drei Urkunden ausgefertigt, in denen es um die Mitgiften von Itti-Marduk- balatus Tochtern geht. In der Urkunde Camb 214 ist festgehalten, daB von der Mitgift Tasmetu-tabnis, die laut 60) Er erscheint erstmals im Jahre 15 Nbn als Schuldner von Nuptaja (CM 3 Nr. 241), wobei Itti-Marduk-balatu Zeuge ist; weitere Urkunden aus der Zeit Nabonids zeigen ihn als Schreiber in Itti-Marduk-balatus Angelegenheiten (Belege bei Tallqvisi, Neubabylonisches Namenbuch, s.v.). 61) Cyr 143 vom 26.11.3 Cyr. 62) Nur die Mitgift fiir Tasmetu-tabni war zu diesem Zeit- punkt bereits bestellt worden, daher wird ihr Fall getrennt vor dem der beiden jiingeren Schwestern behandelt. In Z. 25 Ende wird man mit Bezug auf letztere wohl inamdinusindti "(Mitgift, die) er ihnen bestellen wird" zu erganzen haben, vgl. CM 3 Nr. 260a: 11, wo ebenfalls von einer zukiinftigen Mitgiftbestellung die Rede ist und Reste von na\m-din zu erkennen sind. 42 Cornelia Wunsch Cyr 143 im 3. Regierungsjahr Cyrus' versprochen worden war, nichts an Itti-Nabu-balatu, ihren Brautigam, iiberge- ben worden ist. Er erscheint nun vielmehr in Camb 215, dem an gleichen Tag ausgeslellten Mitgiftvertrag fiir Ina- Esagila-belet, als deren Brautigam. Bereits Weingort63 hatte angenonunen, daB Tasmetu-tabni verstorben ist, "ohne ihre Bestimmung erreicht zu haben", und der Brau- tigam nun ihre nachstjungere Schwester zur Frau erhalt. Interessant ist die Hohe der Mitgift: Ina-Esagil-belet er- halt nicht etwa das gleiche wie ihre Schwester, sondem sie wird zu genau jenen Konditionen verlieiralet, die bereits im Testament ihres Vaters aus dem Akzessions- jahr Cyrus' (CM 3 Nr. 260) fiir sie bestimmt sind: 1 Kur Feld und 3 Sklaven sowie Hausrat.64 Offensichtlich ist man von dem einmal festgelegten Betrag nicht mehr abgewichen. Am gleichen Tag wurde auch der Mitgiftvertrag fiir die jiingste Tochter, Nanaja-etirat, ausgestellt.65 Nanaja- etirat kann zu diesem Zeitpunkt kaum alter als neun Jahre gewesen sein.66 Ihre Mitgift hat den gleichen Umfang wie die ihrer Schwester. In keinem der beiden Mitgiftvertrage wird jenes Silber erwahnt, das die beiden Madchen zu- satzlich zur Mitgift von ihrem GroBvater erben sollen. Zwei Urkunden aus der Zeit des Darius, deren genaue Datierung sich nicht ermitteln lafit, belegen die Bestcl- lung einer zusatzlichen Mitgift fiir Nanaja-etirat durch ihre GroBmutter Ina-Esagila-ramat.67 Falls die von mir in CM 3a, S. 71 f., vorgeschlagene Rekonstruktion des Ab- laufes zutrifft, so handelte es sich zunachst urn 10 Minen Silber und einen Sklaven, denen spater ein weiterer Skla- ve sowie vier Minen Silber hinzugefiigt wurden. Unklar war bisher, aus welchen Mitteln Ina-Esagila-ramat diese Zuwendung bestreiten konnte. Der Betrag von 10 Minen Silber lafit nun vermuten, dafi diese Zahlung im Zusam- menhang mil jenem Silber steht, das in Iddin-Marduks Testament fiir Nanaja-etirat bestimmt war. Amat-Baba, die Ehefrau des Marduk-nasir-apli Die erste datierbare Urkunde, in der Amat-Baba, die Tochter des Kalbaja aus der Familie Nabaja und Ehefrau des • Marduk-nasir-apli, erwahnt wird, ist Dar 26 vom Ende des ersten Regierungsjahres Darius'. Es handelt sich um einen Grundstiickskaufvertrag; als Kaufer erscheint Marduk-nasir-apli, als Verkaufer sein Schwiegervater. Die 63) Weingort, Das Hans Egibi, S. 18. M) Dies geht aus dem vollstandig erhaltenen Duplikat von Camb 215, BM 32894, hervor; vgl. CM 3 Nr. 335. M) Camb 216 mit Join BM 41592 (Nr. 3). Damit ist der Vertragstext jetzt fast vollstandig erhalten. °6) Als ihr Vater Itti-Marduk-balatu zwolf Jahre friiher sein Testament schrieb, vvaren weder sie noch ihre zwei Briider Nabu- ahhe-bullit und Nergal-usezib geboren. Vermutlich ist sie die jiingste der Geschwister, denn sie wird bei der Aufzahlung von Itti-Marduk-balatus Kindem in CT 22, 6 an letzter Stelle ge- nannt. OECT 10, 161 und CM 3 Nr. 355. Grundstiicksbeschreibung weist das Nachbarfeld an der Nordseite als Mitgiftfeld der Amat-Baba aus. Damit lie- fert dieser Kaufvertrag den terminus ante quern fiir die Mitgiftbestellung, die uns in zwei fragmentarischen Ex- emplaren iiberliefert ist, bei denen jeweils die Riickseite der Urkunde und damit das Datum verlorengegangen ist: BM 34241 und BM 35492 (Nr. 4a und b). Die Mitgift umfafit neben dem beeindruckend hohen Betrag von 30 Minen Silber, ffiinf Sklaven und Hausrat auch jenes be- reits erwahnte Gartengrundstuck, dessen Grofie mit 2 Kur angegeben ist. Die Mitgifturkunde, die mit Ausnahme eines Ein- schubs in Z. 4 dem bekannten Formular von Mitgift- bestellungen folgt, weist eine Besonderheit auf: Der Brau- tigam Marduk-nasir-apli wird nicht nur durch seine eige- ne Filiation als Sohn des Itti-Marduk-balatu aus der Fami- lie Egibi ausgewiesen, sondern auch als Enkel seiner Grofieltern miitterlicherseits, d.h. als Enkel von Iddin- Marduk und Ina-Esagila-ramat. Der Sinn dieses Zusatzes wird angesichts des nachfolgenden Quittungsvermerks (Z. If.) offenbar, in dem Iddin-Marduk den Empfang des Mitgiftsilbers im Betrage von 30 Minen bestatigt; die Ubergabe der Sklaven, des Hausrates und wohl auch des Grundstiicks soli venmitlich zu einem spateren Zeitpunkt erfolgen.68 Es uberrascht zunachst, den GroBvater als Empfanger der Mitgift zu sehen. Wir miissen daher an- nehmen, daB Itti-Marduk-balatu, Marduk-nasir-aplis Va- ter, zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Leben war.69 Sein Tod kam offenbar plotzlich und unerwartet zu einer Zeit, als sein altester Sohn Marduk-nasir-apli noch kaum akti- ven Anteil an den Geschaften hatte. Aus unserer Urkunde geht nicht hervor, ob und durch welche Rechtsgrundlage Iddin-Marduk zum Eingreifen in die Familiengeschafte der Egibis tin Interesse seines Enkels legitimicrt war. Seine Vorgehensweise stand aber ohne Zweifel im Ein- klang mit Itti-Marduk-balatus Absichten, wie wir bereits aus dessen Testament (oben S. 37f. besprochen) schlieBen konnten. Die Mitgift der Amat-Baba wird funfzehn Jahre spater wieder erwahnt,70 als Marduk-nasir-apli seiner Frau ein Grundstuck und neun Sklaven anstelle (kum) ihrer Mitgift iibertragt. Die in dieser Urkunde genannten Mitgift- bestandteile stimmen jedoch nicht exakt mit denen uber- ein, die wir aus dem Mitgiftvertrag (Nr. 4) kennen. Neben den dort erwahnten und von Iddin-Marduk quiltierten 30 **) Eine entsprcchende Regelung konnen wir in Z. 9ff. ver- muten, der fragmentarische Zustand des Textes erlaubt jedoch keine sichere Erganzung. Als Parallele konnte BM 30441 (Nr. 6) Z. I Off. dienen, der Wortlaut kann jedoch nicht iibereinstimmen. Selbst wenn man im-ha-x-[...] am Ende von BM 34241: 10 als Verschreibung iiir cine Form von ahazu ansahe, ware die Propo- sition ana statt der zu erwartenden Akkusativrektion nicht zu erklaren. 69) Er wird zuletzt in der Urkunde Nbk 10 vom 21.9.0 Nbk III (= 8 Camb, 522 v. Chr.) als Vertragspartei erwahnt. 70) BOR 2, 3 mit Duplikat BM 41316 (Nr. 5) vom 15.3.16 Dar. Die Frauen der Familie Egibi 43 Minen Silber werden in BOR 2, 3 zwei Minen Gold und weitere fiinf Minen Silber in Schmuck aufgefiihrt, wah- rend von den urspriinglich versprochenen fiinf Mitgift- sklaven drei fehlen; die beiden anderen wurden von Marduk-nasir-apli verkauft. Der Dattelgarten schlieBlich wird iiberhaupt nicht erwahnt. Es ist nicht auszuschlie- Ben, daB er in der Zwischenzeit verkauft oder gegen andere Vermogenswerte ausgetauscht worden ist und sein Wert durch die zwei Minen Gold und fiinf Minen Silber reprasentiert wird.71 Ebensogut konnte das Grundstiick aber auch deshalb nicht in der Urkunde BOR 2, 3 aufge- fiihrt sein, weil es weder verkauft noch verpfandet wor- den war und daher auch nicht kompensiert oder vor dem Zugriff von Glaubigern gesichert werden muBte. Betrof- feu sind vielmehr diejenigen Teile der Mitgift, die in den allgemeinen Geschaftsbetrieb geflossen oder verauBert worden sind und damit nicht mehr gegenstandlich greif- bar waren. Solange nichts iiber das Schicksal des ur- spriinglichen Mitgiftgrundstiickes in Erfahrung zu brin- gen ist, wird sich nicht entscheiden lassen, ob in Z. 7-11 kum ... nudunnu sa Amat-Baba nut "anstelle von der Mitgift der A." oder "anstelle von Mitgift(bestandteilen) der A." wiederzugeben ist. M. Roth hat auf die allgemeine Praxis von derartigen "dowry conversions" hingewiesen und herausgearbeitet, daB insbesondere Silber das zu kompensierende Element darstellt und ausschlieBlich in Sklaven und Grundstucke umgewandelt wird.72 Die Rechtsnatur soldier Transaktio- nen zwischen Ehemann und Ehefrau bildet den Gegen- stand einer Untersuchung von K. Abraham." Sie unter- streicht, daB die nut kum nudunne ausgewiesenen Vermo- gensubertragungen den Charakter eines Sicherungspfandes haben. Bei den Objekten, die Marduk-nasir-apli seiner Frau ubertragt, handelt es sich urn ein Grundstiick in BTt-rab- kasiri am Tupasu-Kanal, dessen GroBe in der Urkunde nicht angegeben ist, sowie urn die Sklavenfamilie des Madanu-bela-usur und eine weitere Sklavin, insgesamt neun Personen. Die Sklavenfamilie hatte urspriinglich Iddin-Marduk gehort und er hatte sie in seinem Testament fur seine Frau bestimmt. In der Erbteilungsurkunde Dar 379 zwischen Marduk-nasir-apli und seinen Briidern wa- ren die Sklaven als gemeinsames Eigentum aller drei ausgewiesen worden, ohne daB wir wissen, auf welche Weise sie in ihren Besitz gelangt sind.74 Kurze Zeit spater 71) Das Grundstiick hatte laut BM 34241 (Nr. 4a) eine GroBe von 2 Kur, ebenso wie die angrenzende Parzelle, die Dar 26 zufolge an Marduk-nasir-apli zum Preis von 9 Minen 30 Sekel Silber verkauft wurde. 72) M.T. Roth, "The Material Composition of the Neo- Babylonian Dowry", in AfO 36-37 (1989-90), S. 1-55; vgl. insbesondere S. 5f. ") K. Abraham, Studies in the Cuneiform Sources Related to Marriage and Matrimonial Property from the First Millennium B.C.E. Dissertation, Bar-Ilan Univ. 1993 (Publikation in Vorbe- reitung). 74) Vgl. den Kommentar zu Nr. 2, Z. 4-7. hat Marduk-nasir-apli Dar 376 zufolge die Anteile seiner Briider erworben.75 Nachdem Amat-Baba zunachst einen Versuch gemacht hatte, die Sklaven zu verkaufen, von diesem Vorhaben aber wieder Abstand nehmen muBte,76 finden wir die Sklaven und das Grundstiick am Tupasu- Kanal schlieBlich in einer Verfiigung Amat-Babas zugun- sten ihrer Tochter wieder (vgl. im folgenden). Die funfte Generation Die Tochter des Marduk-nasir-apli Von den Tochtern des Marduk-nasir-apli war bisher nur Eristu durch Urkunden, die ihre Mitgift betreffen, bekannt.77 Im 25. Jahr Darius wurde zwischen ihrem Vater und Marduk-iqisanni, dem Sohn des GinuTlu aus der Familie Munnabittu, der Mitgiftvertrag geschlossen.78 Er hatte ein Feldgrundstuck von insgesamt 1.1.4 Kur GroBe, zwei nicht namentlich genannte Sklaven, fiinf Minen Silber und Hausrat zum Gegenstand. Die Urkunde enthalt einen Quittungsvennerk iiber die erwahnten fiinf Minen Silber, die bereits an den Brautigam ausgezahlt worden sind, sowie eine Zusatzklausel, wonach Feld, Sklaven und Hausrat zu iibergeben sind, wenn die Fleirat tatsachlich stattgefunden hat (urn sa Marduk-iqisanni Eristu ihljaza, Z. 10). Die Verfahrensweise bei der Ubergabe von Eristus Mitgift entspricht somit der, die auch fur die Heirat ihrer GroBmutter Nuptaja und ihrer Mutter Amat- Baba bezeugt ist: Die Auszahlung des Silbers hat Priori- tat, wahrend sich die Ubergabe der restlichen Vermogens- objekte hinzieht, in diesem Falle neun Jahre. Sie ist erst im 34. Regierungsjahr Darius' abgeschlossen, als Eristus Bruder Nidinti-Bel statt der zwei Mitgiftsklavinnen, die sich bislang noch bei seinem Vater Marduk-nasir-apli befunden hatten, eine andere Sklavin sowie zwei Minen 20 Sekel Silber an Marduk-iqisanni aushandigt.79 In der Urkunde wird ausdnicklich bestatigt, daB damit die ge- samte Mitgift iibergeben ist (Z. 15). Die Urkunde enthalt ferner (Z. 16-23) einen Klage- verzicht Marduk-iqisannis und Eristus, der sich nicht nur auf die gesamte Mitgift erstreckt, sondern dariiber hinaus auch auf ein Feldgruiidstiick und zehn Sklaven, die Marduk-nasir-apli an einen gewissen Anu-mukin-apli ver- kauft hat. Es handelt sich um jenes Grundstiick am Tupa§u- Kanal und jene Sklavenfamilie, die Marduk-nasir-apli seiner Ehefrau Amat-Baba laut BOR 2, 3 (mit Duplikal BM 41316, Nr. 5) 18 Jahre friiher zur Sicherstellung ihrer Mitgift iibertragen hatte. Die Erwahnung dieser Ver- 75) Das Datum der Urkunde ist in 21.7.14 Dar zu korrigieren, die Urkunde ist demnach jiinger als Dar 379; vgl. Roth, JAOS 111, S. 29, Anm. 28. 76) Dar 429 aus den Jahr 16 Dar. 77) Vgl. die Zusammenstellung bei Roth, JAOS 111, S. 29-32. 7S) BM 30441 = Nr. 6; Transliteration und Ubersetzung bei Roth, JAOS 111, S. 29f. mit Anm. 30. ") BM 33934 (Nr. 7); Transliteration und Ubersetzung bei Roth, JAOS 111, S. 31 mit Anm. 35. 44 Cornelia Wunsch mogenswerte im Zusammenhang mit der Mitgift der EriStu wird erst durch zwei neue Texte verstandlich. In der einen dieser Urkunden, BM 33997 (Nr. 7), triffi Amat-Baba eine Verfugung iiber das genannte Grund- stiick und die Sklavenfamilie mit Ausnahme des Familien- vaters Madanu-bela-usur selbst, der offensicktlich inzwi- schen verstorben war, sowie iiber zwei weitere Sklaven, die sie von ihrem Vater als Geschenk erhalten hatte. Da das Datum der Urkunde weggebrochen ist, kann sie nur aufgrund innerer Kriterien grob eingeordnet werden: in die Zeit zwischen dem Tod des Madanu-bela-usur (etwa im 20. Jahr Darius') und dem 34. Jahr Darius', als der oben erwahnte Klageverzicht in BM 33934 (Nr. 7) gelei- stet wurde. Die Begiinstigte ist jedoch nicht nur Eristu allein, sondem auch ihre beiden Schwestern Re'indu und Beletu, von denen bislang nichts bekannt war. Da sie vor Eristu genannt werden, diirften sie alter als diese sein. Amat- Baba iibertragt diejenigen Vermogeuswerte, die sie von Marduk-nasir-apli als Kompensation fiir insgesamt 35 Minen Silber, zwei Minen Gold und zwei Sklaven aus ihrer eigenen Mitgift erhalten hat, an ihre drei Tochter. Ihr Sohn Nidinti-Bel wird nicht bedacht.80 Falls das Grund- stiick am Tupasu-Kanal und die genannten Sklaven Amat- Babas gesamte Mitgift reprasentieren,sl dann war es of- fenbar beabsichtigt, daB lediglich die Tochter sie bekom- men sollten, und zwar zu gleichen Teilen, falls die For- mulierung in Z. 23f. so zu verstehen ist. Diese Regelung muB im Einvernehmen mit Marduk-nasir-apli getroffen worden sein, denn er erscheint als erster Zeuge. Zu einem spateren Zeitpunkt ist diese Verfiigung je- doch widerrufen worden, wie aus D.T. 233 (Nr. 9, mit Duplikat) hervorgeht. Audi in diesem Falle ist das Datum leider nicht erhalten. In der Urkunde werden die Vermogensobjekte zunachst aufgezahlt; in Z. 13-15 fiu- det sich dann eine Klausel, die besagt, daB die drei Tochter (nunmehr) keinerlei Anteil daran haben. Offen- bar wird in den fragmentarischen Zeilen davor ausgesagt, daB der Widerruf auf Marduk-nasir-aplis Veranlassung hin geschehen ist (ana sibuti [sa Marduk-nd]si<r>-apli, Z. lOf.) und moglicherweise irgendeine Kompensation stattgefunden hat (falls ... sa zeri u ameluti [...] efir in Z. 12f. so zu verstehen ist). Aus einem Nebensatz in der bereits erwahnten Urkunde BM 33934 (Nr. 7) schlieBlich erfahren wir, daB Marduk-nasir-apli die betreffende Sklavenfamilie verkauft hat. Abgesehen von der Erwahnung in diesen beiden Ur- kunden sind keine weileren Informationen iiber die Schwe- stern Eristus zu gewinnen. so) Nidinti-Bel war gewiB bereits geboren, als diese Urkunde ausgestellt wurde, da er hochstens 14 Jahre spiiter in BM 33934 (Nr. 7), wie schon erwahnt, als aktive Partei handelt. S1) Wir wissen nichts iiber das Schicksal des urspriinglichen Mitgiftfeldes, vgl. oben S. 43. Susannu, die Ehefrau des Nidinti-Bel Von Susannu, der Ehefrau des Nidinti-Bel, ist erst durch drei Urkunden etwas bekannt geworden, die M. Roth nach Kopien Bertins in Transliteration und Uberset- zung veroffentlicht hat.82 BM 33932 (Nr. 10) aus dem 32. Jahr Darius' ist die vor Richtern ausgestellte und von diesen gesiegelle Urkunde iiber die Mitgiftbestellung fiir Susannu, die Tochter des Rimut-Bel aus der Familie Munnabiltu. Sie erhalt neben zwei Sklaven und Hausrat einen Anteil von 2.3.2 Kur Feldgrundstiick in Kar-TaSmetu, das ihr Valer in ungeteilter Erbengemeinschaft mit sei- nem jiingeren Bruder besitzt.SJ Etwa ein Zehntel der Flache ist als Ersatz fiir vier Sklaven ausgewiesen, die offenbar urspriinglich zur Mitgift gehoren sollten. Das Formular der Urkunde folgt dem ublichen Schema. Be- merkenswert ist der Umstand, daB kein Silberbetrag als Bestandteil der Mitgift ausgewiesen ist und sich weder ein Quittungsvermerk noch eine elat-YAmsoX iiber Silber findet. Es muB daher zunachst verwundern, nur drei Monate spater in Rm 681 (Nr. 11) Nidinti-Bel als Glau- biger von Silber anzutreffen, das als Mitgift(bestandteil) der Susannu bezeichnet wird und auf ihre Anweisung hin an den Schuldner gezahlt wurde. Die Hohe des Betrages la'Bl sich leider nicht feststellen, da die Tafel beschadigt ist. Etwas Licht in die Angelegenheit bringt BM 33933 (Nr. 12), ein knappes Jahr nach dem Mitgiftvertrag aus- gestellt. Dieser Urkunde zufolge ist das Mitgiftfeld fiir 26 Minen 50 Sekel Silber verkauft worden, um Glaubiger des Nidinti-Bel zu befriedigen. Zur Sicherstellung von Susannus Mitgift iibereignet er ihr nun insgesamt 11 Sklaven und drei Hausgrundstiicke mit mmderwertiger Bebauung.84 Die zuvor erwahnte Urkunde Rm 681 (Nr. 12) konnte insofern mit dieser in Zusammenhang stehen, als es sich um einen Teilbetrag handeln konnte, der nicht an die Glaubiger gezahlt werden muBte und von Nidinti- Bel und Susannu investiert worden ist. Ein weiteres, bislang unbekanntes Dokument, BM 33981 (Nr. 13) aus dem ersten Regierungsjahr Xerxes', also fiinf Jahre nach dem Mitgiftvertrag ausgestellt, ver- wirrt jedoch die Situation vollends. Die Urkunde ist als Verpflichtungsschein stilisiert und hat ebenfalls Silber aus dem Verkauf des besagten Mitgiftfeldes in Kar- Tasmetu zum Gegenstand, und zwar immer noch einen Restbetrag von 12 Minen, d.h. der knappen Halfte. Als Schuldner erscheint hier Rimut-Bel, der Vater der Susannu. Aus dieser Urkunde muB man demnach schliefien, daB es der Schwiegervater selbst war, der das Mitgiftfeld ge- kauft hat. Offenbar ist aber bisher nur ein Teil des Kaufpreises ausgezahlt worden. Als nominelle Glaubige- 82) Vgl. die Darstellung bei Roth, JAOS 111, S. 32-34. 83) Vgl. den Kommentar zur Urkunde, Z. 7. Dieser Umstand diirfte der Grand fiir die Anwesenheit von Susannus Onkel als Zeuge beim Vertrage gewesen sein. 84) Aus der Urkunde geht nicht hervor, wann der Verkauf des Feldes stattgefunden hat und ob der gesamte Betrag an Nidinti- Bels Glaubiger gezahlt worden ist. Die Frauen der Familie Egibi 45 rin des Verpflichtungsscheines iiber den Reslbelrag er- scheinl Susannu. Sie erhalt von ihrem Vater ein Haus- grundsliick in offensichtlich gnter Lage (an der Stadtmau- er neben einem Grundstiick des Konigs) zur antichretischen Nutzung, wahrend er weiterhin iiber das angrenzende Bauland verfiigen kami. Die geschaftlichen Transaktionen, die den Flinlergrund der erwahnten Urkunden bilden, lassen sich ohne Kontexl nicht rekonstruieren. Leider befinden sich auch unter den unpublizierten Egibi-Texten nur wenige aus den spaten Regierungsjahren Darius', so daB es kaum moglich ist, den Umfang und Erfolg der Geschafte in dieser Genera- tion zu beurteiien. Die Urkunde BM 33981 (Nr. 13) erhellt auch, was unter dem Pauschalbegriff "Hausrat" des Mitgiftvertrages im vorliegenden Fall zu verstehen ist: ein Bett, ein Stuhl und zwei Schemel. Die Feststellung, daB Nidinti-Bel und Susannu daruber hinaus nichts erhalten und auch nichts mehr zu erwarten haben, laBt aber vermulen, daB es sich um eine Minimalausstattung handelt und der Hausrat urspriinglich mehr umfassen sollte.85 Anhang: Kopien, Transliterationen und Ubersetzungen Der Anhang enthalt Urkundenbearbeitungen sowie die Kopien derjenigen unpublizierten bzw. bislang ohne Ko- pie zitierten Texte, die im Zusammenhang mit den Mitgif- ten und Geschaften der Egibi-Frauen von Interesse sind.86 Auf eine erneute Umschrift und Ubersetzung der bei Roth, JAOS HIS. 19-37 behandelten Texte wurde ver- zichtet; auf abweichende Lesungen wird im Kommentar verwiesen. Die Transliteration umfaBt nur den Vertrags- text; Zeugen, Schreiber, Ausstellungsort und Datum wer- den tabellarisch aufgefuhrt. Das Datum ist nach dem Schema Tag.Monat.Regierungsjahr des jeweiligen Herr- schers angegeben. Haufig wiederkehrende Logogramme vvurden folgendermaBen umschrieben: ahu = §E§, amtu = GEME,, aplu = IBILA, aplu2 = A, ar/ju = ITI, dBaba = dKA, balatu = TIN, dBel = d+EN, belu = EN, bitu = E, eqlu = A.SA, itti = KI, kaspu = KU.BABBAR, dMadanu = dDI.KUs, manu = MA.NA, AMarduk = dAMAR.UTU, martu = DUiMU.MI, maru = DUMU, maru2 = A, muhhu = UGU, dNabu = d+AG, nadanu = MU, nam - I7, na?aru = URU, dNergal = dU.GUR, pdnu = IGI, qdsu = BA, qdtu = §U, dSin = dXXX, siqlu = GiN, tabu = DA, umu = UD, zeru = NUMUN. Alle anderen Logogramme sind in Klam- mern gesetzt. Namen werden nach dem Prinzip Personen- 85) Eine Zusammenstellung der Belege fur detailliert aufgeli- stetcn Hausrat im Zusammenhang mit Mitgiften ist bei Roth, AfO 36-37, S. 17-33 zu finden. 86) Lediglich Urkunden, die die Verpachiung von Grundstiik- ken zum Gegenstand haben, vvurden ausgeklammert; ihre Publi- kation im Rahmen einer Monographie zu den Grundstucksge- schaften der Familie Egibi durch Verf. ist in Vorbereitung. name/Vatersname/Ahnherrenname bzw. Personenname// Ahnherrenname wiedergegeben. In der Ubersetzung wer- den Filiationen weggelassen, sofern sie nicht fur das Verstandnis des Vorgangs unerlaBlich sind. Texte BM 30441 Nr. 6 BM 31333 = Nr. 1 BM 32072 Nr. 3 BM 32205 Nr. 2 BM 33932 Nr. 10 BM 33933 Nr. 12 BM 33934 Nr. 7 BM 33981 Nr. 13 BM 33997 Nr. 8 BM 34241 Nr. 4 a BM 35492 Nr. 4b BM 41316 Nr. 5 BM 41542 s. BM 32205 BM 41561 s. BM 32205 BM 41592 s. BM 32072 BM 41600 s. BM 32205 BM 41720 s. BM 32205 BM 48890 s. BM 32205 DT 233 Nr. 9 Rm 681 Nr. 11 BM 30231 (= 76-1-10, 2) Kopie: Nbn 807 Transliteration 1 4 siqil kaspu sd MTas-me-tu4-dam-qdt 2 mdrassu (DUMU. MI. A.N I) sd mdNabu-ahhemei- iddin (SUM.NA) 3 ina muhfji mGi-mil-dNergal mdr-su sd 4 mdBel-usallim (DI-/m) mar2 mAbi(AD)-ul- ide (NU.ZU) 5 ina umi 2.kam sd "'kislimi (GAN) ina simi (SAM) sa 6 (I?ia-s*silli (Ml)-E-sa-bad it-ti 7 (Tap-pa-ds-ra a'-jja-ti-su 8 u {Sik-ku-u mdrassu (DUMU.Mi.A.NI) sd rTap-pa- ds-ra 9 u-sd-an-qa-at ki-i ma-hi-ri 10 sd *Ina-&silli {U\)-E-sa-bad 11 mTas-me-tuA-dam-qdt la te-te-ep*-su* 12 a-ki-i mahlri (KI*.LAM*) sd Til (DU6)*-gu-ub-bi 13 ina 1 siqli 3 (BAN)* suluppe (ZO.LUM.MA) i-nam- din 14-16 Zeugen Bullutu/PirVSumu-libsi Ea-iddin/Arad-Nabu/Su(m)ati (geschrieben mSu-um*- a-ti) 17f. Schreiber Marduk-balfissu-iqbi/Nabu-zera-iddin/Dabibi Ausstellungsort: BTt-sar-Babili Datum: 26.8.14 Nbn 46 Cornelia Wiinsch Ubersetzung 4 Sekel Silber, Forderung der Tasmetu-damqat zu Laslen von Gimil-Nergal. Am 2.KislTm vvird er (es) vom Kaufpreis der Ina-silli-Esabad von Tappasra, seiner Schwe- ster, und Sikku, der Tochter der Tappasra, abziehen. Wenn Tasmetu-damqat die Ina-silli-Esabad nicht kauft, wird er Dalteln entsprechend dem Knrs von Til-gubbi (und zusatzlich) pro Sekel 0.0.3 kur (Dalleln) zahlen. Kommentar Z. llf.: CAD Q, S. 309 s.v. quppu A 3b liest die in der Kopie angedeuteten Zeichenspuren tetetir statt tetepsu und interpretiert den Sachverhalt folglich anders. Z. 12: CAD loc. cit. iibersetzt, dem Vorschlag Oppenheims in JNES 6 (1947), S. 118, folgend: "according to the exchange rate of the (office of the) cash box" (aki mahiri sa giiqu-up-pi). Z. 12 Ende: Lesung und Kollation verdanke ich M. Jursa. Zu Til-gubbi vgl. Jursa, AfO Beih. 25 (1995), 230ff. Bemerkenswert ist, daft der Oil hier auBerhalb des Ebabbar-Archivs genannt wird. Z. 13: Das HohhnaB scheint mir nicht 1 PI zu sein (CAD loc. cit. "1 (PI)"; das Zeichen PI miiBte in diesem Kontext allerdings ausgeschrieben werden), da in jedem Falle der Senkrechte fur "1" fehlen wiirde. Die Zeichenspuren passen besser zu A§ = 3 (BAN), also der Halfte davon. Die vorliegende Urkunde ist ihrem Charakter nach ein Ver- pflichtungsschein iiber den Betrag von 4 Sekel Silber zu Lasten von Gimil-Nergal. Ungewohnlich sind die Riickzahlungsbedin- gungen: Der geschuldete Betrag soil mit dem Preis einer Sklavin verrechnet werden, die die Glaubigerin von zwei Frauen (der Schwester und Nichte des Schuldners) innerhalb von weuigen Tagen zu kaufen beabsichtigt. Es niuB folglich auch eine Rege- lung fiir den Fall getroffen werden, daB dieser Kauf nicht zustande kommt. In Z. 13 ist ein Aquivalent von Silber zu Datteln angegeben, das 10% des Idealkurses von 1 Kur zu 1 Sekel eutspricht. Daher ist zu bezweifeln, daB dies den Kurswert fiir die Riickzahlung des geschuldeten Betrags darstellt; die Zeilen sind vielmehr als eine atypische Naturalzinsklausel zu interpretieren. Fiir weitere Belege vgl. van Driel, JEOL 29 (1985-86), S. 52. BM 33060 (= 78-10-28, 13) Kopie: Nbn 830 Transliteration 1 [x mana x] siqil kaspu sd mIUi-dMarduk-baldtu mdr2- su sd 2 [mdNabu]-afjfieineg-iddin mar2 mE-gi-bi ina mulj-hi 3 [m]Mu-se-zib-dMarduk mar2-su sd mdNabu-zer-kit-ti- liSir (SI.SA) 4 [ma]r2 mSul-lu-ma-nu sd ar-hi ina mu/j-hi 1 ma-ne-e 5 [1] siqil kaspu ina muh-hi-su i-rab-bi 6 [x x]-ti sd 7 siqil 6-1/ ljurdsi (KU.GI) 7 [x x x] mas-ka-nu sd mItti-dMarduk-ba-la-tu 8 [kaspu sd a-na] muh-hi [Sik-ku-u marat-su 9 [sd m ]-A mdr2 mDa-bi-bi Rd. 10 [a-na tdTas-m]e-tu4-dam-qa-al 11 [marat-su sd ^Ndlbu-ahh^-iddin nadnu (SUM.NA) Rs. 12 [ ]-u sd* ina pan aTas-me-tu4-dam-qdt 13 [ ] ina ki-in-gi-su 14 [mItti-dMard\uk-ba-la-tu ki-i u-tir-ri 15 [a-na mMu]-se-zib-dMarduk muti (DAM) sd {Sik-ku-u 16 [it-t]a*-din 16-19 Zeugen Aplaja/[Arad]-Bel/Aslaku Mu§ezib-Bel/Nabu-iddin/§angu-Nabu Balatu/Nabu*-iddin*/§angfl-Nabu 20 Schreiber [MardukJ-suma-ibni/Nabu-suma-ukin/Ile^i-bulluta- Marduk Ausstellungsort weggebrochen Datum: 16.1.15 Nbn Ubersetzung [x Minen x] Sekel Silber, (Forderung) des Itti-Mar- duk-balatu zu Lasten von Musezib-Marduk. Pro Monat wachst auf eine Mine [ein] Sekel Silber zu seinen Lasten an. [Ein ...] von 7 1/6 Sekel Gold [...] ist Pfand des Itti- Marduk-balatu. [(Es handelt sick um) Silber, das auf] Redlining von Sikku [an] Tasmetu-damqat gezahlt wor- den ist. [...], das Tasmetu-damqat zur Verfugling (steht/ stand), [...] in seiner (intakten) Versiegelung hat Itti- Marduk-balatu [an] Musezib-Marduk, den Ehemann der Sikku, zuriickgegeben. Kommentar Bei dieser Urkunde, deren linker Rand weggebrochen ist, handelt es sich um einen Verpflichtungsschein iiber einen be- trachtlichen Betrag Silber. Die Liicke am Anfang laBt erwarten, daB vor den Sekeln noch ein Vielfaches oder Teil einer Mine zu erganzen ist, mindestens wohl 1/3 Mine = 20 Sekel. Auch die Erwahnung eines Pfandobjektes aus Gold (Z. 6f.) unterstreicht die Bedeutung der Transaktion. Der geschuldete Betrag ist mit dem ublichen Zinssatz von jahrlich 20 % zu verzinsen (Z. 4-5). Die folgenden Zeilen 6-16 faBt CAD K, S. 387 s.v. kinku A 2, offenbar als einen Satzzusammenhang auf: "(an object weighing 7 1/6 shekels of gold as surety for a loan) PN ina ki-in-gi-su ... Id utirri PN2 ana PN3 [iri\andin PN, (the debtor) will hand over to PN3 as soon as PN (the creditor) returns it to him in its sealed bag". Es scheint mir jedoch angebracht, den Text in einzelne Phrasen zu gliedern, deren Formular jeweils gut bezeugt ist. Z. 6f. folgt dem Formular einer einfachen Pfandklausel: Objekt maskanu sa Gliiubiger. Am Anfang von Z. 7 konnte eine Qualitatsangabe zum Gold gestanden haben. Die Erweiterung, daB kein anderer Gliiubiger iiber das Pfandobjekt verfugen darf, solange die Fordemng nicht beglichen ist, fehlt in unserem Falle. Nach Petschow, NPR S. 97 mit Anm. 290, ist dies bei Urkunden aus dieser Periode jedoch keine Ausnahme. Z. 8-11: Fiir die Interpretation dieser Zeilen sehe ich, auch in Anbetracht des Platzes, der fiir Ergiinzungen zur Verfiigung steht, kaum eine andere Moglichkeit als hier angegeben. Die Schreibung SUM.NA laBt einen Stativ erwarten. Die Formel ana muhhi PN "auf Rechnung von PN" ist in Quittungsklauseln mit maharu und eteru gut bezeugt (vgl. NRV Glossar S. 84), aber auch mit nadanu belegt, z.B. BM 41489: 4-7 elat x kaspi ... sa PN, ana muhhi PN, ana PN3 iddinu "abgesehen von x Silber das PN, auf Rechnung von PN2 an PN3 gezahlt hat". Diese Zeilen Die Frauen der Familie Egibi 47 geben, falls meine Interpretation zutrifft, den Schuldgrund an und erlauben es, die verwirrenden Beziehungen zwischen den vier beteiligten Personen zn erschlieBen: Den Hintergrund unse- rer Urkunde bildet offensichtlich eine Zahlung von Silber durch Itti-Marduk-balatu im Auftrag der Sikku an Tasmetu-damqat, seine Schwester, wodurch deren Forderung gegeniiber Sikku beglichen wird. Formal handelt es sich jedoch nicht um eine Zession, da als Schuldner des Itti-Marduk-balatu nunmehr der Ehemann der Sikku erscheint. an den Schuldner zuriickgegeben hat, das sich bisher bei Tasmetu- damqat befand. Da es versiegelt ausgehandigt wird, ist an ein Depositum zu denken. Es hat vermutlich zur Sicherung der Forderung Tasmetu-damqats gedient und ist nun durch das in Z. 6f. erwahnte Pfand ersetzt worden. Am Anfang von Z. 13 konnte daher paqdu (sudti) zu erganzen sein, falls nicht die Formulie- rung ina riksisu u ina kingisu wie in spateren Verpflichtungs- scheinen vorliegt (vgl. M.W. Stolper, "Late Achaemenid, Early Macedonian, and Early Seleucid Records of Deposit and Related Texts." AION 53/4 (= Suppl. 77), Napoli 1993, S. 19f.). In Z. 12-16 wird bestatigt, da/5 Itti-Marduk-balatu ein Objekt BM 31333 (= 76-11-17, 1060) Kopie: Nr. 1 Transliteration 1 rl/31 mana kaspu sd MTas-me-t[u4] 2 marassu (DUMU.M1La.NI) sd ^Nabu-ahh^-iddin (SUM.NA) 3 [m]dr mE-gi-bi ina muJj-hi {Bu-ra-su 4 \ma\rassu ([DUM]U.Mi.A.NI) sd mdBel-ib-ni 5 [md]r mItti-ensi (S\G)-dNabu sd arfji a-na muljfji 6 [1 ma-ne]-{e^ 1 siqil kaspu ina mufy-fyi-su i-r[ab-bi] 7 [f ]-dBaba {qal-[lat-su] 8 [mas-ka-nu sd] fdTas-me-[tuA] 9 [w*rdsu sd]-nam-ma ina mut-h[i] 10 [ul i]-sal-lat a-di muhhi [sd] 11 {id'lTas-me-tuA kasap-su ta-s[al-lim] 12-15 Zeugen Labasi/Marduk-zera-ibni/Itinnu Nabu-muSetiq-udde/Sillaja/Itinnu 15f. Schreiber Bel-ahhe-[... ]/Zerij a/Itinnu Ausstellungsort: Babylon Datum: 23.5.[x] Nbn 15 f^>^(M^\^^^0r: In dieser Urkunde wird die Schwester des Itti-Marduk-balatu mit voller Filiation genannt, ihr Name ist jedoch auf das theo- phore Element verkiirzt. Dennoch ist die Identifizierung mit der Tasmetu-damqat, Tochter des Nabu-ahhe-iddin, die in den bei- den anderen Urkunden erscheint, sehr wahrscheinlich, zumal in Nbn 830 Itti-Marduk-balatu in den Geschaftsvorgang verwickelt ist. Die Schuldnerin ist sonst nicht bezeugt. 1/3 Mine Silber, (Forderung) der Tasmetu zu Lasten von Bura§u. Pro Monat wachst auf eine Mine ein Sekel Silber zu ihren Lasten an. [...]-Baba, ihre Sklavin, [ist Pfand der] Tasmetu. [Ein] anderer [Glaubiger] wird dar- iiber [nicht] verfugen, bis Tasmetu bezuglich ihres Silbers befriedigt ist. Kommentar Ubersetzung Nr. 1 (BM 31333) 48 Cornelia Wunsch BM 32205 (= 76-11-17, 1932) + 41542 (= 81-6-25, 156) + 41561 (= 81-6-25, 175) + 41600 (= 81-6-25, 215) + 41720 (= 81-6-25, 339) + 48890 (= 81-11-3, 1601) [Die Nummem 41542 bis 48890 wurden durch IX. Finkel gejoint] Kopie: Nr. 2 Transliteration 1 [mIddin-dMarduk mdr2-su sd mIqisai6-a mdr2 m]N&r (ZALAG2)-dSin 2 [ina lju-ud Ub-bi-su bitu sd ina Hb-b]i ds-bu Idly bit mRi-mut-dB[el] 3 [ ina mu/jh]i ndri u mim-ma sa ina biti 4 [ibassu{l) mdMada]nu-bela-usur assati (DAM)-su u 3 mdr^^-su 5 [m miNabu)-a-a-lu u {Ku-ut-ta-a ds-sd-ti-su 6 [f u] 3 mdr^-su mdBel-lu-mur 7 [f ]-tuA u Hn-ba-a «^ar(§U.NIGIN2) 15 a-me-lu-ut-ti 8 [ p]a-ni Hna-E-sag-ila-ra-mat assati (DAM)-su marti sd mZ[e-r]i-ia 9 [mdr2 mNa-ba-a-a] a-na u^-mu sa-a-ti u-sad-gil {Ina-E-sag-ila-[ra]-mat 10 [a-sar pa-ni]-su malj-ru ta-nam-din u-il-ti sa 40 mana ka[spi pesu]1"1 11 [qaqqadu] u fjubul/a (UR5.RA)-iw sd muhlji rnItti-dMarduk-baldfu 12 [mdr2-su sd ^Nabu-afyfye^^-iddin mdr2 [m]E-gi-bi 13 [re]-he-et a-me-l[u]-ti-su u nikkassi(NIG.KA9)-i?i 14 [sd dli] u seri (EDIN) m[a-la b]a-su-u ik-nu-uk-ma 15 [pa]-ni m[dMarduk-na-sir-ap]li mdru rabu (GAL)" sd mItti-dMarduk-baldtu 16 [u p]a-ni mLib-lu-fu u mdNergal-usallim (GI) mare10** tar-din-ne-e 17 [sd mItti-d]Marduk-baldtu mare™** mdrti-su u-sad-gil 10 mana kaspu 18 [xxx] u 111 bilat (Gl).UN) kaspu ul-tu nikkassi (NfG.KA9) sd pa-ni mdMarduk-na-sir-apli 19 [mLib-lu]-fu u mdNergal-usallim (GI) su-u[d]-gu-lu ina lib-bi 10 mana kaspu 20 [pa-ni ^Tas-me-tu^-tab-ni [e^-[l]at nu-dun-nu-u 21 [sd^ mltti-dMarduk-baldtu abu {AD)-su id-di-[n]u-us u-sd-ad-gil 22 20 mana kaspu pa-ni rIna-E-sag-ila-be-l[et] 23 u 10 mana kaspu pa-ni iE-li-ir-tudi mdrdtv™1 marti-[su] 24 mdrdtimeS sd mItti-dM[arduk-balatu] e-[la]t nu-dun-nu-h? 25 sd mItti-dMarduk-bald}u a[bu (AD)-si-na inamdinusindti] 26 u-sad-gil a-di [ aTasmetu-tabni Hna-Esagila-belet] 27 u [E-(i-i[r-tu4 ] 28 [ ] 29 [ ] Rs. 30 nikkassu (NIG.KA9) gab-bi i-na pa-ni-su xixl-[na urn a]-na si-im-t[i] 31 ta-at-tal-ku mim-ma sd pa-ni md[Marduk-na-sir]-ap/i mLib-lu-fu 32 u mdNergal-usallim (GI) su-ud-gu-lu a-k[i-i zizd]ti ([HA.L]A)meS-su-nu 33 r0-leq-qu-u mdMarduk-na-sir-[apli mLib]-lu-tu 34 [u m]dNerga/-usallim (GI) dr-kdt a-ha-mes [x x x]-u 35 [V]Ina-E-sag-ila-ra-mat bitu [sd i-na lib]-bi <asbat> 36 u 15 a-me-lut-tu4 a-sar pa-[ni-su maljru ta-nam-di]-in 37 [kas]pu u ni-is-fji gab-bi sd mlddin-d[Marduk sa- {Ina-E-sag-ila]-ra-mat 38 [ina] lib-bi pa-af-ra-at a-sar [pdnisu mahru uV tanamdin] 39 [m]a-na-ma dr-ku-u sd ri[k-su sudti (...)] 40 u-paHa-ru dMarduk u [dZarpanitu arrat] 41 [la na]p-su-ru li-ru-[ru-su dNabu fupsar] 42 E-s[ag]-ila ume^-su [arkuti likarri] 1. Rd. 54 [... mltti-dMarduk-baldtu h]a-ta-ni-su mdr2-su sd ^Nabu-afjfj^-idyin] 55 [ ] ina lju-ud lib-bi-su 56 [ ] su-u 44-49 Zeugen 50f. Schreiber: [Mardn]k-sapik-zeri/[Sil]Iaja/[...] Nabu-etir/[...], Kalbaja/[...], Labasi/[...], E[a-...]/[...], Ausstellungsort: Babylon, Urastor IqIsaja/[...], Iddin-Nabu/[...] Datum: [x.x.]0 Camb Die Fraueu der Familie Egibi 49 Ubersetzung (1) [Iddin-Marduk, Sohn des Iqlsaja aus der Familie] Nur-Sin, (2) [hat aus freiem Entschlufi das Haus, in] dem er wohnt, neben dem Haus des RTmut-B[el] (3) [... am] Kanal und alles, was sich im Haus (4) [befindet, (sowie)] Madanu-bela-usur, seine Frau und seine drei Kinder, (5) [PN(f), Nabu]-ajjalu und Kuttaja, seine Frau, (6) [PN(f)2 und] seine/ihre drei Kinder, Bel-lumur, (7) [PN(f)3] und Inbaja - insgesamt 15 Sklaven - (8) [...] an Ina-Esagila-ramat, seine Ehefrau, die Tochter des Zerija (9) [aus der Familie Nabaja], auf ewige Zeiten (als Eigentum) iibertragen. Ina-Esagila-ramat (10) kann (es) geben, [wohin sie] will. Den Verpflichtungsschein iiber 40 Minen wei[6es Silber,] (11) [Kapitalbetrag] und sein Zins, der zu Lasten von Itti-Marduk-balatu, (12) [dem Sohn des] Nabu-ahhe-iddin aus der Familie Egibi, (besteht), (13) den Rest seiner Sklaven und seines Vermogens (14) [in Stadt] und Land, so[viel vorhanden] ist, hat er unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde (15) an [Marduk-nasir-ap]li, den altesten Sohn des Itti-Marduk-balatu, (16) [und an] Liblut und Nergal-usallim (so!), die jungeren Sonne (17) [des Itti]-Marduk-baIatu, die Sonne seiner Tochter, (als Eigentum) iibertragen. (Was) 10 Minen (18) [...] Silber (und) ein halbes Talent (= 30 Minen) Silber aus dem (Geschafis)vermogen (betrifft), das an Marduk-nasir- apli, (19) Liblut und Nergal-usallim (so!) (als Eigentum) iibertragen ist: davon hat er 10 Minen Silber (20) [an] Tasmetu-tabni - abgesehen von der Mitgift, (21) die Itti-Marduk-balatu, ihr Vater, ihr gegeben hat, - (als Eigentum) iibertragen; (22) 20 Minen Silber hat er an Ina-Esagila-belet (23) und 10 Minen Silber an Etirtu, die Tochter [seiner] Tochter, (24) die Tochter des Itti-Marduk-balatu, - abgesehen von der Mitgift, (25) die Itti-Marduk-balatu, [ihr] Vater, [ihnen geben wird] - (26) (als Eigentum) iibertragen. Bis [... Tasmetu-tabni, Ina-Esagila-belet] (27-29) und Etirtu [... (Liicke von zwei Zeilen) ... Solange er/sie lebt, (stent)] (30) das gesamte Vermogen zu seiner/ihrer Verfiigung. [Wenn] sie stirbt, (31) werden, was an Marduk-nasir-apli, Liblut (32) und Nergal-usallim (so!) (als Eigentum) iibertragen ist, sie entsprechend ihren [Anteilen] (33) an sich nehmen. Marduk-nasir-apli, Liblut (34) [und] Nergal-usallim (so!) werden den Nachlafi gemeinsam [an sich nehmen]. (35) Ina-Esagila-ramat kann das Haus [...] (36) und die 15 Sklaven [geben], wohin sie will. (37) Das Silber und das gesamte nishu-... des Iddin-Marduk, [hinsichtlich dessen Ina-Esagila]-ramat (38) 'abgelost' ist, kann sie [nicht (?) weggeben], wohin [sie will]. (39) (Wenn) spater jemand [diesen] Vertrfag (...)] (40) ungultig macht, (den) mogen Marduk [und Zarpanitu] nut einem (41) [un]16sbaren Fluch belegen, [Nabu, der Schreiber von] (42) Esagila, [moge] seine [langen] Tage [verkiirzen]. 1. Rd. (54) [... Itti-Marduk-balatu], sein Schwiegersohn, der Sohn des Nabu-ahhe-iddin, (55) [...] aus freiem EntschluB (56) [...] ist er/es (?). Kommentar Z. 2f.: Das betreffende Haus ist bislang nicht lokalisierbar. Da am Ende von Z. 3 vom Inventar dieses Hauses die Rede ist, wird davor die Lagebeschreibung zu erwarten sein, zu der [ina muhhy nari "am FluB bzw. Kanal" offensichtlich gehort. Erst- mals wird ein Wohnhaus Iddin-Marduks im Jahre 5 Nbn im Zusammenhang mit der Mitgift seiner Tochter erwahnt (BM 33114 = CM 3 Nr. 137, vgl. Roth, JAOS 111, S. 2If. mit Anm. 4). Schwiegersohn Itti-Marduk-balatu und Nuptaja erhalten dort einen Auteil an diesem Haus, der Bestandteil der Mitgift der Nuptaja gewesen war, ausbezahlt bzw. gutgeschrieben (vgl. CM 3a S. 78f.). Der Rechtsstreit zwischen Ina-Esagil-ramat und Marduk-nasir-apli urn ein Haus im Jahre 15 Dar (Dar 410 = CM 3 Nr. 353) scheint sich nicht auf dieses Wohnhaus zu beziehen; es geht wohl vielmehr um die Frage, mit wessen Geld ein Hauskauf getatigt worden ist. Z. 4-7: Die Textverteilung ist nach der angegebenen Gesamt- zahl der Sklaven und der Grofte der Liicken erschlossen. Madanu- bela-usur war einer der wichtigsten Sklaven Iddin-Marduks, der eine bedeutende Rolle bei der Organisation von dessen Geschaf- ten spielte (vgl. CM 3a S. 45-49). Die Familie des Madanu-bela- 50 Cornelia Wunsch usur wird spater in der groBen Erbteilungs- Nr. 2 (BM 32205) Vs. urkunde Dar 379 aus dem Jahre 14 Dar in Z. 60f. als gemeinsames Eigentum der Sonne von Itti-Marduk-balatu und Nuptaja ausge- wiesen (vgl. dazu auch Roth, JAOS 111, S. 29 Anm. 28). Zu diesem Zeitpunkt war Ina- Esagil-ramat wohl noch am Leben, denn die Urkunde Dar 410 aus dem Jahre 15 Dar behandelt einen Rechtsstreit zwischen ihr und Marduk-nasir-apli, ihrem Enkel, ohne irgend- einen Hinweis, da!3 es sich um eine lange zuruckliegende Angelegenheit handelte oder sie in der Zwischenzeit verstorben ware. Au- Berdem ist zu beobachten, daB der Sklave in Urkunden ab dem Jahre 4 Camb Itti-Marduk- balatu bzw. Marduk-nasir-apli als seinen Herren angibt. Wenngleich diese "Quasi-Fili- ation" nichts iiber den juristischen Eigentii- mer des Sklaven aussagt (vgl. meine Argu- mentation in CM 3a S. 45 und S. 49 Anm. 190 Ende), diirfen wir wohl annehmen, daB Ina-Esagila-ramat diese Sklavenfamilie, iiber die sie laut Z. 9f. und 35f. frei verfugen konnte, entweder bereits zu Lebzeiten ihren Enkeln Marduk-nasir-apli, Nabu-ahhe-bullit und Nergal-uSezib gegeben oder gegen ande- re Sklaven oder Vermogensobjekte ausge- tauscht hat. Z. 5: Nabu-ajjalu wird in der Urkunde CM 3 Nr. 339 aus dem Jahre 4 Camb erst- mals als Sklave des Iddin-Marduk erwahnt (auch Camb 279 und CM 3 Nr. 376); spater wird er wie Madanu-bela-usur als Sklave des Itti-Marduk-balatu bezeichnet. In der Erbtei- lungsurkunde Dar 379: 21 wird ein Nabu- ajjalu aufgefuhrt, als seine Frau erscheint jedoch Gabbi-ina-qate-Banitu (beide auch in der unpublizierten Sklavenliste BM 30897: 4, wo ihre vier Kinder erwahnt werden). Dies spricht jedoch nicht grundsatzlich gegen eine Identitat der beiden Nabu-ajjalus. Bei Ausstellung unserer Urkunde war er noch sehr jung, und es werden keine Kinder erwahnt. Seine erste Frau Kuttaja konnte friih gestorben sein. Die ganze Sklavenfamilie fallt bei der Egibi-Erbteilung an Marduk-nasir-apli. Z. 6: Bel-lumur wird in Dar 379: 15 genannt, auch er gehort zum Erbteil des Marduk-nasir-apli. Z. 8: Die Liicke reicht fur hochstens 5 Zeichen. Fiir eine Erganzung e-lat nu-dun-ne-e-su "abgesehen von ihrer Mitgift", die man hier erwarten konnte, scheint mir kein Platz zu sein, ebensowenig wie fur ku-um nu-dun-ne-e-su "anstelle ihrer Mit- gift". Moglicherweise wird an dieser Stelle noch einmal das Haus erwahnt. Z. 10 Anfang: Die Erganzung wird durch Z. 36 gestiitzt, wo die gleiche Klausel wiederholt wird. Z. 10-12: Aus dieser Formulierung geht eindeutig hervor, daB dieses Silber bereits in das Geschaftsvermogen der Familie Egibi eingeflossen ist. Z. 16: Die beiden jiingeren Sohne des Itti-Marduk-balatu werden nicht beim vollen bzw. richtigen Namen genannt: Fiir Nabu-ahhe-bullit steht die auch sonst haufig belegte Kurzform Liblut, wahrend Nergal-uSezib, der gelegentlich unter den Spitz- namen Pursu erscheint, vom Schreiber dieser Urkunde konse- quent Nergal-uSallim genannt wird. Z. 18: Eine Erganzung fja-a-(u "in bar" am Anfang ist moglich, aber nicht sicher; der Betrag steht aber offenbar im Gegensatz zum nachfolgend genannten Silber in Vermogenswer- ten. Z. 23: Die jiingste Tochter, Nanaja-ejirat, wird hier mit Kurznamen Etirtu genannt. Z. 24f.: Vgl. die Parallelstelle in BM 33997 (Nr. 8), Z. 19f: [e]-lat nu-dun-du-u sd mdMarduk-na-$i-<ir>-apli [abusina id-di]- nu-si'-na'-tUt Z. 30: In der vorangehenden Liicke ist vermutlich entweder um mala m Iddin-Marduk balfu oder ... * Ina-Esagila-ramat balfat zu erganzen. Es laBt sich nicht eindeutig entscheiden, auf wen sich der Satz bezieht. Bei der ersten Variante handelte es sich um eine in Schenkungen auf den Todesfall haufig anzutreffende Klausel, mit der sich der Verfugende Eigentum und NieBbrauch auf Lebenszeit vorbehalt. (z.B. TCL 13, 174 (betrifft Mitgift), VS 6, 184 (= NRV 27) (betrifft Sklaven), CM 3 Nr. 260 (betrifft das gesamte Vermogen)). Allerdings folgte dann unmittelbar ein Subjektwechsel im nachsten Satz. Daher ist nicht auszuschlieBen, daB sich die Bestimmmung auf Ina-Esagila-ramat bezieht. Ihr wiirde damit NieBbrauch (aber kein Verfugungsrecht - dem stehen Z. 7-10 und 35-38 indirekt und Z. 37f., falls die vorge- schlagene Erganzung und Interpretation korrekt ist, direkt entge- gen -) am Vermogen des Iddin-Marduk bis zu ihrem Tod eingeraumt. Diese Interpretation wird auch durch die folgende Klausel gestiitzt, wonach die Enkel erst nach ihrem Tod das Die Frauen der Familie Egibi 51 Nr. 2 (BM 33205) Rs. - Vermogen iibemehmen sollen. Z. 30: Fur die angegebene Erganzung scheint die Liicke sehr knapp zu sein. Die Zeichenspuren passen jedoch eher zu als zu ki-i, a-di, ina umi o. a. Z. 34: Die Verbform ist wegen der Pleneschreibung wohl eher von leqii als zdzu abzuleiten. Eine parallele Formulierung findet sich in CM 3 Nr. 260: 13-15 (Testament des Itti-Marduk- balatu): Nuptaja Marduk-ndsir-apli Tasmetu-tabni u Esagila- belet arkatu ahdmes ileqqu sowie in BM 33997: 20-22 (Nr. 8), wo allerdings arkatu durcli zeru u amelutu prazisiert und leqii durch s/saqdlu ersetzt ist. Damit ist aber eindeutig, daB arkatu nicht prapositional verstanden werden kann und die Ubersetzung "nacheinander" im vorliegenden Falle ausscheidet. Z. 37f.: Den Inhalt dieser zwei Zeile'n zu erschlieBen ist schwierig, nicht nur wegen der Liicke im Text. Die mit agar ... eingeleitete Formel ist wohl analog zu Z. 10 und 36 zu erganzen und besagt, daB Ina-Esagila-ramat diesen bestimmten Teil von Iddin-Marduks Vermogen entweder frei vergeben oder nicht frei vergeben kann. Da zuvor bereits zweimal ausdriicklich festgehal- ten worden ist, daB ihr das Verfiigungsrecht iiber Haus und Sklaven, die ihr Iddin-Marduk iibertragen hat, zusteht, wird man annehmen diirfen, daB sich die folgende Klausel auf Dinge bezieht, die davon ausgenommen sind. Bei kaspu u nishu gabbi sollte es sich demnach urn jenen Teil von Iddin-Marduks Vermo- gen handeln, der nicht ihr, sondern ihren Enkeln iiberschrieben wurde. Die Bedeutung von nishu ist nicht sicher zu ermitteln. Nishu nasdhu erscheint zwar neben ana kaspi naddnu, rimutu rdmu, ana sirikti sardku und maskanu sakdnu (verkaufen, ver- schenken, verpfanden) als Teil der Verfiigungsbeschrankungen, Nr. 2 (BM 32205) Rd. denen das Eigentum bei Vermogensubertragungen auf den To- desfall bis zum Tode des Vergebenden unterliegt, das Wort steht hier jedoch in einem anderen Zusammenhang. Da nishu auch zur Qualifizierung von Schuldbetragen verwendet wird, sollte man eher an AuBenstande oder durch Pfand gesicherte Forderungen des Iddin-Marduk denken. 52 Cornelia Wunsch Der Stativ fem. von pataru "(ab-, aus-, ein)16sen" kann nur Ina-esagila-ramat zum Subjekt haben und ist wohl so zu verste- hen, daB sie in bezug auf Silber und nishu gabbi keine Rechte und Pflichten hat und daher auch nicht frei dariiber verfugen kann. Falls mit nishu AuBenstande gemeint sind, dann sollte diese Klausel vennutlich besagen, daB Ina-Esagila-ramat nicht fur sie haftet. Z. 39f.: Zu riksa pataru "einen Vertrag brechen, auflosen, ungiiltig machen" s. AHw 849 s. v. pataru G 7; der D-Stamm ist in ahnlichem Kontext in BM 33092: 45f. belegt: ... ri-ik-sa-a-ti PN la u-pat-tar (Transliteration bei Roth, AfO 36/37, S. 48f.). Z. 50: Der Schreiber dieser Urkunde laBt sich - schon wegen Die Frauen der Familie Egibi 53 links: Nr. 2 (BM 32205) Vs. rechts: Nr. 2 (BM 32205) Rs. des fehlenden Almherrennamens, der am Anfang von Z. 51 gestanden haben muB - nicht identifizieren; eine Person dieses Namens erscheint sonst nicht im Zusammenhang mit Angelegen- heiten der Familien Nur-Sin oder Egibi. Z. 51: Unsere Urknnde erwahnt das Urastor von Babylon offensichtlich als Ansstellnngsort des Textes; eine anBergewolm- liche Angabe, die semen offiziellen Charakter unterstreicht. Znr Lokaiisierung dieses Tores im Siiden beim Bezirk Suanna s. A.R. George, Babylonian Topographical Texts (= OLA 40), Leuven 1992, Karte S. 24. Es scheint rnir wenig wahrscliemlich, abul dUras als Teil des Almherrennamens des Schreibers aufzufassen (etwa Massar-abuI-Uras), da ein solcher m. W. nicht belegt ist. 54 Cornelia Wunsch BM 32072 (= 76-11-17, 1799) + BM 41592 (= 81- 6-25, 207) Kopie: Nr. 3 (ersetzt Camb 216, dort ist nur das Fragment BM 32072 kopiert) Transliteration und Ubersetzung zuletzt CM 3 Nr. 336, nunmehr zu vervollstandigen: 8 a-na mKur-ban-nu-d Marduk mar-su 9 sd mE-tel-lu mar mE-fe-ru 10 id-din 1-ew-TA.AM sd-fa-ru 11 il-te-qu-u 1. Rd. [x (x)] sd m[ ] 12-16 Zeugen Etellu/Musezib-[...]/Etiru (Vater des Brautigams) Bel-udammiq/Bel-ahhe-iddin/Egibi (Schwager des Itti-Marduk-balatu) Kmaja/Nurea/lPanni (erster Zeuge in Camb 215) Arad-Bel/Marduk-remanni/Etiru (zweiter Zeuge in Camb 215) 17f. Schreiber Itti-Nabu-balatu/Marduk-bani-zeri/Bel-etiru Kommentar Z. 5: Am Anfang ist I1 a-{a}-me-{me}-lut-tuA (korrigiert iiber unvollstandige Rasur) zu lesen. Z. 6f.: Der in CM 3 Nr. 336 in Klammern erganzte Text ist vollstandig erhalten. Nr. 3 (BM 32072+41592) BM 34241 (= Sp 347) Duplikat: BM 35492 (= Sp 2, 1084) Kopie: Nr. 4 a und 4 b Transliteration 1 [mKa]lJba^-a mar2-su sd m$il-la-a mar2 mNa-ba-a-a [ina Jjud libbisu] 2 30 mana kaspu 2 GUR ^zera zaq-pi ina lez[eri-su sd fjarri sd (md]r mIlu (DINGlR)-tillati (ILLAT)-O 3 sd ina S3timLi-ta-mu 5-ta a-me-lu-tu4 u (u-de-e biti) 4 ik-nu-uk-ma it-ti *Amat-dBa-b[ab martisu] {a-na) 5 nu-dun-nu-u a-na mdMarduk-na-sir-[apli mar2-su sd (m]Itti-dMarduk-balafu) 6 mdr2 mE-gi-bi mar mdrti sd mIddin-diMarduk (u {lna- E?)-[sag-ila-ramdt iddin] 1 kaspa a4 30! mana' mIddin (SUMy^Marduk mar2-su [sd mIqisaja mar mNur-dSin] 8 ina qdteu mKal-ba-a mdr2-su sd m$il-la-a mar2 [mNabaja maljir] 9 l-ew-TA.AM sd-fa-ri <il>-qu-ii x[ ] 10 a-na {Amat-dBa-ba6 im-[ja-x[ 11 5-ta a-me-lut-tu4 rx x7-[ ] 12 mdMarduk-na-[sir-apli ] Rest des Vertragstextes, Zeugen, Schreiber und Datum nicht erhalten. Ubersetzung Kalbaja [hat aus freiem EntschluB] 30 Minen Silber, 2 Kur (mit Baumen) bepflanzte Anbauflache von [seinem] Feld [am Bewasserungsgraben der Familie] Ilu-tillatl, das (sich) in Litamu (befindet), 5 Sklaven und Hausrat unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde mit Amat-Baba, [seiner Tochter], als Mitgift an Marduk-nasir-apli, den Sohn des Itti-Marduk-balatu aus der Familie Egibi, den Sohn der Tochter des Iddin-Marduk und der Ina-E[sagila- ramat, gegeben]. Dieses Silber, 30 Minen, hat Iddin- Marduk von Kalbaja [erhalten]. Je ein Schriftstiick haben sie an sich genommen. [...] an Amat-Baba ... [...], 5 Sklaven und Haus[rat ...] Marduk-nasir-apli [...]. K o m m e n t a r Diese Urkunde ist in zwei Exemplaren iiberliefert, die beide lediglich Oberflachenfragmente der Vorderseite sind. Bei BM 34241 ist noch ein Teil des linken Randes und der linken unteren Ecke zu erkennen. Die erste erhaltene Zeile scheint tatsachlich der Beginn des Textes zu sein, da zum einen der Satzzusammen- hang am Anfang nichts vermissen laBt und zum anderen rechts oben ein ca. 2 mm breiter Steg erhalten ist,.auf dem keine Spuren von Keilen zu erkennen sind. Die Zeilenaufteilung der Transliteration folgt BM 34241; der nur in BM 35492 erhaltene Text ist in runde Klammern gesetzt. Das Formular folgt in Z. 1-6 den Mitgiftvertragen Camb 215 und 216 sowie BM 30441 (Nr. 6) mit Ausnahme des eingefiigten iknuk-ma in Z. 4. Es folgt die Quittungsklausel iiber den Silber- betrag, der sich nach dem Vermerk iiber die doppelte Ausferti- gung der Urkunde wohl eine Regelung iiber Sklaven und Hausrat (und wahrscheinlich auch das Feld) anschlieBt, die allerdings zu fragmentarisch ist, um eine sichere Ergauzung zu gestatten. Man vergleiche jedoch BM 30441 (Nr. 6, Mitgift der EriStu), wo Die Frauen der Familie Egibi 55 ebenfalls der in der Mitgift enthaltene Silberbetrag als bereits ausgezahlt quittiert wird, wahrend die Ubergabe von Feld, Skla- ven und Hausrat noch zu erfolgen hat. Z. 2 Ende: Vgl. die Grundstiicksbeschreibung in Dar 26, wo der angrenzende Teil des Feldes an Marduk-nasir-apli verkauft wird. Dort erscheint in Z. 7 har-ri sd mar mIlu-tillati-i als seitliche Begrenzung gegeniiber dem Mitgiftfeld. Z. 4: In BM 35492 ist wohl [ik-nu-u]k-rku~*-tna zu lesen. Z. 7: Am Betrag 30 mana ist korrigiert worden, ohne zu radieren. Z. 11: Die Zeichenspuren am Ende konnten zu rw! (iiber andere Zeichen) u}-[de-e biti ...] "und Hausrat" gehdren. Nr. 4a (BM 34241); Rs. nicht erhalten Nr. 4b (BM 35492); Rs. nicht erhalten BM 30441 (= 76-11-17, 168) Kopie: Nr. 6 Transliteration und Ubersetzung Roth, JAOS 111, S. 29 mit Anm. 30 und 32 nach Bertin 2580. Kommentar Z. 4 lies ul-tu muhhi statt u GU TU UGU (Anm. 32 entfallt damit). Z. 10 Ende lies i-ha-za*. Z. 21 lies m[Sd]*-dBel-at-ta mdru sd miMarduk-suma- ibni (D[U]*) mar mE-gi-bi (vgl. die Belege bei Tallqvist, NN). BM 41316 (= 81-4-28, 864) Kopie: Nr. 5 Duplikat zu BM 41434 (= 81-6-25, 45), Kopie: BOR 2, S. 3f. Transliteration und Ubersetzung Pinches, BOR 2, Iff. Kommentar Keine Textvarianten. Nr. 5 (BM 41316) BM 33934 (= Sp 30) Kopie: Nr. 7 Transliteration und Obersetzung Roth, JAOS 111, S. 31 mit Anm. 35 nach Bertin 2726. Kommentar Z. If.: Beide Zeilen sind iiber eine Rasur geschrieben; lies gegen Bertin [Bal-ta (statt DA)-am-mu; wie in 33933: 4 (Nr. 12). Z. 19: Lies mdMaddnu-iddin statt mdHAR.SE§?.MU und mdBel- 56 Cornelia Wunsch gab-bi-bel-um-ma statt miEN.hM-il-ka-ma. Fiir wei- tere Belege zur Schreibung dieses Namens vgl. den Kommentar zu BM 33997 (Nr. 8), Z. 4. Z. 21: Der Name des Empfangers ist mdA-num- mukin (GIN)-ap-lu zu lesen. Er ist Sohn des Anu- aha-iddin aus der Familie Ea-qalu-isemme und er- scheint auch in BM 33935 (unpubliziert). Es han- delt sich um eine Quittung aus der Zeit des Darius (Jahreszahl nicht erhalten), bei der in Z. 12-15 vennerkt ist: kaspu sim ... **z0ri ... u 10 amelutu sd Marduk-na$ir-apli ana Anu-mukfn-apli iddinu "Das Silber ist der Kaufpreis fur ein Grundstuck ... und 10 Sklaven, die M. an A. verkauft hat." Ohne Zweifel wird damit auf die gleiche Transaktion verwiesen, die auch in unserer Urkunde erwahnt wird. Z. 22: Bei ma-a-a-sd-al-tuA (fiber Rasur) konnte es sich um eine Verschreibung fiir mafaltu handeln [Ich verdanke diesen Vorschlag Michael Jursa]. Statt teUKKIN lies "SUKKAL. linker Rand: Statt NA4.KISIB, lsul-l[u-ma-a], DI.KfUD] lies: na<KISIB, mMusezib (KAR)- iMarduk ([AMAR.U]TU), DI.K[U5] (die Beischrift steht kopf)- Es ist anzumerken, daB Sullumaja in der Zeugenliste nicht als Richter bezeichnet wird und die Position am linken Rand oben dem ranghoch- sten (d.h. zuerst genannten) Richter zusteht. Nr. 6 (BM 30441) 40 as 20 Die Frauen der Familie Egibi 57 Nr. 7 (BM 33934) 45 30 Nr. 8 (BM 33997) Vs. 58 Cornelia Wunsch BM 33997 (= Sp 93) Kopie: Nr. 8 Transliteration 1 cAmat-6Bdba martu sa mKal-ba-a mar mNa-b[a-a-a] 2 [in]a Iju-ud lib-bi-su Sezera zaq-pi u me-r[e-su] 3 [sd ur]u {ina} Bit-^rabi (GAL)-ka-si-ru sa ina muthi nar Ju-pd-su 4 [mdZ\a-ba4-ba4-iddin mdMaddnu-iddin mdBel-li-gu-ub- bu-um-ma 5 [mA-hu-s]u-nu mdNabu-re-he-tu4-u-sur mdBel-it-tan-nu 6 [x x (x)]-{xx-tu4 aNa-na-a-bela-ii-sur {Ha-ds-da-a-a- i-tu4 7 [// {A-b]at-su-nu sa mdMarduk-na-si-<ir>-apli 8 [marsu sa mItti-d]Marduk-baldtu mar mE-gi-bi mu-u- tu sa lAmat-dBdba 9 [iknuku-m]a ku-u nu-dun-du-u sa (Amat-dBdba 10 [ana lAmat]-dBaba id-din-nu u {Ma-la-a-kal-lu 11 [u {Itti-dNinlil-ini (IG]I)-/o sa mKal-ba-a 12 [marsu sa m$illaja mar mNa-ba]Jdx-a a-na {Amat- dBdba 13 [ ] id-di-nu-su Rs. 14 [naphar \2-ta amelutu] it ^zerd (NU) zaq-pi [u me- r]e-sii 15 [sa wuBIt-urabi-ka-si-r]u sd ina mufjhi nar fu-paP-su 16 [[Amat-dBdba mdrassu sd m]Kal-ba-a mar mNa-ba-a-a 17 [ina fjud libbisu pdni ^Re-^i-in-du {Be-let-tu4 18 [// *Eristu m]drdti"Ki-su a-na u4-mu sa-a-ta 19 [tusadgil e]-lat. nu-dun-du-u sd mdMarduk-na-si-<ir>- apli 20 [abusina id-di]-nu-si'-na'-tu4 xRe-i-in-du 21 [£Beletu] u {E-ris-tu4 it-ti a-ha-mes-su 22 [^Yzeru u Vsa-me-lut-tu4 i-saq-qa-la-a-a^ 23 ma-la a-ha-mes i-le-qu-a-a* \-ta dr-ka-tu4 24 sd 2-i i-<saq>-qa-la-a-a> 25-30 Zeugen Marduk-nasi<r>-apli/Itti-Marduk-balatii/[Egibi] (Ehe- mann der Amat-Baba) Nabu-ittannn/Ardija/[ Sin-ill] Arad-Baba/Musezib-[Marduk]/[Aslaku] Ardija/Marduk-suma-u[.../...] Zerija/Itti-Nabu-balatn/E[gibi?] [...]//Hgibi 31 Schreiber (?) [...]/Bel§unu Ansstellungsort und Datum weggebrochen Ubersetzung Amat-Baba hat aus freiem EntschluB die (mit Dattel- palmen) bepflanzte und (fiir Getreideanbau) kultivierte Anbauflache [in] BTt-rab-ka^iri am Tupasu-Kanal (und) Zababa-iddin, Madanu-iddin, Bel-gabbi-Belunuua, Ahii- sunu, Nabu-rehti-usur, Bel-ittannu, [...]-tu, Nanaja-bela- usur, Ha^dajitu [und] Ahassunu, die Marduk-nasir-apli, der Ehemann der Amat-Baba, [unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde] anstelle der Mitgift der Amat-Baba [an] Amat-Baba gegeben hat, und Malakallu [und Itti- Ninlil-mija], die Kalbaja an Amat-Baba [...] gegeben hat: [insgesamt 12 Sklaven] und die (mit Dattelpalmen) be- pflanzte [und] (iiir Getreideanbau) kultivierte Anbaufla- che [in Blt-rab-kasiri] am TupaSu-Kanal hat Amat-Baba [aus freiem Entschlufi an] Re'indu, Beletu [und EriStu], ihre Tochter, auf ewige Zeiten [(als Eigentum) iibertra- gen.] Abgesehen von der Mitgift, die Marduk-nasir-apli, [ihr Vater], ihnen gegeben hat. Re'indu, [Beletu] und Eristu werden das Feld und die Sklaven gemeinsam ub'er- nehmen. Soviel sie gemeinsam an sich nehmen, wird eine den NachlaB des (so!) anderen (= wie die and ere?) iiber- nehmen. K o m m e n t a r Die Tafel ist offensichtlich eine Abschrift; der Text wnrde an einigen Stellen miBverstanden und korrigiert. Sie ist auBerdem erheblich zu klein bemessen. Z. 4: Der Name des Sklaven Bel-gabbi-Belumma "Herr der Gesamtheit ist Bel'" erscheint hier in einer stark verfremdeten syllabischen Schreibung. Weitere Belege fur diesen Sohn des Madanu-bela-usur sind: BOR 2, 3: 5 und Duplikat BM 41316 (Nr. 5) ^Bel-gab-bi-^bel-um-ma und BM 33934: 19 (Nr. 7) ^Bel-gab-bi-bel-um-ma. Z. 6: Es ist unsicher, vvelcher Name am Anfang zu erganzen ist. Laut BOR 2, 3 hatte Marduk-nasir-apli im Jahre 16 Dar die ganze Familie des (inzwischen wohl verstorbenen und daher nicht selbst genannten) Madanu-bela-usur an seine Frau zur Kompensation ihrer Mitgift ubereignet. Nabu-rehti-usur und Bel- ittannu werden dort nicht genannt, aber (in umgekehrter Reihen- folge) in BM 33934 (Nr. 7), wo ihnen Itti-Ninurta-inija folgt. Urn diesen kann es sich hier jedoch nicht handeln, die Endung -tu deutet vielmehr auf eine Sklavin. Allerdings sind uns keine weiteren Tochter des Madanu-bela-usur als die nachtblgend ge- nannten bekannt. In BOR 2, 3: 7 wird aber nach der Familie noch eine Sklavin Kiisirtu aufgefiihrt. Die erhaltenen Zeichen- spuren passen allerdings nicht recht. Z. 11: Die Sklavin Itti-Nmlil-inija wird auch in BM 33933: 6 (Nr. 12) nach Malakallu genannt. Z. 22: Anstelle des zu erwartenden lequ (vgl. z. B. Dar 379: 27, 52; BM 32205: 33 (Nr. 2)) erscheint hier und in Z. 24 (mit Emendation) ein Verb s'saqalu, fur das CAD S, S. 168, nur jB Belege und den Hinweis auf aram. s'qal "take away" bietet. Vgl. dazu J.C. Greenfield, "The Root sql in Akkadian, Ugaritic and Aramaic," UF 11 (1979), S. 325-327, und J. Huehnergard, "Further South Semitic Cognates to the Akkadian Lexicon," FS Leslau (Wiesbaden 1991), S. 690-713, der auf S. 702 unter dem Stichwort saqalu ausfuhrt: "Both the rare saqalu and a few instances of saqalu denote 'carry, take'. It is likely that these are biforms and that both derive from also attested in Aram, and Ug. with the same meaning ..." Z. 23f.: Die Bedeutung dieser Klausel ist nicht recht klar. DaB es sich urn eine Regelung zum Nacherbe handelt, wenn eines der Geschwister stirbt, scheint mir wenig wahrscheinlich. Eine derartige Bestimmung findet sich z. B. in BM 33092: 37-41 (Roth, AfO 36/37, S. 48f.) und bedient sich eines anderen Formulars. Man wiirde vielmehr eine Angabe iiber die GroIJe der jeweiligen Anteile erwarten, zumal bezeichnenderweise die For- mel aki zizdtisina "entsprechend ihren Anteilen" in der vorange- henden Klausel fehlt. Allerdings wird mit arkatu allgemein das Erbe, nicht der Erbteil bezeichnet. Die knappe Formulierung und Die Frauen der Familie Egibi 59 der Mangel an Paralleltexten erlauben keine Entscheidung. Z. 31: Offenbar der Schreiber, allerdings ist nicht klar, ob der erhaltene Name als Personenname, Vatersname oder Ahnherren- name zu verstehen ist. Z. 32: Vom Datum ist nur ein Teil des Herrschertitels erhal- ten. Die Urkunde ist wegen der erwahnten Sklavenfamilie zwi- schen etwa 20 Dar (Tod des Madanu-bela-usur) und 34 Dar (Verkauf an Anu-mukin-apli laut BM 33934 (Nr. 7)) einzuord- nen. DT 233 Kopie: Nr. 9 Duplikat: Birmingham Museum and Art Gallery, 1761.A.1982 (Publikation durch M. Jursa in Vorberei- tung) Transliteration 1 [5ez<?rw zaqpu u] me-re-su sd uru{ina} Bit-habi (GAL)- ka-si-ru 2 [sa ina mufjfji ndr Jupasu mdZa]-ba4-ba4-iddin mdMadanu-iddin 3 [mdBel-gabbi-dBel-um-m]a mA-f?u-su-nu mdNabu-re-t}e- tu4-u-sur 4 [mdBel-ittannu fx x (\)-tu] idNa-na-a-bela-u-sur 5 [fHasdajitu fAfyat-su]-nu {Ma-la-a-kal-lu u 6 [Htti-Ninlil-inija sa {Amat-dBab]a martu sa mKal- ba-a 7 [mar mNabaja assat mdMardu]k-na-si-<ir>-apli 8 [taknuku-ma pan lR]e-^i-in-du 9 [{Beletu u {Eristu] mdrdtimei-su 10 [tusadgilu ... ] x a-na si-bu-tu Rest des Vertragstextes bei DT 233 weggebrochen; es schlieBt das Duplikat an: 11 [sd miMarduk-na\-si-<ir>-apli mdru sd mltti-dMar- duk-baldfu 12 [x x (x)] NA? AD HU sd lezeri it ^a-me-lut-tu 13 [x x (x)] xex-\i-ir mim-ma zittu (HA.LA) sd ^Re-i-in- du 14 [(B]e-/et-tu4 u {E-rriP-tu4 ina iezeri u 15 a-me-lut"'-tu4 su-a-ti ia-a-nu a-sar gab-ri sd 16 fuppi (DUB) su-a-ti in-nam-ma[r-ru ] Zeugen weggebrochen Rs. 1' Schreiber [...]//Gahal Ausstellungsort und Datum weggebrochen Ubersetzung [(Was) die (mit Dattelpalmen) bepflanzte und] (fur Getreideanbau) kultivierte [Anbauflache] in Bit-rab-kasiri [am Tupa§u-Kanal] (und) Zababa-iddin, Madanu-iddin, [Bel-gabbi-Belumma], Ahusunu, Nabu-rehti-usur, [Bel- ittannu, ...-tu], Nanaja-bela-usur, [Hasdajitu, Ahassunu], Malakallu und [Itti-Ninlil-inija (betrifft), die Amat-Baba, die Ehefrau des] Marduk-nasir-apli [unter Ausstellung einer gesiegelten Urkunde an] Re'indu, [Beletu und Eristu], ihre Tochter, [als Eigentum iibertragen hat: ...] auf Ver- langen (Duplikat: [des] Marduk-nasir-apli [...] des Feldes und der Sklaven [...] beglichen. Irgendeinen Anteil der Re^ndu, Beletu und Eri§tu an diesem Feld und diesen Sklaven gibt es nicht. Wo ein Duplikat dieser Urkunde gesehen wird, [gehort es ...].) Kommentar Ich verdanke Michael Jursa den Hinweis auf das bisher unpublizierte Fragment in Birmingham, das aller Wahrschein- lichkeit nach ein Duplikat unseres Textes darstellt. Es handelt sich um den unteren Rand der Tafel; der Text schlieBt mit -[tu] (Z. 10 Ende) an. Meine Ubersetzung dieser sechs Zeilen basiert auf Kopie und Transliteration, die mir M. Jursa freundlicherwei- se zur Verfugung gestellt hat. Beide Exemplare dieses Textes wie auch BM 33997 (Nr. 8) weisen die Schreibung na-si-<ir> auf und konnten vom gleichen (Ab)schreiber stammen. Die vorliegende Urkunde widerruft die vorangegangene Schen- kung Amat-Babas zugunsten ihrer drei Tochter, offenbar auf Veranlassung ihres Ehemannes, Marduk-nasir-aplis, der zuvor bei der Schenkung als Zeuge anwesend war und damit seine Zustimmung erteilt hatte. Rs. 3': Vom Datum ist nur ein Teil des Herrschertitels zu erkennen. Zur zeitlichen Einordnung vgl. die vorhergehende Urkunde. Nr. 9 (DT 233) 60 Cornelia Wunsch BM 33932 (= Sp 28) Kopie: Nr. 10 Transliteration und Ubersetzung Roth, JAOS 111, S. 32 mil Anm. 39 nach Bertin 2706. K o m in e n t a r Z. 5 Ende: Das Zeichen ist eindeutig RI, ebenso Bertins Kopie. Z. 7: 2*-ta §U". Auf der Tafel sind z\vei Senkrechte zu erkennen, die gebrochen sind, vermutlich ist am Zeichen ohne Rasur korrigiert worden. In Z. 9 ist im Gegensatz dazu ein echtes A-ta zu sehen, mit drei Senkrechten in der oberen Reihe und Nr. 10 (BM 33932) einem darunter. Fur die Lesung 2 statt 4 sprechen auch inhaltli- che Erwagungen: Es gent um einen Anteil an einern Feld, den Rimut-Bel in ungeteilter Erbengemeinschaft mit seinem Bruder innehat. Bei zwei Brudern stehen dem alteren zwei Drittel, dem jiingeren ein Drittel zu. Ein Anteil von vier Funfteln kann nur zustandekommen, wenn von vier Brudern zwei ihren Anteil dem altesten uberschreiben oder verkaufen - ein eher unwahrschein- licher Fall. Auf dem linken Rand befinden sich Beischrift und Siegel eines Richters Rimut-Bel, der in der Zeugenliste ausgelassen worden ist. Er ware auf Position 2 zu erwarten. Aulter den Richtern und dem Schreiber erscheinen nur Fami- lienangehorige als Zeugen. Die Frauen der Fami lie Egibi 61 Rm 681 Kopie: Nr. 11 Transliteration Roth, JAOS 111, S. 32 mil Anm. 41. U bersetzung [x] Silber von l/8-««/7/?///;/-Qualitat, (Forderung) des Nidinli zu Lasten von Nabu-ahhe-bullit. Sein Hans, das neben dem Haus des Murasu [und] neben dem Haus des Arad-Mardnk (liegt), ist [Pfand] des Nidinti fiir fiinf Jahre. [Miete des Hauses] und Zins des Silbers gibt es nicht. Nidinti wohnt [darin]. Nabu-ahhe-bullit wird ihn aus dem Haus [nicht] auszuziehen veranlassen, und das Silber wird Nidinti [auf fiinfj Jahre <von> Nabu-ahhe- bullit nicht (zuriick)erhalten. [Die Arbeit an Ziegeln], Rohr(geflecht) und Balken, [soviel] er [darin] ausfuhrt, wird Nidinti [...] dem Nabu-ahhe-bullit [in Rechnung stellen]. Das betreffende Silber, von dem Nidinti [fblgender]maBen [gesprochen hat]: "(Es handelt sich urn) die Mitgift der Susanni, [meiner Frau,] und ich habe sie auf ihre Anweisung hin [an] Nabu-ahhe-bullit ge- zahlt." Kommentar Z. 3: DUMU sd* Z. 4: si-gu-u*-a Z. 7-10 sind wohl folgendennaBen zu erganzen: mNi-din-ti (8) [ina libbi] Ta^-si-ib mANabit-ahh^-bul-lit ul-tu biti (9) [ul u- s)e-es-si-is u kaspu mNi-din-ti (10) [adi 5-la sd\nati ([M]U)me5 <ina qati> ^Nabii-ahh^-bid-lit id i-mah-har. Mit dieser Klau- sel wird die Laufzeit des Darlehens und der damit verbundenen Nutzung des Hauses durch den Glaubiger noch einmal ausdriick- lich fixiert, um einer vorfnstigen Kiindigung entgegenzuwirken. Z. 11: ri* GlS.UR...; Z. 12: ip-pu-su* Z. 13: Nach dem ublichen Formular ist am Anfang entvveder nichts oder sehr viel (etwa ein Pauschalbetrag, bis zu dem der Mieter selbst fur die Kosten aufzukommen hat) zu erwarten. Da die Zeile auf dem unteren Rand steht, hat sie wahrscheinlich nicht ganz links begonnen. Z. 14f.: Die Liicke am Anfang diirfte mit imanni ausgefullt sein, daher beginnt der nachste Satz wohl mit kaspu sudti. Die von M. Roth vorgeschlagene Erganzung sd mNi-din-ti [id-din- nu]-ma ist jedoch durch den vor -ma erkennbaren Senkrechten ausgeschlossen. We gen des folgenden jdti und attadin ist wohl ehcr an [iqbu u]m-ma als Einleitung einer wortlichen Rede zu denken. Z. 17: [a-na n,dAG.SES].MES>'TIN** ... Datum: Vor der Zahl "9" konnten noch ein oder zwei Winkelhaken gestanden habeii. Statt Roths "left edge" lies "right edge". Die Tafel ist unge- siegelt. Nr. 11 (Rm 681) 62 Cornelia Wunsch BM 33933 (= Sp 29) Kopie: Nr. 12 Transliteration und Ubersetzung Roth, JAOS 111, S. 33 mit Anm. 43 nach Bertin 2716. {Comment ar Z. 6: Statt f2ALAG-drDUMU?",-E-i/-/-r/Y?1 ist {Itti-dNin-h'l-ini (IGI)-i'a zii lesen; die Zeichen- spuren sind bei Bertin bis auf ZALAG, korrekt kopiert. Z. 7: Die leicht beschadigte Zahl ist "11". Bertin hat offenbar einen Kratzer fur einen zweiten Senkrechten gehalten und "12" kopiert. Damit besteht zur Emendation (Roth, Anm. 47) kein AnlaB. Z. 8: Am Anfang ist offenbar [bitu ab]-tu "verfallenes Haus" zu lesen; der Senkrechte von AB ist erhalten. Z. 10: Am Anfang erganze [tah b]it PN. Z. 14: Das Zeichen HI fehlt lediglich in Bertins Kopie. Z. 15f. diirfte folgendermaBen zu erganzen und zu iibersetzen sein: [kaspu {sudti) sa mNi- din-]tuA-dBel iq-bu-u um-ma a-na *rase (TUK)me$ sd muhhi-ia (16) [addinsu ...] "Das (betreffen- de) Silber, von dem Nidinti-Bel folgenderma- Ben gesprochen hat: 'An die Glaubiger, die (Forderungen) gegen mich (hatten), [habe ich es gezahlt.]'" Es handelt sich um einen Ein- schub in den von Z. 1-17 reichenden Satz, der dem Formular einer Vermogensubertragung nach folgendem Schema folgt: PN ina hud libbisu (Objekte) kum (andere Objekte) pdni PNf ana timesati usadgil. Der Einschub bezieht sich auf den Betrag von 26 Minen 50 Sekel Silber, den Gegenwert des Mitgiftfeldes der SuSanni. Aus ihm geht demnach eindeutig hervor, daB das betreffende Feld verkauft wurde, um Nidinti- Bels Glaubiger zu befriedigen (Anm. 44 ist damit gegenstandslos). Ein ganz ahnlich stili- sierter Vermerk, ebenfalls mit wortlich zitierter Aussage des Nidinti-Bel, Findet sich in Rm 681 (Nr. 11) Z. 14f., am Ende des Vertragstextes. Z. 22: Der Name des Richters ist mit aller Wahrscheinlichkeit zu (M)usallim-Marduk (geschrieben DI-i'm-...) zu erganzen. Der erhaltene Senkrechte ist nicht der Personenkeil, sondem gehort zum folgenden Zeichen. Statt Roths "left edge" lies "right edge", der linke Rand ist nicht erhalten. Da die Siegelung entsprechend der Rangfolge auf dem linken Rand beginnt, haben wir dort das Siegel des ersten Richters zu vermuten. Der Name des zweiten Richters scheint nachtraglich eingefugt worden zu sein; sein Siegel konnte daher ebenso wie das des letzten Richters gefehlt haben. AW^H^^F IP ^ AS 25 Nr. 13 (BM 33981) BM 33981 (= Sp 77) Kopie: Nr. 13 Transkription 12 mana kaspu sd ina 1 siqli bit-qu nu-ulj-fju-tu re-fje-et si-me eqli sa ina muKar-dTas-me-tuA nu-dun-nu-u sa {Su-sd-an-ni marti sd mRi-mut-dBel assat (DAM) mNi-din-ti-dBel maru sd mdMarduk-na- sir-apli (A* A) mdr2 mE-gi-bi ina muhfyi mRi-mut-dBel maru sd mBa-nu-nu mar ^Sd-fabti (MUN)bia-.sw bit-su sd ina suq (SILA) duri(B AD) sd tab qandti (GI)meS makkur (NfG.GA) sarri (LUGAL) u (dfj bit mdBel-it-tan-nu 8 maru sd mdNergal-e(ir (KAR)'r mas-ka-nu sd Die Frauen der Familie Egibi 63 cSu-sd-an-ni a-di mufytyi [e]-fe-ri kaspi a4 12 lmand] i-d[i] biti u \ia-a-n\u 9 10 11 fyubul (UR5.RA) kaspi u. Rd. (Su-sd-an-nu ina lib-bi ds-bat' (bak) mim-ma ina u-de-e biti sd mRi-mut-dBel a-na mNi-din-ti-dBel iq-bu-u al-la 13 14 Rs 15 16 17 18 19 l+et *&ersi (NA) 1 ^kussi (GU.ZA) 2 ^litteti (SU.A) mNi-din-ti-dBel ina qate]] mRi-mut-dBel ul ma-fjir a-na mufylfi re-fye-et u-de-e biti mNi-din-ti-dBel u lSu-sd-an-nu assati (DAM)-iw it-ti mRi-mut-dBel ul i-dab-bu-bu 1. Rd. kqaq-qa-ru sd biti su-a-ti ina pan mRi-mut-dBel 20-27 Zeugen Itti-Bel-lummir/Nabu-zeru-lisir/Egibi Bel-asua/Adad-belani/Etiru Marduk-suma-iddin und Kiribti-Marduk/ Rimut-Bel/Sa-tabtl-su (Briider der Susannu) Nabu-kasir/Iddin-Bel/Etiru Mu§ezib-Bel/Karea Na'id-Bel/Gabbi-Belumma Bel-iddin/Liblut/Itinnu 28 Schreiber Nidinti-Bel//Bana-sa-ilij a Ausstellungsort: Babylon Datum: 26.5.1 Xer m ID Ubersetzung 12 Minen Silber von l/8-/7w#/?wft/-Qualitat, der Rest des Kaufpreises des Feldes in Kar- Tasmetu, Mitgift(bestandteil), (Forderung) der Susannu, der Ehefrau des Nidinti-Bel, zu La- sten von Rimut-Bel. Sein Haus in der Mauer- gasse neben dem Grundstiick des Konigs und neben dem Haus des Bel-ittannu ist Pfand der Susannu bis zur Begleichung dieser 12 Minen Silber. Miete des Hauses und Zins des Silbers gibt es nicht. SuSannu wohnt darin. (Was den) Hausrat (betrifft), den Rimut-Bel dem Nidinti- Bel versprochen hat: Aufier einem Bett, einem Stuhl und zwei Schemeln hat Nidinti-Bel von Rimut-Bel nichts erhalten. Wegen des Restes des Hausrates werden Nidin- ti-Bel und Susannu, seine Ehefrau, nicht gegen Rimut-Bel klagen. Das Bauland, das neben dem betreffenden Haus (liegt), steht Rimut-Bel zur Verfiigung. Kommentar Die vorliegende Urkunde ist als Verpflichtungsschein stili- siert. Seinen Gegenstand bilden 12 Minen Silber, die einen Teil des Wertes eines Grundstiickes representieren, das urspriinglich It Nr. 12 (BM 33933) zur Mitgift der Susanni gehort hatte. Diese erscheint folgerichtig als Glaubigerin, als Schuldner ihr Vater. Es sei auf einen ahnli- chen Fall verwiesen, die Urkunde CM 3 Nr. 137. Dort handelt es sich um die Mitgift von Itti-Marduk-balatus Ehefrau Nuptaja. Als Schuldner ist Iddin-Marduk genannt, als gemeinsame Glau- biger sein Schwiegersohn und seine Tochter (vgl. zum Vorgang CM 3a S. 79 Anm. 299).
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