Metronymika in Babylonien. Frauen als Ahnherrin der Familie. more

In: G. del Olmo Lete et al. (eds.): Šapal tibnim mû ilakkū. Studies Presented to Joaquín Sanmartín (Aula Orientalis Supplementa, vol. 22). Sabadell: AUSA 2006, pp. 459–469.

Metronymika in Babylonien* Frauen als Ahnherrin der Familie Cornelia Wunsch Für Joaquín, den Partner vieler anregender Gespräche und Freund in guten wie in schlechten Zeiten Die Verwendung von Vatersnamen, Berufs- und Herkunftsangaben sowie Beinamen im Sinne von Familiennamen ist aus neubabylonischer Zeit gut bekannt. Die Anfänge reichen zwar schon in die Kassitenzeit zurück, können aber wegen des spärlichen Urkundenmaterials aus der zweiten Hälfte des zweiten und ersten Hälfte des ersten Jahrtausends schlecht verfolgt werden. A. Ungnads Verdienst ist es, Die Anregung zu diesem Aufsatz lieferte, wie so oft, ein Zufallsfund. Ran Zadok und Caroline Waerzeggers machten mich unabhängig voneinander auf BM 26487 aufmerksam, da sie zu Recht annahmen, die Urkunde sei für mich in vermögens- und erbrechtlichem Zusammenhang von Interesse. Dabei fielen mir erstmals weibliche Determinative bei einem Familiennamen ins Auge. Als ich mir später bei der Durchsicht von Grundstückskäufen BM 37246 genauer ansah, fand ich den Anfang eines weiteren Namens, der weiblich determiniert war, aber aufgrund seiner Position einen Familiennamen repräsentieren mußte. Um mehr über Herkunft und Gebrauch von Metronymika zu erfahren, wandte ich mich per Email an Professor J. Udolph in Leipzig, der am dortigen Institut für Slawistik Namenforschung betreibt und über den Rundfunk einen breiten Kreis von Interessenten erreicht. Zu meiner großen Freude antwortete er prompt und gab mir nicht nur Literaturhinweise, sondern auch quantitative Informationen zu Metronymika im deutschsprachigen Raum, wofür ich ihm herzlich danke. Eine zusammenfassende Studie zu diesem Thema gibt es seiner Auskunft nach nicht. Allerdings konnte ich mit großem Gewinn die Arbeiten von Hans Bahlow über (deutsche) Metronymika im Mittelalter und von Erika Timm über den aschkenasischen Kulturbereich zu Rate ziehen. Mein Dank gilt zudem allen, mit denen ich Gelegenheit hatte, dieses Thema zu diskutieren und die mir bei der Suche nach neubabylonischen Belegen behilflich waren. Eine vollständige Durchsicht aller Urkundenbelege war––angesichts der Fülle des Materials und der dynamischen Entwicklung unserer Disziplin––weder möglich noch beabsichtigt. Michael Jursa hat für mich die einschlägigen Sammlungen des START Projektes in Wien geprüft, auch Caroline Waerzeggers und Heather Baker haben mir dankenswerterweise Negativ-Befunde mitgeteilt und damit meine Bedenken zerstreut, es könne noch so viel mehr einschlägiges Namenmaterial geben, das mir entweder nicht bekannt oder unzugänglich ist. Dank gebührt Joachim Marzahn für seine Tafelkollationen am Vorderasiatischen Museum. Ganz besonders sei den Herausgebern dieses Bandes für ihre Bestärkung, Hartnäckigkeit und Geduld gedankt. Es gelten folgende Abkürzungen: AN = Ahnherrenname, BN = Berufsangabe als Name, FN = Familienname, GN = theophores Element eines Namens, HN = Herkunftsangabe als Name, PN = Personenname; VN = Vatersname;. Bei Filiationen werden die Elemente als PN/VN//AN bzw. PN/VN und PN//AN veranschaulicht. Bibliographische Angaben sind am Ende aufgelistet. Studies Presented to Joaquín Sanmartín Aula Orientalis-Supplementa 22 (2006) 459-469 * 459 CORNELIA WUNSCH auf diese Tatsache hingewiesen und die ersten Belege für den Gebrauch von Familiennamen im 9. Jahrhundert gesammelt zu haben.1 W.G. Lambert2 hat den Gedanken in seiner Studie zu Schreiberfamilien und -traditionen weiter ausgeführt und auf eine gelehrte Interpretation babylonischer Familiennamen aufmerksam gemacht. Auf die frühesten datierbaren Belege für die Verwendung von Berufsbezeichnungen als Familiennamen hat J.A. Brinkman hingewiesen.3 Ein weiterer wesentlicher Grund, warum sich die Herausbildung einer Familiennamentradition so schlecht beobachten läßt, liegt in der mehrdeutigen Art und Weise, wie Filiations- und Herkunftsangaben bis zu Beginn der neubabylonischen Zeit gehandhabt wurden. In der Formel PN1 DUMU PN2––wörtlich „PN1, „Sohn“ des PN2“––mag letzterer sowohl den Vater, als auch einen entfernteren Vorfahren bezeichnen.4 Bei PN1 DUMU lúBN kann sich das zweite Element sowohl auf den Beruf des Vaters, wie auch auf den eines Vorfahren (oder auf beide, angesichts der Erblichkeit vieler Berufe) beziehen. Ein isolierter Text kann zu diesen Fragen keine Auskunft geben. Nur wenn das Schicksal einer Familie über mehrere Generationen verfolgt werden kann, lassen sich die Beziehungen der Individuen untereinander klären––und damit auch die Frage, wie die Filiationsangaben jeweils zu verstehen sind. Wären mittelbabylonische Privatarchive mit entsprechender Laufzeit in größerem Umfang überliefert und publiziert, könnten wir besser beobachten, wie sich Beinamen, Berufsbezeichnungen und die Namen bestimmter Vorväter nach und nach zu Familiennamen im heutigen Sinne entwickelt haben. Eine erfreuliche Neuentdeckung bietet ein unlängst von O. Pedersén vorgestelltes kassitisches Archiv, das aus einem Privathaus im Stadtteil Merkes von Babylon stammt, im Rahmen der deutschen Babylon-Grabungen 1909 gefunden wurde und etwa einhundert Tafeln umfaßt.5 Nach Angaben von Pedersén datieren diese von 1206–1157 v. Chr., mit einigen isolierten älteren Texten bis 1270 v. Chr. zurückreichend. Die Hauptpersonen Itti-Ezida-lummir und Gula-šumu-l∞šir bezeichnen sich zwar als „Söhne“ eines gewissen Ur-Nanna, da aber einer von ihnen auch einen anderen Vatersnamen angibt und überdies ein weiterer „Sohn“ des Ur-Nanna etwa ein Jahrhundert vor ihnen im Archiv erscheint, schließt Pedersén sicher zu Recht, daß der Name Ur-Nanna, der im übrigen auch in späteren Perioden als Familienname gut belegt ist, in besagtem Archiv nicht den Vater der Individuen bezeichnet, sondern einen gemeinsamen Vorfahren. 1. A. Ungnad, AnOr 12. 2. W.G. Lambert, JCS 11. 3. BM 40548, aus der Regierungszeit Er∞ba-Marduks, ca. 775 v. Chr. zu datieren: J.A. Brinkman, Fs Sjöberg. Es handelt sich um lúGÍR.LÁ = ÿbi≠u „Schlachter“ und lúSIMUG = napp¿≠u „(Grob)schmied. Darüber hinaus ist lúGÍR.LÁ-dAMAR.UTU = ÿbi≠ Marduk „Schlachter des Marduk-(tempels)“ um 690 v. Chr. bezeugt (YBC 11377:17, 690 v. Chr. [Anm. 35]), während lú É.MAŠ-DN = šangû-GN „…-Priester“ sogar schon im dritten Viertel des 9. Jhs. vorkommt: VS 1 35: 52 [Anm. 36]. Die beiden letztgenannten verdeutlichen, daß es sich bei den Stammvätern um Pfründner handeln dürfte, die Familien somit der lokalen Oberschicht zuzurechnen sind. Für den Namen D¿bib∞ (ab 765 v. Chr. bezeugt) siehe J.A. Brinkman und S. Dalley, ZA 78 (1988), S. 90 mit Anm. 56–58, für Rab-banê (ab 711) S. 90 mit Anm. 61. 4. So schon A. Ungnad, AnOr 12, S. 319f. 5. O. Pedersén, Babylon, Archiv M8 (S. 93–101). Von den 98 bzw. 100 bei der Grabung dokumentierten Tafeln konnte der Autor 36 am Vorderasiatischen Museum und 19 in Istanbul lokalisieren. Einige sind schon wegen ihres Äußeren bemerkenswert, weisen doch sechs von ihnen Ritzzeichnungen auf. Das Archiv enthält––wie bei Privatarchiven nicht unüblich (vgl. M. Jursa, Guide, S. 57f., zu deren Struktur)––Dokumente, die Eigentumsrechte an Grundstücken und anderen Vermögensobjekten dokumentieren, darunter 22 Kaufurkunden, von denen neunzehn Siegelabrollungen bzw. -abdrücke und drei Nagelmarken aufweisen. Nicht alle betreffen Vermögen der Archivinhaber, vielmehr agierten letztere als Schreiber und Notare bei Geschäften anderer und archivierten offenbar Kopien oder Konzepte unter ihren Urkunden, wie dies bereits von neubabylonischen Beispielen bekannt ist (zu Nabû-a≠≠ē-iddin, dem königlichen Richter aus der Familie Egibi, der Prozeßakten in seinem Archiv aufbewahrte, s. C. Wunsch, AOAT 252; zu Notaren aus der Familie ãÃiru s. C. Wunsch, BaAr 3 [in Vorbereitung]). 460 METRONYMIKA IN BABYLONIEN Dieser Sachverhalt ginge, wie bereits angedeutet, aus einem isolierten Text nicht hervor, solange man nicht sicher sein kann, wen das mit DUMU eingeleitete zweite Glied der Namenskette bezeichnet. Erst mit Beginn des neubabylonischen Reiches bringt die nun wieder reichhaltig einsetzende Urkundenüberlieferung ein System hervor, das die eindeutige Unterscheidung von Vaters- und Ahnherrennamen gestattet. Filiationen werden nun in die Form PN A / DUMU-šú šá VN A / DUMU AN gekleidet, die auch bei Ausfall eines Gliedes den Vaternamen vom Ahnherren- bzw. Familiennamen abgrenzt.6 Das Bedürfnis, Personen solcherart voneinander zu unterscheiden, entstand in Babylonien––wie auch im mittelalterlichen Europa––vor dem Hintergrund prosperierender Städte mit regem Handelsleben und einer breiten vermögenden Mittelschicht, deren umfangreiche Geschäfte und Vermögenstransaktionen der Schriftform bedurften. Es muß daher nicht verwundern, dieses System gerade in der neubabylonischen Zeit voll ausgeprägt zu finden. Demgegenüber fehlen Familiennamen in der assyrischen Überlieferung.7 Babylonische Familiennamen gehen auf Personennamen, Berufe und Herkunftsbezeichnungen zurück; die für Europa so typischen Wohnstättennamen scheinen zu fehlen. Wenn sich kassitische Namen zu Familiennamen entwickelten, wie etwa ïunzu<u oder Kur∞,8 so legt dies eine frühe Entstehung nahe; nachkassitisch wären sie nicht mehr als Personennamen anzutreffen. Auch das im Neubabylonischen kaum noch produktive Namensmuster Amēl-GN zeigt das entsprechende Alter solcher Familiennamen an.9 Der in Babylon häufig anzutreffende Herkunftsname Isinnaja dürfte auf die Zeit der zweiten IsinDynastie zurückgehen, auch ïattaja weist auf frühe Herkunft. Metronymika Eine kleine Gruppe innerhalb der von Personennamen abgeleiteten Familiennamen stellen Metronymika10 dar, d.h. Abstammungsangaben nach der Mutter bzw. nach Frauen im allgemeinen. Je nach Kulturkreis und Zeitpunkt und Umständen der Familiennamenentstehung bzw. -einführung und -verschriftung kann ihr Anteil unterschiedlich hoch sein; in Schottland und Irland z.B. kommen sie quasi nicht vor, während sie bei den Aschkenasen in Rußland zu Beginn des 20 Jh.s immerhin 7% ausmachten.11 Sie haben Seltenheitswert, auch wenn ihr Formenreichtum darüber hinwegtäuschen kann. Im deutschsprachigen Raum beispielsweise beträgt im 14 Jh. das Verhältnis von Metronymika zu solchen Bei- und Familiennamen, die sich aus männlichen Rufnamen ableiten, in Magdeburg 32 : 349, in Braunschweig 16 : 122.12 Ihre geringe Zahl reflektiert ohne Zweifel die soziale Stellung von Frauen in patriarchalisch geprägten Gesellschaften. Daher ist für Mesopotamien nichts grundlegend anderes zu erwarten. Allerdings kann das, was über Metronymika im Mittelalter bekannt ist, den Befund erklären helfen. 6. Ähnlich D.O. Edzard, RlA, Bd. 9 (1998–2001), S. 103–116, s.v. Name, Namengebung B. Akkadisch, besonders § 6.4. zu Namenzusätzen. 7. K. Radner, Privatrechtsurkunden, S. 106. 8. A. Ungnad, AnOr 12, S. 319; W.G. Lambert, JCS 11, S. 2. 9. I. Finkel, Babylon Colloquium S. 338. 10. Dieser Terminus ist sowohl in seiner griechischen, wie auch in seiner lateinisch-griechischen Mischform Matronym gebräuchlich. Es werden unter diesen Begriff in der Regel auch andere Gynäkonymika subsummiert, z.B. Benennungen nach Ehefrauen oder Schwiegermüttern, da nach einer Generation der Unterschied ohnehin nicht mehr wahrnehmbar ist. 11. Bei 15% Patronymika; s. E. Timm, Matronymika, S. 3 mit Verweis auf A. Beider, A Dictionary of Jewish Surnames from the Russian Empire. Teaneck NJ, 1993. 12. Diese Angaben verdanke ich J. Udolph. 461 METRONYMIKA IN BABYLONIEN Iq∞ša, Familie fma-qar-+tiØ als eine von mehreren Personen genannt, die alle mit Personen- und Familiennamen in der Urkunde als Zeugen auftreten und damit ihre Rechte an einem Grundstück aufgeben (Borsippa, 13. Jahr des Aššur-n¿dinšumi postum = 687 v. Chr.): L 1672:319 • Nabû-šum-uk∞n, Sohn des Šamaš-iddin, Familie fma-qar-tu N. hat 4 Minen Silber als Mitgift seiner Ehefrau erhalten, die er nunmehr auf Verlangen seines Schwiegervaters durch einen Anteil an seinem Wohnhaus und einen Dattelgarten kompensiert (Borsippa, 22. Jahr Nebukadnezars = 577 v. Chr.): BM 26487:3f. • Nabû-mušētiq-uddê, Sohn des Nabû-zēr-ibni, Familie +fØ 20ma-qar-tu4 als Nachbar des obigen Dattelgartens im selben Dokument erwähnt, daher mit Sicherheit ein Verwandter des Nabû-šum-uk∞n: BM 26487:17f. • Bēl-ēÃir, Sohn des Nabû-muk∞n-apli, Familie f*21ma-qar-tu4 Zeuge (Borsippa, 4. Jahr des Nabonid = 552 v. Chr.): VS 5 23:17 Belege als Ahnherrenname mit männlichem Determinativ (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): • Nabû-šum-iddin, Sohn des R∞mūt-Gula, Familie mma-qar-tu Schreiber (Bosippa, Jahr 5 Nabonid = 551 v. Chr.): L 1664:1422 Verkäufer eines Hauses in ïursagkalamma (B∞t-šar-B¿bili, Jahr 16 Nabonid = 540 v. Chr.): BM 31852+32108: 6, 8, 18. • Nabû-šum-l∞šir, Sohn des Nabû-šum-iddin, Familie mma-qar-tú Schreiber und Notar,23 sicher der Sohn des Vorigen ([…], Jahr 13? [Darius] = 509 v. Chr.): BM 77492//77744(+)77675 Schreiber und Notar, Familienname nicht erhalten (wohl Borsippa, Jahr 17 Darius = 505 v. Chr.): BM 101981 • Nabû-iq∞ša, Sohn des Nabû-[…], Familie mma-qar-tu Schreiber, wohl Sohn oder Bruder des Vorigen (Borsippa, Jahr 14 Darius = 508 v. Chr.): TuM 2/3 168:16 • […], Sohn des […]-šum-ibni, Familie mma-qar-tú Zeuge ([…], Jahr 13? [Darius] = 509 v. Chr.): BM 77492//77744(+)77675 • Nabû-a≠≠ē-iddin, Sohn des Bēlšunu, Familie mma-qar-tu4 BM 53861 (Dilbat, Akzessionsjahr Nabonids = 555 v. Chr.) [Hinweis von M. Jursa] • Das Vorkommen dieses Namens beschränkt sich somit––soweit bis jetzt belegt––auf wenige Individuen aus Borsippa und Dilbat; allerdings legt eine Familie von ambitionierten Schreibern für das soziale Prestige ihres Familienzweiges Zeugnis ab. Deren Kontakte und Geschäftsverbindungen reichen über Borsippa hinaus, wie der Verkauf eines Hauses in ïursagkalamma zeigt. 19. Umschrift bei F. Joannès, Archives de Borsippa, S. 255. 20. Das Zeichen ist etwas verdrückt, aber seiner Form nach deutlich SAL. 21. Klares SAL auf der Tafel, Kollation: J. Marzahn. M. San Nicolò und A. Ungnad haben interessanterweise in ihrem philologischen Kommentar zu dieser Urkunde (Neubabylonische Rechts- und Verwaltungsurkunden, Nr. 113) den Befund in LÚ emendiert, da offensichtlich auch ihnen die Vorstellung, ein babylonischer Familienname könne sich von einer Frau herleiten und darüber hinaus als solcher bezeichnet sein, undenkbar erschien. 22. Umschrift bei F. Joannès, Archives de Borsippa. 23. Als Schreiber von Immobiliarkaufurkunden führt N. ein Amtssiegel (die beiden hier genannten Tafeln sind gesiegelt), in BM 101981 agiert er allein, in BM 77492 etc. ist er als Dritter nach Bēl-ile<<i-kal¿ma/Nabû-būn-šūtur/R∞šū<a und Nabûušallim/Nabû-apla-iddin/Kudurr¿nu genannt. 463 CORNELIA WUNSCH Es fällt auf, daß die frühesten Belege eine Schreibung mit dem weiblichen Personendeterminativ aufweisen. Den Schreibern dieser frühen Dokumente war demnach der metronymische Ursprung dieses Namens durchaus noch bewußt. Als aber Mitglieder der Familie Maqartu selbst als Schreiber und Notare in vornehme Kreise aufgestiegen waren, scheinen sie jeglichen Hinweis darauf vermieden zu haben: Der Familienname wird fortan mit dem männlichen Personenkeil determiniert. Allerdings ist angesichts der geringen Zahl von Belegen Vorsicht bei der Interpretation dieses Befundes angebracht. 2. Qaqqad¿n∞tu Dieser Name (aus qaqqadu „Kopf“ mit Bildungselement -¿n abgeleitet) spielt auf einen „großen Kopf“ an und bezeichnet in übertragener Bedeutung eine wichtige Person (etwa deutsch Großkopf).24 Er kommt in maskuliner und femininer Form als Personenname vor.25 Die weibliche Form (geschrieben SAG.DU-a(n)-ni-tu1,2,4/ti oder qaq-qa-da-ni-tu4) ist darüber hinaus in neubabylonischer Zeit als Familienname gebräuchlich, allerdings mit männlichem Determinativ. Bislang ist mir nur ein älterer Beleg mit weiblichem Determinativ als Familienname bekannt: • […], Familie (A / DUMU) fQaq-qa-d[a-…] (Ausstellungsort und Datum nicht erhalten): BM 37246: 4´,17´ Die Tafel ist nur fragmentarisch erhalten. Die fragliche Partei, deren Personenname weggebrochen ist, agiert wahrscheinlich als Verkäufer bei einem Grundstückskauf; die Gegenpartei stammt aus der Familie mLÚ-d[…].26 In beiden Fällen wird der Name mit DUMU bzw. A an das vorherige, nicht erhaltene Glied der Filiation angebunden. Somit handelt es sich jeweils um das zweite oder vielleicht dritte Glied der Namenskette, jedenfalls nicht um den eigentlichen Personennamen. Eine Angabe der Abstammung nach der Mutter bei Käufer oder Verkäufer im operativen Teil einer Grundstückstransaktion ist absolut unüblich, daher dürfte f A / DUMU Qaq-qa-da-… hier wohl als Familienname gebraucht sein. Sollte dies aber nicht zutreffen, spräche unsere Urkunde auch nicht gegen Qaqqad¿n∞tu als Metronymikon, im Gegenteil: Wir hätten dann wohl vielmehr die Vorstufe der Familiennamenbildung vor uns, nämlich eine Angabe der Abstammung nach der Mutter (statt nach dem Vater) in einem Rechtsdokument. Das Datum ist nicht erhalten. Das äußere Erscheinungsbild der Tafel und die ausgedehnten Fluchformeln, die den Vertragstext beschließen, deuten auf die Zeit vor dem 6. Jh. v. Chr.27 Dazu paßt eine weitere Besonderheit: Der Kaufpreis wird in Metallen (kein Silber) und Naturalien angegeben und zum Schluß in ein Äquivalent (eine Gewichtsangabe, sicher ein Metall) umgerechnet. Parallelen dazu sind aus dem ausgehenden 2. und frühen 1. Jahrtausend 24. Man vergleiche ina al∞ka qaqqad¿num att¿ … „in deiner Stadt bist du ein wichtiger Mann …“ in einem altbabylonischen Brief (AbB 13 18:24, in den Wörterbüchern zitiert). 25. Die Belege sind in AHw und CAD s.v. qaqqad¿nu bzw. qaqqad¿nû fem. gebucht. 26. Als Ergänzung kommt das gut bezeugte Amēl-Ea in Betracht, aber andere theophore Elemente sind nicht auszuschließen. 27. Bis zum 7. Jh. konnten sie ähnlich opulent formuliert sein wie im vorliegenden Fall, vgl. D. Owen und K. Watanabe, OrAn 22, S. 38f. und 42f. In ihrer Ausführlichkeit erinnern sie an die Kudurrus. Ab dem 6. Jh. kommen Fluchformeln bei Grundstückskäufen nur noch selten vor, waren allerdings weiterhin bei Vermögensübertragungen, Adoptionen, Eheurkunden etc. gebräuchlich. 464 METRONYMIKA IN BABYLONIEN bekannt.28 Demnach dürfte dieser Beleg ein sehr frühes Zeugnis für den metronymischen Gebrauch des Namens Qaqqad¿n∞tu darstellen. Belege als Familienname mit männlichem Determinativ (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): • Silim-Bēl, Sohn des Nabû-a≠≠ē-iddin, Familie Qaqqad¿n∞tu Eigentümer eines verpfändeten Sklaven, zwei Urkunden, dieselbe Angelegenheit betreffend: Nbn 700:4, 13; Nbn 722:12 (Ša≠r∞nu bzw. Ålu-ša-Nabû, jeweils Jahr 13 Nbn = 543 v. Chr.), zudem in Nbk 231:14 als Zeuge (Ša≠r∞nu, Jahr 30 Nebukadnezar = 575 v. Chr.) Nergal-ušallim, Sohn des Nabû-n¿§ir, Familie Qaqqad¿n∞tu Verkäufer und Nachbar eines Feldgrundstückes: Nbn 293:5, Rs 6´, 10´ (Babylon, Jahr 8 Nabonid = 548 v. Chr.); Nachbar eines verpfändeten Hauses: BM 48545:6 (Babylon, Jahr 5 Cyrus = 534 v. Chr.); Nachbar eines verpfändeten Hauses: Camb 306:5 (Babylon, Jahr 6 Cambyses = 524 v. Chr.); sein Sohn (Name weggebrochen) kommt vielleicht in BV 108:629 vor (Babylon, Jahr 26 Darius = 496 v. Chr.) Mušallim-Marduk, Sohn des Gula-bal¿ssu-iqbi, Familie Qaqqad¿n∞tu Zeuge in BM 31470 (Quittung [Neriglissar beteiligt], Babylon, Regierungszeit des AmēlMarduk, 561–560 v. Chr.); Zeuge in Nbn 293:17 (Babylon, Jahr 8 Nabonid = 548 v. Chr.) Šellibi, Sohn des Mušallim-Marduk, Familie Qaqqad¿n∞tu (vielleicht der Sohn des Vorigen) Zeuge in Dar 554 (Mietquittung, Jahr 22? Darius = 500 v. Chr.) Bēl-iq∞ša, Sohn des Marduk-zēra-ibni, Familie Qaqqad¿n∞tu Nachbar eines verkauften Grundstücks: CM 20 111:7´f. (Grundstückskauf, [Babylon], etwa Jahr 9 Nabonid, ca. 547 v. Chr.) Mur¿šû, Sohn des Bēl-iq∞ša, Familie Qaqqad¿n∞tu (vielleicht der Sohn des Vorigen) Zeuge (m¿r banû) bei einer rechtswirksamen Aussage wegen Dienstpflichtverletzung:30 VS 6 247:12 (<Babylon>, ohne Jahresangabe) Bēl-ušēzib, Sohn des Ardija, Familie Qaqqad¿nitu erscheint mehrfach im Napp¿≠u-Archiv von Babylon, zwischen 20 und 29 Darius (502–491 v. Chr.), u.a. als Gläubiger hoher Silberbeträge sowie als Zeuge. Die Belege sind bei H.D. Baker, AfO Beiheft 30, im Index S. 323 zu finden. Bēl-šum-uk∞n, Sohn des Aplaja, Familie Qaqqad¿n∞tu Schuldner von Gerste: Nbn 34:4 (Ša≠r∞nu, Jahr 1 Nabonids, 555 v. Chr.) sowie weitere Belege für Angehörige der Familie Qaqqad¿n∞tu als Zeugen von Urkunden31 • • • • • • • • Diese Belege zeigen, daß der Name Qaqqad¿n∞tu hauptsächlich in Babylon und Umgebung als Familienname vorkommt, aus Uruk oder Sippar ist er bislang ebensowenig bezeugt wie Maqartu. Alle Belege aus neubabylonischer Zeit weisen das männliche Determinativ auf, was––in Verbindung mit dem einen frühen, weiblich determinierten Beleg––für ein gewisses Alter dieses Familiennamens sprechen könnte. Dazu paßt es auch, unter den Familienangehörigen solche mit Vermögen und Grundbesitz zu finden. 28. Dazu J.A. Brinkman, Fs. Reiner, S. 33–36. 29. Ediert bei H.D. Baker, AfO Beiheft 30, Nr. 62. 30. Neuedition bei H.D. Baker, AfO Beiheft 30 Nr. 46; in Z. 6 lies i-mur*-ru (statt i-Ãi-ru), kollationiert. 31. Siehe K. Tallqvist, Namenbuch s.v. 465 CORNELIA WUNSCH 3. Arrabtu Auch in arrabtu „Haselmaus“32 könnte ein metronymischer Familienname vorliegen, wenngleich eine Variante mit weiblichem Determinativ m.W. bislang nicht belegt ist. Auch in seiner maskulinen Form arrabu ist der Name gebräuchlich, und zwar sowohl als Personen- als auch Familienname. Demgegenüber erscheint arrabtu als Personenname relativ selten und ist interessanterweise nicht nur für Frauen,33 sondern auch einmal für einen Mann34 belegt. Wenn dies kein Schreiberfehler (-tu4 statt -bu) ist, dann könnte dieser Beleg Zweifel an der metronymischen Herkunft dieses Familiennamens wecken, weil man annehmen müßte, arrabtu könne auch als männlicher Personenname gedient haben––zumal eine Schreibung mit weiblichem Determinativ als Familienname bislang fehlt. Im Gegensatz zu den beiden vorigen Namen kommt Arrabtu außerdem auch mit LÚ determiniert vor.35 Somit kommt der Name Arrabtu als drittes Metronym in Frage, kann aber bislang nicht mit letzter Sicherheit als solches gebucht werden. Träger dieses Familiennamens sind aus Babylon, Borsippa und Uruk bekannt, wo man sie aber bislang nicht in den vermögenden und vornehmen Kreisen findet. 4. Zak∞tu Zakūtu bzw. Zak∞tu scheint als weiblicher Personenname zu existieren.36 Meist dient zak∞tu aber als Bezeichnung einer bestimmten Kategorie von Frauen, und zwar Tempelabhängigen (Oblaten, širku) und wird zusätzlich zu deren Namen bzw. adjektivisch verwendet. Söhne von Frauen, die in diese Kategorie fallen, werden nach der Mutter identifiziert. Im folgenden Beispiel ist dies offensichtlich: PN A-šú šá fPN f za-ki-ti (YOS 137:8, 186:2, 4) heißt „So-und-so, Sohn der So-und-so, (der Sohn) einer zak∞tu“. Weniger eindeutig ist allerdings eine Form wie PN A fza-ki-ti, was zur Buchung eines solchen Beleges als einziges Beispiel für einen metronymischen Familiennamen im AHw geführt hat.37 Hier sind jedoch Bedenken hinsichtlich Vorkommen und Gebrauch anzumelden: Zwar handelt es sich eindeutig um eine Abstammungsangabe nach der Mutter, diese wird jedoch––auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht––niemals wie ein Familienname verwendet. Vielmehr steht sie als Ersatz für den Vatersnamen bei Tempelabhängigen, wenn der Vater nicht bekannt ist. Wiederum seien die einschlägigen Belege zunächst dargestellt und erläutert: • UCP 9/2 S. 95 Nr. 29:25 [eine Liste von Personen, die Arbeit (dullu) im Auftrag des Eanna verrichten, aus dem Akzessionsjahr Amēl-Marduks, 561 v. Chr.] Es handelt sich um mehrere Gruppen zu je zehn Arbeitern (lúERÍNmeš), deren Name in der Form PN A-šú šá PN2 angegeben ist und die jeweils einem Vormann unterstehen. Das uns interessierende Individuum (in der dritten Gruppe) ist als einziges anders bezeichnet, nämlich als f f A za-ki-ti. Hier vertritt also m¿r zak∞ti den Vatersnamen. 32. Vgl. CAD A/2, S. 303 s.v. arrabu e und die Belege bei K. Tallqvist, Namenbuch s.v., dazu auch már-rab-tu4 in BM 38419:25´, már-rab-ti in OIP 122 36:6. 33. BBSt. Nr. 27: 5 aus frühneubabylonischer Zeit, zitiert in CAD. 34. Dar 194: 34 (als Vatersname mit männlichem Determinativ in einer Zeugenliste). Es handelt sich definitiv nicht um den Familiennamen dieser Person. 35. BM 74589:13 (Hinweis von C. Waerzeggers). 36. In CAD Z S. 24 s.v. zakû 2b 2´ gebucht, allerdings nur aB und nAss Belege. Ein eindeutiger nB Beleg für Zak∞tu als Personenname steht noch aus (in CAD Z, S. 25 bei zakû adj. 5b 2´ nicht als PN gebucht, auch wenn AHw S. 1505 s.v. zak∞tu „(PNF)“ angibt). 37. AHw S. 1505, s.v. zak∞tu „als FamN“. 466 METRONYMIKA IN BABYLONIEN • • • • YOS 19 115 [eine Liste von Tempelpersonal, das zur Bewachung von Eanna abgestellt ist] Es werden insgesamt sieben Personen als PN A fza-ki-tú aufgeführt, darunter zwei Weber und vier Grobschmiede. Die anderen Personen erscheinen in der Liste als PN A-šú šá VN A AN bzw. PN A-šú šá VN, also mit üblicher Filiationsangabe, entweder mit oder ohne Familienname. AUWE 5 127:4 PN A fza-ki-t[u4] BIN 1 161:7 PN A fza-ki-ti. In beiden Fällen gibt der Kontext keinen Hinweis, daß m¿r fzak∞ti als Familienname aufzufassen wäre. Es sei des weiteren darauf verwiesen, daß ein Beleg in der Form PN A-šú šá PN2 A fza-ki-ti, wobei m¿r fzak∞ti das dritte Glied der Kette bildete und damit in der Position eines echten Familiennamens stünde, bislang fehlt––und das wohl aus gutem Grund, wie wir gleich sehen werden. Alle Belege für Zak∞tu stammen aus dem Tempelbereich. Zak∞tu leitet sich von zakû ab, einem Verb in der Bedeutung „(be)frei(t) sein“. Dieses Verb im G- oder D-Stamm dient als terminus technicus, wenn es gilt, die Freilassung eines Sklaven aus privatem Besitz und die Überlassung desselben an einen Tempel zu beurkunden. „Befreit“ ist der Sklave dann hinsichtlich der Ansprüche seines vorigen Besitzers, nicht gegenüber dem Tempel, dem er zukünftig dienen soll. Derartige Weihungen kamen des öfteren vor und waren dem Tempel angesichts des allgegenwärtigen Personalmangels sehr willkommen. Allerdings erfolgten sie in der Regel unter der Bedingung, daß der betreffende Sklave bzw. die betreffende Sklavin zunächst noch Herrn und Herrin bis zu deren Tode dienen sollte.38 Da sich dann auch die Sklaven bereits im vorgerückten Alter befinden konnten, also möglicherweise nur noch begrenzt arbeitsfähig und für den Tempel eher eine Bürde als ein Gewinn waren, wurden meist auch deren schon geborene oder noch zu erwartende Kinder in die Weihung einbezogen. Das unfreie Tempelpersonal (širku) trug im Gegensatz zu den Pfründnern, die als m¿r banê zur städtischen Oberschicht gehörten, keine Familiennamen. Für die Belange der Tempelverwaltung war es ausreichend, die Individuen mit ihrem Personen- und Vatersnamen zu erfassen, ihre Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen oder Arbeitsteams tat ein übriges. Aus diesem System fiel ein m¿r fzak∞ti heraus, wenn seine Mutter zum Zeitpunkt seiner Geburt weder mit einem Tempelangehörigen noch mit einem anderen Sklaven verheiratet war, es also keinen offiziellen Vater gab. Zu dieser Kategorie würden auch Kinder gehören, die eine dem Tempel geweihte, aber noch im Hause ihres Eigentümers dienende Sklavin inzwischen geboren hatte. Da Tempeloblaten in der Regel mit Personen gleichen Standes Familien gründeten, würden in der nächsten Generation die Kinder eines m¿r fzak∞ti ganz normal nach ihrem Vater benannt werden. Dies erklärt, warum sich Zak∞tu nicht als drittes Element der Namenskette findet: Es handelt sich nicht um einen erblichen Namen. Aus dem Gesagten wird deutlich, daß der Name Zak∞tu, wenngleich der Form nach durchaus passend, aufgrund seiner Herkunft und Verwendung als metronymischer Familienname wohl nicht in Betracht kommt. Zusammenfassung Bislang können zwei babylonische Familiennamen (Maqartu und Qaqqad¿n∞tu) sicher als metronymisch, d.h. auf eine namenstiftende Ahnfrau zurückgehend, angesehen werden, ein dritter (Arrabtu) möglicherweise auch. Zak∞tu ist als Familienname zu streichen. 38. Z.B. OIP 122 2. 38; TCL 12 36; YOS 7 17; BE 8 106. 467 CORNELIA WUNSCH Metronymische Familiennamen sind rar in Babylonien, auch wenn diese Aussage derzeit nicht quantifiziert werden kann. Überdies war man nach gewisser Zeit bestrebt, sie als Metronymikon unkenntlich zu machen, indem man sie mit einem männlichen statt des weiblichen Determinativs versah. Interessanterweise drücken aber gerade die beiden Namen Maqartu und Qaqqaq¿n∞tu Achtung und Wertschätzung gegenüber einer Frau aus oder nehmen auf ihre angesehene Stellung Bezug. Damit geben sie einen Hinweis auf ihre Entstehung: Wie in Europa muß es auch im ebenso patriarchalisch geprägten Babylonien Fälle gegeben haben, in denen Vermögen, Prestige, Bedeutung oder generelle Wertschätzung einer Frau die ihres Ehemannes oder Schwiegervaters in den Schatten stellten und sie so zur „Stammherrin“ machten. Abstract Metronymic ancestoral names (i.e. deriving from a woman) are extremely rare in Babylonia. The earliest example, Qaqqad¿n∞tu, can be traced to pre-Neo-Babylonian times, Maqartu is attested since Nebuchadnezzar. In both cases, early ocurrences show the usage of a feminin determinative (a clear sign for their metronymic origin) which is––obviously deliberately––replaced by the male indicator in later texts. The name Arrabtu may represent a third metronymic, though as of now it is not attested with the female sign. It further has been suggested that Zak∞tu represents a (metronymic) family name. In view of meaning and usage of the term it has to be discarded from our study. The term m¿r fzak∞ti serves to indicate a temple oblate (širku) who is the son of an originally privately-owned slave woman, whom her master freed (zakû G or D) for the service in the temple. If the father of her child is not known (or does not want to be known), this child is called a m¿r zak∞ti by default. The meaning of both Qaqqad¿n∞tu and Maqartu indicate respect and appreciation for the women concerned, and therefore do not hint at cases of illegitimate birth or single mothers. Our rare cases of metronymics rather point at a phenomenon known from European history: Despite of the patriarchical structure of society there were cases where women exceeded their husbands or in-laws in wealth, importance and prestige. This may be reflected in the names of their descendants. 468 METRONYMIKA IN BABYLONIEN Bibliographie Metronymika. Frauennamen des Mittelalters als Familiennamen. Ein soziologisches Phänomen. Hamburg 1976 [12 S.]. Brinkman, J.A. „A Legal Text from the Reign of Er∞ba-Marduk (c. 775 B.C.)“, in H. Behrens et al. (Hrsg.), DUMU-E2-DUB-BA-A (Festschrift Sjöberg), Philadelphia 1989, S. 37–47. ––– „Twenty Minas of Copper“ in F. Rochberg-Halton, (Hrsg.), Language, Literature, and History: Philological and Historical Studies Presented to Erica Reiner (American Oriental Studies 67), New Haven 1987, S. 33–36. ––– und S. Dalley „A Royal Kudurru from the Reign of Aššur-n¿din-šumi“, Zeitschrift für Assyriologie 78 (1988), S. 76–98. Finkel, I. „The Lament of Nabû-šuma-ukîn“, in J. Renger (Hrsg.), Babylon: Focus mesopotamischer Geschichte, Wiege früher Gelehrsamkeit, Mythos in der Moderne; 2. Internationales Colloquium der Deutschen Orient-Gesellschaft 24.-26. März 1998 in Berlin (Colloquien der Deutschen Orient-Gesellschaft 2), Saarbrücken 1999, S. 323342. Joannès, F. Archives de Borsippa. La famille Ea-ilûta-bâni. 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Für die Siglen von assyriologischen Textpublikationen in Keilschriftkopie Abkürzungsverzeichnisse von CAD, AHw und Archiv für Orientforschung. siehe die Bahlow, Hans 469 NACHTRAG Nachdem dieser Artikel in den Druck gegangen war, haben mir mehrere Kollegen wichtige Hinweise zukommen lassen, für die ich sehr dankbar bin und die an dieser Stelle mitgeteilt werden sollen. 1. Auf einen weiteren metronymischen Familiennamen aus Borsippa hat mich Ran Zadok aufmerksam gemacht: ˘™±AG-URÙ-·ú / ˘™±AG-NUMUN-SUM?-na // ˘bal-ta-ni-tu4 in BM 28917 (Borsippa, 11 Dar, ∞addinnu-Archiv). Damit sind es nun vier, und weitere sind sicher noch zu erwarten. 2. Für den Namen Arrabtu hat mich John Nielsen darauf hingewiesen, daß er als zweites und letztes Namenelement in Kudurrus auch mit Feminindeterminativ belegt ist. Somit gibt es keinen Zweifel, daß ein echtes Metronymikon vorliegt. Dieser Name wird von John Nielsen ausführlich behandelt werden. 3. Bei Abfassung dieses Artikels war mir die Festschrift Leichty noch nicht zugänglich. Dort hat sich John A. Brinkman zu den aus Berufsnamen hergeleiteten Familiennamen ausführlich geäußert (hier bei Anm. 3 hinzuzufügen). 4. Als weitere Überraschung kam die Erkenntnis, wieder einmal ein gerade „heißes“ Eisen angefaßt zu haben: J.A. Brinkman hat eine Studie zu Metronymika in der vorneubabylonischen Zeit im Druck, die meinen Beobachtungen eine viel tiefere zeitliche Perspektive gibt.
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